Wetterstation
| Leben 516 – Mittwoch, 11.11.09
20:52. Kurz vor neun Uhr abends. Meine Wetterstation braucht neue Batterien. Ich öffne das Fach auf der Unterseite, entnehme die beiden erschöpften Energiespender vom Typ „AA“ und setze, sorgfältig auf die richtige Polung achtend, zwei neue rein, worauf sofort ein lauter Pieps ertönt. Alles auf dem Display blinkt, weil die Uhrzeit noch nicht eingestellt ist. Meine Wetterstation ist ein älteres Modell, sie empfängt kein Funksignal, im Gegensatz zum daneben stehenden Funkwecker, dessen Uhrzeit ich nun, ich bin ja ein Mann, völlig bedienungsanleitungsfrei auf der Wetterstation einzustellen gedenke. Drei Tasten und die richtige Reihenfolge ihrer Bedienung werden über meine Gemütslage in den kommenden Minuten maßgeblich entscheiden. Die erste blinkende Zahl ist „2000“, die Stunde als schon voreingestellt, ich muss jetzt nur noch solange auf die „+“-Taste drücken, bis da 2052 steht. Nach fünfmal Drücken lese ich 2005. Das darf auch ein bisschen schneller gehen, denke ich, ich versuche es mit Dauerdrücken. Erfolg! Die Anzeige rückt rasant vor auf 2030, auf 2040, danach taste ich mich einzeldrückenderweise an die 2052 heran. 2047. Drück. 2048. Drück. 2049. Drück. 2049! 2049? Drück! Nichts tut sich. Was ist das denn? Das Display der Wetterstation verweigert jede Veränderung. Für einen kurzen Augenblick vermute ich eine besondere Form von Intelligenz in der Wetterstation, für die ich den Begriff „Wissende Passivität“ präge. Wissende Passivität, das beschließe ich soeben, ist die Eigenschaft technischer Gebrauchsgüter, einen sinnlosen Zustand nicht zuzulassen. Wissende Passivität ist etwa, wenn die Anzeige am Bahnhof ihren Dienst verweigert, weil sie eine kleine Ewigkeit vor dem Bahnpersonal weiß, dass der anzukündigende Zug heute ausfällt. Wissende Passivität ist etwa, wenn eine Wetterstation nur das Einstellen der richtigen Uhrzeit zulässt. Ich verwerfe diesen genialen Geistesblitz, denn mein Funkwecker geht richtig, ES IST 20 UHR UND 52 MINUTEN. Und das will ich jetzt auch einstellen! Ziemlich ratlos drücke ich ein paar Mal auf die Set-Taste, überspringe die weiteren Einstellungsoptionen, Datum und was es da sonst noch so gibt. Seitdem PCs und Fenstertechnologie Einzug gehalten haben in unseren Alltag, weiß mittlerweile jedes Kind, wie man prinzipiell mit technischen Problemen umzugehen hat: Ausschalten. Einschalten. Tut! Diesem Paradigma (ich bin stolz, dieses Wort hier verwenden zu dürfen, lach) folgend, entferne ich die neuen Batterien, um sie sofort, von einem aufgekratzen Pieps begleitet, wieder einzusetzen. Inzwischen ist es 20:55 auf meinem Funkwecker. Die Wetterstation blinkt mich mit einem provozierenden „2000“ an. Woher weiß das Dingens hier, dass es 20 Uhr ist und ich nur noch die Minuten ergänzen muss? Während ich mich erneut an die 2055 herandrücke, kommt mir der Gedanke, dass die Hersteller von Wetterstationen in flächendeckend angelegten Kundenbefragungen herausgefunden haben, dass 83,5% aller Batteriewechsel zwischen 20 Uhr und 21 Uhr statt finden. Und da ist es ja nur zu logisch, gleich mit 2000 anzufangen. 2048. Drück. 2049. Drück. 