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Archive for the ‘Mein Schreibetagebuch: „Leben“’ Category

Wolkenbruch

21. Juni 2016 3 Kommentare

Leben 1261 – Dienstag, 21.06.16

Wolkenbruch

 

In diesen Breiten regnet es nie. Höchstens höchst selten. Das Land ist dürre, staubig der Boden, kein farbiger Pinsel, der bereit wäre, einen Tupfer Bunt in die Landschaft zu zeichnen.

Es ist überliefert, dass es Zeichen gibt, den ach so seltenen Regen, den herbeigesehnten, frühzeitig zu erkennen. Um sich auf ihn vorzubereiten. Nicht überrascht zu sein, wäre er denn dann da.

Nein, es gab keine Zeichen. Er war einfach da.

Das trockene Flimmern weicht sandigem Duft, beim Durchzählen der Sinne werden es immer mehr. Tropfen des Glücks fallen herab, benetzen die Lippen, überströmen die Körper.

Eine nicht enden wollende Flut. Unangekündigt.

Aus dem kargen Boden schießt Leben empor, unvermutetes Leben, in hektischer Eile unterwegs.

Eben noch der Sturzflut entsprungen, versickern die Seen, verrinnsalen sich.

Am Ende der Wolke bahnen unduldsame Strahlen der alten Ordnung den Weg, gleißende Hitze lässt die gerade noch gespürte Frische Erinnerung werden.

Auf Regen hoffen.

© Ulf Runge, 2016

Und sie dreht sich doch noch

19. Juni 2016 2 Kommentare

Leben 1260 – Sonntag, 19.06.16

Und sie dreht sich doch noch

 

Jüngst kam in mir eine Erinnerung hoch an meine Jugendzeit. Es geht um Musik. Musik in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das waren Vinylschallplatten. Die kleinen mit 45 UpM als Single oder EP, die großen mit 33 1/3 UpM. UpM sind Umdrehungen pro Minute.

Auf einer Single waren immer zwei „Lieder“ drauf. Eines auf der A-Seite, das andere auf der B-Seite. Manchmal landete auch die B-Seite in der Beliebtheit vor der A-Seite. Wobei, physikalisch betrachtet war es die gleiche Platte, ich habe keine Idee, wie man herausgefunden hat, ob die Leute nun die A-Seite oder die B-Seite gewählt hatten. Vermutlich ging das nur über das Voting, das damals noch nicht so hieß, zumindest nicht in Deutschland. Da hat man Hitparaden-Postkarten gezählt, vielleicht bisweilen auch schon Anrufe.

Auf einer EP, „ihhh“ „piii“ gesprochen, ich gugel das mal nicht, vermutlich steht es für Extended Platte, nein natürlich nicht, „P“ steht auf jeden Fall für „Play“, weil ich definitiv weiß, dass „LP“ für „Long Play“ steht. Fange nochmal an. Auf einer EP waren auf der A-Seite zwei Titel und auf der B-Seite ebenfalls zwei Titel. Die erste EP, die ich in der Hand hielt, war von den Beatles.

Und dann die LPs. Groß, unhandlich, kostbar. Bloß nicht mit der Hand drauffassen. Nicht auf den Boden fallen lassen. Nicht draufsetzen und all sowas.

Schallplatten waren schwarz.

Eines Tages hielt ich eine Sensation in der Hand. Eine LP mit diversen Interpreten, einen Sampler. Die Musik war klasse, am meisten hat mich aber beeindruckt, dass das Material bunt war. Weiß mit farbigen Schlieren. Als hätte ein Marmorkuchenbäcker die bunte Farbe vorsichtig unter die weiße Farbe gemischt. Und es sah einfach cool aus, dieses bunte Dingens auf dem Plattenteller rotieren zu sehen.

Warum ich das alles erzähle? Weiß ich nicht wirklich. Möglicherweise damit die eigentliche „Story“ weiter unten besser in ihrem Kontext wahrgenommen werden kann.

