Wetterstation

11. November 2009 Ulf Runge Kommentieren
Leben 516 – Mittwoch, 11.11.09

 

20:52. Kurz vor neun Uhr abends. Meine Wetterstation braucht neue Batterien. Ich öffne das Fach auf der Unterseite, entnehme die beiden erschöpften Energiespender vom Typ „AA“ und setze, sorgfältig auf die richtige Polung achtend, zwei neue rein, worauf sofort ein lauter Pieps ertönt.

Alles auf dem Display blinkt, weil die Uhrzeit noch nicht eingestellt ist. Meine Wetterstation ist ein älteres Modell, sie empfängt kein Funksignal, im Gegensatz zum daneben stehenden Funkwecker, dessen Uhrzeit ich nun, ich bin ja ein Mann, völlig bedienungsanleitungsfrei auf der Wetterstation einzustellen gedenke. Drei Tasten und die richtige Reihenfolge ihrer Bedienung werden über meine Gemütslage in den kommenden Minuten maßgeblich entscheiden.

Die erste blinkende Zahl ist „2000“, die Stunde als schon voreingestellt, ich muss jetzt nur noch solange auf die „+“-Taste drücken, bis da 2052 steht. Nach fünfmal Drücken lese ich 2005. Das darf auch ein bisschen schneller gehen, denke ich, ich versuche es mit Dauerdrücken.

Erfolg! Die Anzeige rückt rasant vor auf 2030, auf 2040, danach taste ich mich einzeldrückenderweise an die 2052 heran. 2047. Drück. 2048. Drück. 2049. Drück. 2049! 2049? Drück! Nichts tut sich. Was ist das denn? Das Display der Wetterstation verweigert jede Veränderung.

Für einen kurzen Augenblick vermute ich eine besondere Form von Intelligenz in der Wetterstation, für die ich den Begriff „Wissende Passivität“ präge.

Wissende Passivität, das beschließe ich soeben, ist die Eigenschaft technischer Gebrauchsgüter, einen sinnlosen Zustand nicht zuzulassen. Wissende Passivität ist etwa, wenn die Anzeige am Bahnhof ihren Dienst verweigert, weil sie eine kleine Ewigkeit vor dem Bahnpersonal weiß, dass der anzukündigende Zug heute ausfällt. Wissende Passivität ist etwa, wenn eine Wetterstation nur das Einstellen der richtigen Uhrzeit zulässt.

Ich verwerfe diesen genialen Geistesblitz, denn mein Funkwecker geht richtig, ES IST 20 UHR UND 52 MINUTEN. Und das will ich jetzt auch einstellen!

Ziemlich ratlos drücke ich ein paar Mal auf die Set-Taste, überspringe die weiteren Einstellungsoptionen, Datum und was es da sonst noch so gibt.

Seitdem PCs und Fenstertechnologie Einzug gehalten haben in unseren Alltag, weiß mittlerweile jedes Kind, wie man prinzipiell mit technischen Problemen umzugehen hat: Ausschalten. Einschalten. Tut!

Diesem Paradigma (ich bin stolz, dieses Wort hier verwenden zu dürfen, lach) folgend, entferne ich die neuen Batterien, um sie sofort, von einem aufgekratzen Pieps begleitet, wieder einzusetzen.

Inzwischen ist es 20:55 auf meinem Funkwecker. Die Wetterstation blinkt mich mit einem provozierenden „2000“ an. Woher weiß das Dingens hier, dass es 20 Uhr ist und ich nur noch die Minuten ergänzen muss?

Während ich mich erneut an die 2055 herandrücke, kommt mir der Gedanke, dass die Hersteller von Wetterstationen in flächendeckend angelegten Kundenbefragungen herausgefunden haben, dass 83,5% aller Batteriewechsel zwischen 20 Uhr und 21 Uhr statt finden. Und da ist es ja nur zu logisch, gleich mit 2000 anzufangen.

2048. Drück. 2049. Drück. 2049!!!

Ein böser Verdacht keimt in mir auf. Hinter einer großen Frankfurter Tageszeitung mögen ja schon kluge Köpfe stecken, aber hinter diesen ach so (vermeintlich) überflüssigen Gebrauchsanweisungen stecken wohl noch klügere. Ich nicht. Sonst hätte ich nämlich in der vergangenen Vierteilstunde versucht, die 2000 in eine 2055 abzuändern, sondern hätte es statt dessen mal mit der Jahreszahl 2009 versucht. Und irgendwann nach Tag und Monat das Angebot aufgegriffen, ein „00:00“ Richtung aktuelle Uhrzeit zu bewegen.

Aber mal ehrlich: Wollen wir uns den Spaß technischen Entdeckertums nehmen lassen von spröden, allwissenden Bedienungsanleitungen? Nein, und nochmals nein. In drei Jahren, vermute ich mal, werde ich neue Batterien brauchen. Für die Wetterstation.

© Ulf Runge, 2009

Feier-Abend

10. November 2009 Ulf Runge 2 Kommentare
Leben 515 – Dienstag, 10.11.09

 

Nun behaupte ich ja immer wieder, dass ich (fast) kein Fernsehen gucke. Bundesligafußball etwa ziehe ich mir im Rundfunk rein. Darüber habe ich auch schon mehrfach berichtet.

