Ja, Mami

Leben 1167 – Sonntag, 15.02.15

Ja, Mami

 

Es ist kurz vor Feierabend. Ich betrete das Geschäft, weil endlich zufällig einmal gerade kein anderer Kunde drin ist. Nur eine Kundenberaterin. Und eine Dame, die den Boden staubsaugt.

Ich teile der Kundenberaterin meinen leicht erfüllbaren Wunsch mit, sie holt das Gerät aus dem Lager und ich bezahle bar.

Ich bin also fast schon fertig, fast schon wieder draußen, meine Wünsche wurden voll erfüllt, da passiert etwas, was zu erleben ich mir nicht gewünscht habe.

Die relativ laut staubsaugende Dame wird gemaßregelt, sie möge nicht staubsaugen, wenn Kunden im Laden seien. (Kunde, das bin ich. Und damit Stein des Anstoßes…)

Es ist mir peinlich. Noch peinlicher ist es der Gemaßregelten. Sie schaltet ihr Raumreinigungsgerät aus, zieht den Stecker aus der Steckdose und verzieht sich ins Backoffice.

Nun ist es ruhig, eine ideale Situation für ein Verkaufsgespräch, das aber schon längst abgeschlossen ist.

Nein, ich brauche keine Tüte. Lege den soeben erworbenen Artikel in den Einkaufskorb. Und den Kassenzettel auch.

Ein unerbitterlicher Blick trifft mich, begleitet von den Worten: „Das ist Ihr Garantiezettel! Den sollten Sie in ihr Portemonnaie tun!“

„Ja, Mami!“ liegt mir auf der Zunge. Brav falte ich den Garantiezettel, damit er ins Geldscheinfach passt. Brav verlässt der kleine Ulf den Laden. Ist bin nicht stolz auf mich. Hätte ich doch lieber der Raumpflegerin Beistand geleistet. Aber die hätte dann womöglich jetzt keinen Job mehr. Und nach einem anderen wird sie sich sowieso jetzt umgucken, wenn sie es nicht schon länger tut.

Ob ich noch einmal einen Laden betrete, in dem kurz vor Feierabend gesaugt wird? Ob ich DIESEN Laden sobald nochmal betrete?

Ja, aber dann mit Ritterrüstung. Oder als Pirat. Schließlich ist doch Fassenacht…

 

© Ulf Runge, 2015

Wie Öl runter

14. Februar 2015 2 Kommentare

Leben 1166 – Samstag, 14.02.15

Wie Öl runter

 

Irgendwo in Asien soll es bereits eine Großstadt geben, in der es außer den üblichen Verkehrsspuren für Autos, Fahrräder und Fußgänger inzwischen auch reservierte Bahnen für Smartphone-benutzende Fußgänger geben soll.

Das mal vorab.

Nein, obwohl das ja heutzutage immer mehr üblich ist, um Warte- und Verweilzeiten zu überbrücken, nämlich mal aufs Smartphone gucken, ob da irgendwas in der großen weiten Welt passiert ist, was einen eventuell tangieren könnten, also, obwohl das heutzutage gang und gäbe ist, hatte ich selbiges weggepackt.

Ich stand in der Warteschlange vor der Kasse und hatte mich auf eine richtig fette Wartezeit eingerichtet, weil der Mann vor mir wohl den halben Laden leergekauft hatte. Egal.

Ich war vertieft in meine handschriftlichen Notizen, hielt meine Gedanken mit dem Kugelschreiber fest.

Früher habe ich mit Bleistift geschrieben. Weil, vielleicht müsste ich noch was ändern. Es könnte was falsch daran sein, und dann müsste ich es korrigieren können.

Heute schreibe ich mit Kugelschreiber. Und wenn ich was ändern musswill, dann tue ich das. Und habe keine Schwierigkeit damit, dass ich anfänglich etwas „Falsches“ angenommen hatte. Was es nun zu korrigieren gilt.

Aber alles das wollte ich gar nicht erzählen. Bzw. Doch ich wollte es. Aber die Geschichte fängt erst jetzt und hier so richtig an.

Stehe also gedankenversunken vor einer Kasse. Als ich eine Stimme höre. Einen Satz. Der mit mir erst einmal nichts zu tun hat. Zu tun haben kann.