Wie vermutlich die meisten Menschen war (und bin) ich überzeugt von meinem guten Musikgeschmack. Deshalb will ich hier auch gar nicht über ihn schreiben.

Bemerkt werden soll stattdessen, dass ich mich schon mal – trotz sehr beschränkter Taschengeldkasse und minimalem Schülernebenverdienst bei Cornelius Stüssgen, zunächst als Auffüller an der Konserven- und Seifentheke, später dann nach 5-Finger-Blindtipp-Prüfung als Kassierer – dazu herleiten ließ, „andere“ Musik zu kaufen. Avantgardistische. Ein bisschen Studentenrevolte mit einer Prise LSD-Feeling.

Dazu sollte man wissen, dass es die Zeit der 68er-Bewegung war. Junge Leute waren links. Schnitten die Zöpfe von 1000 Jahren, die sich unter den Talaren befanden, mit der Schere ab. Manchmal geschah es in der Phantasie, bisweilen machte es schnipp und schnapp und irgendwas war ab.

In den Metropolen des Landes gründeten sich Politkommunen, junge Menschen, die in Wohngemeinschaften nicht nur das gemeinsame Geschirrabwaschen ausprobieren wollten, sondern auch mal gucken, wieviel Spaß Promiskuität und spärliche Bekleidung denn so mit sich bringen. Lange Bärte, ungewaschene Typen, nackte Schönheiten, das war das Bild, das die Medien der prüden Gesellschaft von diesen Kommunen vermittelten.

Wegbegleiter dieses Lebensgefühls war u.a. Amon Düül mit avantgardistischer „Musik“. Auf Schallplatten. (Endlich ist ein Handlungsstrang bei diesem Blogbeitrag vermutbar.)

Dann gab es noch Amon Düül 2. Die seien laut Wikipedia musikalischer gewesen.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich heute nicht mehr weiß, von welcher dieser beiden Gruppen denn das Album war, das ich seinerzeit erworben hatte. Ich würde das heute vermutlich nicht mehr als Musik bezeichnen. Eher als Klanggemälde. Mit einem erkennbaren Bezug zur Kakophonie.

Für das weitere Verständnis kann es hilfreich sein, die nächsten beiden Sätze nicht zu überspringen.

Im Gegensatz zur CD oder DVD mit ganz vielen kreisförmigen Spuren hat eine herkömmliche Schallplatte genau zwei Spuren. Eine auf der A-Seite. Und eine auf der anderen.

Wenn das Ende der Spur erreicht ist, bleibt der Tonabnehmer, der in der Spur fährt und die Berge und Täler auf der Vinyloberfläche in Hörbares umwandelt, einfach stehen. Spurende erreicht, also Stoppen.

Nicht so bei dieser Amon Düül (2?) LP.

Am Ende der Spur landet der Tonabnehmer in einer Kreisspur, aus der er nicht mehr herauskommt. Das Drehen der Platte findet kein Ende.

Hiermit ist die Beschreibung des von mir geschildert werden sollenden Sachverhaltes abgeschlossen. Eigentlich.

Wen es interessiert, was denn da zu hören war in dieser Endlosschleife, die oder der möge einfach hier hineinhören:

© Ulf Runge, 2016

Erstaufnahme Reloaded

16. Juni 2016 12 Kommentare

Leben 1259 – Donnerstag, 16.06.16

Erstaufnahme Reloaded

 

Mehrere haupt- und ehrenamtlich Engagierte hatten vergangenen Monat die Möglichkeit, bei einem Besuch der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Heidelberg einen Eindruck zu bekommen,

wie hochmodern, weil prozessorientiert,

wie effektiv, weil was bei rauskommt,

und wie effizient, weil beim Personaleinsatz Synergien zwischen unterschiedlichsten Behörden gehoben werden,

mit den Themen Erstaufnahme und Asylbeantragung umgegangen werden kann, wenn man bereit ist, die Schnittstellen behördlicher Zuständigkeiten der öffentlichen Wahrnehmung zu entziehen, indem die beteiligten Behörden und Hilfsorganisationen zeitnah und ortsnah kooperieren.

