Augen
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Braune Augen - © PIXELIO - honey91 Leben 282 – Donnerstag, 24.07.08 Wenn’s schmerzt und weht am Fuß, Wenn gut mal essen Du wohl willst, Wes Blick könnte je treuer sein, Blicke, Wimpern, Falten, Lider, |
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Braune Augen - © PIXELIO - honey91 Leben 282 – Donnerstag, 24.07.08 Wenn’s schmerzt und weht am Fuß, Wenn gut mal essen Du wohl willst, Wes Blick könnte je treuer sein, Blicke, Wimpern, Falten, Lider, |
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Leben 281 – Donnerstag, 24.07.08 Ich mag Katie Melua. Ihre Musik spricht mich an, ihre Stimme hat etwas Bezauberndes (für mich). So freue ich mich immer wieder, wenn es etwas neues zu hören gibt von ihr. So auch jüngst. Unter der Dusche. Das Badezimmerradio lief. (NICHT MIT MEINEM SENDER, EGAL.) Au ja, denke ich so bei mir. Bärenstark dieser Song. *Schauereiskaltüberdenrückenlaufend* So weit, so gut. Wenn ich nachhausekommenderweise einen Blick auf den von der Jugend genutzten Fernseher richte und dieser gerade Bildradio sein darf, sprich MTV oder VIVA ihre Clips abspulen, dann lerne ich innerhalb von vier Wochen bisweilen schon, dass diese oder jene Interpretin nun wirklich Rihanna ist mit ihrem Lied Umbrella. Egal, heute war nicht die Analog-Glotze angesagt, heute sitzt die Jugendredaktion am PC und fragt mich, selber nicht unbedingt katiemeluamögend, aber um meine Vorliebe wissend, fragt mich also – wobei ich das Augenzwinkern nicht bemerke, aber es war vielleicht auch nicht da, fragt mich also, ob ich DAS HIER denn schon kenne. Clickt auf Youtube. Und dann höre ich diesen Song wieder, zum zweiten Mal jetzt also. Woher weiß die Jugendredaktion, dass ICH dieses Lied super finde? Findet DIE GANZE WELT denn diesen neuen Ohrwurm gut? Und dann die Überraschung. Nix Katie Melua. Eine (für mich) unbekannte Künstlerin, wahrscheinlich noch nicht im Führerscheinalter, aber das spielt hier auch gar keine Rolle und soll deswegen auch nicht geschrieben sein, nur gelesen, so jetzt komme ich aber zum Ende, die Dame heißt Gabriella Cilmi und ihr Wahnsinnslied „Sweet about me“. Nicht des Sehens wegen (glaubt mir keiner, ist aber so). Des Hörens wegen. Der Stimme wegen. Eintagsfliege? Hoffe ich mal nicht.
© Ulf Runge, 2008 |
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Leben 280 – Mittwoch, 23.07.08 Es ist nicht immer fein, vertrauliche Dinge auszuplaudern. Hier soll auch nicht geplaudert werden, ausnahmsweise. Nur gezeigt. Aus wohlunterrichteten, dem Verkehrsministerium angeblich nahe stehenden Kreisen wurden uns folgende drei Verkehrsschilderentwürfe zugespielt, die wesentlich von Gaba’s (ja, das ist ein Deppenapostroph, aber ich finde es so lesbarer) Vorschlag bezüglich Herzen und Smileys beeinflusst sein sollen: Alle 50 Meter soll zukünftig das Smiley-Schild aufgestellt werden. Es soll ohne Unterlass dazu ermahnen, gut drauf zu sein. Jedes eingesparte Verkehrsschild (wir berichten jüngst darüber) soll ersetzt werden durch ein Herz-Schild, um auszudrücken, dass wir uns „herzen statt hetzen“ sollen. „Herzen statt hetzen“ ist auch der Arbeitstitel der nächsten Plakataktion auf Autobahnen heißen. Außer der naheliegenden Aufforderung, mal wieder zum Blutspenden zu gehen, sollen auch Fotos von Stauopfern zur Ansicht gebracht werden, die die unsägliche Wartezeit damit genießen, alle Stauteilnehmer zu umarmen. Elisabeth berichtete jüngst über die „Hugs for free“ Initiative. Und wenn wirklich mal eine Autobahngaststätte kommt, dann ist zusätzlich zum Smiley jene besagte Pommes abgebildet statt Gabel und Messer.