2049!!! Ein böser Verdacht keimt in mir auf. Hinter einer großen Frankfurter Tageszeitung mögen ja schon kluge Köpfe stecken, aber hinter diesen ach so (vermeintlich) überflüssigen Gebrauchsanweisungen stecken wohl noch klügere. Ich nicht. Sonst hätte ich nämlich in der vergangenen Vierteilstunde versucht, die 2000 in eine 2055 abzuändern, sondern hätte es statt dessen mal mit der Jahreszahl 2009 versucht. Und irgendwann nach Tag und Monat das Angebot aufgegriffen, ein „00:00“ Richtung aktuelle Uhrzeit zu bewegen. Aber mal ehrlich: Wollen wir uns den Spaß technischen Entdeckertums nehmen lassen von spröden, allwissenden Bedienungsanleitungen? Nein, und nochmals nein. In drei Jahren, vermute ich mal, werde ich neue Batterien brauchen. Für die Wetterstation. © Ulf Runge, 2009 |
Frankie goes to Ruhestand
| Leben 514 – Sonntag, 08.11.09
Wahrscheinlich wiederhole ich mich, wenn ich hier erwähne, dass ich als Teenager im schönen Köln am Rhein ganz stolz war, mit meiner Philetta, einem ganz einfachen Nachkriegsröhrenradio, nur mit einer UKW-Wurfantenne bestückt und somit eigentlich nur für WDR-Empfang geeignet, dass ich also wahnsinnig stolz war, in meinem Jugendzimmer in Köln-Nippes den SWF3 aus Baden-Baden zu empfangen. Ein Sender, bei dem ein gewisser Frank Laufenberg einen Sendeplatz zur besten Hausaufgabenmachzeit mit all dem belegen durfte, worauf wir so sehnsüchtig gewartet hatten: frische Musik aus England und Amerika, Songs, die man sonst nur auf den Soldatensendern AFN (in Köln sowieso nicht auf UKW) und BFBS zu hören bekam, oder mit viel Mittelwellenhintergrundrauschen über den im Ärmelkanal geankerten „Piratensender“ Radio Caroline. Pop-Shop, das war die Sendung, für die man alles tat, um sie hören. SWF3 Pop-Shop. Mit Frank Laufenberg. Eine sympathische Stimme, ich glaube, ich habe keinen Moderator jemals in meinem Hörerleben mehr „geliebt“ als ebendiesen Frank Laufenberg. In der Folge habe ich nicht immer in SWF-Land gelebt. In der Folge wurde aus SWF (und dem SDR) der SWR. In der Folge war auch Frank Laufenberg nicht immer bei diesem Sender. Aus SWF3 wurde „altersbedingt“ SWR1 und so habe ich es die vergangenen Jahre genossen, am Samstag Abend auf SWR1 von 10 bis 12 Frank Laufenberg ganz besonders ausgesuchte Musiktitel von „damals“ spielen zu hören. Kannst Du Dir vorstellen, dass Du nicht um Jahre alterst, sondern im Gegenteil von einer Minute auf die andere um Jahrzehnte zurückversetzt wirst, wenn Du diese sympatische Stimme hörst, die sich für Dich überhaupt nicht verändert haben will. Wenn Du Lieder hörst, zu denen Du als Pubertierender geträumt hast, bei denen Du einem Mädchen den ersten Kuss gegeben hast, zu denen Du in der Tanzschule mit Deiner Partnerin eng umschlungen den Stehblues getanzt hast. Ja, und jetzt muss ich mir eingestehen, dass das alles nichts hilft. Weil, der Jungbrunnen Frank Laufenberg, der wird zum Jahresende sein Engagement beim Sender beenden, ob er will, ob er muss, ich weiß es nicht. Ob ich irgendjemandem einen Gefallen tue, wenn ich da nachhake, nachfrage, wenn ich dafür kämpe, dass „das alles“ nicht vorbei sein kann. Ja, jetzt muss ich mir eingestehen, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Zukünftig auch nicht für zwei samstägliche Stunden zurücklaufen wird. Der SWR1-RP spielt viel zu gute Musik, als dass es am späten Samstagabend bei mir Totenstille geben würde. Aber eine Träne vergieße ich heute schon. Und wenn er dann zum letzten Mal „Tschüss“ sagen wird, ich glaube, dann werde ich heulen. Lieber Frank Laufenberg, ich sage „Danke!“ für die schönen Stunden, in denen meine Hausaufgaben schneller fertig wurden, weil Du so gute Musik aufgelegt hast. Ich sage „Danke!“ für die schönen Stunden, in denen ich blogschreibenderweise Deiner Stimme und den von Dir ausgesuchten, ganz besonders ausgesuchten Musiktiteln lauschen durfte! © Ulf Runge, 2009 |