 

Hier der Bericht von unserem Besuch:

 

Bericht von einem Besuch bei der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge
im Patrick-Henry-Village Heidelberg am 25.05.2016

Bei einem informellen Gespräch bei der Erstaufnahmestelle Heidelberg konnten hauptamtlich und ehrenamtlich Engagierte aus Weinheim einen Eindruck gewinnen vom aktuellen Stand der Prozesse rund um die Erfassung von Asylbewerbern sowie die Bearbeitung von Asylanträgen.

 

Die Registrierung als auch die Einleitung und Durchführung des Asylbewilligungsverfahrens sind für Heidelberg komplett neu entwickelt worden, um in möglichst kurzer Zeit sehr viele Menschen zu erfassen und die leichter entscheidbaren Fälle zeitnah zu bearbeiten.

 

Der Prozess, der federführend vom BAMF unter Beteiligung von McKinsey entwickelt worden ist, ist an folgenden Zielen ausgerichtet:

 

·         Alle neu eintreffenden Geflüchteten, die aus Lokationen des Landes mit ca. zwei bis drei Tagen Vorlauf angekündigt werden, werden am selben Tag ersterfasst
·         Die Fortschritte im Asylbewilligungsverfahren werden für die Asylbewerber dadurch transparent, dass es im Laufe des Tages einen Umzug in immer wieder andere Warteräume in Richtung Ende des Ganges gibt, die den Fortgang des Verfahrens signalisieren.
·         Es gibt eine Trennung von Front Office Sachbearbeitern, die gemeinsam mit Dolmetschern Zahlen, Daten und Fakten erheben. Und auf der anderen Gangseite einen Back-Office-Bereich, in dem mit deutlich reduzierten Emotionen auf Basis der erhobenen Informationen eine zügige Entscheidungsfindung vorbereitet wird.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei diesem Konzept erscheint die inter-organisatorische Zusammenarbeit zwischen BAMF, Land BaWü, Zoll, Bundespolizei, Bundeswehr, Telekom, Diakonie, Caritas und Rotem Kreuz zu sein. Hier sind ausschließlich MitarbeiterInnen tätig, die sich freiwillig für dieses „Projekt“ gemeldet haben.

 

Was beeindruckend ist, dass diese Lösung hinsichtlich seiner Kapazitäten leicht nach oben geschraubt werden kann. Und an anderen Lokationen leicht übernommen werden kann.

 

 

Die Erstregistrierung läuft in folgenden Schritten ab:

 

·         Ausfüllen eines ersten Formulars zur Erhebung der wichtigsten Stammdaten, bei Bedarf mit Unterstützung durch Dolmetscher
·         Einzelregistrierung an einem Schalter durch eine/n Bedienstete/n von BAMF oder Land BaWü; hier findet auch eine erkennungsdienstliche Aufnahme mit biometrischen Fotos und durch Fingerabdrücke statt sowie ein Abgleich mit Polizei-Datenbanken (falls eine Fahndung anhängig ist) oder Datenbanken andere EU-Staaten statt (falls eine Registrierung bereits in einem andere EU-Staat erfolgt ist)
·         Inaugenscheinnahme durch einen Mediziner mit Röntgenuntersuchung des Thorax, um Tbc auszuschließen;
darüberhinaus werden freiwillige Impfungen angeboten, die generell gerne angenommen werden

 

Der Start des Asylverfahrens läuft in folgenden Schritten ab,
die durch die Prozess-Straße entlang des Gebäudeflurs wahrnehmbar gemacht werden:

 

·         Belehrung über die Mitwirkung am Asylverfahren
·         Stellung des Asylantrages
·         Prüfung der vorgelegten Dokumente
·         Abschluss des Asylantrages

Die Fortsetzung des Asylverfahrens im Rahmen eines Einzelgespräches unter Anwesenheit eines hierfür geeigneten Dolmetschers findet zu einem planbaren Zeitpunkt statt.