© Ulf Runge, 2008 |
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Leben 279 – Montag, 21.07.08 Dieser Blog ist kein politischer Blog. Doch bisweilen kann man sich gar nicht verkneifen, auf Themen einzugehen, die den hohen Sachverstand z.B. von Ministern ausdrücken. Viele Verkehrsschilder sollen abgeschafft werden. Eine Übersicht findet sich etwa hier: mdr-Nachrichten; und das ist die Liste. Endlich reagieren unsere Verantwortlichen auf Klimaentwicklung und die Weiterentwicklung von Essgewohnheiten. So soll das Verkehrsschild Autobahngasthaus, das Messer und Gabel zeigt, entfallen. Weg damit, jawohl! Wer weiß denn noch, wie man diese Werkzeuge benutzt? Zukünftig sollen statt dessen eine Pommes und eine Hand zu sehen sein. Oder der „Bahnübergang mit Schranken“, auf dem ein Schrebergartenzaun zu sehen ist. Durch die Demontage dieser Schilder soll zukünftig das gemeingefährliche Dauerparken vor geschlossenen Bahnübergangen vermieden werden. Vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeiten und empfohlene Richtgeschwindigkeiten soll es auch nicht mehr geben, da alle sowieso mindestens 10% schneller fahren als erlaubt. Bis auf Radfahrer und Bobby-Car-Besitzer. Besonders bei letzteren kam es immer wieder zu schweren Unfällen, wenn kindergartenalte Verkehrsteilnehmer mit hochrotem Kopf versuchten, bergab die Mindestgeschwindkeit zu erreichen. Das Verkehrsschild Fußgängerunterführung, das einen die Treppe herablaufenden Fußgänger zeigt, hat jetzt ausgedient. Die Zusammenrottungen desorientierter Menschen, die vergeblich in den Unterführungen nach einem entsprechenden Gehe-nach-oben-Schild gesucht haben und oftmals nach Monaten total entkräftet aufgefunden wurden, sollen damit nachhaltig vermieden werden. Das Einbahnstraßenschild, auf dem ein Pfeil nach oben (!) zu sehen ist, wird ebenfalls aus dem Verkehr gezogen. Nach schweren Zusammenstößen mit dem Luftverkehr soll es nun nicht mehr zu Ausweichmanövern des Straßenverkehrs in luftige Gefilde kommen können. Das Verkehrsschild Split erhält eine Überarbeitung. Das bisher von vorne zu sehende Auto, das den Schotter zur Seite spritzt, wird ersetzt durch einen seitlich abgebildeten Wagen, der die Steine nach hinten aufwirbelt. Damit sollen Überraschungen der Art „Ich dachte, der könnte nur seitlich spritzen!“ vermieden werden. Das Verkehrsschild Steinschlag, auf dem herabfallende Felsbrocken zu sehen sind, wird ebenfalls abgeschafft. Die Autofahrer hätten immer nach oben geguckt, und dabei die Steine auf der Straße übersehen, so lautet die Begründung. Für die Steine auf der Straße gibt es noch keinen Entwurf für ein Ersatzkennzeichen, vor den herabfallenden Felsbrocken soll zukünftig ein Auto mit verbeultem Dach warnen. Mit dem Wegfall von „Schnee- oder Eisglätte“, sprich dem Verzicht auf die Schneeflocke, soll dem Klimawechsel Rechnung getragen werden. Statt dessen soll eine Taucherbrille dazu auffordern, bei Überflutungen die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Das Schild Ufer soll ebenfalls wegfallen. Es zeigt ein Auto, das vom Hafenrand ins Wasser fällt. Im Zeitalter der Navigationssysteme ist so ein Unglück ja unwahrscheinlich. Allerdings nicht ausgeschlossen, wie folgende Geschichte zeigt, für die ich leider nur eine Radionachricht als Beleg habe, ohne eine Quelle im Internet hierfür angeben zu können. EinE AutofahrerIn – das Geschlecht ist hier unerheblich – war in der Nähe eines Flusses unterwegs und wollte zum Uferparkplatz. Als der Navigator empfahl, rechts abzubiegen, folgte ersie der Aufforderung. Und bog damit 300 Meter zu früh ab. Will sagen, fuhr statt der Straße die Treppe hinunter. Ersie hat das Manöver wohl überlebt, dass das Auto fremde Hilfe zur Weiterfahrt benötigte, ist wahrscheinlich. © Ulf Runge, 2008 |