Dass meine „Lieblingssendung“ der Wolkenfilm in der Tagesschau-Wetterkarte und 12 nach 8 ist, habe ich auch schon zum Besten gegeben.

Nur dass ich gestern Abend früher dran war als notwendig. Ein ganz normaler Arbeitstag lag hinter mir. Und jetzt wollte ich noch etwas zur 20-Jahr-Feier „Mauerfall“ in den Nachrichten mitnehmen. Und bemerke, dass ich mitten rein rutsche in die Feierlichkeiten, die vom ZDF live übertragen werden.

Erinnerungen kommen hoch und mir wird erst jetzt bewusst, als ich die hochrangigen Vertreter der seinerzeitigen „Besatzungsmächte“ reden höre, dass wir heute ein Fest zu feiern haben. Wir haben seit 20 Jahren einen wiedervereinigten Staat, bei dem sicherlich noch vieles besser laufen könnte im Wireinander.

Ich sehe mich auf einmal beim Legospielen im Kinderzimmer, als meine Eltern die Tür aufreißen und mir eröffnen, dass „die“ die Grenze dicht gemacht haben. Um in den folgenden Augusttagen des 61er-Sommers Panzer am Brandenburger Tor auffahren zu sehen. Wo aus einer Stacheldrahtabtrennung nach und nach eine Mauer mit Todesstreifen entstehen wird.

Ich sehe mich im Schullandheim im Bergischen Land, wo wir nach heißen Debatten um die Notstandsgesetze der Großen Koalition und über die Rechtmäßigkeit der ersten Rote Armee Fraktion Anschläge jäh und plötzlich der Hoffnung beraubt wurden, für unsere Generation könne sich zwischen Kapitalismus und Kommunismus ein „Dritter Weg“ eröffnen. Statt dessen Panzer, die das zarte Pflänzchen „Prager Frühling“ brutal überrollten.

Ich sehe mich gegen Ende der Studienzeit, wie ich hin- und herschwanke zwischen einem Befürworten und einem Ablehnen des NATO-Doppelbeschlusses, der in letzter Konsequenz den gemeinsamen Untergang von DDR-Mitteleuropa und BRD-Mitteleuropa bedeutet hätte, wenn da jemand mit schwachen Nerven gezündelt hätte. Ein bewundernswerter Helmut Schmidt, der durchboxte, was er für richtig hielt, egal, wer aus seiner Partei zu ihm stand.

Ich sehe mich ungefähr zur gleichen Zeit die Nachrichten lesen, dass Gießen und Wetzlar zur gemeinsamen Stadt „Lahn“ zusammengeschlossen werden sollen. Was das denn bitte mit dem 9.11 zu tun hat? Nun, es war seinerzeit ein helles Köpfchen, dass sich die Kfz-Kennzeichen der Nachkriegszeit ausgedacht hatte. Die großen Städte bekamen einbuchstabige Abkürzungen, etwa „K“ für „Köln“. Und für die SBZ-DDR-Städte hielt man in angemessener Vielfalt Abkürzungen frei. Für die hoffentlich eines Tages eintretende Wiedervereinigung. Allen Beteuerungen zum Trotz, hier sei es gesagt: 1979 glaubte ein großer Teil der Bevölkerung nicht mehr daran, dass „wir“ wieder zukommen würden, und so wurde das „L“ für Leipzig der künstlichen Stadt „Lahn“ zugeschlagen. Womöglich war das der Grund, warum nicht zusammenblieb, was nicht zusammengehörte.

Ich sehe mich heute noch in dem Hotel, in dem ich mich anlässlich einer Schulung eingefunden hatte, um am Abend in den Nachrichten Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft zu sehen. Der im Botschaftsgarten versammelten Menge von DDR-Flüchtlingen einen unvollständigen Satz zuzurufen: „… um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise …“. Herr Genscher hatte gar nicht die Chance, eine etwaige schlechte Nachricht „dass Ihre Ausreise leider nicht genehmigt worden ist“ loszuwerden. Nach „Ausreise“ kam Jubel. Nach Jubel kam Ausreise.

Und gestern Abend also da treten die Protagonisten von damals auf: Lech Walesa, der Gründer von „Solidarnosc“, Michail Gorbatschow, dessen Politik wir „Glasnost“ (Offenheit) und „Perestroika“ (Umgestaltung) verdanken, Károly Németh, der die Grenzen Ungarns geöffnet hat.

Und es traten Menschen auf, die „dabei“ waren. An den Montagsdemonstrationen teilgenommen hatten. Dafür in den Knast gewandert sind. Und die uns heute sagen: „Du kannst Deine Träume Wirklichkeit werden lassen. Du musst es wollen. Du musst dafür kämpfen.“

Und die uns sagen: „Die Freiheit will immer wieder neu erworben sein.“

Ich sage danke an all die, die was riskiert haben für uns alle.

Ich sage danke an unsere Nachbarn, die uns vertraut haben und vertrauen, dass ein gemeinsames Deutschland friedfertig und integrierend unterwegs ist.

