Station 21

29. Juli 2015 1 Kommentar

Leben 1186 – Donnerstag, 30.07.15

Station 21

 

Ein Krankenbesuch stand an. In einer Klinik. Und eigentlich war ich mir sicher, die Klinik zu kennen, weil ich dort in Kurzhausen schon mal gewesen bin.

Bis es denn so weit war mit dem Besuch, führte ich noch einige Telefonate und landete in der Regel erst mal im Stationszimmer. Was mich dabei total irritierte, war der Umstand, dass sich das Personal immer mit „Klinik Kurzhausen nuschel nuschel Bad Frauenberg“ meldete.

Ich warf meine Suchmaschine an und recherchierte, ob die Klinik in Kurzhausen mit einer weiteren in Bad Frauenberg fusioniert hätte. Nein, keine Hinweise.

Ob ich statt nach Kurzhausen besser nach Bad Frauenberg fahre? Immerhin liegen beide Städte gut 50 Kilometer auseinander.

Ich beschließe, die Nuschelei und Bad Frauenberg zu ignorieren und fahre nach Kurzhausen. Die meinen Besuch erwartende Person empfängt mich dann auch voll Freude.

Bad Frauenberg: Wohl alles nur Sturm im Wasserglas.

Am Ende des Besuchs kann ich mir dann doch nicht verkneifen, was es denn mit Bad Frauenberg auf sich habe. Die Erklärung, die ich bekomme, ist sowas von einfach, dass ich schmunzeln muss: Früher hätten die Stationen Nummern gehabt. Diese hier etwa Station 21. Und das habe man irgendwie etwas aufwerten wollen, etwas persönlicher gestalten. Etwa wie bei der Lufthansa, wo die Vögel ja auch Städtenamen haben. Und so sei diese Station eben nach Bad Frauenberg benannt.

Ich schließe die Augen, sitze an Bord eines Jets auf dem Flug von Frankfurt nach Hamburg, höre die Durchsage des Captains, „nuschel nuschel von Frankfurt nach nuschel nuschel Friedrichshafen.“

Verlasse Station 21 mit einem Lächeln.

© Ulf Runge, 2015

Versorgungsfürsorge

22. Juli 2015 2 Kommentare

Leben 1185 – Mittwoch, 22.07.15

Versorgungsfürsorge

Das Telefon klingelt. Eine Frauenstimme grüßt mich und sagt: „Wir bezahlen unsere Mitarbeiter so schlecht, dass wir Ihnen nicht trauen. Deshalb rufe ich Sie an. Können Sie mir bitte sagen, ob Sie unsere Werbung erhalten?“

Nein. So verlief das Telefonat nicht.

Eher so, glaube ich. „Guten Tag! Wir sind so schlecht bei der Auswahl von Mitarbeitern, dass wir immer nur die Unzuverlässigen bekommen. Deshalb rufe ich Sie an. Können Sie mir bitte …“

Nein. So auch nicht.

Jetzt erinnere ich mich wieder. „Guten Morgen, wir möchten überprüfen, ob Sie auch richtig mit unserer Werbung versorgt werden. Haben Sie diese erhalten?“

Ich bin leider zu überrascht, um diese Frage angemessen zu beantworten. Etwa zu fragen, ob ich mich zum Bespitzelungs-Handlanger von Unternehmen machen soll, die es wohl nicht schaffen, ihre Mitarbeiter entsprechend zu motivieren.

Stattdessen höre ich mich freundlich und ehrlich antworten: „Tut mir leid, aber ich lese keine Werbung!“

© Ulf Runge, 2015

Altersstark

15. Juli 2015 2 Kommentare

Leben 1184 – Mittwoch, 15.07.15

Altersstark

 

Ich habe ein altersstarkes Auto. Das ist das Gegenteil von altersschwach.

Man sieht es ihm allerdings nicht an.

Es hat eine Designer-Radioantenne. Seitdem ich vor einem Jahr vergessen hatte, sie rechtzeitig vor Beginn des Waschstraßenwaschganges einzufahren. Da der Radioempfang nach wie vor funktioniert, wasche ich das Auto seitdem von Hand. (Also nicht.)

Weiters hat es abschreckende Parkbeulen. Diebe abschreckend. Weil sich jeder Augenzeuge daran erinnern würde, dieses mein Auto gesehen zu haben. (Nein, auch das ist kein Grund, hier ein Foto einzustellen.)

