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Archive for the ‘Mein Schreibetagebuch: “Leben”’ Category

Dum – oder die Angst des Duschers unter der Brause

7. März 2015 4 Kommentare

Leben 1169 – Samstag, 07.03.15

Dum – oder die Angst des Duschers unter der Brause

Seit Jahren trägt der Bruno ein Trauma mit sich herum, über das zu sprechen er sich nun das erste Mal traut. Es geht ums Duschen. (Keine Angst bzw. zu früh gefreut; dieser Artikel bleibt jugendfrei.)

Berichtet der Bruno also, wie er sich üblicherweise duscht. Ziemlich überraschungsfrei unbekleidet. Zunächst duscht er sich ein erstes Mal ab, damit der Körper für die Seife und die Haare für das Shampoo nass genug sind, um darauf gleichmäßig verteilt zu werden.

Und wenn er dann fertig sei mit dem Einseifen, dann würde er sich ein zweites Mal Abduschen, bis er das Gefühl habe, wieder sauber zu sein.

Nun müsse das Handtuch her, und wenn er größtenteils trocken sei, steige er vorsichtig aus der Duschkabine, um die letzten feuchten Partien zu frottieren.

Was denn nun sein Trauma sei, will ich wissen.

„Stell Dir vor, Du stehst eingeseift unter der Dusche, schaltest die Brause ein, um alles runterzuspülen, da hörst Du es!“

„Was?“ will ich wissen.

„Dieses dumpfe ‚Dum‘“?

Ich schaue ihn irritiert an.

„Okay, also was ist schneller beim Gewitter? Der Donner oder der Blitz?“

Blöde Frage, denke ich mir, natürlich ist der Blitz schneller.

„Zwischen Blitz und Schall gibt es in Sachen Geschwindigkeit noch etwas, und das ist das ‚Heiße Wasser‘! Es macht Dum, und während Du das Dum hörst, ist das heiße Wasser schon da!“

„Beim Gewitter?“ frage ich.

„Nein, beim Duschen! Also, ich wohne oben im Haus, und unter mir die Wohnung, da ist in der Toilette kein Spülkasten eingebaut, sondern ein Druckspüler. Während eine Spülkastentoilette ihren gierigen Wasserbedarf aus dem Spülkasten abholt, geht der Druckspüler direkt auf die Kaltwasserzufuhr.“

„Danke, jetzt kenne ich also Deine Klosituation bei Deinen „Unter“mietern. Was hat das mit Deiner Duscherei zu tun?“

„Wenn jemand den Druckspüler unten betätigt, kommt es zu plötzlichem Kaltwasserdruckabfall, der dieses leise, kaum vernehmbare ‚Dum‘-Geräusch erzeugt. Und dann hast Du nur noch ein klein wenig mehr Zeit als wenn ein Blitz einschlägt, sagen mir mal, Du zählst bis zwei, also ‚Eins Zwei‘, und beim ‚Z‘ von ‚Zwei‘, da ist es da: Sengend heißes Wasser. Das ist der Augenblick, wo Du halbblind, weil mit eingeseiften Augen, den Duschhebel suchst, um das Wasser schleunigst abzuschalten. Die Kaltwasserzufuhr ist gleich Null, das Warmwasser tritt maximal aus. Wenn Du zu langsam bist, ist das Klo einen Stock tiefer schön kalt gespült, und Dein Körper zum Ausgleich dafür heftigst angebrüht.“

Ich bedaure den Bruno, zitiere das Fledermaus-Zitat, dass glücklich ist, wer vergisst, was nicht zu ändern ist.

Und gratuliere ihm, was bleibt mir sonst übrig, zu seinem exzellenten ‚Dum‘-Gehör, ohne das er vermutlich schon auf der Intensivstation gelandet wäre.

Ich weiß nicht, ob ich dem Bruno heute helfen konnte, aber jetzt ist es endlich raus dieses Trauma…

„Dir ist das wohl noch nicht passiert!“ fährt er – beinahe vorwurfsvoll – fort. „Selbst wenn ich dann schnell genug bin mit dem Ausschalten, dieses blöde heiße Wasser ist ja trotzdem noch drin in der Leitung. Anschließend gucke ich zu, dass ich das Wasser Richtung Abfluss brause, aber meine Füße müssen da noch ganz schön was aushalten…“

Ich verspreche dem Bruno, dass, wenn es in meiner Macht steht, also wenn ich Bundeskanzlerin werde oder Euro-Infrastrukturkommissar oder so, dass ich dann eine Druckspülerabwrackprämie einführe. Oder Druckspülernutzungszeiten. Oder internetgekoppelte Gerätesynchronisation.

Oder diesen Artikel schreibe, um die Massen aufzurütteln.

© Ulf Runge, 2015

Win-Win

Leben 1168 – Donnerstag, 05.03.15

Win-Win

Frühling liegt in der Luft. Mein Hund und ich gehen wieder einmal auf den Weinberg. Dort treffen wir wieder auf unseren Weinbergmann. Es ist ein herzliches Begrüßen, er erzählt mir wieder einen Witz, den ich zu meiner Schande nicht behalten habe, eine Spaziergängerin kommt ebenfalls des Wegs, auch sie kennt den Weinbergmann, sie begrüßen einander ebenfalls herzlich.