Mir hat die Dominosteinstyroporkunst dieser Feier besonders gut gefallen. Ein Wir-Gefühl, all over the world. Gegen physische Mauern. Gegen soziale Mauern. Gegen Mauern in unseren Köpfen.

Für eine bessere Welt.

© Ulf Runge, 2009

Frankie goes to Ruhestand

8. November 2009 Ulf Runge 7 Kommentare
Leben 514 – Sonntag, 08.11.09

Wahrscheinlich wiederhole ich mich, wenn ich hier erwähne, dass ich als Teenager im schönen Köln am Rhein ganz stolz war, mit meiner Philetta, einem ganz einfachen Nachkriegsröhrenradio, nur mit einer UKW-Wurfantenne bestückt und somit eigentlich nur für WDR-Empfang geeignet, dass ich also wahnsinnig stolz war, in meinem Jugendzimmer in Köln-Nippes den SWF3 aus Baden-Baden zu empfangen.

Ein Sender, bei dem ein gewisser Frank Laufenberg einen Sendeplatz zur besten Hausaufgabenmachzeit mit all dem belegen durfte, worauf wir so sehnsüchtig gewartet hatten: frische Musik aus England und Amerika, Songs, die man sonst nur auf den Soldatensendern AFN (in Köln sowieso nicht auf UKW) und BFBS zu hören bekam, oder mit viel Mittelwellenhintergrundrauschen über den im Ärmelkanal geankerten „Piratensender“ Radio Caroline.

Pop-Shop, das war die Sendung, für die man alles tat, um sie hören. SWF3 Pop-Shop. Mit Frank Laufenberg. Eine sympathische Stimme, ich glaube, ich habe keinen Moderator jemals in meinem Hörerleben mehr „geliebt“ als ebendiesen Frank Laufenberg.

In der Folge habe ich nicht immer in SWF-Land gelebt. In der Folge wurde aus SWF (und dem SDR) der SWR. In der Folge war auch Frank Laufenberg nicht immer bei diesem Sender.

Aus SWF3 wurde „altersbedingt“ SWR1 und so habe ich es die vergangenen Jahre genossen, am Samstag Abend auf SWR1 von 10 bis 12 Frank Laufenberg ganz besonders ausgesuchte Musiktitel von „damals“ spielen zu hören.

Kannst Du Dir vorstellen, dass Du nicht um Jahre alterst, sondern im Gegenteil von einer Minute auf die andere um Jahrzehnte zurückversetzt wirst, wenn Du diese sympatische Stimme hörst, die sich für Dich überhaupt nicht verändert haben will. Wenn Du Lieder hörst, zu denen Du als Pubertierender geträumt hast, bei denen Du einem Mädchen den ersten Kuss gegeben hast, zu denen Du in der Tanzschule mit Deiner Partnerin eng umschlungen den Stehblues getanzt hast.

Ja, und jetzt muss ich mir eingestehen, dass das alles nichts hilft. Weil, der Jungbrunnen Frank Laufenberg, der wird zum Jahresende sein Engagement beim Sender beenden, ob er will, ob er muss, ich weiß es nicht. Ob ich irgendjemandem einen Gefallen tue, wenn ich da nachhake, nachfrage, wenn ich dafür kämpe, dass „das alles“ nicht vorbei sein kann.

Ja, jetzt muss ich mir eingestehen, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Zukünftig auch nicht für zwei samstägliche Stunden zurücklaufen wird.

Der SWR1-RP spielt viel zu gute Musik, als dass es am späten Samstagabend bei mir Totenstille geben würde. Aber eine Träne vergieße ich heute schon. Und wenn er dann zum letzten Mal „Tschüss“ sagen wird, ich glaube, dann werde ich heulen.

Lieber Frank Laufenberg, ich sage „Danke!“ für die schönen Stunden, in denen meine Hausaufgaben schneller fertig wurden, weil Du so gute Musik aufgelegt hast. Ich sage „Danke!“ für die schönen Stunden, in denen ich blogschreibenderweise Deiner Stimme und den von Dir ausgesuchten, ganz besonders ausgesuchten Musiktiteln lauschen durfte!

© Ulf Runge, 2009

Die Beichte

3. November 2009 Ulf Runge 8 Kommentare
Leben 513 – Dienstag, 03.11.09

Er zu ihr: „Schatz, ich habe ein Geheimnis!“

Sie zu ihm: „Ja, ich weiß!“

© Ulf Runge, 2009

Das Selbstgespräch

2. November 2009 Ulf Runge 6 Kommentare
Leben 512 – Montag, 02.11.09

 

Dass ich des nachts am PC sitze, ist für meine Umwelt keine direkte Überraschung. Dass man mich aber dabei überraschen kann, dass ich Selbstgespräche führe, das führt dann doch zur Verwunderung.

Nun, als ich auf mein seltsames Verhalten angesprochen werde, bitte ich um Verständnis, ich würde gleich alles erklären, aber ich müsse mich vorbereiten, „Die“ würden gleich noch mal anrufen, dann aber auf dem Festnetz, da wolle ich gleich dran sein, damit es nicht so lange klingelt und alles im Haus weckt.