Die Beichte
| Leben 513 – Dienstag, 03.11.09
Er zu ihr: „Schatz, ich habe ein Geheimnis!“ Sie zu ihm: „Ja, ich weiß!“ © Ulf Runge, 2009 |
Das Selbstgespräch
| Leben 512 – Montag, 02.11.09
Dass ich des nachts am PC sitze, ist für meine Umwelt keine direkte Überraschung. Dass man mich aber dabei überraschen kann, dass ich Selbstgespräche führe, das führt dann doch zur Verwunderung. Nun, als ich auf mein seltsames Verhalten angesprochen werde, bitte ich um Verständnis, ich würde gleich alles erklären, aber ich müsse mich vorbereiten, „Die“ würden gleich noch mal anrufen, dann aber auf dem Festnetz, da wolle ich gleich dran sein, damit es nicht so lange klingelt und alles im Haus weckt. Wer denn, bitteschön, „Die“ seien. Ach ja, ich hätte bisher nichts davon gesagt, weil ich es eigentlich für unerheblich gehalten habe. Aber „Die“ würden eine Hitparade spielen, die beliebtesten 1000 Songs im Geschmack der SWR1 Rheinland-Pfalz Hörer. Und? Warum „Die“ jetzt gleich hier anrufen würden? „Na, ich gehe auf Sendung!“ Augen, die mir schon immer alles zugetraut haben, blicken mich noch nicht mal überrascht an. Ich spüre eher so ein verständlisvolle „Hätte ich mir ja denken können!“. Gleich also werden „Die“ anrufen, weil ich vor wenigen Minuten eine E-Mail ins Studio geschickt hatte mit einer liebevollen Hommage auf den Sender, die gute Musik und auf das tolle Moderatorenteam. Und dann klingelte recht bald mein Handy, ein freundlicher Herr bedeutete mir, ich möge doch noch eine halbe Stunde aufbleiben, die Frau Steinbusch und der Herr Jenschar wollten mich in die Sendung nehmen. Auf dass ich mein Gedicht vortrage. Schock! Sendung ja, gut! Mit Birgit Steinbusch und Frank Jenschar plaudern, auch gut! Eines meiner Gedichte zum besten geben. Auch gebont. Aber genau DAS GEDICHT, was ich eben ins Studio geschickt hatte? Das hatte ich doch in so ein Formular eingegeben, ohne dass ich darauf jetzt noch Zugriff hätte. Geistengegenwärtig bedeute ich dem Herrn am anderen Ende der Leitung, der wohl schon fragen wollte, ob ich denn noch da sei, dass ich was anderes vortragen wolle. Etwas Heinz-Erhardt-Artiges. Pause. Ja, ja, ich spüre schon, wie er mich angstvoll fragen will, wie lang das denn wohl dauere. Um ihm zuvorzukommen, und sage nur „Das geht ganz schnell, das ist ein Fünf-Stropher, quatsch, ein Fünf-Zeiler.“ Er verabschiedet sich beruhigt von mir, maximal 30 Minuten, dann sei ich auf Sendung, meint er noch. Das ist genau der Augenblick, in dem ich auf mein Selbstgespräch angesprochen werde… Ich hole auf meinem Laptop das von mir intendierte Gedicht „Wenn es keinen Efeu gäbe“ hervor, das ich seinerzeit als Liebeserklärung an Heinz Erhardt und sein Efeu-Gedicht geschrieben hatte. Letzten Sonntag wollte ich noch mit abgestimmt haben bei der Hitparade, wobei mir eigentlich egal ist, welche Hits oben landen, die Redaktion und die Hörer dieses Senders haben einfach „meinen“ Geschmack. Und so kam es, wie es kommen musste. Und ich hatte eben nicht mit abgestimmt. Was sicherlich weniger bedeutsam war, als wenn ich nicht zur Bundestagswahl gegangen wäre. Es klingelt. Frau Steinbusch begrüßt mich aufgeräumt, ich würde was dichten wollen, gibt mich an Herrn Jenschar weiter, den ich auch noch mal intensiv beruhigen muss, dass es nur ein kurzes Gedicht sei, dass ich da zum besten geben wolle. Und so erlebt mein Ahorn-Fünfzeiler seine Radio-Uraufführung. Und ich ergattere so ganz nebenbei ein paar Eintrittskarten für die SWR1-Hitparaden-Party am kommenden Samstag. Ab Mainz. 