Ich sortiere das soeben Gehörte und lasse es noch einmal in meinem Kopf abspielen. Ich höre: „Junger Mann, Sie können sich auch hier anstellen!“

Ich wache langsam auf und blicke in die Augen einer amüsiert lächelnden Dame, die an der rechten, eben noch unbesetzten Kasse auf mich wartet.

Der junge Mann. Das bin ich. Ich fahre zu ihr rüber und rufe ihr belustigt zu: „Können Sie das bitte noch einmal wiederholen?“

Der Herr an der linken Kasse, den ich nun rechts überhole, grinst mich an.

© Ulf Runge, 2015

Kopftopfkino

11. Februar 2015 4 Kommentare

Leben 1165 – Mittwoch, 11.02.15

Kopftopfkino

 

Ich mache mir jetzt mal keine Gedanken, warum ich nicht weiß und auch nicht herausfinde, warum denn vielfacher Orten 3% Rabatt bei Barzahlung möglich sind. Um diese 3% nicht gleich herauszurücken und auch noch ein bisschen Kundentreue einzufordern, kam wohl jemand auf die Idee, den Sammler in uns zu wecken und Rabattmärkchen herauszugeben.

Die sind ja mittlerweile irgendwie passé, aber Treuemärkchen haben bis heute überlebt.

Diesmal waren beim Supermarkt meines Vertrauens auch Küchenutensilien dabei, Töpfe und so.

Fleißig gesammelt und eingeklebt.

Und nun halte ich ihn voll Sammlerstolz in der Hand, diesen Topf, bei dem mich nur eines stört. Material und Größe als auch die Form sind gelungen, aber sein Name macht es mir schwer, ihn gleich voll ins Herz zu nehmen: „Fleischtopf“!

Ich bin zwar nicht Vollvegetarier. Und mein Hund schon gar nicht. Aber dieser Topf ist eigentlich für Wasser, Milch oder Gemüse gedacht. Nicht für Fleisch, bitteschön! (Wo kann ich mich hier beschweren?)

Dieser Fleischtopf ist keiner. Er ist ein Kochtopf!!!

Moment.

Ich komme ins Grübeln.

Ein Jägerschnitzel (das ich sowieso schon lange nicht mehr esse) wird – so hoffen wir ja wohl alle – nicht aus toten Jägern kredenzt.

Aber wenn ein Fleischtopf für die Zubereitung von Fleisch dient, dann gilt das für einen Kochtopf ja wohl auch. Was mich bei diesem Kopftopfkino schließlich beruhigt, dass so ein ganzer Koch ja gar nicht hineinpassen würde.

Und so trage ich ihn voller Freude nach Hause, meinen Ex-Fleisch-nun-also-Koch-Topf!

© Ulf Runge, 2015

Peng

10. Februar 2015 2 Kommentare

Leben 1164 – Dienstag, 10.02.15

Peng

Er habe schlecht geschlafen heute Nacht. Berichtet mir mein Weinbergmann. Und schaut mich verschmitzt an.

Er habe Fürchterliches, Schlimmes geträumt.

Dass jemand mit der Pistole auf ihn schieße. Und während er dies sagt, funkeln und blitzen seine Äuglein.

Und als er aufgewacht sei, habe er tatsächlich ein Loch im Kopf gehabt.

(Pause.)

Bis er dann seinen Mund wieder zugemacht habe.

P.S.: Was für eine Gnade, diesen ganz besonderen Menschen immer wieder treffen zu dürfen.

© Ulf Runge, 2015

Ätsch! Ess Bizi!

Leben 1163 – Montag, 09.02.15

Ätsch! Ess Bizi!

Heute ist die Ätsch! Ess Bizi! Bank im Munde der Nachrichtensprecherinnen und –sprecher.

Mal ehrlich! Kennst Du dieses Geldinstitut? Nein. Nicht schlimm. Ich auch nicht.

Wobei.

Wenn ich mich recht erinnere, da war doch was:

Haa! Ess Bee Zeh! So dachte ich früher, dass sie so heißt. Aber das ist wohl falsch.