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Leben 278 – Samstag, 19.07.08 Landeskriminalamt steht auf dem erwarteten Briefumschlag, den ich ungeduldig mit dem rechten Zeigefinger stümperhaft aufschlitze. „Toxikologisches Gutachten“ steht im Betreff des im besten Amtsdeutsch gehaltenen Schreiben. Ich wurstle mich durch etliche Textbausteine hindurch, bis ich endlich erfahre, dass es blinder Alarm war. Keine Kontaminierung. Was war passiert? Ich hatte bereits das Tierfutter im Einkaufswagen gehabt, als ich auf Idee kam zu fragen, ob man hier auch Sand kaufen könne. Dann hätte ich mir den Baumarkt sparen können. Ich schaue mich also um, und sehe einen Mitarbeiter dieses Marktes auf mich zukommen. Ob er helfen könne? Ob sie Sand hätten. Ja, da hinten im Außenbereich. Freude ist in seinem Gesicht zu erkennen. Er lächelt mich an, gibt mir das Gefühl, als wenn er sich Zeit für mich nehmen wolle. Und das obwohl es schwül ist, obwohl er abgekämpft aussieht an diesem Samstag Nachmittag. Er begleitet noch mich einige Schritte, streckt seinen Arm aus, weist mir die Richtung, „direkt am Zaun“ höre ich noch. Bedanke mich höflich. Gehe zum vermeintlichen Ort, an dem es Sand geben soll. Ich sehe, wie ich von dem netten Herrn im Auge behalten werde, winke ihm zu, da ich nun glaube, vor den Sandsäcken zu stehen. Dem ist nun aber nicht wirklich so, und nach wenigen Sekunden steht der nette Mensch wieder bei mir. Zeigt mir die richtige Stelle. Da liegen noch Säcke, beide allerdings beschädigt. Wieviel ich denn brauchen würde? „Genau zwei“, erfährt er von mir. Ob er sich meinen Einkaufswagen nehmen dürfe, er werde sofort zwei unbeschädigte Säcke besorgen. Nach fünf Minuten liegen dann zwei unversehrte Säcke im Wägelchen. Soviel Freundlichkeit! Glückselig fahre ich heim. Noch während ich im Auto sitze, hinterfrage ich, was ich da soeben erlebt habe. Hatte ich da nicht erst in der vergangenen Woche etwas über kontaminierten Sand gelesen, vor dessen Kauf dringend gewarnt wird? Erklärt das die überschäumende Freundlichkeit des Verkäufers? Oder war er einfach nur penetrant, wollte das giftige Zeugs an mich loswerden? Der Verdacht stand im Raum, unter großen Sicherheitsvorkehrungen entnahm ich an sechs verschiedenen Stellen der Sandsäcke Proben, die ich umgehend der Polizei zukommen ließ. Jetzt also dieser Bescheid vom LKA. Alles nur heiße Luft. Mein eigenes Hirngespinst. Aber muss man denn bei soviel Freundlichkeit nicht nachdenklich werden? Jemand, der abgekämpft und müde bei schwüler Luft zuvorkommend lächelt und aufmerksam ist, der dafür sorgt, dass der Kunde zufrieden nach Hause geht? Da muss doch was faul sein, oder? © Ulf Runge, 2008 |
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Leben 277 – Freitag, 18.07.08 Oftmals bleibt für normale Menschen (was ist das?) verschlossen, wofür denn so an den Universitäten das Geld verwendet wird (vorurteilsweise wird hier auch vom Geldrausschmeißen gesprochen). Da es Anfang Juli in Deutschland, zumindest dort wo Martina wohnt, ein bisschen geregnet haben muss, möchte ich mich an dieser Stelle zurückerinnern, dass ich vor vielen Jahren in der ZEIT einen bemerkenswerten Artikel gelesen habe. DIE ZEIT habe ich heute noch im Abo, finde leider fast keine Zeit, sie zu lesen, geschweige denn ihr anspruchsvolles Rätsel zu raten, aber das Abo bleibt, weil DIE ZEIT eine Kultur- und Politik-Veranstaltung ist, um die wir Deutschen uns selber beneiden sollten. Zum Thema: In besagtem Artikel war die Rede davon, dass an einer englischen Uni auf der Suche nach einem Diplomarbeitsthema die Fragestellung geboren wurde zu untersuchen, wann man denn nun – bei gleichlanger Strecke - mehr nass werden würde: Langsam durch den Regen gehend oder schnell laufend. Endlich mal ein akademisches Thema mit Praxis-Relevanz! Als Messwerkzeug wurde ein Hut mit breiter Krempe zum Auffangen des Regenwasser gewählt. Mehrere Probanden mussten nun in verschiedenen Geschwindigkeiten den Parcours absolvieren. Anschließend wurde das vom Hut aufgefangene Wasser gemessen. Die Diplomarbeit kam auch zu einem Ergebnis, definitiv war schnelles Gehen weniger nass machend als langsames. Oder umgekehrt. Ich weiß es leider nicht mehr… © Ulf Runge, 2008 |
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Leben 276 – Freitag, 18.07.08
„Du bist mein Schatz! Mein Herz schlägt nur für Dich!“ Wenn mir das Deine Augen jeden Tag erneut sagen, was kann ich dann Schöneres tun, als Dich liebevoll zu streicheln?
