Faust um Faust, Daumen um Daumen

Leben 1301 – Sonntag, 1. Advent, 27.11.16

Faust um Faust, Daumen um Daumen

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Die Idee war, etwas Sprachbegleitung bei der Erstellung des Berichtsheftes zu geben. Für einen jungen Mann aus Afrika, der hier eine Ausbildung zum Elektrohandwerker macht.

In der Tat geht es auch um Sprache. Für mich wird diese Sprachbegleitung immer mehr zum Studium Generale deutscher Basics (ja, ich habe Basics geschrieben).

Ich denke mal, dass sogar deutsche Auszubildende (ich glaube, inzwischen sagen die meisten wieder „Lehrlinge“) damit überfordert sind, wenn sie sich mit ziemlich obsoleten Begriffen der Nicht-mehr-Erfahrungswelt wie „Scheck“ und „Wechsel“ auseinandersetzen müssen.

Wie habe ich also vorgestern aus der „lamäng“ Wechsel erklärt? Ganz einfach. Etwas, das man tunlichst vermeiden sollte. Zu meinen, dass man weiß, dass man irgendwo in der Zukunft liquide sein wird, und dafür jetzt das Versprechen abgeben. Ich habe den Begriff als „Scheck mit Gültigkeit in der Zukunft“ erklärt. Na gut. (Braucht kein Auszubildender, denke ich mal.)

Jetzt brüte ich über Prüfungsfragen, die so oder so ähnlich diese Woche drankommen können. Was mich dabei krank macht, ist noch nicht mal das inhaltlich Veraltete. Viel mehr die Sprache, mit der die Fragen formuliert sind.

„Welche Faustregeln gilt es … bla bla … zu bedenken?“

Ich merke, wie sich innerlich eine Faust in meiner Hand bildet.

Bitteschön. Was ist eine Faustregel? Klar weiß ich das. Doch wie bringe ich das rüber. Wikipedia-sei-Dank weiß ich jetzt, dass die Daumenregel die englischsprachige Schwester der Faustregel ist.

Dort finde ich erklärt, wie ich die Minuten bis zum Sonnenuntergang schätzen kann. Geht heute nicht. Sonne ist da. Aber nicht hier. Weil über den Wolken. Wo die Freiheit wohl grenzenlos…

Auch zur Blitzentfernung finde ich dort ein Beispiel. Drei Sekunden sind ein Kilometer. Vielleicht nehme ich das nachher. Geht ja auch ohne echtes Gewitter.

Mal sehen, was mir heute noch einfällt, jemandem, der sein nacktes Leben hierher gerettet hat und froh ist, mit den Basics (da isses wieder) der Maslowschen Bedürfnispyramide versorgt zu werden, wie ich also so einem Menschen erkläre, was die Faustregel für eine optimale Geldanlage ist.

© Ulf Runge, 2016

P.S.: Wenn ich mit das Foto so ansehe, könnte das die Blaupause für Kermit gewesen sein…

 

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