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Archive for the ‘Mein Schreibetagebuch: “Leben”’ Category

Nachhaltige Nachhaltigkeit

27. Dezember 2014 2 Kommentare

Leben 1159 – Freitag, 27.12.14

Nachhaltige Nachhaltigkeit

 

Irgendwie sind wir alle gerne ein bisschen weniger oder mehr nachhaltig. Weil, wer nicht nachhaltig lebt, ist nicht en vogue, liegt nicht im Trend.

Nachhaltigkeit ist allerdings nicht wirklich ein Modebegriff. Und sowieso sehr schwer zu beschreiben.

Ich mach mal meine Definition von Nachhaltigkeit: Wenn ich abtrete, dann sollten die von mir verbrauchten Rohstoffe „Gesunde Luft, gesundes Wasser, verfügbare Lebensmittel, verfügbare Energie, unbelastete Natur“ möglichst in mindestens gleicher Menge wieder zur Verfügung stehen. Als wär ich gar nicht da gewesen. Zero-waste-Bilanz würde ich das nennen.

Natürlich sind wir alle davon meilenweit entfernt. Wer sich informieren möchte, wie schrecklich weit, der und dem empfehle ich, sich selber und seinen Liebsten das geniale Buch von Iris Pufé mit dem schlichten Titel „Nachhaltigkeit“ zu schenken. Dann kann niemand mehr behaupten, nichts davon gewusst zu haben, wie wir die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen zerstören.

Genug philosophiert.

Habe ich also jüngst wieder Tintenpatronen bestellt. Natürlich wiederaufgefüllte, in der Hoffnung dass die trotz ihres Hin- und Hertransportes eine günstige Ökobilanz haben. Damit „die“ auch immer wieder Patronen füllen können, schicke ich die leeren immer brav im portofreien Patronenbeutel zurück.

Nun hat sich das Druckvolumen bei mir ein wenig erhöht in letzter Zeit, sodass mir die briefgroßen Beutelchen irgendwie zu klein wurden. Was für ein Glück, dass ich beim Bestellen sah, dass „die“ auch kostenlose Sammelboxen zur Verfügung stellen und diese dann auch ohne Gebühren wieder abholen, wenn nichts mehr reinpasst.

Ja, so eine Box stelle ich mir auf eine Ecke vom Schreibtisch. Was dann wieder zum Nachhaltigsein anspornt, wenn man immer wieder mal drauf guckt. Dann fragt man sich: Muss ich diese Seite wirklich drucken?

Wenige Tage später klingelt es an der Haustür. Der Spediteur von „denen“. Er gibt mir ein kleines schnuckeliges Paket mit den bestellten Tintenpatronen. Ich quittiere den Empfang auf seinem Display-Unterschriften-Dingenskirchen und wünsche ihm noch einen schönen Tag. „Moment!“ meint er, er habe noch ein zweites Paket und läuft zum Lastwagen, um ein sperrig großes Teil zu holen und mir in die Hand zu drücken. Nun wünscht er mir einen schönen Tag und ist verschwunden.

Da ist sie also. Das ist sie also. Die für meine Schreibtischecke gedachte Recycling-Box. Mein Unterbewusstsein als auch mein Bewusstsein kommen unabhängig voneinander zu der Vermutung, dass es sich bei der noch aufzubauenden Box eher um ein Accessoire aus der Reihe „Feng Shui fürs Wohnzimmer“ handelt. Weil, das Teil wird sämtliche Wege im Büro versperren, sodass weder Arbeiten noch Flucht vor Feuer möglich sein werden.

Ich beschließe, das Teil erst einmal Teil sein zu lassen. Und nicht aufzubauen.

Dann denke ich mir, ich mach ein Foto von. Wodurch es nicht kleiner wird. Aber fassbarer.

 

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Während dieser große, unausgepackte Karton jetzt also immer wieder an einem anderen Ort in der Wohnung sein Asyl findet, reift bei mir die Entscheidung, dass ich anrufe. Bei „denen“. Ich erkläre der freundlichen Dame an der Service-Line, dass ich einen entscheidenden Fehler gemacht habe und die Maße der Recycling-Box beim Bestellen nicht annähernd zur Kenntnis genommen habe. Sie ist amüsiert und meint, ich solle die Box einfach zum Altpapier geben.

Mein Unterbewusstsein konfrontiert mich triumphierend mit dem Satz: „Da hast Du den Salat!“ Woraus mein Bewusstsein spottend textet: „Geben Sie die Recycling-Box für recycelbare, recycelte Tintenpatronen zum Altpapier-Recycling!“

Vermutlich ist die Kapazität der Box so groß, dass alle von mir künftig verbrauchten Patronen hineingepasst hätten. Sie hätte mich vermutlich überlebt. Aber es ist kein Platz in der Wohnung. Um das Thema trotzdem voranzubringen, schlage ich vor, dass die EU für neu errichtete Wohn- und Geschäftsgebäude den Tintenpatronenrecyclingboxaufstellungsraum vorschreibt. Abholung der Box alle sagen wir mal 20 Jahre.

