Archive

Archive for the ‘Mein Schreibetagebuch: “Leben”’ Category

Kopftopfkino

11. Februar 2015 4 Kommentare

Leben 1165 – Mittwoch, 11.02.15

Kopftopfkino

 

Ich mache mir jetzt mal keine Gedanken, warum ich nicht weiß und auch nicht herausfinde, warum denn vielfacher Orten 3% Rabatt bei Barzahlung möglich sind. Um diese 3% nicht gleich herauszurücken und auch noch ein bisschen Kundentreue einzufordern, kam wohl jemand auf die Idee, den Sammler in uns zu wecken und Rabattmärkchen herauszugeben.

Die sind ja mittlerweile irgendwie passé, aber Treuemärkchen haben bis heute überlebt.

Diesmal waren beim Supermarkt meines Vertrauens auch Küchenutensilien dabei, Töpfe und so.

Fleißig gesammelt und eingeklebt.

Und nun halte ich ihn voll Sammlerstolz in der Hand, diesen Topf, bei dem mich nur eines stört. Material und Größe als auch die Form sind gelungen, aber sein Name macht es mir schwer, ihn gleich voll ins Herz zu nehmen: „Fleischtopf“!

Ich bin zwar nicht Vollvegetarier. Und mein Hund schon gar nicht. Aber dieser Topf ist eigentlich für Wasser, Milch oder Gemüse gedacht. Nicht für Fleisch, bitteschön! (Wo kann ich mich hier beschweren?)

Dieser Fleischtopf ist keiner. Er ist ein Kochtopf!!!

Moment.

Ich komme ins Grübeln.

Ein Jägerschnitzel (das ich sowieso schon lange nicht mehr esse) wird – so hoffen wir ja wohl alle – nicht aus toten Jägern kredenzt.

Aber wenn ein Fleischtopf für die Zubereitung von Fleisch dient, dann gilt das für einen Kochtopf ja wohl auch. Was mich bei diesem Kopftopfkino schließlich beruhigt, dass so ein ganzer Koch ja gar nicht hineinpassen würde.

Und so trage ich ihn voller Freude nach Hause, meinen Ex-Fleisch-nun-also-Koch-Topf!

© Ulf Runge, 2015

Peng

10. Februar 2015 2 Kommentare

Leben 1164 – Dienstag, 10.02.15

Peng

Er habe schlecht geschlafen heute Nacht. Berichtet mir mein Weinbergmann. Und schaut mich verschmitzt an.

Er habe Fürchterliches, Schlimmes geträumt.

Dass jemand mit der Pistole auf ihn schieße. Und während er dies sagt, funkeln und blitzen seine Äuglein.

Und als er aufgewacht sei, habe er tatsächlich ein Loch im Kopf gehabt.

(Pause.)

Bis er dann seinen Mund wieder zugemacht habe.

P.S.: Was für eine Gnade, diesen ganz besonderen Menschen immer wieder treffen zu dürfen.

© Ulf Runge, 2015

Ätsch! Ess Bizi!

Leben 1163 – Montag, 09.02.15

Ätsch! Ess Bizi!

Heute ist die Ätsch! Ess Bizi! Bank im Munde der Nachrichtensprecherinnen und –sprecher.

Mal ehrlich! Kennst Du dieses Geldinstitut? Nein. Nicht schlimm. Ich auch nicht.

Wobei.

Wenn ich mich recht erinnere, da war doch was:

Haa! Ess Bee Zeh! So dachte ich früher, dass sie so heißt. Aber das ist wohl falsch.

Ich warte auf den Tag, an dem wir nur noch Wi Dabbeljus kaufen und fahren. Oder für ein paar Dollar mehr: Einen Bi Ähm Dabbelju…

© Ulf Runge, 2015

Macht doch was ihr wollt – aber nicht mit meinen Daten

31. Januar 2015 12 Kommentare

Leben 1162 – Samstag, 31.01.15

Macht doch was ihr wollt – aber nicht mit meinen Daten

Datenschützer allerorten wundern sich, wie leichtfertig viele Menschen persönliche Daten in das „Schaufenster“ facebook stellen.

Diejenigen, die das tun, zucken oftmals mit der Schulter und sagen, „in Zeiten von NSA“ kann man ja eh nichts dagegen tun.

Um genau diese Diskussion soll es im Nachfolgenden nicht gehen.

Es geht vielmehr darum, was andere von Berufs wegen mit unseren Daten tun. Ohne dass einen leisen Schimmer haben, dass wir dazu etwas beigetragen hätten. Ohne dass wir informiert werden, was man uns da antut.