„Mein Tag ist nichts ohne Dich! Schön, dass Du wieder da bist!“ Wenn mir Deine Blicke grenzenlose Liebe verraten, was kann ich dann Schöneres tun, als Dir ebenso liebevoll in die Augen zu schauen?
Was kann ich dann Schöneres tun, als meine Schuhe anzuziehen?
Was kann ich dann Schöneres tun, als mir Dir spazieren zu gehen? © Ulf Runge, 2008 |
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Leben 275 – Donnerstag, 17.07.08 Den Achtzehndreiundreißig wollte ich nehmen heute Abend, doch ich war spät dran, zu spät. Nur noch sechs Minuten Zeit für neun Minuten Weg. Oder rennen und anschließend total schweißtriefend neben angenehm riechenden Menschen sitzen und sich peinlich fühlen. Und mindestens noch weitere fünf Minuten rumhecheln, keines Wortes fähig sein. Ich entscheide mich dafür, dass mir drei Minuten fehlen, dass ich mit dem darauffolgenden Zug fahre, dass ich eine halbe Stunde Aufenthalt haben werde. Ich sitze in Gedanken schon im Außenbereich des Bahnhofsrestaurants, überlege, ob ich mir ein Bierchen genehmige, oder heute noch joggen will, sprich Mineralwasser trinke. 18:36. Ich komme in der Bahnhofsvorhalle an, der 18:33 ist auf der Anzeigetafel schon verschwunden. Einen 18:30 würde ich noch erreichen, aber der bringt mich nicht wirklich nach Hause. Auf dem Weg zum Bier - Oder jogge ich doch noch heute? - sehe ich an „meinem Gleis“ einen Zug stehen, der so aussieht wie „meiner“. Abfahrbereit. Türen zu. Die letzten zwei Menschen auf diesem Bahnsteig rennen gerade zum ersten Waggon, versuchen, eine Automatiktür zu öffnen. Vergeblich. Das ist nun besonders ärgerlich. Nicht nur das Zuspätsein wurmt, sondern auch noch das Zusehenmüssen, wie der Zug gleich wegfährt. Die eine Frau an der Tür drückt nochmal auf den Knopf, und, Wunder über Wunder, die Tür öffnet sich doch noch, auch ich erhalte noch Einlass, ich versichere mich bei anderen Reisenden, dass dies wirklich der Achtzehndreiunddreißig ist und nach weiteren fünf Minuten lässt sich die Lokomotive dann starten, deren störrisches Triebwerk mir meine fehlenden drei Minuten zurückgeschenkt hat. Das war sie die Geschichte. Von heute Abend. Ich verkneife mir jetzt die Fortsetzung, dass die Dame, neben der ich jetzt sitze, eventuell in zwanzig Jahren zu mir sagen wird, „Weißt Du noch, damals, wenn Du den Zug nicht mehr erreicht hättest, wären wir heute auch nicht verheiratet.“ Ich verkneife mir, die Dame anzusprechen. Ihr von meinen abstrusen Gedanken zu berichten, dass ich ja schließlich glücklich verheiratet sei, und außerdem der Altersunterschied! Und man heiratet ja auch nicht, bloß weil man zufälliger als sonst nebeneinander sitzt… Ich stelle mir vor, wie Sie zu mir sagt, dass es einer gewissen Romantik nicht entbehre, wenn man sich später einander erzählen kann, dass alles irgendwie das Ergebnis eines Zufalls war, eines glückshaften Moments. „Ja, das ist der 18:33.“ antwortet sie mir lächelnd auf meine Frage. Und liest weiter in Ihrem Buch. Ich schließe die Augen, träume von schicksalhaften Verspätungen. Träume von Büchern über schicksalhafte Verspätungen. Die in schicksalhaft verspäteten Zügen gelesen werden… © Ulf Runge, 2008 |
