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Archive for the ‘Mein Schreibetagebuch: „Leben“’ Category

Wir waren jung, …

23. April 2016 19 Kommentare

Leben 1235 – Samstag, 23.04.16

Wir waren jung, …

 

Früher zumindest war es so: Junge Leute haben weniger verdient als Ältere. Junge Leute haben oftmals Kinder gehabt. Und nur einen Elternteil, die/der berufstätig war. Kurz und knapp: Das Leben verlangte verdammt viel ab, die eigenen Wünsche kamen viel zu kurz. Sprich: Es fehlte das Geld.

Wer erinnert sich nicht daran, wenn ältere Menschen dann davon berichten, wie es ihnen gelungen ist, in diesen Jahren des Mangels doch irgendwie „genügend“ Geld zu organisieren. Dann kommt oftmals eine abstruse Geschichte, möglicherweise hart am Rande der Legalität, die am Schluss in dem allbekannten Satz mündet: „Wir waren jung, wir brauchten das Geld!“

Eine sehr unkonventionelle, aber leider nicht nachhaltige Methode, den Geldbeutel zu füllen, hat mich diese Woche in der Fußgängerzone angelacht.

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Da bekommt die Redewendung „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ eine völlig neue Bedeutung. In der Hoffnung, dass kein junger Mensch auf diesen Deal eingehen zu müssen glaubt, auf dass er nicht später einmal sagt: „Wir waren jung, …!“

© Ulf Runge, 2016

Verboten – aber wunderschön

22. April 2016 13 Kommentare

Leben 1234 – Freitag, 22.04.16

Verboten – aber wunderschön

Gestern haben wir etwas Verbotenes gemacht. Etwas, das wir uns ungefähr ein Jahr lang verkniffen haben. Weil „unsere“ hoch geschätzte Tierärztin meinem vierbeinigen Freund wegen seines fortgeschrittenen Alters verboten hat, weiterhin den Weinberg mit mir hinaufzukraxeln. Und anschließend wieder runter. Zu anstrengend.

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Wir haben uns brav dran gehalten. Gestern allerdings war es ein so warmer Frühlingstag, dass wir uns vermutlich in unserer sonnengefluteten „Pampa“ nicht wohlgefühlt hätten. Und so haben wir es gewagt. Sind gemächlich hoch gelaufen. Haben – wie eigentlich immer – ergreifende Eindrücke von Natur und Landschaft gewonnen. In den nächsten Tagen werden einige Impressionen folgen, frei nach dem Motto: „Es muss nicht immer Tulipan sein.“

Die Überraschung des Nachmittags ist, dass „unser Weinbergmann“ ebenfalls da ist. Auf seinem unwegsamen Obstbaumgrundstück, das er unbeirrt in Schuss hält. Er weiß ganz genau, dass dieses Aktivsein die beste Grundlage für ihn ist, bei ordentlicher Gesundheit und guter Laune Tag um Tag obendrauf zu legen.

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Wir sind berührt, dass wir uns nach einem Jahr freudestrahlend wiedersehen. Dass mein Hund jetzt 16 ist, will er fast nicht glauben. Er berichtet freudestrahlend von einem Erlebnis der vergangenen Tage. Er habe – so wie jetzt  auch – einfach nur dagesessen. Sich um das Vogelfutter gekümmert, mit dem er die Singvögel hier nicht nur durch den Winter bringt, sondern auch den Sommer.

Da sei es auf einmal da gewesen, das Eichhörnchen. Es habe ihn nicht bemerkt, sei immer näher gekommen, angelockt von den Sonnenblumenkernen, die er für Vögel gemünzt hatte. Er habe nicht für möglich gehalten, dass es über seine Hand laufen würde, um dann in aller Ruhe Sonnenblumensamen um Sonnenblumensamen herauszupulen und zu vernaschen.

Und natürlich darf ich mich nicht von ihm verabschieden, ohne einen Witz von ihm mit auf den Weg zu bekommen. Genau genommen erzählt er mir sogar zwei, die ich jetzt ordentlich wiederzugeben versuche.

