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Warum es Schmetterlinge gibt

24. August 2009 16 Kommentare
Leben 477 – Montag, 24.08.09

Tagpfauenauge 4514

Tagpfauenauge 4514

Warum es Schmetterlinge gibt?

Schmetterlinge sind dazu da, von Vögeln gefressen zu werden.

Schmetterlinge sind dazu da, damit Blüten bestäubt werden und Früchte wachsen können.

Schmetterlinge sind dazu da, damit jemand (unbekannt) den Spruch erschaffen konnte: „Wer glaubt, dass Zitronenfalter Zitronen falten können, der glaubt auch, dass Projektleiter Projekte leiten können.“

Schmetterlinge sind dazu da, damit man den kleinsten Kiddys die wundervolle Geschichte von der „Raupe Nimmersatt“ (von Eric Carle) vorlesen kann. Und vor allem zeigen. Ganz besonders die Löcher, durch sie sich durchgefressen hat.

Schmetterlinge sind dazu da, den Frühling als wirklich „da“ zu empfinden: „Du glaubst nicht, was ich heute gesehen habe! Den ersten Schmetterling in diesem Jahr!“

Schmetterlinge sind Boten der Schönheit der Natur, um uns in Ehrfurcht vor der Schöpfung zu versetzen. Um unsere Herzen zu erfreuen. Um uns aufzufordern, dass wir doch mit unseren Talenten unseren Beitrag zur Schönheit der Schöpfung leisten mögen. Jede und jeder, wie sie und er kann.

Ist es nicht ein Glück, wenn man einfach nur aus dem Haus gehen muss, um sich an dieser Pracht zu erfreuen?

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der nächste Falter, den Du siehst, ein Gruß von mir ist.

Tagpfauenauge 4520

Tagpfauenauge 4520

© Ulf Runge, 2009

Hohler geht es nicht – Eine Hommage

24. Oktober 2008 18 Kommentare

Leben 331– Freitag, 24.10.08

Nein, ich bin jetzt nicht total durchgeknallt, dass ich etwa glauben würde, dass das, was ich nun zu berichten habe, irgendwie von mir „verursacht“ sei, oder dass ich das z.B. mit übersinnlichen Kräften produziert hätte. Ich habe es mir ja auch gar nicht gewünscht, dass das so alles passiert. Und trotzdem ist es passiert.

Trotzdem. Für mich ist ein Zeichen. Nämlich dass Wunder passieren können.

Zur Sache.

Ich muss ehrlich gestehen, ich glaube ich habe ihn bisher nicht gekannt. Nicht wahrgenommen. Obwohl er schon 1943 geboren wurde, für mich ist er keine Woche alt.

Heute Abend habe ich darüber hinaus erfahren, dass er mit dem von mir hoch verehrten Hanns Dieter Hüsch auf den Bühnenbrettern dieser Welt gestanden hat.

Moment bitte noch, ich will es noch ein bisschen spannend machen…

Da fahre ich also am vergangenen Sonntag durch das nächtliche NRW-Land, verkehrsfunksenderzappend. Um dann auf einem Sender zu landen, auf dem Sprache kommt. Kultur halt. Weg damit. Denke ich. Tue ich aber nicht. Ich bleibe da. Emil ist zu hören. Emil Steinberger. Zumindest für 60 Sekunden oder 120. Aber dann issers irgendwie auch wieder nicht. Emil ist nicht Emil. Emil ist irgendwie ein Schweizer. Ein mir unbekannter Schweizer. Auf jeden Fall ist dieser Emil sehr unterhaltend. Abstrus. Grotesk. Befremdlich. Will sagen, da höre ich jemanden, der mir den Eindruck vermittelt, dass er auch schon mal die Straßenseite wechselt, um die Dinge anders zu sehen als sonst.

Franz Hohler heißt er. Und bekommt gerade einen Preis verliehen. Wie sich später herausstellt, höre ich sehr wohl den Verkehrsfunktsender WDR2, und ich höre gerade die Aufzeichnung einer Preisverleihung vom Frühjahr 2008, der Verleihung des Salzburger Stiers (was auch immer das sein mag, denke ich mir in diesem Augenblick) für sein Lebenswerk.

