Slam05 – Hallo Reinheim

 

vorgetragen auf der 4. Reinheimer Dichterschlacht am 21.09.07

 Hallo Reinheim,

jetzt weiß ich nicht, ob Ihr den Kopfschüttel-Blog kennt. Bei dem schaue ich immer wieder mal vorbei, weil der so schöne Geschichten erzählt aus dem Leben von Mann und Frau. Der Kopfschüttler berichtet dann wunderschöne Dialoge mit seiner Liebsten, vornehmlich durch die männliche Brille, weshalb ich mich bei meinen beiden Frau zu Hause hüten muss, welche dieser Erzählungen ich denn nun vorlese, weil, das sei doch einseitig, nach Macho-art, auch der Begriff „sexistisch“ fiel schon einmal.

Mir gefallen diese Geschichten, nein, nicht wegen ihrer Einseitigkeit, sondern wegen ihres sprachlichen Stils, der allerdings nicht der meine ist.

Typisch für den Kopfschüttler wäre ein Dialog wie dieser hier:

„Musst Du jetzt nicht langsam ins Büro?“
„Doch, ich suche nur meine Brille. Hast Du sie vielleicht gesehen?“

„Was bekomme ich, wenn ich Dir sage, wo sie ist?“
„Nun sag schon.“

„Nö, erst wenn Du sagst, was ich als Belohnung bekomme.“
„Herrschaftszeiten. Ich verpasse meinen Zug! Okay, Du bekommst einen Kuss!“

„Nö, jetzt will ich auch nicht mehr!“
„Wo ist die Brille?“

„Woher soll ich das wissen. Ich wollte nur mal sehen, was Du mir als Belohnung…“
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Kopfschüttel…

Eine letzte Vorbemerkung. Ich bin wirklich Autor der nachfolgenden – völlig frei erfundenen – Begebenheit. Und ich habe sie frei von Zwang geschrieben.

Sie heißt:

Nur noch zehn Minuten, Liebste

[Sie liegt schon seit einer halben Stunde wach, weil sie weiß, er muss heute früh raus, da will sie ihm helfen beim Aufstehen, gleich wird sein Wecker klingeln. Es ist 4:30 Uhr.]

„Bist Du auch schon wach?“
„Ja, Du auch?“

„Ich kann da nicht schlafen, wenn Du früh raus musst. Da werd` ich einfach früher wach.“
„Das ist lieb. Ich steh´ auch gleich auf, dann hast Du wieder Deine Ruh´.“

„Bist Du wieder eingeschlafen?“
„Ja, beinahe, aber gleich klingelt mein Wecker.“

„Du kannst ja auch schon jetzt aufstehen. Es sind ja nur noch drei Minuten.“
„Ach gönn‘ mir doch die paar Sekunden.“

[Schnarchen. Sein Handy klingelt. Sie ist total genervt von diesem Weckton. Aber er braucht das. Er stellt den Ton ab. Schnarchen.]

„Du, Dein Handy hat geklingelt.“
„Wie? Ach ja. Ich muss ja raus. Wichtiges Meeting heute. Wie spät ist es denn? 4:37 Uhr. Weißt Du was, ich stell den Wecker noch mal auf 4:52 Uhr. Okay?“

„Hauptsache, Du machst dann Ernst.“

[Schnarchen. Sein Handy klingelt. Immer noch nervig, dieser Ton. Er lässt es klingeln. Sie ist hellwach,packt ihn am Schlafanzug, schüttelt ihn.]

„Du musst aufstehen. Dein Handy klingelt. Stell es bitte ab! Hörst Du? DEIN HANDY KLINGELT!“
„Uh! Aber das habe ich jetzt aber noch gebraucht. Weißt Du, der Termin ist unwahrscheinlich wichtig für mich, da muss ich ausgeruht hin!“

„Okay, dann steh jetzt auf, dann kannst Du Dich in aller Ruhe vorbereiten.“
„Ich bin so kaputt! Ich glaube, ich brauch noch mal ne Runde.“

„Ist nicht wahr, oder? Raubst mir die Nachtruhe und dann stehst Du nicht auf.“
„Ich hab Dich doch nicht geweckt. Du warst doch schon wach.“

„Sag mal, wann ist denn Dein Termin?“
„Um halb Zwei.“

„UM HALB ZWEI? Bist Du noch ganz okay? Stellst den Wecker auf halb Fünf, um ausgeruht zur Mittagszeit in einem enorm wichtigen Meeting zu sitzen? Mach, was Du willst!“

[Schnarchen. Sein Wecker klingelt. Es ist 6:00 Uhr. Sie hat die ganze Nacht kein Auge mehr zu getan. Neben ihr werden die gesammelten Waldbestände Mitteleuropas zersägt. Sie geht ins Bad. Duscht sich. Trocknet sich gerade ab, als ein völlig aufgelöstes Nachtgespenst die Badezimmertür aufreißt und sie fassungslos anstarrt.]

„Warum hast Du mich nicht geweckt? Weißt Du, was das für mich bedeutet? Meine ganze Vorbereitung ist im Eimer. Ich muss mich mental vorbereiten auf diesen Termin. Wann bitte soll ich das jetzt machen?“

Kopfschüttel …

© Ulf Runge, 2007

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