Limitierender Faktor sind hier die qualifizierten Entscheider, die sich mit den regionalen Gegebenheiten der Herkunftsländer so gut auskennen, dass sie eine fundierte Entscheidung über den Asylantrag treffen können.

Diese Gespräche müssen auch deshalb sehr präzise geplant und terminiert werden, damit die geeigneten Dolmetscher für diese Termine rechtzeitig beauftragt werden können.

Dass jemand in Heidelberg registriert worden ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch die Anhörung und die Entscheidung über den Antrag in Heidelberg passieren.

 

 

Bericht erstellt: Ulf Runge, ulf.runge@ulfrunge.de, 15.06.2016

 

© Ulf Runge, 2016

Nachteulenfutter

14. Juni 2016 2 Kommentare

Leben 1258 – Dienstag, 14.06.16

Nachteulenfutter

 

Dass mir gesunde Ernährung ein Anliegen ist, habe ich schon mehrfach bewiesen. Aus meinem noch nicht begonnenen Zyklus „Nachteulen – Aufzucht und Ernähung“ hier schon einmal die gefühlt 49. Folge „Nachteulenfutter“:

 

Es war die Raupe Nimmersatt,
die nächtlings starb,
den Magen sich verdarb,
an einem Kohlkopfblatt.

Drum greif ich gern zur Erdennuss,
die macht zwar dick und rund,
zur späten Abendstund,
statt sterben redet man nur Stuss.

 

© Ulf Runge, 2016

Dichterisch.wachs.achtest

10. Juni 2016 8 Kommentare

Leben 1257 – Freitag, 10.06.16

Dichterisch.wachs.achtest

 

Eine Kreativitätsübung beim Schreiben ist, sich drei Begriffe auszudenken und dann über diese drei Begriffe dergestalt zu schreiben, dass sich ein irgendwie gearteter Bezug ergibt, den man eventuell als noch als ein bisschen sinnvoll bezeichnen könnte.

Meine drei Begriffe sollen jetzt heißen: „Dichterisch“, „wachs“ und „achtest“.

Nein. Ich nehme keine Drogen. (Und weiß, dass das alle behaupten.)

Nein. Mir sind die Themen nicht ausgegangen. Auch das hier ist ein „Thema“.

Heute schreibe ich über eine (für mich) neue App, von der man meinen könnte, sie sei dazu erfunden worden, um ideenlosen Bloggern als Kreativitätsimpuls zu dienen. Dem ist allerdings nicht so.

Beim Öffnen dieser App erfahre ich etwas total Interessantes über das Stück Erde, auf dem Haus steht, in dem der Stuhl steht, auf dem ich gerade sitze.

Genau genommen befinde ich mich gerade in: „Dichterisch.wachs.achtest“.

Ich interpretiere das mal als die Chance, durch Achtsamkeit beim Dichten wachsen zu können. Was für ein Omen für meinen Blog, für diesen Artikel.

Ich riskiere, dass dieser Artikel nicht zu Ende gelesen wird, wenn ich nun zusätzlich verrate, dass ich bei einem Gang zur Toilette auf einmal über „Spätes.zelten.Kurse“ berichten würde.

Genug gescherzt.

Nähern wir uns diesem ernsthaften und in der Tat sinnvollen Thema mal über folgende Fragestellungen.

Du befindest Dich an einem wunderbaren Sandstrand. Möchtest von anderen gefunden werden. Möglichst präzise. Etwa damit diese anderen mit Dir im Meer baden gehen. Vielleicht aber sind diese anderen aber auch Rettungskräfte, die Deine Begleiter und Dich retten, nachdem Ihr mit einem Rettungsboot hier gestrandet seid. Die Bandbreite reicht also von Freizeitvergnügen bis Lebensrettung.

Die App basiert auf der Idee, den Globus in eine riesige Anzahl von Kleinstflächen einzuteilen und diesen einen eindeutigen Namen zu geben, der sich aus drei Wörtern zusammensetzt.