Mein Auto kommt immer wieder durch den TÜV. Zumindest bisher. Und dank einer guten Autowerkstatt habe ich statt teurer Reparaturen mit fabrikneuen Ersatzteilen gute Erfahrungen gemacht mit dem Bezug gebrauchter Ersatzteile über Schrotthändler, die ihr Sortiment im Internet feil bieten.

Vor einem halben Jahr wollte die rechte Beifahrerscheibe sich nicht mehr schließen lassen. Meine Werkstatt hat einen Kabelbruch vermutet, die Leitung durchgeschnitten, die Enden gekürzt und miteinander verbunden. Problem gelöst.

Dieses Wochenende das gleiche wieder. Fenster lässt sich nicht schließen. Nachdem ich jetzt weiß, wie das geht, habe ich die Verkleidung ausgebaut und mal sämtliche Kabel und Stecker geprüft. Ohne Erfolg. Dann noch sämtliche Sicherungen durchgecheckt. Ohne Befund. Also doch ein Thema für die Werkstatt.

Zu meinem Autohändler gefahren. Nöö, er findet den Fehler auch nicht.

Er sieht mich ratlos an.

Dann erhellt sich sein Gesicht, er läuft rüber zur Fahrerseite.

Drückt auf den Knopf, mit dem man die Beifahrerseite verriegeln kann.

Das Lächeln der Sieger guckt mich an.

Normalerweise prüfe er diesen Knopf zuallererst. Aber da ich bereits mit unverkleideter Tür vorgefahren sei, habe er keinen Gedanken mehr darauf verschwendet, diesen arbeitssparenden Blick auf den Knopf zu werfen.

Wir lachen.

So buche ich diese Erfahrung gerne unter dem übervollen Konto: „Erst denken, dann handeln!“

 

© Ulf Runge, 2015

Prise? Nein! Portion!

Leben 1183 – Sonntag, 05.07.15

Prise? Nein! Portion!

 

Marktsamstag in meiner Marktsamstagseinkaufsstadt.

Noch schnell zum Bäcker Brot kaufen. Mein Hund darf draußen warten, ich lasse mich von der Dame hinter der Theke beraten. Auf meine Frage nach dem Weizenanteil der bei von mir angedachten Brote, erklärt sie mir ausführlich die Zutaten und Herstellung. Ich kaufe anderthalb Brote und zücke meine Treuekarte. Für jedes Brot bekommt man hier ich einen Stempelabdruck, nach zehn Mal tauscht man die vollgestempelte Karte gegen ein kostenloses Brot.

Die freundliche Dame hinter der Theke erklärt mit, dass das ab heute anders sei. Sie hätten ein neues Bonussystem, da bekomme man zukünftig für einen Mindesteinkauf von 3 Euro einen Stempel. Und zwar auf den neuen Bonuskarten. Sie holt eine hervor und überträgt die Stempel von der alten Karte auf die neue.

Ich bezahle und wir wünschen uns gegenseitig ein schönes Wochenende.

Mein Hund und ich gehen weiter, Richtung Marktstand. An einer engen Stelle der Fußgängerzone sind wir auf Kollisionskurs mit einem Herrn halblinks von mir. Ich werde langsamer, er wird langsamer, ich nehme das wahr, ohne ihn direkt anzuschauen, wir beeilen uns, dass er nicht so lange warten muss, ich drehe mich zu ihm um, sage freundlich „Dankeschön!“

Er lacht. „Nein, nein, das habe ich nicht für Sie getan!“ Er guckt verschmitzt. „Nicht für Sie, aber für Ihren Hund!“ Wir lachen. Gehen unseres Weges.

Rufen. Ich höre Rufen. Hinter mir. Ich drehe mich um. Vor mit steht die Bäckereifachverkäuferin. Hält die neue Bonuskarte in der Hand, die ich wohl liegengelassen habe.

Kleiner Hinweis: Es ist ein mächtig heißer Tag. Und die Dame ist außer Puste, weil sie sich beeilt hat, mich wiederzufinden. Ich frage nach ihrem Namen und bedanke mich maximal wertschätzend.

Das muss man sich mal überlegen. So eine Karte hätte mir – voll gestempelt – einen Nutzen von, ich greife mal hoch – 5 Euro gebracht. Es ist aber nicht der finanzielle Wert, der hier eine Rolle spielt. Die Dame hat keine Sekunde gezögert zu beweisen, dass ich in ihrem Stellenwertsystem nicht nur ein Brotkäufer bin, sondern ein Kunde, dem sie durch dieses Kümmern höchste Wertschätzung zeigt.

