Die lange Kantenspiegelung von Bleistiften in Wäschesäckchen

Leben 1330 – Freitag, 13.01.17

Die lange Kantenspiegelung von Bleistiften in Wäschesäckchen

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Er erinnerte sich noch gut an 1999. Da hatte er zum letzten Mal eine Sonnenfinsternis erlebt. Jedes Glassplättchen, das nicht fest verbaut war, wurde mit einem Feuerzeug schwarz gekokelt, bis man das Glas vor die ungeschützten Augen halten konnte, um dem Naturschauspiel gebannt folgen zu dürfen.

Helene Fischer war damals gerade 15 geworden und noch kein Thema für die Medien. Justin Bieber war 5 und vermutlich schon damals der Schwarm jüngerer Mädchen.

Beide hatten auf jeden Fall nicht die Frage „Was koche ich heute?“ zu beantworten. Oder etwa „Wie ist meine IP?“

Eher aktuell war die Frage „Warum ist der Himmel blau?“.

Wer meine Texte kennt, fragt sich vermutlich, unruhig mit dem Hintern auf dem Stuhl hin und her rutschend, was ich denn diesmal im Espresso gehabt haben könnte.

Die Antwort ist relativ leicht.

Die erste Inspiration des Tages habe ich bei Marions Findesatz-Blog in diesem Artikel gefunden. Mal darüber zu berichten, wie denn mein Blog gefunden wird. Das werde ich gleich tun.

Die zweite Inspiration kam dann zwangsläufig über mich, als ich mir dachte: `Wenn ich über etwas schreibe, wonach die Menschen suchen, dann müsste ich eigentlich richtig viel und oft gefunden werden.` Selbst wenn es ziemlicher Unfug ist. Der Unfug steht oben. Wonach die Menschen suchen, kann man z.B. hier finden: http://www.google.de/trends/topcharts#geo=DE&date=2015

Wie also wird mein Blog gefunden? Es ist erschreckend. Nicht mit „Unterhaltsamer Blog“, „Das Leben ist schön“ oder „Zeitlose Literatur“ (so, jetzt sind diese Suchbegriffe auch untergebracht), sondern mit „an kurzer Kante spiegeln“ (oder auch an langer); „Bleistift“ wird bei mir gesucht und gefunden; ob ich einen Online-Shop für Büroutensilien integrieren sollte? Und der absolute Hype scheint das „Waschmittelsäckchen“ zu sein, das ruhe-, rast- und ratlose Menschen zu mir bringt. Ohne dass ich ihnen wirklich helfen kann.

Ebenfalls scheint der Bedarf groß zu sein, sich bei mir über „Verkehrsschilder“ zu informieren. Im Jahr 2013 haben sich bei mir viele Menschen eine Antwort auf die Frage erhofft, wie man „eine gute Erzählung schreibt“. Nun, die Antwort konnte ich nicht geben, und so hat diese Frage weniger Bedeutung bekommen.

2012 durfte ich von der Bekanntheit von Helgard Frey profitieren, der seinerzeitigen rheinhessischen Weinkönigin, die mir eine Vielzahl von Klicks eingebracht hat und die ich anlässlich eines Konzertes der Swinging Voices kennenlernen durfte.

Spannend ist, dass man mich in 2011 sehr häufig mit „kurze Liebesgeschichten“ gefunden hat. Entweder bediene ich dieses Genre nicht mehr hinreichend oder das Interesse daran hat nachgelassen. Das wird ein Thema für die Redaktionskonferenz sein müssen.

In 2010 hat mir die Verdichtung von und Bebilderung mit Magnolien großes Interesse eingebracht. Das riecht nach einer Marktnische, die zu bedienen ich mich berufen fühlen sollte.

2009, zwei Jahre nach Erscheinen des iPhones, durfte ich mich glücklich schätzen, mit Hilfe der eifon-Verballhornung Leseinteresse zu wecken.

Und der absolute Renner des Jahres 2008 ist der „Alarmstuhl“. Auch der meistgeklickte Artikel meines Blogs. Vermutlich war da jemand in einer Kaserne in der Nacht so einsam und angenüchtert, dass er die Alarmstuhlutensilien auf der Tastatur seines Laptops so abgelegt hatte, dass der Suchbefehl in dieser Nacht zum Zusammenbruch aller WordPress-Server und mir zu bisher höchsten Klickzahl verholfen hat. So oft kann man den Artikel gar nicht lesen, wie er in dieser Nacht geklickt worden war.