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Leben 274 – Donnerstag, 17.07.08 Zum sechsten Mal fahren wir die Straße von Höganäs nach Helsingborg. Zum sechsten Mal werden wir Schweden verlassen. Zum sechsten Mal nähern wir uns dieser Ampel, dieser ganz besonderen Ampel. Diesmal soll es sein. Diesmal muss es sein! Was denn bitte? Erinnern wir uns an das erste Jahr. Wir fahren auf die grüne Ampel zu, sie springt um auf rot, wir halten an, kommen direkt vor ihr zu stehen. Nach sehr kurzer Schaltzeit springt sie wieder um auf grün und wir trauen unseren Augen nicht: Schaut uns tatsächlich ein lächelnder, grüner Smiley an. Fröhlich, nein, lächelnd fahren wir weiter. Erzählen zu Hause darüber. Und gut ist. Vergessen die Sache. Im Folgejahr dann das dejà vu Gefühl: Wir fahren auf die Ampel zu, sie springt gerade auf grün um, und als uns das grüne Gesicht wieder zulächelt, steigert es unsere Laune ein weiteres Mal. So geht es weiter in den Folgejahren. Am Tag vor der Ausreise flachsen wir rum, dass wir morgen wieder amplig angelächelt werden werden (ja: 2x werden…) Und dass wir mal ein Foto schießen sollten. Es kommt nicht zum Foto. Wir vergessen es. Oder wir kommen nicht zum Halt vor der Ampel. Oder es findet sich keine Möglichkeit, in der Nähe anzuhalten. Wir vertagen dieses Thema jedes Mal auf das nächste Jahr. So auch im vergangenen Jahr. 11. Juli 2008. Der Fotoapparat ist gerichtet. Die Speicherkarte hat noch Platz, die Akkus sind geladen. Kein Regen, leichte Bewölkung, ideale Belichtungsverhältnisse. Wir werden ein Foto machen, und wenn wir den ganzen Verkehr aufhalten (nicht wirklich, aber der Vorsatz hierfür war sehr stark…) Wir verlassen Höganäs, biegen auf die A111 ein, nur noch wenige Minuten trennen uns vom ultimativen Smiley-Ampel-Foto, das dann hier in diesem Blog veröffentlicht werden wird. Als Beweismittel, sozusagen. Nach wenigen Minuten ist alles anders als sonst. Ein neuer Kreisverkehr. Wir folgen der Beschilderung und merken nach weniger als 60 Sekunden, dass wir geleimt worden sind. Eine neue Umgehungsstraße, die die geplagten Bürgerinnen und Bürger vor Lärm, Abgas und Unfällen schützen soll, führt uns auf einem neuen Weg nach Helsingborg. Da rechts! Da irgendwo! Da muss diese Ortschaft liegen! Wir fahren, traurig, weiter. Kein ampliges Lächeln wird uns dieses Jahr erheitern. Wir vertagen uns auf nächstes Jahr. Bestimmt! Ganz bestimmt! Während der Weiterfahrt gehen mir noch Gedanken durch den Kopf, ich denke an die „Geschichte mit dem Hammer“: MUSS MAN DENN ALLES FOTOGRAFIEREN? GLAUBT EINEM KEINER MEHR ETWAS HEUTZUTAGE? WEIß DOCH JEDER, WIE EIN SMILEY AUSSIEHT! ALSO, WOZU DIE GANZE AUFREGUNG! Wer bitte ist denn aufgeregt, denke ich zu mir? Da müssen die Blogleserinnen und Blogleser eben noch ein Jahr warten auf dieses … Foto. Epilog: Heutzutage findet man alles im Internet. Such mal nach irgendwas, und Du wirst schon was finden. Meine letzte Hoffnung, eventuell ein Foto dieser Ampel woanders im Netz zu finden, bleibt unerfüllt. Wenn ich bisher nicht wusste, warum es nächstes Jahr wieder nach Schweden gehen muss, jetzt weiß ich es. © Ulf Runge, 2008 |
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Leben 273 – Mittwoch, 16.07.08 Uhps! Was wird das für ein Artikel? Bei dieser Überschrift! Hat er das nötig, auf Clicks zu schielen, die hier sonst nie vorbeikommen würden? Nein, hatter nicht! Aber jeder Click hier ist ein Nichtclick woanders. So wie jede Zigarette, die man selber raucht, verhindert, dass jemand anders sie raucht… Fangen wir mal mit den Alarmstuhlclicks an. „Alarmstuhl“, sollte man meinen, ist ein unverfängliches Wort. Warum nun aber sucht jemand seit Tagen wie wild nach diesem Begriff? Und clickt bei mir rein? Um die Dramatik der Situation zu veranschaulichen: Es handelt sich