Ich warte auf den Tag, an dem wir nur noch Wi Dabbeljus kaufen und fahren. Oder für ein paar Dollar mehr: Einen Bi Ähm Dabbelju…

© Ulf Runge, 2015

Macht doch was ihr wollt – aber nicht mit meinen Daten

31. Januar 2015 12 Kommentare

Leben 1162 – Samstag, 31.01.15

Macht doch was ihr wollt – aber nicht mit meinen Daten

Datenschützer allerorten wundern sich, wie leichtfertig viele Menschen persönliche Daten in das „Schaufenster“ facebook stellen.

Diejenigen, die das tun, zucken oftmals mit der Schulter und sagen, „in Zeiten von NSA“ kann man ja eh nichts dagegen tun.

Um genau diese Diskussion soll es im Nachfolgenden nicht gehen.

Es geht vielmehr darum, was andere von Berufs wegen mit unseren Daten tun. Ohne dass einen leisen Schimmer haben, dass wir dazu etwas beigetragen hätten. Ohne dass wir informiert werden, was man uns da antut.

Beispiel 1, kam gestern auf SWR1 RP. Eine Frau aus Mainz parkt ohne Ticket und wird von einem damit beauftragten Privatunternehmen zu einem heftigen Knöllchen vergattert. Als sie nicht zahlt, kommt ein Inkasso-Unternehmen um die Ecke mit einer noch gravierenden Forderung, kurz unter 100 Euro.

Was war passiert, aus Sicht der Betroffenen? Sie hatte ein Ticket gezogen, kann das sogar beweisen, weil sie mit Kreditkarte gezahlt hatte. Sie kann aber nicht beweisen, dass sie vor Ausstellen des Knöllchens das Ticket gezogen hat. Weil das private Beaufsichtigungsunternehmen nicht mit der Uhrzeit rausrückt, wann denn die Ordnungswidrigkeit notiert worden ist.

Hinzu kommt, dass die Dame im Dunkel des Abends zu ihrem Auto zurückkehrt und dabei wohl das Knöllchen übersieht und somit nicht bemerkt, dass sie nun ein Fall für die nächste Eskalationsstufe wird.

Bei allem Mitgefühl für die Dame, es ist jetzt an dieser Stelle egal, ob sie recht hat, ob sie Recht bekommt. Oder auch nicht.

Weil, die für mich interessante Geschichte fängt jetzt an.

Bestellt die Frau im Internet einen Artikel. Will mit ihrer schon sehr lange dort hinterlegten Kreditkarte zahlen. Als ihr das auf einmal verweigert wird. Sie hinterfragt das und bekommt die Auskunft, dass ihre Bonität nicht mehr gegeben sei. Sie müsse mit Vorkasse zahlen, da sie als nicht kreditwürdig gemeldet worden sei. Möglicherweise von dem Inkassobüro.

Und an dieser Stelle frage ich mich: Warum erfahre ich als Bürger oder als Unternehmen nicht, wenn jemand mich irgendwo „anschwärzt“?

Dass die Kommunikation über die Bonität von Einzelpersonen und Geschäftspartnern unvermeidbar ist, um sich vor schwarzen Schafen zu schützen, dafür habe ich volles Verständnis. Aber warum werde ich nicht von Rechts wegen darüber informiert, dass mich jemand entsprechend bewertet und dies an Dritte weiterverbreitet?

Ist uns das egal? Kann uns das nicht passieren? Oder hat es sowieso keinen Zweck sich dagegen zu wehren?

Ich erzähle die Geschichte dem Bruno. Er hört mir aufmerksam zu. Um dann zu erzählen, dass er selber Opfer eines ähnlich gelagerten Falles sei.

Beispiel 2:

„Vor einigen Monaten ist mir passiert, dass mein Steuerberater dem Finanzamt aus Versehen eine falsche Lohnsteuerklasse gemeldet hat. Die Klasse wurde verdoppelt, mein Gehalt sozusagen halbiert.

Ich habe einen Riesenpapierkrieg führen müssen, um meinen Arbeitgeber zu überzeugen, dass das ein Fehler war. Und weil mein Arbeitgeber ein großer Arbeitgeber ist, ist er auch nicht in der Lage, die falsche Gehaltabrechnung zeitnah zu korrigieren. Ich habe einen ganzen Monat gucken müssen, dass mein Konto nicht gegen die Wand läuft.