19 Uhr. Auf der MS Rheinenergie. Ich war noch nie auf sowas! Und jetzt darf ich dabei sein! Hurra! Danke. Danke. Danke. ![]() SWR1 RP Hitparade Party Eintrittskarte Fortsetzung folgt… (Ihr wollt doch wissen, was es mit Claudia auf sich hat, die am Telefon bleiben soll. Oder mit Tanja, die ihren Mann als Vortänzer angeboten hat. Oder warum Herr Köhler nachts um drei nicht mehr schlafen konnte…) P.S. Der kommende Samstag war natürlich vorgestern. Und wer schon mal spinxen möchte, bevor ich hier weiterschreibe: Hier der Link zu allem rund um die SWR1-RP-Hitparade. © Ulf Runge, 2009 |
Geheimnis
| Leben 511 – Mittwoch, 28.10.09
Was ein Geheimnis ist? Als Kind habe ich gelernt, dass ein „richtiges“ Geheimnis etwas ist, das nur einer weiß. Wenn zwei es wissen, dann sei es keines mehr. Nun, so „päpstlich“ will ich „jetzt“ mal nicht sein. Heute habe ich ein Geheimnis erfahren. Ich müsse es die nächsten zwei Tage für mich behalten. Dürfe mit niemandem darüber reden. Solle dies sozusagen als besonderen Vertrauensbeweis auffassen. Da sage ich natürlich erst einmal „Danke!“. Was fange ich jetzt an mit diesem Geheimnis? Es ist glücklicherweise nichts Schlimmes, Sittenwidriges, Trauriges. Ja, was fange ich jetzt mit meinem Wissensvorsprung an? Niemand sieht mir selbigen an… Also, erst einmal für mich behalten! Sowieso! Natürlich werde ich nichts ausplaudern. Ehrensache! Bis übermorgen, dann, wenn es „alle“ erfahren. Und dann ist es ja auch kein Geheimnis mehr. Interessiert niemanden mehr so richtig brennend. Weil nicht geheim. Und jetzt grüble ich darüber, ob ich überhaupt darüber schreiben darf, dass ich ein Geheimnis weiß. Aus diesem Grund werde ich diesen meinen Artikel erst übermorgen veröffentlichen. (Wenn Du dies liest ist übermorgen. Oder noch später. Und dann ist das hier alles gegenstandslos. Weil nicht mehr geheim.) Wobei, dann stellt sich immer noch die Frage, ob ich „danach“, also wenn es „alle“ wissen, ob ich dann einräumen darf, dass ich es „schon vorher“ gewusst habe. Oder ob selbst das geheim ist? Weil es vielleicht nicht okay ist, dass andere erfahren, dass man für Stunden zu denen gehört hat, die „es schon gewusst“ haben. Und dann wird es womöglich diejenigen geben, die sagen, dass ich mit dem, was ich erfahren habe, dass ich mit diesem Wissen im Gepäck hätte handeln müssen. Eskalieren. An die Presse gehen. Um unter allen Umständen zu verhindern, was da geplant sei. (Das ist nun ein bisschen dramatisiert, okay, okay.) Es ist ziemlich schwierig, Geheimnisse anvertraut zu bekommen. Und diese dann mit sich herumzutragen. Also, ich werde nichts verraten. Bleibt die Frage, ob ich diesen Artikel veröffentliche. Nicht um damit anzugeben, dass ich für Stunden Geheimnisträger war. Sondern um den Konflikt aufzuzeigen, in den mich das mir anvertraute Geheimnis gebracht hätte, wenn ich es nicht mit meinem Gewissen hätte vereinbaren können. Wissensdurst, bisweilen auch Neugierde genannt, liegt in der menschlichen Natur. Ich vermute mal, dass Du schon ganz gerne wüsstest, welches Geheimnis ich mit mir herumgetragen habe. Aber behalte ich lieber für mich. So, DAS also ist mein Geheimnis . Und ich vertraue es Dir nicht nur für zwei Tage an. Sondern für immer. © Ulf Runge, 2009 |