Wer denn, bitteschön, „Die“ seien. Ach ja, ich hätte bisher nichts davon gesagt, weil ich es eigentlich für unerheblich gehalten habe. Aber „Die“ würden eine Hitparade spielen, die beliebtesten 1000 Songs im Geschmack der SWR1 Rheinland-Pfalz Hörer.

Und? Warum „Die“ jetzt gleich hier anrufen würden?

„Na, ich gehe auf Sendung!“ Augen, die mir schon immer alles zugetraut haben, blicken mich noch nicht mal überrascht an. Ich spüre eher so ein verständlisvolle „Hätte ich mir ja denken können!“.

Gleich also werden „Die“ anrufen, weil ich vor wenigen Minuten eine E-Mail ins Studio geschickt hatte mit einer liebevollen Hommage auf den Sender, die gute Musik und auf das tolle Moderatorenteam.

Und dann klingelte recht bald mein Handy, ein freundlicher Herr bedeutete mir, ich möge doch noch eine halbe Stunde aufbleiben, die Frau Steinbusch und der Herr Jenschar wollten mich in die Sendung nehmen. Auf dass ich mein Gedicht vortrage.

Schock! Sendung ja, gut! Mit Birgit Steinbusch und Frank Jenschar plaudern, auch gut! Eines meiner Gedichte zum besten geben. Auch gebont. Aber genau DAS GEDICHT, was ich eben ins Studio geschickt hatte? Das hatte ich doch in so ein Formular eingegeben, ohne dass ich darauf jetzt noch Zugriff hätte.

Geistengegenwärtig bedeute ich dem Herrn am anderen Ende der Leitung, der wohl schon fragen wollte, ob ich denn noch da sei, dass ich was anderes vortragen wolle. Etwas Heinz-Erhardt-Artiges.

Pause. Ja, ja, ich spüre schon, wie er mich angstvoll fragen will, wie lang das denn wohl dauere. Um ihm zuvorzukommen, und sage nur „Das geht ganz schnell, das ist ein Fünf-Stropher, quatsch, ein Fünf-Zeiler.“ Er verabschiedet sich beruhigt von mir, maximal 30 Minuten, dann sei ich auf Sendung, meint er noch.

Das ist genau der Augenblick, in dem ich auf mein Selbstgespräch angesprochen werde…

Ich hole auf meinem Laptop das von mir intendierte Gedicht „Wenn es keinen Efeu gäbe“ hervor, das ich seinerzeit als Liebeserklärung an Heinz Erhardt und sein Efeu-Gedicht geschrieben hatte.

Letzten Sonntag wollte ich noch mit abgestimmt haben bei der Hitparade, wobei mir eigentlich egal ist, welche Hits oben landen, die Redaktion und die Hörer dieses Senders haben einfach „meinen“ Geschmack. Und so kam es, wie es kommen musste. Und ich hatte eben nicht mit abgestimmt. Was sicherlich weniger bedeutsam war, als wenn ich nicht zur Bundestagswahl gegangen wäre.

Es klingelt. Frau Steinbusch begrüßt mich aufgeräumt, ich würde was dichten wollen, gibt mich an Herrn Jenschar weiter, den ich auch noch mal intensiv beruhigen muss, dass es nur ein kurzes Gedicht sei, dass ich da zum besten geben wolle.

Und so erlebt mein Ahorn-Fünfzeiler seine Radio-Uraufführung. Und ich ergattere so ganz nebenbei ein paar Eintrittskarten für die SWR1-Hitparaden-Party am kommenden Samstag. Ab Mainz. 19 Uhr. Auf der MS Rheinenergie.

Ich war noch nie auf sowas! Und jetzt darf ich dabei sein! Hurra! Danke. Danke. Danke.

SWR1 RP Hitparade Party Eintrittskarte

SWR1 RP Hitparade Party Eintrittskarte

Fortsetzung folgt… (Ihr wollt doch wissen, was es mit Claudia auf sich hat, die am Telefon bleiben soll. Oder mit Tanja, die ihren Mann als Vortänzer angeboten hat. Oder warum Herr Köhler nachts um drei nicht mehr schlafen konnte…)

P.S. Der kommende Samstag war natürlich vorgestern. Und wer schon mal spinxen möchte, bevor ich hier weiterschreibe: Hier der Link zu allem rund um die SWR1-RP-Hitparade.

© Ulf Runge, 2009

Geheimnis

28. Oktober 2009 Ulf Runge 16 Kommentare
Leben 511 – Mittwoch, 28.10.09

Was ein Geheimnis ist? Als Kind habe ich gelernt, dass ein „richtiges“ Geheimnis etwas ist, das nur einer weiß. Wenn zwei es wissen, dann sei es keines mehr.

Nun, so „päpstlich“ will ich „jetzt“ mal nicht sein.

Heute habe ich ein Geheimnis erfahren. Ich müsse es die nächsten zwei Tage für mich behalten. Dürfe mit niemandem darüber reden. Solle dies sozusagen als besonderen Vertrauensbeweis auffassen. Da sage ich natürlich erst einmal „Danke!“.