Beispiel 1, kam gestern auf SWR1 RP. Eine Frau aus Mainz parkt ohne Ticket und wird von einem damit beauftragten Privatunternehmen zu einem heftigen Knöllchen vergattert. Als sie nicht zahlt, kommt ein Inkasso-Unternehmen um die Ecke mit einer noch gravierenden Forderung, kurz unter 100 Euro.

Was war passiert, aus Sicht der Betroffenen? Sie hatte ein Ticket gezogen, kann das sogar beweisen, weil sie mit Kreditkarte gezahlt hatte. Sie kann aber nicht beweisen, dass sie vor Ausstellen des Knöllchens das Ticket gezogen hat. Weil das private Beaufsichtigungsunternehmen nicht mit der Uhrzeit rausrückt, wann denn die Ordnungswidrigkeit notiert worden ist.

Hinzu kommt, dass die Dame im Dunkel des Abends zu ihrem Auto zurückkehrt und dabei wohl das Knöllchen übersieht und somit nicht bemerkt, dass sie nun ein Fall für die nächste Eskalationsstufe wird.

Bei allem Mitgefühl für die Dame, es ist jetzt an dieser Stelle egal, ob sie recht hat, ob sie Recht bekommt. Oder auch nicht.

Weil, die für mich interessante Geschichte fängt jetzt an.

Bestellt die Frau im Internet einen Artikel. Will mit ihrer schon sehr lange dort hinterlegten Kreditkarte zahlen. Als ihr das auf einmal verweigert wird. Sie hinterfragt das und bekommt die Auskunft, dass ihre Bonität nicht mehr gegeben sei. Sie müsse mit Vorkasse zahlen, da sie als nicht kreditwürdig gemeldet worden sei. Möglicherweise von dem Inkassobüro.

Und an dieser Stelle frage ich mich: Warum erfahre ich als Bürger oder als Unternehmen nicht, wenn jemand mich irgendwo „anschwärzt“?

Dass die Kommunikation über die Bonität von Einzelpersonen und Geschäftspartnern unvermeidbar ist, um sich vor schwarzen Schafen zu schützen, dafür habe ich volles Verständnis. Aber warum werde ich nicht von Rechts wegen darüber informiert, dass mich jemand entsprechend bewertet und dies an Dritte weiterverbreitet?

Ist uns das egal? Kann uns das nicht passieren? Oder hat es sowieso keinen Zweck sich dagegen zu wehren?

Ich erzähle die Geschichte dem Bruno. Er hört mir aufmerksam zu. Um dann zu erzählen, dass er selber Opfer eines ähnlich gelagerten Falles sei.

Beispiel 2:

„Vor einigen Monaten ist mir passiert, dass mein Steuerberater dem Finanzamt aus Versehen eine falsche Lohnsteuerklasse gemeldet hat. Die Klasse wurde verdoppelt, mein Gehalt sozusagen halbiert.

Ich habe einen Riesenpapierkrieg führen müssen, um meinen Arbeitgeber zu überzeugen, dass das ein Fehler war. Und weil mein Arbeitgeber ein großer Arbeitgeber ist, ist er auch nicht in der Lage, die falsche Gehaltabrechnung zeitnah zu korrigieren. Ich habe einen ganzen Monat gucken müssen, dass mein Konto nicht gegen die Wand läuft.

Den Zinsverlust hat mir niemand bezahlt.

Und ich sag Dir was: Wenn einmal der Wurm drin ist, ist er drin.

Diesmal hat es vermutlich das Finanzamt verbockt, aber die sagen, sie seien es nicht gewesen. Und beweisen kann ich nichts. Eine Wand des Schweigens. Erneut erhalte ich meinen Gehalt einen Monat zu spät.

Und ich sag Dir was: Warum erfahre ich nicht vom Finanzamt von Amts wegen und von meinem Arbeitgeber vor lauter Arbeitnehmerfreundlichkeit, dass die Steuerklasse geändert worden ist. Und vielleicht auch warum.

Warum dürfen ‚die‘ mit meinen Daten einfach machen, was sie wollen, ohne dass eine Informationspflicht existiert?

Der Bruno wird das vermutlich überleben mit seinem Konto.

Und die Dame aus Mainz wird wohl auch „irgendwann“ wieder kreditwürdig sein.

Aber ich frage mich, warum lassen wir Bürger uns das gefallen?

©Ulf Runge,

 

 

Die richtige Antwort

3. Januar 2015 6 Kommentare

Zuallererst ein gutes Neues Jahr für meine Leserinnnen und Leser.

Für 2015 wünsche ich ganz besonders Erfüllung und Erfolg!

 

Leben 1160 – Samstag, 03.01.15

Die richtige Antwort

 

Aus der Küche hört Bruno ein Rufen: „Sag mal, was ist das denn hier für eine blaue Pille?“

Das ist die Sekunde, die Beziehungen dauerhaft verändern kann. Wenn man die falsche Antwort gibt. Denkt der Bruno. Und doch hört er sich antworten: „Das kann eigentlich nur Viagra sein, wenn es blau ist!“

Und bewegt sich zum Ort des delikaten Fundes.