Lebenswerk? Also nicht mehr ganz taufrisch, der Herr. 1943 geboren, wie ich später erfahre. Und seit heute weiß ich auch, dass er für Emil geschrieben hat…

So weit, so gut. Ich fühle mich also radiohörenderweise vortrefflich unterhalten durch die witzige Schöpfungsgeschichte „Die Göttin“, durch den „Liederhörer“, den „Briefkasten“ und den sehr nachdenklich stimmenden „Weltuntergang“.

Aus. Vorbei. Wer es hören will (oder auch nicht) erfährt in den folgenden Tagen von mir von dem außergewöhnlichen Reichtum, den dieser Mensch uns anderen Menschen schenkt.

Dann ist aber auch irgendwann genug erzählt. Und aus.

Ich sitze …, es ist ja ziemlich egal wo ich sitze, lese die Tageszeitung, lese das, was gestern Abend druckfrisch war, lese es heute, weil die Zeitung ist bezahlt, dann will sie auch gelesen sein. Durch einen „Fehler“ beim Blättern lande ich nicht beim Sportteil, sondern bei Lokales. Ein gewisser Franz Hohler, wer auch immer das sein mag… FRANZ HOHLER????? Nee, oder? WANN? Am Freitag. WOOOO? Hier! Um die Ecke.

Am nächsten Tag rufe ich im Kartenvorverkauf an. Doch, da seien noch jede Menge Karten da. „Der Franz Hohler ist bei uns im Ort wohl doch nicht so bekannt.“ sagt mir die freundlicherweisekartenzurücklegende Stimme. Ich mache was Werbung.

Heute war dann doch ausverkauft. Ich glaube nicht wirklich, dass meine Werbung auch nur einen einzigen zusätzlichen Platz gefüllt hat. Aber ich habe ganz viele starke positive Gedanken geschickt, dass ausverkauft sein möge. Und es war. Es hat mich sehr gefreut, dass so viele Menschen da waren, Franz Hohler erleben zu wollen.

Da steht er nun vor uns. Er liest aus seinem aktuellen Buch „Es klopft“. Der könnte das Telefonbuch von Wanne-Eickel vorlesen, es ist ein Genuss, diesen Menschen hier vortragen zu hören, denke ich.

Aber seine Story ist darüber hinaus ganz besonders. Seine Wort gewordenen Gedanken ein Meisterwerk der Formulierung. Es ist ein erhebendes Gefühl, diesem außergewöhnlichen Menschen lauschen zu dürfen.

Die Geschichte gewinnt an Fahrt, und in diesem Augenblick wünsche ich mir, er möge das ganze Buch vorlesen und anschließend alle seine Kurzgeschichten und der Abend möge nicht enden.

Und doch macht er auf einmal Schluss. Mit den Auszügen aus „Es klopft“. Nach vielen Lachern und unterhaltsamen Passagen holt er sich seinen wohlverdienten Applaus ab.

Aber dann. Wir haben Gelegenheit, Fragen zu stellen. Originelle Fragen werden ihm gestellt, und Franz Hohler greift diese spontan und zugleich doch wohl formuliert auf, sowohl die Fragenden als auch der Antwortende finden zu einer Wortwahl, die allen Anwesenden, auch Franz Hohler, in wohltuender Erinnerung bleiben werden.

Und dann liest er noch aus seinen Kurzgeschichten. Hurra! Die Liebesgeschichte „Das Blatt“. Die Schöpfungsgeschichte „Die Schöpfung“. Den “Briefkasten”.

Wie gesagt. Ich „kenne“ ihn noch nicht mal eine Woche.

Und ich bin sicher: Hergeben werde ich ihn nicht mehr. Denn:

Hohler geht es nicht!

P.S.: Die Kurzgeschichten finden sich in seinem zauberhaften Band “Die Karawane am Boden des Milchkrugs – Groteske Geschichten”.

© Ulf Runge, 2008

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