Mit Hilfe von Längen- und Breitengraden geht das prinzipiell ja heute schon viel genauer. Allerdings sind das Zahlenkolonnen mit Vorder- und Hinter-Kommastellen, bei deren Weitergabe sich der Fehlerteufel viel leichter einschleichen kann als bei der Verwendung von drei Wörtern, die in ihrer Schreibweise und in Ihrem Klang nahezu nicht verwechselbar sind.

Besagt App heißt what3words. Ich bedanke mich bei SWR3, auf diese in ihrer Tragweite noch nicht abschätzbare Bereicherung meiner App-Sammlung aufmerksam gemacht zu haben.

So und jetzt verabschiede ich mich zum Schlafen nach „geklärt.gaben.laufe.“

© Ulf Runge, 2016

Alles gesagt

8. Juni 2016 2 Kommentare

Leben 1256 – Dienstag, 07.06.16

Alles gesagt

 

Podiumsdiskussion. Ein Moderator, der leider nicht den Auftrag hat, eine kontroverse Diskussion führen zu lassen. Die streitenden Parteien ihre Standpunkte darlegen lassen, einander hinterfragen, Argumente austauschen und möglicherweise am Ende mehr voneinander wissen, vielleicht Verständnis entwickeln. Eventuell sogar Kompromissbereitschaft zeigen?

Nein. Leider nicht. Den Auftrag hat er nicht, der Moderator. Die Podiumsdiskussion entpuppt sich schnell als eine Werbeveranstaltung des Veranstalters, mit der die Gäste zu verschiedenen Themen bei Laune gehalten werden sollen. Die Teilnehmer der Diskussion werden mit ach so provokativen Fragen herausgefordert, um dann brave Antworten zu geben.

Es gibt also eigentlich nichts von dieser Podiumsdiskussion zu berichten.

Außer dem Umstand, dass ich es vermieden habe, wegzunicken. Nichts hasse ich mehr, als mich selber schnarchen zu hören. Und dass andere das mitbekommen.

Obwohl. Da war doch noch was.

Einige Teilnehmer stehen mit mir anschließend noch zusammen. Wir unterhalten uns über das soeben Gehörte und Gesehene. Der Herr mir gegenüber meint, der Moderator habe vermutlich folgendes Prinzip befolgt: „Es ist alles gesagt, nur noch nicht von jedem!“

© Ulf Runge, 2016

Mandarin

5. Juni 2016 6 Kommentare

Leben 1255 – Sonntag, 05.06.16

Mandarin

Diesen Beitrag gäbe es nicht ohne Tim Mälzer. Der Umkehrschluss hingegen ist unzulässig.

Wie allgemein bekannt ist, gucke ich kein Fernsehen. Außer, wenn Fußball kommt. Dann ist das ja auch Fußball, was kommt, und kein Fernsehen.

Was sich nicht vermeiden lässt, wenn man bei anderen Menschen zu Gast ist, dass man dann dort etwas Fernsehen mitbekommt. Und besagtes jenes Mal war Tim Mälzer flimmernderweise präsent. Es ging um Brot. Und er gab einen interessanten Tipp zum Brotfrischhalten von sich. Statt ein Brot in eine Plastiktüte zu verpacken, damit man auch etwas von den Weichmachern hat, nein, streiche letzten Nebensatz, ersetze durch: damit es auch schön frisch bleibt, empfahl der Fernsehkoch, Brot in ein Handtuch einzupacken. Dort bleibt es frisch und fängt nicht an zu schimmeln, was ich dann beides sehr praktisch finde.

Seit diesem historischen Fernsehabend wird das Brot also in Handtücher eingepackt. Sicherheitshalber kommt noch ein Gummi drum herum, um unbeabsichtigtes Auseinanderwickeln des Nahrungsmittels zu verhindern.

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Manchmal habe ich es eilig. Möchte die Wohnung verlassen. Ach nee, das wollte ich noch gar nicht erzählen. Kommt später.

Also, eigentlich esse ich gar kein Brot. Genau. Wir halten fest: Kein TV, kein Brot.

