Nicht mehr dazu

Leben 1331 – Samstag, 14.01.17

Nicht mehr dazu

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Wenn das Telefon klingelt und man „eigentlich“ beschäftigt ist, sollte man nicht rangehen. Außer man erwartet einen Anruf aus Hollywood. Oder eine unbekannte Nummer erscheint auf dem Display. Die einen nennen es Interesse an dem, was auf der Welt passiert. Andere sagen, was es wirklich ist: Neugierde. Pure Neugierde treibt einen dazu, das Gespräch anzunehmen, von dem man sich eigentlich nicht stören lassen wollte.

Eine angenehme Stimme wünscht einen guten Tag. Sie sei von meiner Mobilfunkgesellschaft. (Ohne dem Nachfolgenden jetzt allzu viel vorgreifen zu wollen, ich hoffe nur, sie ist nicht von ebenjenem Provider meines Vertrauens.)

Wie ich denn mit meinem Tarif zufrieden sei. Mein Vertrau laufe nämlich demnächst aus.

Was soll ich da antworten? „Zufrieden!“ höre ich mich sagen. Verbindungen kommen ausgesprochen häufig zustande und auch die Rechnungsstellung erfolgt regelmäßig. Und ehrlich gesagt habe ich anderes im Kopf, als stundenlang für ihre Nichtvergleichbarkeit konstruierte Tarife vergleichen zu wollen.

Sie habe da ein Angebot, das sie mit mir besprechen wolle.

Ich fühle mich unwohl. Habe eigentlich etwas anderes zu tun. Und will jetzt nicht in Vertragsverhandlungen eintreten, bei denen ich das Gefühl habe, ausgeliefert zu sein.

„Wir“ – bis eben dachte ich noch, ich telefoniere mit genau einer Dame, jetzt wechselt sie ins übermachtige „wir“, bedrohlich viele Telefonagenten tauchen vor meinem geistigen Auge auf – „können Sie auch später anrufen!“

Irgendwie passt mir das nicht, ich will das eigentlich „schwarz auf weiß“, sprich zum Nachlesen haben. Ob sie mir ihr Angebot denn bitte per E-Mail zuschicken könne, frage ich höflich.

Sie antwortet nicht: „Wir wollen das nicht!“

Sie antwortet nicht: „Wir dürfen das nicht!“

Sie antwortet: „Wir können das nicht!“

Natürlich frage ich mich an dieser Stelle, ob mein Anbieter, wenn sie denn wirklich von ihm kommt, auf der Höhe der Zeit und der Technik ist. Eine Telefongesellschaft, die nicht mit E-Mails umgehen kann. Aber Internetanschlüsse im Sortiment feil bietet. Kann ich gar nicht glauben wollen.

Ich sage ihr in aller Freundlichkeit, dass ich das irgendwie nicht seriös finde.

Sie verabschiedet sich mit den Worten: „Gut! Dann nehmen wir Sie aus dem Verteiler.“

Und jetzt frage ich mich abschließend: Ist das eine Strafe, dass ich jetzt nicht mehr im Verteiler bin? Ich spüre schon, dass es irgendwie weh tut, nicht mehr „dazu“ zu gehören. Auch wenn ich nicht wirklich weiß, „wozu“.

 

© Ulf Runge, 2017

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bäumchen sagt:

    Da hatte ich doch neulich ein fast identisches Gespräch. Auch mir wollte eine sehr nette Dame am Telefon eine Verbesserung meines bestehenden Vertrages anbieten. Auch ich fühlte mich unwohl und wollte das nicht am Telefon entscheiden. Es fiel mir richtig schwer der netten Dame klar zu machen , dass ich jetzt mit ihr kein Geschäft abschließe, sie mit mir jetzt kein Geld verdient. Aber hinterher fühlte ich mich richtig gut, gehörte nicht zu denen die am Telefon unüberlegt einen Vertrag abschließen. Da wären wir also schon zwei, Ulf, die nicht dazugehören.

    Gefällt 1 Person

  2. Man sollte solche Gespräche direkt abwürgen, wenn man nicht will. Diese Callcenter-Agents machen den Beruf wahrlich nicht aus Spaß, sondern aus blankem Überlebenswillen (sprich: Weil das Jobcenter sie dazu gezwungen hat). Sie haben feste Vorgaben, wie viel sie am Tag verkaufen müssen. Wenn du eh nicht willst, sag es am besten direkt. Freundlich, aber bestimmt. Dann labern sie dir nämlich nicht 10min ein Ohr ab, in denen sie ggf. mit drei weiteren Leuten reden könnten, die vielleicht wirklich was kaufen.
    Den Spruch „Können Sie mich bitte aus Ihrem Verteiler nehmen?“ kannst du auch selbst bringen. Wobei das meiner Erfahrung nach nicht unbedingt etwas bringt 😉
    Dass sie „nicht können“, kenne ich, das ist eine Masche: Die gehen davon aus, dass du unentschlossen bist, wenn du sowas sagst, sprich 50% Interesse und 50% Zweifel hast. Wenn sie dir sagen, dass es nicht via E-Mail/sonstwas geht, hoffen sie, dass du zusagst, weil du Angst hast, so ein wahnsinnig tolles Angebot nie wieder zu bekommen. Bei vernünftigen Menschen führt es aber eher zum Gegenteil…
    Übrigens kann man telefonisch zustande gebrachte Verträge innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Nur so als Sicherheitsnetz 😉

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