Den Zinsverlust hat mir niemand bezahlt.

Und ich sag Dir was: Wenn einmal der Wurm drin ist, ist er drin.

Diesmal hat es vermutlich das Finanzamt verbockt, aber die sagen, sie seien es nicht gewesen. Und beweisen kann ich nichts. Eine Wand des Schweigens. Erneut erhalte ich meinen Gehalt einen Monat zu spät.

Und ich sag Dir was: Warum erfahre ich nicht vom Finanzamt von Amts wegen und von meinem Arbeitgeber vor lauter Arbeitnehmerfreundlichkeit, dass die Steuerklasse geändert worden ist. Und vielleicht auch warum.

Warum dürfen ‚die‘ mit meinen Daten einfach machen, was sie wollen, ohne dass eine Informationspflicht existiert?

Der Bruno wird das vermutlich überleben mit seinem Konto.

Und die Dame aus Mainz wird wohl auch „irgendwann“ wieder kreditwürdig sein.

Aber ich frage mich, warum lassen wir Bürger uns das gefallen?

©Ulf Runge,

 

 

Informatiktauglich

4. Januar 2015 3 Kommentare

Leben 1161 – Montag, 04.01.15

Informatiktauglich

In der Informatik geht es unter anderem ums Programmieren. Und beim Programmieren unter anderem um Speicherplätze. In den Speicherplätzen ist was drin. Nämlich Infos.

Im einen Speicherplatz steht etwa „Ulf“ drinnen. Im anderen etwa „Runge“.

Damit man die Infos wiederfindet, gibt man den Speicherplätzen einen Namen. Etwa x und y.

In x ist dann „Ulf“ drinnen. Und in y? Klaro, da steht „Runge“.

Manchmal gibt es Gründe, warum man den Inhalt von Speicherplätzen tauschen möchte.

Du sitzt z.B. im Zug oder im Flugzeug. Hast lange Beine und nen Fensterplatz. Da möchtest Du liebend gerne auch tauschen. Auf Gang. Oder?

Sowas gibt es auch in der Informatik.

Wenn dann zwei Speicherplätze den Inhalt tauschen sollen wollen, (wie gesagt, warum auch immer), dann ist der Schlüssel zu diesem (oft genug nicht erkannten) Problem zu erkennen, dass das gar nicht so einfach geht. Sondern, dass man einen Hilfsspeicherplatz h benötigt, um das Ganze zu bewerkstelligen.

Ein Informatiker schreibt dann:

h := x (bedeutet h bekommt den Inhalt von x; sprich „Ulf“ wandert nach h)
x := y (bedeutet x bekommt den Inhalt von y; sprich „Runge“ wandert nach x)
y := h (bedeutet y bekommt den Inhalt von h; sprich „Ulf“ wandert nach y)

Wer das mit dem „h“ ignoriert, der bekommt „zur Strafe“ folgendes Ergebnis:

x := y (sprich „Runge“ wandert nach x)
y := x (sprich „Runge“ wandert nach y)

Dann ist der „Ulf“ futsch.

Warum ich das jetzt erzähle? Weil der Ulf beinahe auch futsch gewesen wäre.

Ich unterscheide Autofahrer in informatiktaugliche und informatikuntaugliche.

In den vielen Stunden, die ich gestern auf der Autobahn verbracht habe, gab es zum Glück nur einen einzigen informatikuntauglichen. Aber der wäre beinahe mein Schicksal gewesen. Bei Tempo 130 und mehr wollte er mit mir die Plätze tauschen. Und vergaß das mit dem Hilfspeicherplatz. Zog ohne zu Blinken und zu Gucken dorthin, wo ich gerade unterwegs war. Ich beschloss dann kurzfristig, auf den Hilfspeicherplatz „i“ auf der Spur rechts von mir auszuweichen. Damit ich diesen Beitrag schreiben kann…

© Ulf Runge, 2015

P.S.: Ich finde, bei der Führerscheinvergabe sollte unbedingt der Nachweis der Informatiktauglichkeit geführt werden.

Kategorien:Leben
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