Macht
| Leben 510 – Montag, 26.10.09
Was Macht ist, weißt Du, oder? Etwa im Überholverbot die vorgeschriebene Geschwindigkeit fahren. Obwohl die Straße, die Witterung und die Verkehrslage Dich und die riesenlange Schlange in Deinem Rückspiegel dazu einladen würden, etwas schneller zu fahren. Etwa im Aufzug stehen, und die Aufzug-Schließen-Taste drücken, obwohl Du siehst, dass da noch jemand heraneilt und gerne mitgefahren wäre… Über Macht also soll dieser Beitrag handeln. Wir sitzen im Restaurant. Die Speisen sind geordert, der einzige, der eine Suppe möchte, bin ich. Die Getränke sind serviert, als recht bald schon meine Suppe vor mir steht. Ob sie wüssten, was Macht sei, frage ich meine Tischnachbarinnen? Höflicherweise ermutigen sie mich durch Achselzucken, doch meine Erklärung bezüglich der Macht zum Besten zu geben. „Macht ist zum Beispiel, wenn ich meine Suppe jetzt gaaanz gaaanz laaangsam esse. Wenn Ihr deshalb mit Eurem Essen warten müsst, bis meine Suppentasse abgeräumt ist.“ Die eine Tischnachbarin gibt mir zu bedenken, dass ich mich darauf mal nicht verlassen solle, die würden hier servieren, wie es kommt. Ja, und es kam. Es kam so, dass mir meine Augen fast ausfielen. Während ich meine Markklöschenkraftbrühe stolz wie Oskar und im festen Glauben, ich hätte Macht haben können, wenn ich nur gewollt hätte, Löffel für Löffel sichtlich und sichtbar genoss, währenddessen also ergab es sich, dass auf einmal alle meine sieben BegleiterInnen eine Suppenterrine vor sich stehen hatten. Eine freundliche Geste des Gastgebers. Tagessuppe für alle. Nur für mich nicht. Ich hatte ja „meine“ Suppe. Macht. Was mir dazu einfällt? Nun, Macht ist vergänglich. Und zwar ganz schön schnell… © Ulf Runge, 2009 |
Fensterwort
| Leben 509 – Sonntag, 25.10.09
Ich stehe ziemlich unter Strom, weil ich terminliche Dinge fertigstellen muss. Worauf ich dabei besonders angewiesen bin, ist eine funktionierende Textverarbeitung. Und die hat jetzt seit zwei Tagen Mucken gemacht. Um es genau zu sagen: Wann immer ich in meinem Fensterwort auch nur ein Zeichen eingetippt habe, ist Fensterwort sofort abgestürzt. Jetzt, nach zwei Tagen, in denen ich sicherlich auch so sinnvolle Dinge wie Lebensmitteleinkaufen, Staubsaugen oder Joggen vollbracht habe, nach zwei verlorenen Tagen also, tut mein Fensterwort wieder. Hurra! Ich weiß noch nicht wirklich, was passiert ist, aber ich verrate mal, was ich getan habe, damit ich jetzt endlich wieder arbeiten kann. Und als Absacker dann: Was ich vermute, warum es überhaupt so weit gekommen ist. Also: Wenn Dein Fensterwort nicht mehr tut, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Fensterwort ist kaputt. Oder das Dokument mit dem Du arbeitest. Da ich mir sicher bin, dass mein Fensterwort nicht kaputt sein kann, vermute ich, dass mein Dokument, vermutlich durch vermehrte Sonnenfleckenaktivitäten kaputt gegangen ist. Was tue ich? Genau! Ich öffne ein anderes Dokument, und siehe? Genau, es ist auch kaputt. Als sich herausstellt, dass das