Ein Mann steigt in ein Taxi ein. Schon kurz darauf sagt der Fahrgast zum Taxifahrer: „Ich wäre froh, wenn ich eine Maus wäre!“ Worauf der Mann am Lenkrad überrascht fragt: „Warum das denn?“ „Nun, die Maus ist das einzige Tier, vor dem meine Frau Angst hat!“

Der zweite:

Ein Ehepaar ist auf Italienreise. Sie besuchen einen Wunschbrunnen. Der Mann wirft eine Münze hinein und wünscht sich etwas. Die Frau wirft ebenfalls eine Münze hinein, rutscht dabei aus und landet im Brunnen.
`Hätte ich nicht gedacht, dass das so schnell funktioniert!` denkt sich der Mann.

Zum Schluss noch das Foto eines glücklichen Hundes, der nach Monaten wieder auf seinem Lieblingsplatz verweilen darf.

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© Ulf Runge, 2016

Wir lernen ein neues Wort

21. April 2016 14 Kommentare

Leben 1233 – Donnerstag, 21.04.16

Wir lernen ein neues Wort

 

Was bisher geschah:

 

1/3: Aus dem Boden schießend

2/3: Was los ist

3/3: (Ge)Ruchlos

4/3: Do it yourself

5/3: Blumen – oder: Das Leiden der Tulipan – Fünfter Teil der Trilogie

 

Es gibt Themen, die sollte man nicht überspannen. Wenn sie ausgereizt sind, sind sie ausgereizt. Eine Trilogie willkürlich um zwei Teile zu verlängern, ist provokant genug. Da muss doch endlich mal Schluss sein. Denke ich mir so.

Ich fahre wie fast jeden Tag an „meinem“ Blumenfeld vorbei. Etwas ist anders. Ich schaue noch einmal zur Seite. Ich traue meinen Augen nicht.

Ich parke den Wagen. Trete näher. Und dann wird es zur Gewissheit. Mein Blog muss eine neue Leserin haben. Oder einen Leser.

Ein herzliches Willkommen an Dich, Du (mit)lesende Tulipan-GärtnerIn. Du, die Du vermutlich bloß mal herausfinden möchtest, wie lange es dauert, bis Dein jüngster Streich abgelichtet und veröffentlicht ist.

Und so schließe ich die Tulipan-Trilogie mit dem nicht für möglich gehaltenen sechsten Teil und einem überraschenden, vorläufig letzten Foto.

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© Ulf Runge, 2006

Betroffenheit

Leben 1232 – Mittwoch, 20.04.16

Betroffenheit

 

Früher Morgen. Im Radio kommt eine Verkehrsmeldung. Vollsperrung der Autobahn, weil Zweibrücken abgerissen werden müsse.

Als die Durchsage das nächste Mal kam, hörten die Einwohner von Zweibrücken ganz genau hin. Um sich dann noch einmal beruhigt im Bett umzudrehen.

Zwei Brücken waren betroffen. Zweibrücken nicht.

 

© Ulf Runge, 2016

Würdiger Schiffbruch

18. April 2016 2 Kommentare

Leben 1230 – Montag, 18.04.16

Würdiger Schiffbruch

 

Hans sagt zu Peter: „Wir erleiden gleich Schiffbruch.“ Das ist direkte Rede.

Hans sagt zu Peter, dass sie gleich Schiffbruch erleiden. Oder erleideten? Gar erlitten? Vermutlich ja. Das ist indirekte Rede. Über Konjunktiv I oder II realisiert.

Nicht nur Hans und Peter erlitten Schiffbruch. Auch ich.

Nachdem wir im Sprachkurs schon recht erfolgreich geübt hatten, wie man gestern, heute und morgen Schiffbruch erleidet

  • „Ich erleide Schiffbruch“,
  • „Ich erlitt Schiffbruch“,
  • „Ich habe / hatte Schiffbruch erlitten“ sowie
  • „Ich werde Schiffbruch erleiden“,

war meine vermutlich sprachtheoretisch exzellente Erklärung, wie man Konjunktiv I und II bildet und wann welche Form zum Zug kommt, dann doch von so durchschlagendem Erfolg, dass die Teilnehmer zum ersten Mal seit langem mit hängenden Schultern und leicht traurigem Blick den Kursraum verlassen haben.

