Großer Zettel

Leben 1336 – Donnerstag, 26.01.17

Großer Zettel

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Hier kennt man mich. Sehr gut. Das ganze Personal. Auch der Chef. Wir haben schon einige gute Gespräche gehabt, die über die eigentliche Dienstleistung oder das Verkaufen hinausgehen.

Ich gehe gerne hierher.

Auch heute wieder.

Es ist ganz unterschiedlich. Einige Kunden wollen gar keine Quittung. Und selbst wenn sie mit Karte zahlen, reicht ihnen der kleine Beleg.

Ich kann das, was ich hier bezahle, zwar nicht von der Steuer absetzen. Aber ich schaue mir immer wieder im Laufe der Jahre gerne an, wann ich denn hier nun wofür bezahlt habe.

Deshalb bitte ich auch immer um eine große Quittung. Diejenigen, die am Empfang sitzen, wissen das und drucken sie mir inzwischen ohne zu fragen aus.

Ab und zu sitzt der Chef auch am Empfang. Zum Beispiel heute. Ich bezahle. Was passiert? Nichts. Um den Chef ein bisschen aufs Pferd zu heben, sage ich: „Ich hätte gerne einen großen Zettel, bitteschön.“

Der Chef dreht sich zum Drucker, greift in das Papiermagazin, entnimmt ein Blatt Papier und drückt es mir in die Hand.

A4. Ein großer Zettel A4. 210 Zentimeter mal 297 Zentimeter weißes Papier. Ich halte den Zettel, lächle den Chef an, schaue zu den Personen, die neben mir stehen und den Vorgang mitbekommen haben, wir lächeln uns zu, und aus unserem Lächeln wird ein Lachen, ein köstliches, amüsiertes Lachen.

Alle finden das lustig. Nur der Chef nicht. Der hat nichts mitbekommen.

Erst als ich den entscheidenden Hinweis gebe und sage: „Ich würde mich freuen, wenn Sie mir hier etwas drauf malen würden!“ ist auch der Chef davon überzeugt, dass hier soeben etwas Witziges von statten gegangen ist, klimpert kurz auf der Tastatur, bis der Drucker dann die erhoffte Rechnung ausdruckt.

P.S.

Ich liebe Zettel. Große. Und auch kleine. (Und merke gerade, dass ich die Geschichte vom kleinen Zettel wohl noch nicht erzählt habe. Ich werde sie hier verlinken, wenn auch sie das Licht von Bloggerland erblickt hat.)

Edit 27.01.17: Hier ist sie: Die Geschichte vom kleinen Zettel.

© Ulf Runge, 2017

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jetzt möchten wir zu gern wissen, was du gekauft hast 😀

    Gefällt 2 Personen

    1. Ulf Runge sagt:

      Ich glaube nicht, dass es wirklich interessiert, was ich gekauft habe.
      Viel mehr glaube ich, dass ich das Interese geweckt habe zu erfahren, was das denn für eine Art von Gewerbebetrieb ist…

      Gefällt 2 Personen

      1. Du nimmst dir also heraus, mir vorzuschreiben, was mich interessiert 😀

        Gefällt 2 Personen

      2. Ulf Runge sagt:

        Nein. Das ist kein Vorschreiben. Sondern eher ein Vermuten.
        Und die Auflösung wird vermutlich in der posthumen Veröffentlichung meiner Memoiren zu finden sein. 🙂

        Gefällt 2 Personen

  2. Hase sagt:

    Kreative Leute lieben Zettel!!!!!!!!!!!!!!!!! Wieder ein schöner Beitrag, du kannst aus einem leeren Zettel einen vollen Beitrag machen! 🙂
    „Leer „hat mich zuerst an die Stadt in Ostfriesland erinnert…..(Erinnerungen wurden somit geweckt – DANKE)

    Gefällt 1 Person

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