dritte und das vierte, sprich, dass alle meine Dokumente einen Macken haben, was vermute ich da? Nö! Ich will nicht glauben, dass Fensterwort kaputt ist. Es wird wohl ein Virus sein, der die Dokumente befallen hat. Oder? Ich lasse also die Festplatte samt Hauptspeicher samt, was man sonst noch so prüfen kann, prüfen. Fehlanzeige. Kann ja nicht sein, dass da kein Virus oder sonstwas ist, denke ich. Aktualisiere meinen aktuellen Virenscanner. Scanne noch mal. O.B. Ohne Befund. Das sind die Augenblicke, in denen eine gute Nachricht zur schlechten zu mutieren scheint. Wer wie ich schon viele Fensterwort-Jahre auf dem Buckel hat, weiß, dass es manchmal helfen kann, die Vorlagendateien zu löschen oder umzubenennen. In der Hoffnung, dass da irgendwo eine kaputte dabei ist. Ich benenne also sämtliche dieser Vorlagen so um, dass sie jetzt die Dateierweiterung „tod“ haben. Schauder! Nix. Nix passiert. Fensterwort stürzt ab. Nachdem also die Lebensmittelvorräte aufgefüllt sind, der Fußboden gesaugt und der Kreislauf durch Joggen angeregt, fange ich an zu denken. Es muss irgendetwas sein, was dadurch passiert, dass ich etwas tue. Nur ein einziges Zeichen, das ich eingebe. Und schon stürzt dieses … Programm ab. Und so schreite ich zur Totaloperation: Ich deaktiere sämtliche automatischen Sicherungsaktivitäten, ferner die Rechtschreibprüfung und die Grammatikprüfung. Ich klemme sämtliche Wörterbücher ab. Das automatische Ersetzen von Irgendwas durch Irgendwasanderes schalte ich ebenfalls ab. Es ist Nacht. 1:00 Uhr morgens. UND MEIN FENSTERWORT TUT WIEDER. HURRA! Dass ich ich extrem viel Zeit verloren habe, finde ich schade, das ist nun halt man so. Dass ich ab sofort wieder produktiv arbeiten kann, das bringt so viel Energie zu mir, dass ich schlussendlich positiv aus dieser Begebenheit herausgehe. Ich fasse zusammen: Fensterwort tut wieder. Ich habe so ziemlich alles an Automatismen deaktiviert, aber das ist mir erst mal egal. Aber ich weiß nicht hundertpro, warum „es“ wieder geht. So, und nun will auch noch meine Vermutung loswerden, warum mir das alles passiert ist. Du weißt, was SPAM ist? Genau. Da schickt Dir etwa Guido.Merkel eine E-Mail und empfiehlt Dir den Kauf hochwertiger Plagiat-Uhren. Oder den Bezug von Spielzeugen, die man unter drei Jahren nicht verwenden sollte. Nehmen wir mal an, Du heißt Rudi Ratlos. Und eines Tages schickt Dir Rudi.Ratlos@Kaffee-Online.de eine E-Mail. Du schickst Dir also selber so eine E-Mail?! Mit Inhalten, über die Du Dich schämen würdest, wenn Du sie wirklich abgeschickt hättest. Da bist Du einfach nur empört, über die Absenderfälscherei im Netz. Aber es kommt dicker. Du, Rudi Ratlos, hast eine Kollegin, nennen wir sie mal Genoveva, die bekommt ne E-Mail von Dir. So ne SPAM-Mail. Da ist ein Anhang drin, den soll sie anclicken, öffnen, und dann würde irgendwas ganz tolles passieren. Und Genova, lieber Rudi, was macht Genoveva? Sie schickt Dir „Deine“ E-Mail, die Du nie abgeschickt hast, und sie schickt Dir auch den Anhang mit, von dem sie vermutet, dass er gefährlich ist. Und sie schreibt Dir, dass sie ihn nicht angeclickt hat, und sie schreibt Dir, dass sie jetzt wissen will, wie es weiter geht. Und Du, lieber Rudi, Du willst Ihr eine Antwort schicken, dass das alles SPAM sei, sie solle es vergessen, und Du, lieber Rudi, Du verclickst Dich dabei. Clickst auf