Er nimmt den ihm hingehaltenen, sauberen Kochtopf, in dem sich einzig und allein dieses kleine Etwas befindet. Ja, es ist blau. Allerdings, es ist rund. (Wie auch immer eine Viagra-Tablette in diesen Haushalt gelangt sein könnte, es ist egal. Weil, das Teil ist rund.)

Entschlossen greift der Bruno dieses Etwas, betrachtet den Deckel vom Kochtopf und bedankt sich bei der Vielzahl unlösbarer Probleme auf dieser Welt, dass es ihm nun gerade eben vergönnt ist zu entdecken, dass dieses Teil eine Kappe ist, eine Schraubenkappe vom Kochtopfdeckel.

So hat diese harmlose Geschichte erst einmal ein harmloses Ende.

Aber den Bruno reitet der Teufel, so dass er später in größerer Runde von dieser Begebenheit berichtet.

Am Ende wird Bruno gefragt, woher er denn eigentlich wisse, dass Viagra-Tabletten nicht rund seien. Worauf er wahrheitsgemäß antwortet, dass er das als Mann wissen müsse.

Nein, die Geschichte endet hier. Du magst Dich darüber nicht freuen. Aber vielleicht Deine Fantasie. :-)

© Ulf Runge, 2015

Nachhaltige Nachhaltigkeit

27. Dezember 2014 2 Kommentare

Leben 1159 – Freitag, 27.12.14

Nachhaltige Nachhaltigkeit

 

Irgendwie sind wir alle gerne ein bisschen weniger oder mehr nachhaltig. Weil, wer nicht nachhaltig lebt, ist nicht en vogue, liegt nicht im Trend.

Nachhaltigkeit ist allerdings nicht wirklich ein Modebegriff. Und sowieso sehr schwer zu beschreiben.

Ich mach mal meine Definition von Nachhaltigkeit: Wenn ich abtrete, dann sollten die von mir verbrauchten Rohstoffe „Gesunde Luft, gesundes Wasser, verfügbare Lebensmittel, verfügbare Energie, unbelastete Natur“ möglichst in mindestens gleicher Menge wieder zur Verfügung stehen. Als wär ich gar nicht da gewesen. Zero-waste-Bilanz würde ich das nennen.

Natürlich sind wir alle davon meilenweit entfernt. Wer sich informieren möchte, wie schrecklich weit, der und dem empfehle ich, sich selber und seinen Liebsten das geniale Buch von Iris Pufé mit dem schlichten Titel „Nachhaltigkeit“ zu schenken. Dann kann niemand mehr behaupten, nichts davon gewusst zu haben, wie wir die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen zerstören.

Genug philosophiert.

Habe ich also jüngst wieder Tintenpatronen bestellt. Natürlich wiederaufgefüllte, in der Hoffnung dass die trotz ihres Hin- und Hertransportes eine günstige Ökobilanz haben. Damit „die“ auch immer wieder Patronen füllen können, schicke ich die leeren immer brav im portofreien Patronenbeutel zurück.

Nun hat sich das Druckvolumen bei mir ein wenig erhöht in letzter Zeit, sodass mir die briefgroßen Beutelchen irgendwie zu klein wurden. Was für ein Glück, dass ich beim Bestellen sah, dass „die“ auch kostenlose Sammelboxen zur Verfügung stellen und diese dann auch ohne Gebühren wieder abholen, wenn nichts mehr reinpasst.

Ja, so eine Box stelle ich mir auf eine Ecke vom Schreibtisch. Was dann wieder zum Nachhaltigsein anspornt, wenn man immer wieder mal drauf guckt. Dann fragt man sich: Muss ich diese Seite wirklich drucken?

Wenige Tage später klingelt es an der Haustür. Der Spediteur von „denen“. Er gibt mir ein kleines schnuckeliges Paket mit den bestellten Tintenpatronen. Ich quittiere den Empfang auf seinem Display-Unterschriften-Dingenskirchen und wünsche ihm noch einen schönen Tag. „Moment!“ meint er, er habe noch ein zweites Paket und läuft zum Lastwagen, um ein sperrig großes Teil zu holen und mir in die Hand zu drücken. Nun wünscht er mir einen schönen Tag und ist verschwunden.

Da ist sie also. Das ist sie also. Die für meine Schreibtischecke gedachte Recycling-Box. Mein Unterbewusstsein als auch mein Bewusstsein kommen unabhängig voneinander zu der Vermutung, dass es sich bei der noch aufzubauenden Box eher um ein Accessoire aus der Reihe „Feng Shui fürs Wohnzimmer“ handelt. Weil, das Teil wird sämtliche Wege im Büro versperren, sodass weder Arbeiten noch Flucht vor Feuer möglich sein werden.