Heute habe ich gedacht, dass die Box irgendwie auch etwas Wertschätzung verdient hat. Ja, ich werde sie dem Altpapier anheim geben. Aber vorher habe ich sie nochmal aufgebaut. Was hätte das für ein schönes Miteinander zwischen ihr und mir werden können. Alle paar Wochen hätte ich ihr eine leere Patrone anvertraut. Und wenn der große Laster sie abgeholt hätte, dann wären die Patronen vermutlich gar nicht mehr kompatibel zu aktuellen Druckermodellen. Was für eine Welt. Schluchz.

 

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Eine A4-College-Block vor der Box lässt ahnen, wieviele Patronen da rein passen… Myriaden, oder so

 

Das ist ziemlich peinlich, oder? Wenn es nur einen Recycling-Box-Besteller auf dieser Welt gibt, der sich aufgrund dieses Artikels die Maße der Box vorher anguckt, dann ist das…

… auch irgendwie…

…genau…

…nachhaltig! (Irgendwann muss jeder Blogbeitrag mal zu Ende sein.)

© Ulf Runge, 2014

 

Weihnachten 2014

24. Dezember 2014 6 Kommentare

Leben 1158 – Mittwoch und Heiligabend, 24.12.14

Weihnachten 2014

 

Liebe Leserinnen und Leser,

auf diesem Blog war es für lange Zeit ruhig wie wohl fast noch nie. Anders als früher will ich mal auch nicht versprechen, dass sich das ändert.

Nicht dass es nichts zu schreiben gegeben hätte. Allein die Muße, Erlebtes und Gedachtes in Worte zu fassen, habe ich mir nicht gegönnt.

Da ist der Weinbergmann, der mich beim Spazierengehen aufhält und darauf besteht, dass ich warte, bis er extra für mich handverlesen Äpfel von seinen Bäumchen pflückt, Früchte, die noch nie ein Pflanzen“schutz“mittel gesehen haben. Ich bedanke mich bei ihm, gehe nach Hause. Backe einen leckeren Apfelkuchen. Schneide ein paar große Stücke aus ihm heraus. Um wenig später an der Wohnungstür des Weinbergmannes zu klingeln. Und selbigen mit seinen Äpfeln zu überraschen.

Da gibt es viele kleine Momente, in denen liebe Menschen mir Gutes getan haben. Und wiederum andere Situationen, in denen ich ein bisschen was beitragen konnte.

Weihnachtsbild2014

 

Auf den Punkt bringt es ein Bonmot, das ich heute in meiner Weihnachtspost gefunden habe und liebend gerne an alle hier Lesenden weitergebe:

Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen,
die dem Leben seinen Wert geben.
Alexander von Humboldt

 

Ich wünsche erbauliche Feiertage und einen elanvollen Start ins Neue Jahr und danke für die lesende und kommentiere Begleitung meines Blogs,

herzlichst Ulf Runge

© Ulf Runge, 2014

Wundervolles Netzwerken

11. Dezember 2014 2 Kommentare

Leben 1157 – Donnerstag, 11.12.14

Wundervolles Netzwerken

 

 

Es gibt da ein monatliches Netzwerktreffen in Bensheim-Auerbach, von dem ich hin und wieder schon berichtet habe. Im August habe ich dort einen Vortrag zum Thema „Warum sich Netzwerken lohnt“ gehalten.

Ziel des Vortrages ist es aufzuzeigen, wie wichtig es für uns selber sein kann, durch die Erweiterung und Pflege des Bekanntenkreises förderliche Impulse für das eigene Leben zu bekommen. Und dass hier selbstverständlich Geben genauso wichtig ist wie Nehmen und Annehmen.

Den Vortrag habe ich mit Prezi erstellt, einem neuartigen Werkzeug für die Erstellung von Präsentationen, das es erlaubt, beliebig durch die Präsentation zu „gehen“, ähnlich wie man bei einem Mindmap jederzeit verschiedene Pfade einschlagen kann. Diese beliebige Orientierung in einer Präsentation kann man sich vorstellen wie das Arbeiten mit einer Lupe, die an jeder Stelle der Präsentation mehr Details sichtbar machen kann.

Natürlich gibt es auch einen roten Faden durch die Präsentation, wenn man nicht hin- und herspringen möchte.

