Warum es Weinberggnome gibt

Leben 1304 – Freitag, 02.12.16

Warum es Weinberggnome gibt

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Wann immer ich den Weinberg hochgehe, und tierarztverbotkonformerweise tun wir, mein Hund und ich, das immer seltener, und manchmal sagen wir uns, lassen wir doch Verbot Verbot sein, wir wollen die Höhe genießen, die Fernsicht. Mein Hund, fast total taub, was zu einer recht entspannten Wahrnehmung nachbarlicher Sylvesterknallerei führt, und auch fast blind, wobei ich mich immer frage, wie er, fast ohne visuelle Wahrnehmung noch Bälle fangen kann, eventuell der erste Hund mit Ultraschall, egal, ich möchte ja vom Weinberg berichten. Mein Hund, fast blind, mag die Höhe, die besonderen Rastplätze mit Fernsicht, von denen ich nicht weiß, ob er sie wegen des Panoramas mag, oder einfach nur, weil die Anstrengung, die Höhe zu erklimmen, hinter uns liegt und jetzt Ausruhen angesagt ist, Genießen, Seelebaumelnlassen.

Genau, ich war bei „Wann immer ich den Weinberg hochgehe“… In diesen Momenten sehe ich auch immer wieder diese interessanten, baumwollfruchtartigen Dinger rumhängen, von denen ich bis jetzt nicht weiß, wie sie heißen. Statt jetzt ohne Sinn und Verstand rumzugugeln, ziehe ich den Publikumsjoker und hoffe, dass mir die Leserschaft dieses Blogs weiterhilft bei der Bestimmung dessen, was ich auch auf das Foto gebannt habe.

Und bei Anblick dieser baumwollfruchtartigen Dinger denke ich immer daran, da gucken mich ganz viele, ich sag mal Gnome, oder besser Weinberggnome, an. Und ich stelle mir vor, ich müsste eine schwierige Rede halten. Möglichst ohne Zettel. Alles aus dem Kopf. Nicht auswendig. Aber frei.

Dann denke ich mir, ich bräuchte mich nur vor die Weinberggnome stellen, ihnen meine Generalprobe erzählen. Sie würden mich anschweigen, eiskalt, ohne jede Reaktion. Keine Miene würden sie verziehen, nicht mal den Nachbarn einen wissenden Blick zuwerfen. Keine Augenbraue würde sich bewegen. Und dann würde ich mit allen meinen Emotionen versuchen, diese Weinberggnome, dieses Auditorium, für mich zu gewinnen. Die Worte wohlfeil setzen, die Stimme kraftvoll sprechen lassen, wichtig gucken, lächeln, gestikulieren.

Und wenn dann ein Windhauch vorbeikommt, der diese Gnome ein wenig durcheinanderschüttelt, dann ist es, als ob sie zustimmend nickend, ja sogar aufstehen, applaudieren, einen nicht enden wollenden Beifall spenden, vor Freude zu tanzen anfangen.

P.S.: Wenn es bei Dir keine Weinberggnome geben sollte; das geht auch mit Pfaffenhütchen, tränenden Herzen und vogelbeerbaumbeerenbehangenen Ästen. Es geht eigentlich überall, wo Du zulässt, dass die Natur Dich beobachtet. Wenn Du bemerkst, dass sie Dir zuhört, wenn Du ihr etwas erzählst.

© Ulf Runge, 2016

 

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