Was fange ich jetzt an mit diesem Geheimnis? Es ist glücklicherweise nichts Schlimmes, Sittenwidriges, Trauriges. Ja, was fange ich jetzt mit meinem Wissensvorsprung an? Niemand sieht mir selbigen an…

Also, erst einmal für mich behalten! Sowieso! Natürlich werde ich nichts ausplaudern. Ehrensache!

Bis übermorgen, dann, wenn es „alle“ erfahren. Und dann ist es ja auch kein Geheimnis mehr. Interessiert niemanden mehr so richtig brennend. Weil nicht geheim.

Und jetzt grüble ich darüber, ob ich überhaupt darüber schreiben darf, dass ich ein Geheimnis weiß. Aus diesem Grund werde ich diesen meinen Artikel erst übermorgen veröffentlichen. (Wenn Du dies liest ist übermorgen. Oder noch später. Und dann ist das hier alles gegenstandslos. Weil nicht mehr geheim.)

Wobei, dann stellt sich immer noch die Frage, ob ich „danach“, also wenn es „alle“ wissen, ob ich dann einräumen darf, dass ich es „schon vorher“ gewusst habe. Oder ob selbst das geheim ist?

Weil es vielleicht nicht okay ist, dass andere erfahren, dass man für Stunden zu denen gehört hat, die „es schon gewusst“ haben.

Und dann wird es womöglich diejenigen geben, die sagen, dass ich mit dem, was ich erfahren habe, dass ich mit diesem Wissen im Gepäck hätte handeln müssen. Eskalieren. An die Presse gehen. Um unter allen Umständen zu verhindern, was da geplant sei. (Das ist nun ein bisschen dramatisiert, okay, okay.)

Es ist ziemlich schwierig, Geheimnisse anvertraut zu bekommen. Und diese dann mit sich herumzutragen. Also, ich werde nichts verraten. Bleibt die Frage, ob ich diesen Artikel veröffentliche. Nicht um damit anzugeben, dass ich für Stunden Geheimnisträger war. Sondern um den Konflikt aufzuzeigen, in den mich das mir anvertraute Geheimnis gebracht hätte, wenn ich es nicht mit meinem Gewissen hätte vereinbaren können.

Wissensdurst, bisweilen auch Neugierde genannt, liegt in der menschlichen Natur. Ich vermute mal, dass Du schon ganz gerne wüsstest, welches Geheimnis ich mit mir herumgetragen habe. Aber behalte ich lieber für mich.

So, DAS also ist mein Geheimnis . Und ich vertraue es Dir nicht nur für zwei Tage an. Sondern für immer.

© Ulf Runge, 2009

Macht

26. Oktober 2009 Ulf Runge 21 Kommentare
Leben 510 – Montag, 26.10.09

Was Macht ist, weißt Du, oder?

Etwa im Überholverbot die vorgeschriebene Geschwindigkeit fahren. Obwohl die Straße, die Witterung und die Verkehrslage Dich und die riesenlange Schlange in Deinem Rückspiegel dazu einladen würden, etwas schneller zu fahren.

Etwa im Aufzug stehen, und die Aufzug-Schließen-Taste drücken, obwohl Du siehst, dass da noch jemand heraneilt und gerne mitgefahren wäre…

Über Macht also soll dieser Beitrag handeln.

Wir sitzen im Restaurant. Die Speisen sind geordert, der einzige, der eine Suppe möchte, bin ich. Die Getränke sind serviert, als recht bald schon meine Suppe vor mir steht.

Ob sie wüssten, was Macht sei, frage ich meine Tischnachbarinnen? Höflicherweise ermutigen sie mich durch Achselzucken, doch meine Erklärung bezüglich der Macht zum Besten zu geben.

„Macht ist zum Beispiel, wenn ich meine Suppe jetzt gaaanz gaaanz laaangsam esse. Wenn Ihr deshalb mit Eurem Essen warten müsst, bis meine Suppentasse abgeräumt ist.“

Die eine Tischnachbarin gibt mir zu bedenken, dass ich mich darauf mal nicht verlassen solle, die würden hier servieren, wie es kommt.

Ja, und es kam. Es kam so, dass mir meine Augen fast ausfielen. Während ich meine Markklöschenkraftbrühe stolz wie Oskar und im festen Glauben, ich hätte Macht haben können, wenn ich nur gewollt hätte, Löffel für Löffel sichtlich und sichtbar genoss, währenddessen also ergab es sich, dass auf einmal alle meine sieben BegleiterInnen eine Suppenterrine vor sich stehen hatten. Eine freundliche Geste des Gastgebers. Tagessuppe für alle.

Nur für mich nicht. Ich hatte ja „meine“ Suppe.

Macht. Was mir dazu einfällt? Nun, Macht ist vergänglich. Und zwar ganz schön schnell…

© Ulf Runge, 2009

Fensterwort

25. Oktober 2009 Ulf Runge 2 Kommentare
Leben 509 – Sonntag, 25.10.09

Ich stehe ziemlich unter Strom, weil ich terminliche Dinge fertigstellen muss. Worauf ich dabei besonders angewiesen bin, ist eine funktionierende Textverarbeitung. Und die hat jetzt seit zwei Tagen Mucken gemacht. Um es genau zu sagen: Wann immer ich in meinem Fensterwort auch nur ein Zeichen eingetippt habe, ist Fensterwort sofort abgestürzt.