Ich verabschiede mich, gehe den gewohnten Pfad entlang des Berges, als ich bemerke, dass die Spaziergängerin zunächst den gleichen Weg nimmt wie wir. Sie ist schneller und so parken mein Vierbeiner und ich am nächsten Weinberghang etwas auf der Seite, damit sie uns überholen kann.

Als sie auf unserer Höhe ist, sagt sie etwas Nettes über unseren gemeinsamen Bekannten und auch ich lobe seine Liebenswürdigkeit in höchsten Tönen.

Da fragt sie mich, ob ich denn wisse, wie er heißt. „Ja, das ist der Herr Baumann!“ erfährt sie von mir. (Name von der Redaktion geändert.)

Worauf sie meint: „Sehen Sie, ich weiß nur dass er Bernd heißt!“ (Name ebenfalls von der Redaktion geändert.)

Wir freuen uns, dass wir durch Miteinander reden (*) eine Win-Win-Situation geschaffen haben und unser Wissen gegenseitig erweitert haben.

Das Typische an dieser Situation ist, dass wir uns seit Jahren grüßen, ohne dass wir Anlass gehabt hätten, auch nur mal ein Wort mehr als den Tagesgruß zu wechseln. Solche Menschen kennst auch Du, oder? Seit „Ewigkeiten“ vertraut. Und doch ohne wirkliches Gespräch.

(*) Miteinander reden: Ein wunderbares Buch von Friedemann von Schulze-Thun.

© Ulf Runge, 2015

Ja, Mami

Leben 1167 – Sonntag, 15.02.15

Ja, Mami

 

Es ist kurz vor Feierabend. Ich betrete das Geschäft, weil endlich zufällig einmal gerade kein anderer Kunde drin ist. Nur eine Kundenberaterin. Und eine Dame, die den Boden staubsaugt.

Ich teile der Kundenberaterin meinen leicht erfüllbaren Wunsch mit, sie holt das Gerät aus dem Lager und ich bezahle bar.

Ich bin also fast schon fertig, fast schon wieder draußen, meine Wünsche wurden voll erfüllt, da passiert etwas, was zu erleben ich mir nicht gewünscht habe.

Die relativ laut staubsaugende Dame wird gemaßregelt, sie möge nicht staubsaugen, wenn Kunden im Laden seien. (Kunde, das bin ich. Und damit Stein des Anstoßes…)

Es ist mir peinlich. Noch peinlicher ist es der Gemaßregelten. Sie schaltet ihr Raumreinigungsgerät aus, zieht den Stecker aus der Steckdose und verzieht sich ins Backoffice.

Nun ist es ruhig, eine ideale Situation für ein Verkaufsgespräch, das aber schon längst abgeschlossen ist.

Nein, ich brauche keine Tüte. Lege den soeben erworbenen Artikel in den Einkaufskorb. Und den Kassenzettel auch.

Ein unerbitterlicher Blick trifft mich, begleitet von den Worten: „Das ist Ihr Garantiezettel! Den sollten Sie in ihr Portemonnaie tun!“

„Ja, Mami!“ liegt mir auf der Zunge. Brav falte ich den Garantiezettel, damit er ins Geldscheinfach passt. Brav verlässt der kleine Ulf den Laden. Ist bin nicht stolz auf mich. Hätte ich doch lieber der Raumpflegerin Beistand geleistet. Aber die hätte dann womöglich jetzt keinen Job mehr. Und nach einem anderen wird sie sich sowieso jetzt umgucken, wenn sie es nicht schon länger tut.

Ob ich noch einmal einen Laden betrete, in dem kurz vor Feierabend gesaugt wird? Ob ich DIESEN Laden sobald nochmal betrete?

Ja, aber dann mit Ritterrüstung. Oder als Pirat. Schließlich ist doch Fassenacht…

 

© Ulf Runge, 2015

Wie Öl runter

14. Februar 2015 2 Kommentare

Leben 1166 – Samstag, 14.02.15

Wie Öl runter

 

Irgendwo in Asien soll es bereits eine Großstadt geben, in der es außer den üblichen Verkehrsspuren für Autos, Fahrräder und Fußgänger inzwischen auch reservierte Bahnen für Smartphone-benutzende Fußgänger geben soll.

Das mal vorab.

Nein, obwohl das ja heutzutage immer mehr üblich ist, um Warte- und Verweilzeiten zu überbrücken, nämlich mal aufs Smartphone gucken, ob da irgendwas in der großen weiten Welt passiert ist, was einen eventuell tangieren könnten, also, obwohl das heutzutage gang und gäbe ist, hatte ich selbiges weggepackt.

Ich stand in der Warteschlange vor der Kasse und hatte mich auf eine richtig fette Wartezeit eingerichtet, weil der Mann vor mir wohl den halben Laden leergekauft hatte. Egal.

Ich war vertieft in meine handschriftlichen Notizen, hielt meine Gedanken mit dem Kugelschreiber fest.