Ich beschließe, das Teil erst einmal Teil sein zu lassen. Und nicht aufzubauen.

Dann denke ich mir, ich mach ein Foto von. Wodurch es nicht kleiner wird. Aber fassbarer.

 

20141202_135249

Während dieser große, unausgepackte Karton jetzt also immer wieder an einem anderen Ort in der Wohnung sein Asyl findet, reift bei mir die Entscheidung, dass ich anrufe. Bei „denen“. Ich erkläre der freundlichen Dame an der Service-Line, dass ich einen entscheidenden Fehler gemacht habe und die Maße der Recycling-Box beim Bestellen nicht annähernd zur Kenntnis genommen habe. Sie ist amüsiert und meint, ich solle die Box einfach zum Altpapier geben.

Mein Unterbewusstsein konfrontiert mich triumphierend mit dem Satz: „Da hast Du den Salat!“ Woraus mein Bewusstsein spottend textet: „Geben Sie die Recycling-Box für recycelbare, recycelte Tintenpatronen zum Altpapier-Recycling!“

Vermutlich ist die Kapazität der Box so groß, dass alle von mir künftig verbrauchten Patronen hineingepasst hätten. Sie hätte mich vermutlich überlebt. Aber es ist kein Platz in der Wohnung. Um das Thema trotzdem voranzubringen, schlage ich vor, dass die EU für neu errichtete Wohn- und Geschäftsgebäude den Tintenpatronenrecyclingboxaufstellungsraum vorschreibt. Abholung der Box alle sagen wir mal 20 Jahre.

Heute habe ich gedacht, dass die Box irgendwie auch etwas Wertschätzung verdient hat. Ja, ich werde sie dem Altpapier anheim geben. Aber vorher habe ich sie nochmal aufgebaut. Was hätte das für ein schönes Miteinander zwischen ihr und mir werden können. Alle paar Wochen hätte ich ihr eine leere Patrone anvertraut. Und wenn der große Laster sie abgeholt hätte, dann wären die Patronen vermutlich gar nicht mehr kompatibel zu aktuellen Druckermodellen. Was für eine Welt. Schluchz.

 

20141225_204821

Eine A4-College-Block vor der Box lässt ahnen, wieviele Patronen da rein passen… Myriaden, oder so

 

Das ist ziemlich peinlich, oder? Wenn es nur einen Recycling-Box-Besteller auf dieser Welt gibt, der sich aufgrund dieses Artikels die Maße der Box vorher anguckt, dann ist das…

… auch irgendwie…

…genau…

…nachhaltig! (Irgendwann muss jeder Blogbeitrag mal zu Ende sein.)

© Ulf Runge, 2014

 

Weihnachten 2014

24. Dezember 2014 6 Kommentare

Leben 1158 – Mittwoch und Heiligabend, 24.12.14

Weihnachten 2014

 

Liebe Leserinnen und Leser,

auf diesem Blog war es für lange Zeit ruhig wie wohl fast noch nie. Anders als früher will ich mal auch nicht versprechen, dass sich das ändert.

Nicht dass es nichts zu schreiben gegeben hätte. Allein die Muße, Erlebtes und Gedachtes in Worte zu fassen, habe ich mir nicht gegönnt.

Da ist der Weinbergmann, der mich beim Spazierengehen aufhält und darauf besteht, dass ich warte, bis er extra für mich handverlesen Äpfel von seinen Bäumchen pflückt, Früchte, die noch nie ein Pflanzen“schutz“mittel gesehen haben. Ich bedanke mich bei ihm, gehe nach Hause. Backe einen leckeren Apfelkuchen. Schneide ein paar große Stücke aus ihm heraus. Um wenig später an der Wohnungstür des Weinbergmannes zu klingeln. Und selbigen mit seinen Äpfeln zu überraschen.

Da gibt es viele kleine Momente, in denen liebe Menschen mir Gutes getan haben. Und wiederum andere Situationen, in denen ich ein bisschen was beitragen konnte.

Weihnachtsbild2014

 

Auf den Punkt bringt es ein Bonmot, das ich heute in meiner Weihnachtspost gefunden habe und liebend gerne an alle hier Lesenden weitergebe:

Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen,
die dem Leben seinen Wert geben.
Alexander von Humboldt

 

Ich wünsche erbauliche Feiertage und einen elanvollen Start ins Neue Jahr und danke für die lesende und kommentiere Begleitung meines Blogs,

herzlichst Ulf Runge

© Ulf Runge, 2014

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 317 Followern an