Jetzt, nach zwei Tagen, in denen ich sicherlich auch so sinnvolle Dinge wie Lebensmitteleinkaufen, Staubsaugen oder Joggen vollbracht habe, nach zwei verlorenen Tagen also, tut mein Fensterwort wieder. Hurra!

Ich weiß noch nicht wirklich, was passiert ist, aber ich verrate mal, was ich getan habe, damit ich jetzt endlich wieder arbeiten kann.

Und als Absacker dann: Was ich vermute, warum es überhaupt so weit gekommen ist.

Also: Wenn Dein Fensterwort nicht mehr tut, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Fensterwort ist kaputt. Oder das Dokument mit dem Du arbeitest.

Da ich mir sicher bin, dass mein Fensterwort nicht kaputt sein kann, vermute ich, dass mein Dokument, vermutlich durch vermehrte Sonnenfleckenaktivitäten kaputt gegangen ist. Was tue ich? Genau! Ich öffne ein anderes Dokument, und siehe? Genau, es ist auch kaputt. Als sich herausstellt, dass das dritte und das vierte, sprich, dass alle meine Dokumente einen Macken haben, was vermute ich da? Nö! Ich will nicht glauben, dass Fensterwort kaputt ist. Es wird wohl ein Virus sein, der die Dokumente befallen hat. Oder?

Ich lasse also die Festplatte samt Hauptspeicher samt, was man sonst noch so prüfen kann, prüfen. Fehlanzeige. Kann ja nicht sein, dass da kein Virus oder sonstwas ist, denke ich. Aktualisiere meinen aktuellen Virenscanner. Scanne noch mal. O.B. Ohne Befund. Das sind die Augenblicke, in denen eine gute Nachricht zur schlechten zu mutieren scheint.

Wer wie ich schon viele Fensterwort-Jahre auf dem Buckel hat, weiß, dass es manchmal helfen kann, die Vorlagendateien zu löschen oder umzubenennen. In der Hoffnung, dass da irgendwo eine kaputte dabei ist. Ich benenne also sämtliche dieser Vorlagen so um, dass sie jetzt die Dateierweiterung „tod“ haben. Schauder!

Nix. Nix passiert. Fensterwort stürzt ab.

Nachdem also die Lebensmittelvorräte aufgefüllt sind, der Fußboden gesaugt und der Kreislauf durch Joggen angeregt, fange ich an zu denken. Es muss irgendetwas sein, was dadurch passiert, dass ich etwas tue. Nur ein einziges Zeichen, das ich eingebe. Und schon stürzt dieses … Programm ab.

Und so schreite ich zur Totaloperation: Ich deaktiere sämtliche automatischen Sicherungsaktivitäten, ferner die Rechtschreibprüfung und die Grammatikprüfung. Ich klemme sämtliche Wörterbücher ab. Das automatische Ersetzen von Irgendwas durch Irgendwasanderes schalte ich ebenfalls ab.

Es ist Nacht. 1:00 Uhr morgens. UND MEIN FENSTERWORT TUT WIEDER. HURRA!

Dass ich ich extrem viel Zeit verloren habe, finde ich schade, das ist nun halt man so. Dass ich ab sofort wieder produktiv arbeiten kann, das bringt so viel Energie zu mir, dass ich schlussendlich positiv aus dieser Begebenheit herausgehe.

Ich fasse zusammen: Fensterwort tut wieder. Ich habe so ziemlich alles an Automatismen deaktiviert, aber das ist mir erst mal egal. Aber ich weiß nicht hundertpro, warum „es“ wieder geht.

So, und nun will auch noch meine Vermutung loswerden, warum mir das alles passiert ist.

Du weißt, was SPAM ist? Genau. Da schickt Dir etwa Guido.Merkel eine E-Mail und empfiehlt Dir den Kauf hochwertiger Plagiat-Uhren. Oder den Bezug von Spielzeugen, die man unter drei Jahren nicht verwenden sollte.

Nehmen wir mal an, Du heißt Rudi Ratlos. Und eines Tages schickt Dir Rudi.Ratlos@Kaffee-Online.de eine E-Mail. Du schickst Dir also selber so eine E-Mail?! Mit Inhalten, über die Du Dich schämen würdest, wenn Du sie wirklich abgeschickt hättest. Da bist Du einfach nur empört, über die Absenderfälscherei im Netz.

Aber es kommt dicker. Du, Rudi Ratlos, hast eine Kollegin, nennen wir sie mal Genoveva, die bekommt ne E-Mail von Dir. So ne SPAM-Mail. Da ist ein Anhang drin, den soll sie anclicken, öffnen, und dann würde irgendwas ganz tolles passieren.

Und Genova, lieber Rudi, was macht Genoveva? Sie schickt Dir „Deine“ E-Mail, die Du nie abgeschickt hast, und sie schickt Dir auch den Anhang mit, von dem sie vermutet, dass er gefährlich ist. Und sie schreibt Dir, dass sie ihn nicht angeclickt hat, und sie schreibt Dir, dass sie jetzt wissen will, wie es weiter geht.