Meinem Prezi-Erstling merkt man allerdings gefühlte 200 Jahre Powerpoint an. Die Genialität von Prezi habe ich nicht einmal annähernd umgesetzt.

Einfach mal gerne meine Präsentation anklicken und ausprobieren. (Falls Du ratlos bist, wie das geht, helfen die großen Pfeiltasten nach rechts und links.)
Und dann noch auf der Prezi-Homepage Appetit bekommen auf mehr.

 

P.S. Das oben Geschriebene wäre so ungefähr mein Blogbeitrag im August gewesen.

Inzwischen ist einiges passiert. Joachim E., den ich mehrere Male in meiner Präsentationen als wunderbaren Netzwerker erwähne, hat einen Schlaganfall gehabt. Ihn dann kurz nach dem schlimmen Ereignis vom Schicksal getroffen zu sehen, hat mich mächtig berührt.

Joachim ist ein Kämpfer. Und Joachim hat eine wunderbare Partnerin. Beide sind jetzt auf einem langen Weg, der viel Zeit, Kraft und Geduld erfordern wird. Sie werden es schaffen, ich bin da sehr zuversichtlich.

Meine Gedanken sind bei den beiden. Ich wünsche Joachim weiterhin gute Genesung.

 

Edit 14.12.14: Die Präsentation auf einem Windows-PC zu betrachten, sollte eigentlich funktionieren. Abenteuerlich bis frustrierend ist es, die Präsentation auf einem Android-Smartphone “zum Laufen” zu bringen. Möglich ist, dass auch auf Smartphones mit anderen Betriebssystemen kein Betrachtungsgenuss entsteht…

© Ulf Runge, 2014

 

Baustelle

24. November 2014 3 Kommentare

Leben 1156 – Montag, 24.11.14

Baustelle

 

Manchmal geht man durch das Leben. Alles ist okay. Irgendwie okay. Vertraut. Und dann fängst Du an zu stutzen, weil etwas anders ist.

In der Fahrschule habe ich gelernt, dass die blauen Verkehrsschilder Gebots-Schilder sind. (Oder Autobahn, aber das zählt hier jetzt nicht.)

Mein beliebtestes Gebotsschild ist das mit der Mindestgeschwindigkeit. Blau und mindestens 110. (Nein, bitte nicht 1 1 0. Und natürlich auch nicht „blau“.)

An so einem Gebotsschild bin ich heute auch vorbei gelaufen. Aber es „gebot“ dem fahrenden Verkehr, nicht zu gebieten, sondern das Gegenteil davon. Warten. Wie gesagt, ich musste noch einmal zurück laufen, weil mein Unterbewusstsein „Halt!“ gerufen hatte.

Das hat mir dann diesen wunderschönen Schnappschuss ermöglicht. Mitten im ach so korrekten Deutschland.

Schild1

Am Ende der Baustelle hat mich die dortige Beschilderung auf eine Idee gebracht. Für noch ein neues Verkehrsschild…

Schild2

Leben kann so einfach sein…

 

© Ulf Runge, 2014

 

Der Buchtipp

16. November 2014 5 Kommentare

Leben 1155 – Sonntag, 16.11.14

Der Buchtipp

 

Ich stehe am Büchertisch, betrachte die vielen ausliegenden Bücher der Vortragenden des heutigen Abends. Es kommen aber auch Werke anderer Schriftsteller zum Verkauf. Mein Blick fällt auf ein dünnes Taschenbuch, das in die Hand zu nehmen ich mich gerade überlege.

„Das ist ein wunderbares Buch!“ spricht mich die Dame neben mir an. „Ich habe dieses Buch seit Jahren bei mir. Schaue immer wieder rein. Es hat mein Leben ganz intensiv beeinflusst.“

Während sie das sagt, leuchten ihre Augen vor Freude. Ich greife nach dem Buch, blättere ein bisschen hin und her, lese im Inhaltsverzeichnis u.a. „Achtsamkeit“.

Um mich für diesen Buchtipp sozusagen zu bedanken, antworte ich auch mit einem Buchtipp: „Ich kann Ihnen Thich Nath Hanh ans Herz legen!“

Da mischt sich die Buchhändlerin ein, die hinter dem Büchertisch unser Gespräch verfolgt. „Das mit der Achtsamkeit!?“ sagt und fragt sie. Ich nicke. „Ja, das ist ganz, ganz toll.“

„Von dem Buch hier“, sie zeigt auf meine buchhaltenden Hände, „haben Sie nur dieses eine da?“ Die Buchhändlerin nickt mit dem Ausdruck des Bedauerns, um dann fortzufahren: „Das war ja vergriffen. Ist ja über 20 Jahre alt. Aber vor zwei Jahren wurde es neu herausgeben.“

Ich blättere immer noch in diesem Taschenbuch herum, das mir soeben empfohlen wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es kaufen soll, als ich die Dame neben mir etwas unentspannt wahrnehme. –Der Groschen, der dann in mir fällt, hat die Größe eines Fünfmarkstücks. Hat sie mir doch soeben etwas ans Herz gelegt, was sie eigentlich selber kaufen möchte und augenscheinlich nur ein einziges Mal hier im Angebot ist.