Früher habe ich mit Bleistift geschrieben. Weil, vielleicht müsste ich noch was ändern. Es könnte was falsch daran sein, und dann müsste ich es korrigieren können.

Heute schreibe ich mit Kugelschreiber. Und wenn ich was ändern musswill, dann tue ich das. Und habe keine Schwierigkeit damit, dass ich anfänglich etwas „Falsches“ angenommen hatte. Was es nun zu korrigieren gilt.

Aber alles das wollte ich gar nicht erzählen. Bzw. Doch ich wollte es. Aber die Geschichte fängt erst jetzt und hier so richtig an.

Stehe also gedankenversunken vor einer Kasse. Als ich eine Stimme höre. Einen Satz. Der mit mir erst einmal nichts zu tun hat. Zu tun haben kann.

Ich sortiere das soeben Gehörte und lasse es noch einmal in meinem Kopf abspielen. Ich höre: „Junger Mann, Sie können sich auch hier anstellen!“

Ich wache langsam auf und blicke in die Augen einer amüsiert lächelnden Dame, die an der rechten, eben noch unbesetzten Kasse auf mich wartet.

Der junge Mann. Das bin ich. Ich fahre zu ihr rüber und rufe ihr belustigt zu: „Können Sie das bitte noch einmal wiederholen?“

Der Herr an der linken Kasse, den ich nun rechts überhole, grinst mich an.

© Ulf Runge, 2015

Kopftopfkino

11. Februar 2015 4 Kommentare

Leben 1165 – Mittwoch, 11.02.15

Kopftopfkino

 

Ich mache mir jetzt mal keine Gedanken, warum ich nicht weiß und auch nicht herausfinde, warum denn vielfacher Orten 3% Rabatt bei Barzahlung möglich sind. Um diese 3% nicht gleich herauszurücken und auch noch ein bisschen Kundentreue einzufordern, kam wohl jemand auf die Idee, den Sammler in uns zu wecken und Rabattmärkchen herauszugeben.

Die sind ja mittlerweile irgendwie passé, aber Treuemärkchen haben bis heute überlebt.

Diesmal waren beim Supermarkt meines Vertrauens auch Küchenutensilien dabei, Töpfe und so.

Fleißig gesammelt und eingeklebt.

Und nun halte ich ihn voll Sammlerstolz in der Hand, diesen Topf, bei dem mich nur eines stört. Material und Größe als auch die Form sind gelungen, aber sein Name macht es mir schwer, ihn gleich voll ins Herz zu nehmen: „Fleischtopf“!

Ich bin zwar nicht Vollvegetarier. Und mein Hund schon gar nicht. Aber dieser Topf ist eigentlich für Wasser, Milch oder Gemüse gedacht. Nicht für Fleisch, bitteschön! (Wo kann ich mich hier beschweren?)

Dieser Fleischtopf ist keiner. Er ist ein Kochtopf!!!

Moment.

Ich komme ins Grübeln.

Ein Jägerschnitzel (das ich sowieso schon lange nicht mehr esse) wird – so hoffen wir ja wohl alle – nicht aus toten Jägern kredenzt.

Aber wenn ein Fleischtopf für die Zubereitung von Fleisch dient, dann gilt das für einen Kochtopf ja wohl auch. Was mich bei diesem Kopftopfkino schließlich beruhigt, dass so ein ganzer Koch ja gar nicht hineinpassen würde.

Und so trage ich ihn voller Freude nach Hause, meinen Ex-Fleisch-nun-also-Koch-Topf!

© Ulf Runge, 2015

Peng

10. Februar 2015 2 Kommentare

Leben 1164 – Dienstag, 10.02.15

Peng

Er habe schlecht geschlafen heute Nacht. Berichtet mir mein Weinbergmann. Und schaut mich verschmitzt an.

Er habe Fürchterliches, Schlimmes geträumt.

Dass jemand mit der Pistole auf ihn schieße. Und während er dies sagt, funkeln und blitzen seine Äuglein.

Und als er aufgewacht sei, habe er tatsächlich ein Loch im Kopf gehabt.

(Pause.)

Bis er dann seinen Mund wieder zugemacht habe.

P.S.: Was für eine Gnade, diesen ganz besonderen Menschen immer wieder treffen zu dürfen.

© Ulf Runge, 2015

Ätsch! Ess Bizi!

Leben 1163 – Montag, 09.02.15

Ätsch! Ess Bizi!

Heute ist die Ätsch! Ess Bizi! Bank im Munde der Nachrichtensprecherinnen und –sprecher.

Mal ehrlich! Kennst Du dieses Geldinstitut? Nein. Nicht schlimm. Ich auch nicht.

Wobei.

Wenn ich mich recht erinnere, da war doch was:

Haa! Ess Bee Zeh! So dachte ich früher, dass sie so heißt. Aber das ist wohl falsch.

Ich warte auf den Tag, an dem wir nur noch Wi Dabbeljus kaufen und fahren. Oder für ein paar Dollar mehr: Einen Bi Ähm Dabbelju…

© Ulf Runge, 2015

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