Und Du, lieber Rudi, Du willst Ihr eine Antwort schicken, dass das alles SPAM sei, sie solle es vergessen, und Du, lieber Rudi, Du verclickst Dich dabei. Clickst auf diesen bescheuerten, wahrscheinlich verseuchten Anhang. Brichst sofort alles ab, als Du Deine Missetat bemerkst. Und es ist ja augenscheinlich auch nichts passiert.

Dass Dir Dein Fensterwort Stunden später abbricht, nimmst Du nicht weiter ernst. Wirst ja unterbrochen von noch was Wichtigerem.

Tja, für zwei Tage war ich jetzt Rudi. Und Genoveva werde ich nichts davon erzählen. Weil, Sie würde mir immer wieder diesen Anhang zuschicken. Weil sie ja glaubt, ich hätte wirklich diese blöde SPAM-Mail wirklich verschickt.

© Ulf Runge, 2009

STOPp 2.0

21. Oktober 2009 Ulf Runge 2 Kommentare
Leben 508 – Mittwoch, 21.10.09

STOP“ stand auf dem Stoppschild.

Nachdem mir dieser Gedanke durch den Kopf gehuscht war, als ich das mir wohlbekannte STOP-Schild so bewusst wie vorher noch nie wahrgenommen hatte, dachte ich zunächst, dies hier wird der kürzeste aller meiner Blog-Beiträge.

Ist es nun doch nicht geworden, da ich es nicht bei der Kuriosität gelassen habe. Sondern schon wieder auf dem besten Wege bin, mich zu erklären.

Fairerweise muss ich sagen, dass ich nicht der erste bin, dem solche Gedanken kommen. Deshalb hier gugelseidankenderweise ein Link auf einen Artikel, warum das Stoppschild gar nicht das Stoppschild ist, sondern ein Bild, und zwar das Bild 206. Und warum auf den deutschen / deutschsprachigen Stoppschildern auch weiterhin „STOP“ steht.

© Ulf Runge, 2009

Das Vermächtnis der aussterbenden Witze

21. Oktober 2009 Ulf Runge 4 Kommentare
Das Vermächtnis der aussterbenden Witze

Leben 507 – Mittwoch, 21.10.09

Gestern war ein historischer Tag. Ein trauriger Tag. Ich nehme ihn zum Anlass, nicht nur auf den Grund für die Traurigkeit hinzuweisen, sondern auf ein damit einhergehendes Phänomen, nämlich das der aussterbenden Witze.

Wer mich kennt, vermutet jetzt schon wieder etwas Skurriles, Witziges, Doppelsinniges. Dem ist in der Tat so. Und ich möchte aber gleich hinzufügen, dass ich mich über die Menschen, die jetzt extrem traurig sind, absolut nicht lustig mache. Im Gegenteil, ich fühle mit ihnen und ihren existenziellen Sorgen.

Aussterbender Witz Nummer 1 (Der Euro ist schuld, Nummer 1):

Diesen Witz habe ich bereits zum besten gegeben. Und zwar hier.

Wer nicht clicken möchte, braucht es auch nicht. Hier ist er:

Ich riskiere einen Österreicher-Witz, den ich selber immer gerne erzählt habe, als man die Utensilien hierfür noch mit sich rumgetragen hat. (Dieser Witz könnte sich aber genauso gut über andere liebe Nachbarn der Deutschen lustig machen. Hauptsache, die anderen sind die Doofen.)

Bayerisch-österreichische Grenze. Der österreichische Grenzer sieht etwas am Boden liegen. „Ja mei, wos is denn des?“ sagt er laut zu sich selber. Hebt die beiden runden Dinger vom Boden auf und wiederholt seine Frage: „Ja mei, wos is denn des?“

„Des han zwoa Groschn. Mit dena konn man bei uns telefoniern.“ ruft ihm der bayerische Grenzer zu, der das die ganze Zeit beobachtet hat. Worauf der Österreicher die eine Münze vor seinen Mund hält, die andere ans Ohr und laut vernehmlich ruft: „Servus Zenzi, kannst Du mi hörn?“

Hinweis: Der Witz ist hier zu Ende. Im Radio und Fernsehen würde durch Lacher-Einspielungen jetzt klar sein, dass das lustig war. Wem in Österreich und Deutschland kann man diesen Witz heute noch erzählen? Groschen, was ist das? Was ist eine Telefonzelle? Wie funktioniert das mit Münzen in einer Telefonzelle? Wobei die schönste Frage, die ich mir von jungen Menschen wünschen würde: Was ist eine Grenze?

Hinweis: Für die Übersetzungen vom Hochdeutschen ins Bayerische habe ich mich seinerzeit eines Übersetzers bedient.

Aussterbender Witz Nummer 2 (Der Euro ist schuld, Nummer 2):

Auch diesen Witz habe ich bereits zum besten gegeben. Und zwar ebenfalls hier.