Die Flughöhe war falsch gewählt. Das war gerade so, als wenn man beim Deklinieren 90% der Zeit auf den Genitiv verwendet, der fast gar nicht mehr gebraucht wird.

Ich, selbsternannter Hüter der deutschen Sprache, habe mir dann gesagt, dass der Zweck die Mittel heiligt.

Und dass ich keinen Schiffbruch erleiden würde, wenn ich den ganz Blödsinn mit Konjunktiv I und Konjunktiv II einfach mal vergesse und das Thema so vermittle, wie wir alle sprechen: Das würde vermutlich helfen.

Den dummen Ausflug in die hochdeutsche Kunstsprache haben mir die Kursteilnehmer in der darauffolgenden Stunde freudestrahlend nachgesehen:

Sehr schnell konnten sie Satzschemata verwenden, mit denen man etwa das Folgende ausdrücken kann:

  • „Ich an Deiner Stelle würde den Konjunktiv I hier nicht unterrichten.“
  • Würdest Du diesen Beitrag lieber liken oder nicht liken?“
  • „Ich würde gerne einen Blogbeitrag schreiben, habe aber keine Idee worüber.“

Es hat ein weiteres Mal Freude bereitet zu sehen, wie leicht deutsche Sprache vermittelt werden kann, wenn man nicht in die kompliziertesten Ecken der Grammatik hineingeht.

Würde jetzt gerne wissen, was Du jetzt denkst. Würde mich freuen, wenn Du das in Wort fasst.

© Ulf Runge, 2016

Konstantentheoretisches – oder: So ein Käse!

17. April 2016 2 Kommentare

Leben 1229 – Sonntag, 17.04.16

Konstantentheoretisches – oder: So ein Käse!

 

Ich möchte den heutigen Beitrag nutzen, um auf ein bisher vermutlich unbekanntes oder verkanntes Problem hinzuweisen. „Problem“ gehört nicht zu meinem aktiven Wortschatz, aber hier ist es ausnahmsweise angebracht, handelt es sich doch um einen Sachverhalt mit Tragweite.

Es wird um Käse gehen. Das schon mal an dieser Stelle. Zuvor möchte ich aber erst einmal in das Thema einführen. Mit einer Analogie.

Das Bildungsfernsehen im Dritten war noch jung, Gugel und Konsorten waren noch nicht lange nicht erfunden und so musste ich als junger Mensch erst einmal glauben, was ich in der Schule erfuhr. Von Lehrerinnen und Lehrern. Oder von Mitschülerinnen und Mitschülern.

So hat sich mir tief ins Gehirn eingebrannt, warum Diesel günstiger ist als Benzin (das gab es damals noch) und Super(benzin). Sonst gab es nichts. Okay, Tiger in den Tank. Aber nicht wirklich so ein Zeugs, von dem die Leute glauben, dass ihre Motoren länger halten.

Da ich in Chemie eine total Niete war (bin), ist das schnell erzählt. Das Rohöl wird verarbeitet und da fallen unterschiedliche Mengen an. Alkohol wird destilliert, Erdöl wird raffiniert. Nicht zu Menschen, die wir dann so nennen, sondern zu Bitumen, Heizöl, Diesel, Benzin, was auch immer. Aus einer bestimmten Menge Rohöl gibt es also immer die gleichen Mengen Diesel, Benzin und so weiter. Ich nenne das mal die Ulfsche Öl-Konstante.

Jetzt kommt die Marktwirtschaft ins Spiel. (Wir schreiben das Jahr 1965!). Es gibt so und so viel Angebot an Benzin und eine entsprechende Nachfrage. Wenn die nicht befriedigt werden kann, produziert man mehr davon und verkauft zu einem guten Preis. Gleichzeitig fällt auch Diesel an, den keiner so will wie das Benzin, also fällt der Preis. Diesel ist billig, weil die Leute Benzin wollen. So einfach ist das.