Ich vermute, dass wiederum mein Dank ihr ein gutes Gefühl gegeben, das man nur bekommt, wenn man mehr als Brote verkaufen möchte.

Wir kommen endlich am Marktstand an.

Die Marktfrau fragt mich nach meiner Woche, ich sie nach ihrer. Ich rufe ihr zu, was auf meinem Einkaufszettel steht, sie fasst es ein und wiegt das Gemüse und das Obst ab, und führen parallel dazu unser Gespräch fort. Nur vermeintlich belanglos, denn was wir uns nicht sagen: Ich schätze Dich, weil Du meinen „Alltag“ durch Freundlichkeit verschönst.

Bananen.

Ich kaufe fast jede Woche Bananen. Fünf Bananen. Oder mehr.

Ich bin am Ende meiner Einkaufsliste.

„Zum guten Schluss bräuchte ich noch Bananen!“ rufe ich meiner Marktfrau zu. Und weil Sie auch heute wieder so gut drauf ist, fragt sie: „Fünf Bananen wie immer? Oder sechs? Sieben? Acht?“ Sie lacht voller Erwartungsfreude auf meine Antwort.

„Vier!“ höre ich mich sagen. „Auf meinem Zettel steht vier!“ Sie mag es fast nicht glauben. Und hätte sich vermutlich am liebsten meinen Zettel zeigen lassen. Sie lacht und ich denke mir, sie glaubt, ich habe mir heute einen Spaß erlaubt.

Neben mich stellt sich eine Dame, die ich vom Sehen, vom Auch-hier-kaufen kenne. Ob mich denn die Dame aus der Bäckerei gefunden habe, möchte sie wissen. Ich verstehe. Noch eine Person, bei der ich mich bedanken darf. Ein Netzwerk von Helfern im Hintergrund zeigt die Spitze seines Eisberges.

Ich freue mich auf nächsten Samstag. Wenn ich mir wieder eine Prise, nein eine ganze Portion Lebensgefühl und Wertschätzung holen werde. An meinem Marktsamstag.

©Ulf Runge, 2015

 

P.S.: Ich vermute, dass das Ganze nicht funktioniert, wenn man es provoziert. Mit Absicht irgendwo etwas liegen lässt. Um dann gefunden zu werden und ins Gespräch zu kommen. Nee, nee, so nicht.

Kaputt – Zwei

Leben 1182 – Montag, 29.06.15

Kaputt – Zwei

Mein Drucker ist defekt.

Er ist altersschwach und jetzt sieht der Schaden größer aus, als dass sich eine Reparatur lohnt. Ich recherchiere. Der neue Druckertyp ist schnell identifiziert, der Preisvergleich führt dazu, dass ich im Netz kaufe und um die Ecke abholen kann. Das hat was.

In der Auftragsbestätigungs-E-Mail ist eine Rechnung enthalten, die ich ausgedruckt mitbringen soll.

Ja! Ausgedruckt!!!

© Ulf Runge, 2015

Kaputt – Eins

29. Juni 2015 5 Kommentare

Leben 1181 – Montag, 29.06.15

Kaputt – Eins

Mein Smartphone ist defekt.

Die Reparatur der Speicherkarte zieht sich hin.

Ich genieße, dass mich niemand erreicht. Dass ich beim Spazierengehen nur auf die Weinberge und Felder gucke. Und nicht aufs Display.

Dass ich ungestört arbeiten kann. Ach nee, da sind ja noch WLAN und Festnetz…

© Ulf Runge, 2015

Etikettenschwindel

14. Juni 2015 1 Kommentar

Leben 1180 – Sonntag, 14.06.15

Etikettenschwindel

 

Nicht immer ist drin, was draufsteht. Erneut habe ich diese bitte Erfahrung machen müssen.

Kaufe ich also Tonpapier – gibt es leider nicht einzeln -, und so muss ich gleich 50 Blatt auf einmal kaufen.

Letztendlich war es gut, dass ich gleich mehrere Seiten zum Ausprobieren hatte. Wenn Du ein Produkt kaufst und es tut nicht, dann musst Du erst wieder zurück zum Geschäft, man erklärt Dir, es sei ein Versehen gewesen, oder dass Du zu blöd bist, Du bekommst ein Ersatzprodukt. Und wenn dieses dann auch nicht tut, ja wehe wenn.

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