diesen bescheuerten, wahrscheinlich verseuchten Anhang. Brichst sofort alles ab, als Du Deine Missetat bemerkst. Und es ist ja augenscheinlich auch nichts passiert. Dass Dir Dein Fensterwort Stunden später abbricht, nimmst Du nicht weiter ernst. Wirst ja unterbrochen von noch was Wichtigerem. Tja, für zwei Tage war ich jetzt Rudi. Und Genoveva werde ich nichts davon erzählen. Weil, Sie würde mir immer wieder diesen Anhang zuschicken. Weil sie ja glaubt, ich hätte wirklich diese blöde SPAM-Mail wirklich verschickt. © Ulf Runge, 2009 |
STOPp 2.0
| Leben 508 – Mittwoch, 21.10.09
„STOP“ stand auf dem Stoppschild. Nachdem mir dieser Gedanke durch den Kopf gehuscht war, als ich das mir wohlbekannte STOP-Schild so bewusst wie vorher noch nie wahrgenommen hatte, dachte ich zunächst, dies hier wird der kürzeste aller meiner Blog-Beiträge. Ist es nun doch nicht geworden, da ich es nicht bei der Kuriosität gelassen habe. Sondern schon wieder auf dem besten Wege bin, mich zu erklären. Fairerweise muss ich sagen, dass ich nicht der erste bin, dem solche Gedanken kommen. Deshalb hier gugelseidankenderweise ein Link auf einen Artikel, warum das Stoppschild gar nicht das Stoppschild ist, sondern ein Bild, und zwar das Bild 206. Und warum auf den deutschen / deutschsprachigen Stoppschildern auch weiterhin „STOP“ steht. © Ulf Runge, 2009 |
Das Vermächtnis der aussterbenden Witze
| Das Vermächtnis der aussterbenden Witze
Leben 507 – Mittwoch, 21.10.09 Gestern war ein historischer Tag. Ein trauriger Tag. Ich nehme ihn zum Anlass, nicht nur auf den Grund für die Traurigkeit hinzuweisen, sondern auf ein damit einhergehendes Phänomen, nämlich das der aussterbenden Witze. Wer mich kennt, vermutet jetzt schon wieder etwas Skurriles, Witziges, Doppelsinniges. Dem ist in der Tat so. Und ich möchte aber gleich hinzufügen, dass ich mich über die Menschen, die jetzt extrem traurig sind, absolut nicht lustig mache. Im Gegenteil, ich fühle mit ihnen und ihren existenziellen Sorgen. Aussterbender Witz Nummer 1 (Der Euro ist schuld, Nummer 1): Diesen Witz habe ich bereits zum besten gegeben. Und zwar hier. Wer nicht clicken möchte, braucht es auch nicht. Hier ist er:
Aussterbender Witz Nummer 2 (Der Euro ist schuld, Nummer 2): Auch diesen Witz habe ich bereits zum besten gegeben. Und zwar ebenfalls hier. Wer nicht clicken möchte, braucht es auch nicht:
Aussterbender Witz Nummer 3 (Der Mammon ist schuld, Nummer 1): Meinen „StammleserInnen“ ebenfalls nicht gänzlich unbekannt sollte dieser Witz hier sein. Auch den wiederhole ich gerne noch einmal hier:
Aussterbender Witz Nummer 4 (Der Mammon ist schuld, Nummer 2): Ich habe immer meinen Argwohn gehabt, wenn Geschäftsleitungen der Globalisierung wegen sich ganz schnell eines traditionsreichen Firmennamens entledigt haben. Seit gestern steht es fest: Quelle macht dicht. 7.000 Menschen verlieren ihre Arbeit. Das ist so unsagbar bitter, wenn man bedenkt, dass dies vor nicht allzu ferner Zeit ein gesundes Unternehmen war. Dass soviel Know-how nun den Bach runter geht. Und jede Menge Familien vor dem finanziellen Ruin stehen. Ich mache mir den Übergang zum nun vierten und letzten Witz angesichts dieser Schicksale nicht leicht, aber mit Quelle (und zuvor Neckermann) geht auch dieser Witz „über den Jordan“:
© Ulf Runge, 2007-2009 |


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