Wer nicht clicken möchte, braucht es auch nicht:

Der zweite Witz ist ein Tünnes- und Schäl-Witz, bei dem ich mich aber nicht ins Kölsche verkünsteln will, sondern die wörtliche Rede hochdeutsch halte. Auch dieser Witz ist so heute nicht mehr erzählbar:
Tünnes und Schäl haben Falschgeld gedruckt. Als sie ihre Scheine zählen, merken sie, dass es die 15-D-Mark-Scheine, die sie gedruckt haben, in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Tünnes weiß Rat. „Wir fahren in die Eifel zu den dummen Bauern, da kriegen wir das Geld los!“ Gesagt, getan. Im erstbesten Eifel-Dorf sagt der Schäl: „Pass auf, da vorne ist ne Gaststätte, da geh ich rein und kauf ne Packung Zigaretten.“

Fünf Minuten später kommt der Schäl freudestrahlend aus der Kneipe raus, in der einen Hand eine Packung Zigaretten, in der anderen das Wechselgeld. „Du glaubst es nicht“ sagt der Schäl, „die haben mir doch tatsächlich ne Packung Stollwesand verkauft und zwei 7-Mark-Stücke rausgegeben!“

Auch hier darf jetzt bei Bedarf gelacht werden. Dass Peter Stuyvesant, ein Niederländer seinerzeit New Amsterdam, das heutige New York gegründet hat, das habe ich seinerzeit von den Zigarettenpackungen bei uns zu Hause abgelesen. Diese Zigarettensorte ist, glaube ich, heute auch nicht mehr so angesagt wie früher, als in der Zigarettenwerbung (Was ist das?) noch der River-Quai-Marsch gespielt wurde. Dass eine Packung Zigaretten mal eine Mark gekostet hat, das glaubt heute auch keiner mehr. Und was ne Mark ist? So was ähnliches wie ein Groschen, bloß „größer“. Siehe oben.

Statt der ausländischen Nachbarn sind es diesmal die „dummen Eifelbauern“, die hier als Gegenstand der Belustigung herhalten müssen. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mit einem leichten Grinsen zugebe, dass ich beide Witze seinerzeit gerne erzählt habe.

Aussterbender Witz Nummer 3 (Der Mammon ist schuld, Nummer 1):

Meinen „StammleserInnen“ ebenfalls nicht gänzlich unbekannt sollte dieser Witz hier sein. Auch den wiederhole ich gerne noch einmal hier:

Hertie

Die Mainzer einst gingen zum Hätti,
und kauften wie Krehti und Plehti.
Doch wo kauften ein,
die rechts wo vom Rhein?
„Oh je, bei Härtjeeh“, sprach die Betty.

Hinweis: Es gab einmal eine Warenhauskette namens „Hertie“. Während die Mainzer als bodenständig gelten und deshalb zu „Hätti“ (betont auf der ersten Silbe) gingen, sagte man den etwas vornehmeren Wiesbadenern nach, sie würden zu „Härtjeeh“ (betont auf der langgezogenen zweiten Silbe) gehen.

Aussterbender Witz Nummer 4 (Der Mammon ist schuld, Nummer 2):

Ich habe immer meinen Argwohn gehabt, wenn Geschäftsleitungen der Globalisierung wegen sich ganz schnell eines traditionsreichen Firmennamens entledigt haben. Seit gestern steht es fest: Quelle macht dicht. 7.000 Menschen verlieren ihre Arbeit. Das ist so unsagbar bitter, wenn man bedenkt, dass dies vor nicht allzu ferner Zeit ein gesundes Unternehmen war. Dass soviel Know-how nun den Bach runter geht. Und jede Menge Familien vor dem finanziellen Ruin stehen.

Ich mache mir den Übergang zum nun vierten und letzten Witz angesichts dieser Schicksale nicht leicht, aber mit Quelle (und zuvor Neckermann) geht auch dieser Witz „über den Jordan“:

Martin hat heute seinen ersten Arbeitstag. Bei Neckermann. Sein Chef sagt ihm, dass der Firmengründer, der Herr Neckermann persönlich, einmal am Tag durch die Gänge gehe und dass Martin ihn schön ordentlich grüßen soll.

Am Nachmittag kommt es zur ersten Begegnung, und Martin grüßt voller Freude: „Guten Tag, Herr Nackermann!“
„Nackermann? Sie sind wohl neu hier! Ich heiße Neckermann, merken Sie sich das bitte!“
„Entschuldigung, jawohl!“ stammelt Martin heraus.

Am nächsten Tag kommt es wieder zur Begegung und Martin konzentriert sich ganz fest, um dann freudig herauszurufen: „Guten Tag, Herr Nackermann!“
Dieser wiederum weist Martin zurecht und geht verärgert weiter.

Dritter Tag. „Guten Morgen, Herr Nackermann!“ Herr Neckermann schickt Martin ins Lohnbüro, er solle seine Papiere abholen und nach Hause gehen.

„Aber Martin, warum kommst Du denn so niedergeschlagen nach Hause?“ fragt ihn seine Frau, als er zu Hause ankommt.

„Du glaubst es nicht! Du glaubst es nicht!“ Unter Tränen dann: „Das gleiche wie beim Qualle!“

© Ulf Runge, 2007-2009