hier um mehr als 1000 Clicks für den einzigen meiner Artikel, in dem der Begriff „Alarmstuhl“ vorkommt. An einem Tag! Am Folgetag immerhin noch mehr als 300 Clicks. (Es kann sich natürlich um eine lange Nacht gehandelt haben, die bis tief in den Morgen ging.) Erklärung 1: Die Bundeswehr hat neue Rekruten, der Begriff „Alarmstuhl“ fiel während einer Unterweisung, wurde aber nur unzureichend erklärt, so dass eine ganze Kompanie nach Feierabend das nächstbeste Internetcafé gestürmt hat, um endlich bei mir Aufklärung zu finden. Erklärung 2: Jemand gugelt nach „Alarmstuhl“, rutscht mit der Maus zufällig auf den ersten Eintrag auf der zweiten Ergebnisseite (das bin ich…), die leere Bierflasche rollt auf die Entertaste oder die Maus oder was auch immer (wir sind hier ja nicht im Technikforum, oder?) und der PC-Nutzer rutscht von seinem DIN-geprüften Drehstuhl direkt auf seine Schlafmatratze. (Hier stellt sich die Frage, ob Autoren wirklich über so viel Phantasie verfügen, oder ob das meiste dann doch autobiographisch ist.) Alarmstuhl fertig. So, jetzt fehlen noch Fremddrehen und Pseudopopulation. Vorher aber noch ein Zwischenruf. Das Küchenradio steht bei uns auf SWR1/RP. Niemand würde sich wagen (ich glaube eher, dass es einfach Desinteresse ist; Noch! Denke ich mal) den Sender zu verstellen. Wahrscheinlich lässt sich das Rändelrad auch schon nicht mehr so leicht bewegen. Aber das zu testen würde sich niemand wagen (s.o.). Im Badezimmerradio kämpfe ich bisweilen gegen Feindsender wie Radio Regenbogen oder RPR1. Seltenst SWR3. Egal wie. DAS Rändelrad ist übrigens sehr leichtgängig. (Mein Traum: Ein Badezimmerradio mit Stationstasten! Ob es sowas wohl geben mag?) Soweit dieser Zwischenruf. Drehe ich also gestern am hellichten (schreibt man das jetzt mit 3 Ell?) Tag das Autoradio an, um mir nach dem Spielen eines meiner 100.000 Lieblingslieder die Frage zu stellen, ob ich jetzt besser auf einen anderen Sender umstelle, um die Wahrscheinlichkeit des Hörens genau dieses Liedes auf einem anderen Kanal zu erhöhen, oder bleibe ich aus Treue (ja, das gibt es noch) bei meinem Lieblingssender, von dem ich ja nicht mehr berichten muss, dass es sich um SWR1/RP handelt. Bevor ich die Entscheidung treffen kann, eventuell untreu zu werden, ist der Sender sowieso weg. (Können Sender beleidigt sein?) Ich zappe zu FFH, lande dann aber doch wieder beim SWR, diesmal beim Rechtsnachfolger meines Jugendlieblingssenders SWF3, also SWR3. (Ich weiß, heute ist der Artikel nicht so leicht zu lesen. Aber ich komme gleich zur Sache.) Hellichter Tag. Sagte ich schon. „Wie war der Tag, Liebling?“ fragt Kristian Thees seine Kollegin Anke Engelke am anderen Ende der Leitung. Und sie berichtet, was sie heute (also der Beitrag ist eine Wiederholung von gestern abend, weil so früh am Morgen kann man doch noch gar nicht so viel über den ge-WAR-enen Tag berichten) über Pseudopopulation erfahren ist. Glaube ich zumindest, verstanden zu haben. Pseudopopulation. Aha. Sie erzählt total begeistert von sexuellen Täuschungen an Insekten, begangen von niederträchtigen Orchideen, die auch mal bestäubt werden wollen. Irgendwann dämmert mir dann doch der Falschversteher meinerseits, und ich komme während des Imstaustehens nicht aus dem Kringelnvorlachen heraus. Die sich mir nun stellende Frage, ob es das ganze dann auch als Pottkascht gibt, habe ich soeben gelöst. Man clicke hier. Fremddrehen kann Spaß machen. Ganz ohne Reue. Im Radio. © Ulf Runge, 2008 |