Warum es Knethaken gibt – oder: Breitmäuliges

Leben 1276 – Samstag, 13.08.16

Warum es Knethaken gibt – oder: Breitmäuliges

 

Hinweis:

Ich beabsichtige, diese Geschichte auf mehrere Arten zu „erzählen“.
Variante 1: Geschriebene Sprache.
Variante 2: Gesprochenes Wort.
Variante 3: Bebilderter Text.
Variante 4: Video.

Ob es wirklich dazu kommt, wird sich zeigen. Dies hier ist die Variante 1 „Geschriebene Sprache“.

 

Ich weiß gar nicht mal, ob sie Knethaken heißen. Weil ich die Gebrauchsanleitung selbstverständlich nie gelesen habe. Und weil ich sie auch nie brauche. Ich verwende nur die Teigrührer, die vermutlich auch anders heißen, was aber auch egal ist.

Wer hauptsächlich Käsekuchen bäckt und bisweilen Marmor, der verwendet eben nur die Teigrührer und eigentlich nie Knethaken.

Für küchenarbeitsscheue Wesen ein kurzer Hinweis: Wir beschäftigen uns heute mit dem kleinen Handmixer, der sehr praktisch ist, wenn man Kuchen backen möchte.

Nach über 20 Jahren gab ebendieser Handmixer seinen Geist auf. Ein fast, die Betonung liegt auf fast!!!, in Worten „fast“, in Buchstaben Eff Ah Ess und Tee, identisches Nachfolgeprodukt des gleichen Herstellers wurde gekauft. Bemerkenswert: Der Hersteller hat es überlebt, dass über 20 Jahre kein Ersatzprodukt gekauft wurde.

Der nächste Kuchenbacktermin steht an. Da ich ungerne Dinge wegwerfe, erst recht nicht Haushaltsgeräte, die noch einen Wert haben, hole ich den kaputten Handmixer noch einmal hervor, der eigentlich schon zur Entsorgung bereit steht. Vielleicht hat er ja nur einmal nicht funktioniert. Die Industrie darf ruhig zero defect orientiert sein, aber ich will ihm nochmal eine Chance geben. Vielleicht war es ja voreilig, ein Ersatzgerät zu besorgen.

Ich stecke den Entsorgungskandidaten in die Steckdose, schalte ein und?

Er funktioniert!!!

Ich rühre den Teig. Es ist wie immer. Butter, Zucker und Eier verbinden sich zu einem immer homogener werdenden Gebilde. Doch dann. Es kommt, wie es kommen muss, der Mixer macht schlapp.

An dieser Stelle könnte man jetzt noch einen Exkurs über die Reparatur vermeintlich defekter Elektrogeräte einfügen. Etwas über „Kohlen“ schreiben, die ersetzbar wären. Tue ich nicht. Die Geschichte geht weiter beziehungsweise: Jetzt endlich fängt sie an.

Die neue Maschine ist eingeweiht, der fertige Teig in der Form. Während sich die Küche mit dem vanillig-süßlichen Duft des erhitzt werdenden Kuchens füllt, putze ich die Küche, wische die Arbeitsplatte, spüle das Geschirr, trockne es ab.

Was sich mir danach offenbart, ist ein Anblick des Grauens. Der Alptraum für jeden klar denkenden Menschen.

Mich schauen vier identische Teigrührer an. Stimmt nicht ganz. Zwei habe eine runde Ausformung, die anderen eine eckige, damit man die richtige Führungsbuchse für die Rührer wählt. Trotzdem. Sie sind identisch.

Was bedeutet das?

Die Gebrauchsspuren von 20 Jahren sind sozusagen nicht erkennbar. Das ist in der Tat bemerkenswert.

Die technische Entwicklung ist in den vergangenen 20 Jahren nicht fortgeschritten. Etwa frei nach dem Motto: „Ein Rad ist ein Rad ist ein Rad.“ Kann man nicht verbessern.

Mit detektivischer Kleinarbeit, die wohl eines Leichenbeschauers würdig wäre, entdecke ich minimale Gebrauchsspuren an zweien dieser vier Teile. Trotzdem grüble ich: Was ist, wenn die neuen nicht so gut gefertigt sind wie die alten? Wenn die neuen Rührer bereits Abnutzungserscheinungen zeigen, die bei den alten undenkbar wären?

Ich fahre mit meiner Briefmarkenlupe – ja es gab mal diese Zeiten, in den Briefmarken Gegenstand der Begierde junger Männer waren, um einen Kontaktanlass zu jungen Mädchen zu haben – über die vermeintlich gleichartigen Teile und entdecke zu meiner Überraschung doch einen winzigen Unterschied, den ich nicht wirklich für funktional halte. Am Schaft gibt es beim einen Typ „Spitzmaul“ eine länglich-schmale Ausbuchtung, beim anderen Typ „Breitmaul“ eine breit-kurze. Doch welche ich die richtige für das neue Gerät?

Und jetzt kommt der wahre Grund ins Spiel, warum es Knethaken gibt. Diese liegen noch ungebraucht, säuberlich verpackt in einer Plastikfolie und dienen nun der Entscheidungsfindung, welcher Froschtyp der neue ist und in der Maschine verwendet werden sollte.

And the winner is: Breitmaul!

Die alte Maschine landet unwiderruflich in der Abteilung “Entsorgung”. Allein die Spitzmaul-Teigrührer. Die haben so lange Zeit ihre Arbeit verrichtet. Wenn einer der neuen Rührer kaputt ginge, wäre sofort Ersatz da. Und ich bin ziemlich sicher, dass das Rühren auch mit ihnen in der neuen Maschine funktionieren würde.

 

© Ulf Runge, 2016

5 thoughts on “Warum es Knethaken gibt – oder: Breitmäuliges

  1. Mein Handrührgerät ist so alt, dass es einem beim Abstöpseln aus der Steckdose immer eine wischt. Natürlich kein Grund, das Gerät zu tauschen: Der Stecker wird nach Benutzung immer fein säuberlich in der Steckdose an den Erdungshaken abgeklopft – dann klappt’s auch mit dem Stromschlag😄

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  2. Köstlich, lieber Ulf🙂
    Das kann ich gut nachempfinden, lieber Ulf. Auch ich habe zwei Handrührgeräte: ein defektes und ein neues, das erstand ich einmal günstig für die Punkte bei Rewe-Einkäufen.
    Warum die Knethaken so heißen ? Weil sie für Knetteige besser geeignet sind und für Hefeteig.
    Den Unterboden , ein Mürbeboden für mein Käsekuchenrezept rühe ich mit den Knethaken
    und die obere Schicht mit den Rührhaken. Ich habe die alten Haken erkannt, weil sie etwas verbogen sind……
    Ich habe immer das Problem, welcher Haken in welche Öse gesteckt wird. Das ist auch durch eine winzige Ausbuchtung und ein Zeichen am Gerät zu erkennen…..
    Ich freue mich auf die nächsten Schritte…..
    schönen Sonntag, wir fahren morgen ins Ostertal nach Oberostern…..das ist auch im Odenwald,
    Dort gibt es leckeren Kochkäse, mit welchen Haken der wohl gerührt wurde ??????????

    Gefällt 1 Person

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