Über die Liebe

Leben 1342 – Dienstag, Valentinstag, 14.02.17

Über die Liebe

 

Valentinstag. Da kann man ja eigentlich nur über die Liebe schreiben.

Nun, es gibt haufenweise Quellen, die sehr kompetent über die Spielarten der Liebe, sprich Philia, Eros und Agape schreiben.

Ich will mich auch nicht auslassen über die mannigfaltigen Möglichkeiten, auf kreative Weise diesen Tag zu nutzen, um französischsprechende Produkte namens „Danke“ und „Meine Kirsche“ an eine geliebte Person zu verschenken.

Stattdessen machen wir einen Sprung in das Ende der 1980er Jahre, die ich bei einem wunderbaren Chef erleben durfte.

Ich war neu in der Abteilung und hatte den Auftrag, eine E-Mail in seinem Namen zu verschicken und wollte diese von ihm vorher noch einmal Korrektur gelesen bekommen.

Er las sich meinen Vorschlag durch. Er lobte mich dafür. Und dann nahm unser Gespräch doch noch eine überraschende Wendung.

„Sehr geehrtes Arschloch!“, „Sehr geehrter Herr Arschloch“, „Sehr geehrte Frau Arschloch!“ grinste er mich an. Er war mächtig belustigt und die Nachbarräume hatten ordentlich mithören dürfen ob seiner Lautstärke.

„Stimmt etwas nicht mit der Anrede?“ wollte ich von ihm wissen.

„Wenn Sie ‚Sehr geehrte‘ schreiben oder ‚sehr geehrter‘, dann brauchen Sie dahinter nicht Herr oder Frau Müller Maier Schmitz schreiben, dann ist das alles egal, weil sie ‚Arschloch‘ meinen. Der blöde Heini, der Ihnen Geld freigeben soll, die dumme Tussi, die eine Schulung genehmigen soll, zu all denen bauen Sie mit ‚sehr geehrte‘ eine übertriebene Distanz auf. Schreiben Sie einfach ‚Liebe Frau Huber‘ oder ‚Lieber Herr Hansen‘, dann sind Sie wertschätzend und auf gleicher Augenhöhe unterwegs!“

Anfänglich kam ich mir ziemlich doof dabei vor, dieser Empfehlung zu folgen.

Ich habe dann aber gute Erfahrungen gemacht, auch im beruflichen Umfeld den Menschen mit der „Liebe“-Ansprache zu begegnen. Nur selten erlebte ich eine schroffe Reaktion, was ich mit denn erlauben würde und wie respektlos ich denn schreiben würde. Oft genug haben die Adressaten, zumindest in der Antwort an mich, diese Formel aufgegriffen und damit für einen sehr persönlichen Dialog gesorgt. Ohne dass die gebotene Distanz verletzt worden wäre.

Bei der Erstansprache (noch) fremder Personen wäge ich jedes Mal aufs Neue ab, ob ich mich gleich in der ersten Nachricht trauen soll. Ob ich, statt zu verehren, lieber lieben möchte.

Liebe Leserinnen und liebe Leser dieses Blogs, einen schönen Valentinstag und ein gutes Gefühl bei der Ansprache anderer Menschen!

©Ulf Runge, 2017

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich finde „Sehr geehrte“, wenn man Kunden bereits (lange) kennt, auch komisch. Es wirkt einfach sehr distanziert, mit Beleidigungen habe ich das aber noch nicht assoziiert.
    Ich schreibe immer „Hallo Herr Müller“ oder „Guten Morgen Herr Müller“, wenn es eben früh ist 😉

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    1. Ulf Runge sagt:

      „Hallo“ und „Guten Tag“ verwende ich auch, wenn ich noch im Bereich zwischen „Sehr geehrte/r“ und „Liebe“ bin…

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      1. „Liebe“ ist für mich definitiv zu intim. Da würde ich in der Tat davon ausgehen, bei Kunden falsche Signale zu setzen 😀

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  2. Rachel sagt:

    ….ein interessanter und unkonventioneller Beitrag zu einem künstlich geschaffenen Tag….
    Ich werde mir zukünftig gut überlegen wen ich auf welche Art anspreche oder wie ich in Kontakt trete😃
    Danke für einen erfrischenden Input!
    Rachel

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  3. Ulf Runge sagt:

    Nun ja, gestern war Tag des Radios und der „Ändere Deinen Namen Tag“ (http://dertagdes.de/).
    Morgen wartet schon der Tag des Regenwurms auf uns.

    Ob es wohl schon den Tag des Gedenktages gibt?

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  4. Hase sagt:

    LIEBER Ulf,
    danke für deinen Beitrag…. Mir gefällt die Anrede Liebe…. immer noch sehr gut.
    Die meisten schreiben Hallo, das musste ich erst einmal akzeptieren lernen, wenn gute Freund/Innen plötzlich von Liebe….
    auf Hallo umschwenkten.
    Ein Arzt hat einmal Liebe Frau M. geschrieben, als ich sehr krank war, das gab mir ein Gefühl, dass jemand da ist für mich….
    Ein kleines Wort mit großer Bedeutung, zumindest für mich, da ich als Kind auch oft „böse“ war und so benannt wurde.
    Liebe Grüße

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