Erleichtert schaut sie mich an, als ich ihr das Buch mit den Worten „Sie wollen das kaufen, oder?“ in die Hand drücke.

P.S.:

Ich notiere mir noch den Titel: „Theo Fischer – Wu Wie“. Dieser Buchkauf muss nicht heute sein.

P.P.S:

Da fällt mir auch der Titel „meines“ Thich Nath Han ein: „Ich pflanze ein Lächeln.“ Was für ein Kleinod.

P.P.P.S:

Es war wieder einmal ein ganz besonderer Abend in der u.a. von Justus Keller organisierten Veranstaltungsreihe „Lebenskunst Bensheim“. Die Vortragende, „Anna Trökes“, seit 40 Jahren in Sachen Yoga unterwegs, berichtet über ihre Erkenntnisse, Ihr Wissen über Yoga zu verheiraten mit aktuellen Erkenntnissen aus der Hirnforschung. Das Ergebnis ist ihr aktuelles Buch „Neuro-Yoga“.

Über Yoga kompetent zu schreiben, bin ich nicht der Richtige.

Von diesem Abend nehme ich für mich mit, dass es bereichernd sein kann, die durch Prägung oder Erfahrung erworbenen Verhaltens-Automatismen begleiten zu lassen durch die Frage: „Welche Alternativen habe ich, jetzt (anders) zu reagieren (als sonst)?“

Statt Wut, Misstrauen und „Ja, aber“ vielleicht einfach nur betrachten, ohne zu werten.

Statt sich einen Kopf zu machen, einfach nur zulassen…

Danke.

Namasté.

© Ulf Runge, 2014

November-Splitter Nummer 5 – Dunkel

15. November 2014 1 Kommentar

Wenn der November dem vermeintlich nicht statt gefunden habenden Sommer Konkurrenz macht, dann darf „mein“ Weinbergmann hier in den Novembersplittern nicht fehlen…

 

Leben 1154 – Samstag, 15.11.14

November-Splitter Nummer 5 – Dunkel

Wir hatten wieder wunderbare Momente, mein Weinbergmann und ich. Ein wertschätzendes Gespräch. Verabschiedeten uns. Als er mir noch folgendes mit auf den Weg gab:

Er habe sich heute früh vor den Spiegel gestellt. Und dann die Augen geschlossen.

„Ich wollte nämlich wissen, wie ich im Schlaf aussehe! So eine Pleite! Alles dunkel!“

© Ulf Runge, 2014

Novembersplitter Nummer 4 – Erste Hilfe

6. November 2014 4 Kommentare

Leben 1153 – Mittwoch, 05.11.14

Novembersplitter Nummer 4 – Erste Hilfe

Annäherung 1

Zwucker lag regungslos am Boden, total kaputt und leer. Kein Tropfen seines roten Saftes durchströmte ihn länger. Das war’s dann wohl.

Womit wohl niemand gerechnet hatte, war Dr. Gribit. Sie war gerade auf dem Weg zur Visite, als sie Zwucker am Boden liegen sah. „Der braucht ‚Erste Hilfe‘“, durchschoss es sie.

Ohne viel zu fragen, entschied sie sich für eine Direktspende. Jetzt, hier, gleich und sofort. Gab ihm von ihrem Lebenssaft.

Zwucker erholte sich in Null-Komma-Nix. Eben noch am Ende, kamen seine Lebensgeister rasend schnell wieder.

Vor lauter Dankbarkeit und Freude stimmten Dr. Gribit und Zwucker in das Lied ein, das aus dem Radio im Aufenthaltsraum den Weg in ihre Ohren fand und sangen „Let’s waste time“.

Intermezzo

Ich danke Dir, dass Du diese Begebenheit bis hierhin gelesen hast.

Deine Fantasie wird Dir Bilder im Kopf gezaubert haben, für all das, was ich nicht beschrieben habe…

Lässt Du zu, dass es da auch andere Bilder geben könnte, als die, die Du gerade eben gesehen hast?

Dann lass mich die Geschichte noch einmal erzählen:

Annäherung 2

Zwucker lag regungslos am Boden, total kaputt und leer. Kein Tropfen seines roten Saftes durchströmte ihn länger. Das war’s dann wohl.

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