Lebenslanges Lernen

Leben 1338 – Samstag, 28.01.17

Lebenslanges Lernen

 

Was bisher geschah:

Zur Schule gehen, um für die tolle Volksschullehrerin zu lernen. Um dann – etwas älter geworden und den Sinn der lateinischen Sprache für die Lösung von Kreuzworträtseln verstanden habend – zu erfahren, dass wir nicht für die Schule lernen, sondern fürs Leben.

Du lernst einen Beruf, hoffentlich. Machst eine Lehre oder studierst etwas, das man dann hoffentlich braucht.

Bist fertig.

Willst Geld verdienen. Und leben. Oder auch umgekehrt. Richtig. Arbeiten fehlt da noch.

Und dann kommen diese Klugmenschen daher. Erzählen Dir was von lebenslangem Lernen. Dass Du was für Dich tun sollst. Seminare besuchen. Lesen. Was auch immer.

Das einfach mal hier vorangestellt.

Ich habe gerade eben und jetzt wieder lebenslang gelernt.

Regel 1: Bloß nichts wegwerfen. Es könnte ja noch zu etwas gut sein. Wann immer ich gegen diese Regel verstoßen habe, ist es passiert, dass ich wenige Tage nach dem Vermüllen kostbarer Unnützlichkeiten diese dann doch hätte brauchen können. Alle, die vom Loslassen reden, sind alternative Faktiker.

Regel 2: Das Pareto-Prinzip, dass man mit 20% des Aufwandes 80% des Ergebnisses erhalten kann, ist ebenso alternativfaktisch. 5% sind völlig ausreichend für 95% Zielerreichung.

Regel 3: Ebenso ist falsch, dass man sich nicht über Fehlentscheidungen ärgern soll. Richtig ist, dass man nur lange genug warten muss, bis man sie als exzellent und mit weiser Voraussicht getroffen bezeichnen kann.

Kommen wir zur Beweisführung.

Zu Regel 3. Immer wieder bin ich an den Griffen der Küchenschränke und Schubladen hängen geblieben. Siehe Foto 1.

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Mit einem Zipfel der Strickjacke oder einem Schlüsselband. Egal. Du wirst gewaltvoll aufgehalten, bist kurz vorm Stranguliertwerden, eine Schublade öffnet sich und jeder Widerstand ist zwecklos. Nach Jahren des Ver-Zweifelns an diesen eigentlich verboten gehörenden Griffen, weiß ich jetzt. GUT, DASS ES EUCH GIBT.

Zu Regel 1. Der undichte Kühlschrankgummi ist durch einen neuen ersetzt. Die Tür schließt trotzdem nicht. Nicht mehr. Weniger als mit der alten Dichtung. Foto 2.

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Das Netz (Blödefrage-De-Eh und Doofe-Antwort-De-Eh) erzählt mir Horrorgeschichten von „Strafe muss sein. Du hast zu viel Gewicht in die Tür gestellt. Ätsch.“ In der Nacht hat erst einmal ein an die Tür gestellter Stuhl den Lebensmitteln die Flucht aus dem Kältegrab verweigert. Für heute wäre dann einfach angesagt, weiter im Netz über die Justage von Scharnieren zu recherchieren. Und wieder jede Menge Respekt vor handwerklich begabten Menschen zu entwickeln. Stunden der Frust liegen vor mir. Da erinnere ich mich, dass es da noch Für-alle-Fälle-Bretterreste auf dem Dachboden gibt. Die schon längst hätten weggeworfen sein wollen sollen. Beim dritten Versuch werde ich fündig. Passt auf dem Millimeter genau. Kein Sägen erforderlich. Und sehr einfach zu bedienen. Foto 3.

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Kein Schrauben. Hämmern. Nageln. Kleben. Klemmt und passt. Hebelprinzip. Herzlichen Dank, Herr Newton und Kollegen.

Regel 2. So dicht war der Kühlschrank zu besten Zeiten nicht zu. Warum sollte ich weitere Reparaturversuche unternehmen? Foto 4.

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Wieder einmal wird wohl gelten: Nichts ist so dauerhaft wie ein Provisorium…

Wenn ich mir das jetzt patentieren lasse (Bitte bis dahin nicht weitererzählen), könnten Millionen schlecht schließender Kühlschränke, sofern sie denn über verboten gehörende Griffe verfügen, in ihrer Restlaufzeit massiv verlängert werden. Und mein Girokonto hätte noch mehr Spaß am Leben.

Und mal ehrlich. Das minimalistische Design liegt voll in der Tradition von Bauhaus. Nicht dem Baumarkt. Sondern diesen genialen Architekten, von denen wir lebenslang lernen können.

© Ulf Runge, 2017

 

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tjaaa. Mein Kühlschrank hat einen „versteckten Griff“, d.h. ich bleibe nicht daran hängen. Dafür werde ich aber auch nie dein cooles Improvisorium nutzen können.
    Und das beste an deiner Idee: Wenn man den Kühlschrank nicht einfach ständig aufreißen kann, überlegt man sich a) ob man wirklich wirklich etwas essen muss und b) schon vor dem Öffnen der Tür, was das sein soll. Das spart Energie in doppelter Weise 😀

    Gefällt 2 Personen

  2. aprikose sagt:

    Herrlich. Wie immer mitten aus dem Leben. Danke für das Schmunzeln an diesem grau verregneten Tag 🙂

    Gefällt 1 Person

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