Die Preise sind heutzutage natürlich hauptsächlich fiskusbedingt und weniger das Ergebnis chemischer Sachverhalte. Egal. Irgendwie muss man die Welt erklären.

So. Jetzt zum Käse. Ich glaube, auch hier gibt es so eine Konstante. Aus dem Rohkäse (das ist sozusagen das Rohöl) gewinnt man 4 Siebentel Edamer, 2 Siebentel Tilsiter und ein Siebentel Emmentaler. (Woher die anderen Sorten kommen, kann ich noch nicht genau sagen, aber die Forschungen sind auch noch nicht abgeschlossen.)

Beweis für diese Vermutung: Geh mal in einen Supermarkt und kaufe Käseaufschnitt. Immer wieder wirst Du 1 Scheibe Emmentaler (den vermutlich niemand mag, deshalb liegt er immer ganz oben) finden, darunter 2 Scheiben Tilsiter, deren Geschmack sich dem ihrer Nachbarn beugen muss, und darunter besagte 4 Scheiben Edamer. Das ist die Ulfsche Käse-Konstante.

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Ich bin Tilsiteresser. Und Du wirst mich jetzt fragen wollen, was denn mein Problem sei, warum ich denn nicht einfach nur Tilsiter kaufe. Die Antwort ist einfach. Wer keinen Käseaufschnitt kauft, sondern nur noch Tilsiter, macht sich mitschuldig an horrend steigenden Tilsiterpreisen. Wer, wenn nicht wir, sollte denn dann den Edamer essen oder gar den Emmentaler? Verfüttern an Tiere? Bloß weil diese Sorten (wie der Diesel beim Öl-Raffinieren) nicht vermeidbare Produkte der Käsegewinnung sind?

Am Schluss bleibt allerdings die (noch) ungeklärte Frage offen, warum der Gouda so günstig ist. Der fällt ja wohl in so geringen Mengen an, dass er im Käseaufschnitt gar nicht enthalten ist. Also müsste er selten und wertvoll sein. Oder mag den niemand so wirklich und daher der günstige Preis? Vermutlich ist der Gouda die beruhigende Ausnahme von der Regel. Das Thema wird zu gegebener Zeit wieder aufzugreifen sein.

© Ulf Runge, 2016

Blumen – oder: Das Leiden der Tulipan – Fünfter Teil der Trilogie

16. April 2016 2 Kommentare

Leben 1228 – Samstag, 16.04.16

Blumen – oder: Das Leiden der Tulipan – Fünfter Teil der Trilogie

Einige mögen es bereits geahnt haben, dass „das“ noch nicht alles gewesen sein könnte. Gemeint ist die (bisher) vier(!)teilige Trilogie zum Thema „Blumen – oder: Das Leiden der Tulipan“.

Was bisher geschah:

1/3: Aus dem Boden schießend

2/3: Was los ist

3/3: (Ge)Ruchlos

4/3: Do it yourself

Nun zu den jüngsten Entwicklungen. Bei Aufräumarbeiten in der Dunkelkammer wurde ein – bisher unentdeckt gebliebenes – Foto gefunden, dessen Aussage alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Nun mag ich es nicht länger zurückhalten. Stattdessen möchte ich der geneigten Leserschaft ermöglichen, sich ihr eigenes Urteil zu bilden.

Es handelt sich vermutlich um den bisher größten Protest gegen Massenpflanzenhaltung, der bisher der Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Pflanzenschänder müssen sich nächtlings heimlich angeschlichen haben im Scheine des Vollmonds und alle Pflanzen radikal abgeschnitten haben. Zurückgeblieben ist allein das Schild „Blumen“.

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Es ist damit zu rechnen, dass besonders jüngere Menschen diesen Anblick traumatisiert zurückerinnern werden. Ein lebensfroh anmutendes Schild „Blumen“. Und davor und dahinter, links und rechts davon: Nichts. Nackte Erde. Entblößter Mutterboden. Sinnloser Löß.

Ratlos drein blickend verabschiedet sich der Berichterstatter. Mit dem hehren Gefühl, seine Pflicht schuldigst getan zu haben. Der Wahrheit und nur ihr dienend.

 

© Ulf Runge, 2016

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