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Eigentlich trinke ich gerne einen Espresso, genau genommen einen Doppio. Wobei meine Erfahrung mit der Interpretation von Doppio unterschiedlich ist. Es gibt drei Varianten, und ich habe nicht bei Wikipedia nachgeschaut:

  • Gleiche Menge Kaffee, doppelte Menge Wasser.
  • Doppelte Menge Kaffee, doppelte Menge Wasser.
  • Gleich Menge Kaffee, halb so viel Wasser. (Ist ja dann doppelt stark.)
  • Oder meine: Espressopulver bis Espressohalter voll ist, Wasser bis kleine Kaffeetasse voll ist. (Die Espressotassen sind einfach zu klein für Doppio.)

Und ich habe gelernt, dass mir Espresso am besten bekommt, wenn ich etwas dazu esse. Das ist jetzt aber schwierig. Oft mag ich den Espresso nach dem Essen. Bin eigentlich satt. Mag ihn aber trotzdem nicht „leer“ trinken.

Da wäre ein Keks angebracht. Aber der ist ja voller Zucker und Kohlenhydrate. Geht also gar nicht.

So, jetzt kommt das Brot ins Spiel. Ich wickle das Handtuch mit dem Brot auf, nachdem ich den Gummi entfernt habe.

Bestreiche das Brot mit Butter und belege es mit leckerem Scheibenkäse. (Ja, ich weiß, eigentlich bin ich satt.)

Der Espresso ist fertig und die Zwischenmahlzeit kann beginnen.

Nun ist das Getränk noch viel zu heiß und die erste Scheibe Brot wird gegessen, während die Tasse kaum Flüssigkeitsverlust meldet.

Also darf es eine weitere Scheibe Brot sein. Und jetzt wird auch klar, warum ich das Brot nicht sofort nach Entnahme einer Scheibe wieder verpacke. Es könnte ja noch etwas Espresso in der Tasse sein, der nicht unbegleitet getrunken werden möchte.

Manchmal sind drei Scheiben notwendig, um die Tasse zu leeren. Das ist einfach der Zubereitungshitze geschuldet.

Wo war ich? Richtig. Ich hatte es eilig, habe ich vorhin schon mal gesagt. Muss aus dem Haus. Aber nicht ohne aufgeräumte Küche. Wirble noch, was ich kann. Teile des Geschirrs wandern in die Maschine, der Rest will handgespült sein. Und, man ahnt es schon, handtuchgetrocknet.

Ich vergaß zu erwähnen, dass das Handtuchbrot immer noch nicht wieder ins Brothandtuch eingepackt worden war. Und so kommt es, wie es kommen muss. Ich nehme das nächstgelegene Handtuch, um das Geschirr zu trocken, als mir einige Scheiben des kostbaren Brotes auf den Küchenboden fallen. Ich entscheide mich gegen die Weiterverwendung des heruntergefallenen Brotes, habe dabei ein blödes Gefühl und sage mir: „Das muss nicht sein!“

Wie gesagt, danke an Tim Mälzer. Für die geniale Idee mit dem Handtuch.

Und dass er mich jetzt zusätzlich auf eine neue Idee gebracht hat.

Ich steige ich in die Handtuchproduktion ein. Handtücher, auf denen das Wort „BROT“ so groß aufgedruckt ist, dass DAS nie wieder passiert, nämlich dass ich ein Geschirrhandtuch mit einem Brothandtuch verwechsle.

Um den Weltmarkt aufzurollen, soll besagtes Wort auch in anderen Sprachen aufgedruckt werden. Etwa „BREAD“, das fällt mir spontan ein. Französisch darf drauf, gerne auch Arabisch. Beim Brainstormen fällt dann ein Wort, das seinen Charme hat: „MANDARIN“. Ja, auch „MANDARIN“ wird drauf stehen.

Nein, Blödsinn. „Brot“ in der Sprache Mandarin natürlich.

Ich beschließe, diesen Artikel zu schreiben.

Um ihn dann anschließend an Tim Mälzer zu schicken. Vielleicht können wir ja was gemeinsam draus machen.

© Ulf Runge, 2016

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