Wenn ich jetzt viele Clicks aus den USA haben wollen würde, dann hätte ich vermutlich mit nachstehendem Text begonnen…

Es war ein Chevrolet. Er parkte ein, die Beifahrertür öffnete sich, eine Gestalt trat ins Freie, ein Mann. Er hatte Ähnlichkeit zur Bob Dylan, allein, er war es nicht. In der Hand trug er ein Spielzeugauto, und macht mit seinem Mund Geräusche wie ein 5jähriger, als würde er diesen Wagen mit laufendem Motor durch die Lüfte fahren lassen. „Das ist ein Ford Bronco!“ rief er mir zu, als er näher kam. „Ein cooles Gefährt!“ Nun mache ich mir weniger etwas aus Autos, sondern freue mich eher an der sportlichen Ausstrahlung von Typen wie „Kyle Schwarber“ oder „Scottie Pippen“, die in den Staaten sehr medienpräsent sind.

Und so weiter. Und so Ford.

© Ulf Runge, 2017

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. nihaojulia sagt:

    Wo siehst du denn was die Leute über Google suchen? Bei mir steht immer „unbekannter Suchbegriff“.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Wenn bei Dir unter Suchbegriffe „immer“ „unbekannter Suchbegriff“ steht, wirst Du nicht über Suchbegriffe gefunden. (Das liest sich sehr platt, ist aber so.)

      Wenn Du häufiger gefunden werden möchtest, kann es sinnvoll sein, den Bereich „Schlagwörter“ intensiver zu nutzen. Dort kann man (beliebige) Wörter und Phrasen angeben, über die dieser Artikel gefunden werden kann. Diesen Bereich findest Du in der Regel rechts vom Editor-Bereich, wenn Du den WordPress-Editor nutzt.

      Gestern habe ich den Begriff „Guerilla-Marketing“ für den Umstand gelesen, dass man hier Dinge einträgt, die nichts mit dem Inhalt zu tun haben. Ich habe das diesmal ausnahmsweise auch gemacht und dort u.a. „Helene Fischer“ und „Justin Bieber“ eingegeben. Bin gespannt, ob ich hierdurch jemanden auf den Artikel locken kann. Ob diese Person dann zur treuen Leserin wird, wage ich zu bezweifeln. 😉

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      1. nihaojulia sagt:

        Mh komisch. Ich benutze immer mindestens 15 Schlagwörter. Bei bing oder so wird mir der Suchbegriff angezeigt, nur bei Google nicht. Bei WordPress Support habe ich nur gesehen, dass Google seine Suchbegriffe verschlüsselt. Steht bei dir dann als Referrer Google, Suchbegriff Helene Fischer?

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      2. Ulf Runge sagt:

        Bei mir sieht das so aus:

        Das ist ein Auszug aus dem Suchbegriffe-Bereich. Nicht aus dem Bereich „Referrer“ oder „Links“.

        Falls das nicht hilft, kommunizieren wir über PN weiter.

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      3. nihaojulia sagt:

        Ok vielleicht sind die Suchbegriffe dann von anderen Suchmaschinen, weil unten hast du auch unbekannte Suchbegriffe..

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  2. Ruhrköpfe sagt:

    hihi, so ein paar seltsame Suchbegriffe tauchen bei mir gelegentich auch mal auf. Liebe Grüße, Annette

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    1. Ulf Runge sagt:

      das schreibst Du hier so einfach. Und machst uns natürlich total NEUUUUUGIIIIIEEEERIG. Liebe Grüße, Ulf

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      1. Ruhrköpfe sagt:

        gegen die, die du uns hier präsentierst, sind die bei mir total langweilig 😉

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  3. maribey sagt:

    Köstlicher Artikel! Schön, dass du dich hast inspirieren lassen und so ganz ohne Glaskugeln wusste ich, das kannst du in äußerst amüsanter Weise. Was eine Palette, von Magnolien bis Wäschesäcken, da siehst du mal, wie vielfältig du bist!

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    1. Ulf Runge sagt:

      Danke Marion. Es ist immer wieder ein bereicherndes Geben und Nehmen im Bloggerland.

      Gefällt 2 Personen

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