Orgiastisches Frühstück

Leben 1270 – Donnerstag, 28.07.16

Orgiastisches Frühstück

Ich gebe zu, dass der Titel dieses Beitrags etwas BILDhaft ist. Unter anderem soll es hier um Bhagwan gehen. Ein Begriff, der für mich schon ein bisschen vorurteilshaft belegt war und ist, weil ich mit diesem Begriff und insbesondere der entsprechenden Modeerscheinung der 80er Jahre eigentlich nie wirklich in Berührung gekommen bin.

Was ich aus dieser Zeit für mich hinübergerettet habe, sind die beiden Klischees Sekte und Sexorgien. Wer sich ein bisschen einstimmen will, findet hier Futter. Ist aber nicht wirklich nötig, um diesen Beitrag zu verstehen.

Wir waren ein kleines Projektteam, arbeiteten gut zusammen und organisierten auch unsere Mahlzeiten gerne miteinander. Egal, ob es sich um den Frühstückseinkauf oder um ein gemeinsames Mittagessen in der Kantine oder auswärts handelte.

Eines Tages kam, ich nenne ihn mal Herbert, in unser Team. Wie es sich für einen Rheinländer gehört, sehr freundlich und aufgeschlossen. Er hatte bisher in einem Nachbarprojekt gearbeitet, kannte also die lokale Infrastruktur an Geschäften und Restaurants.

Am nächsten Morgen, kurz vor der Knoppers-Zeit, stand Herbert auf und ließ für alle in unserem Großraumbüro hörbar erklingen: „Ich gehe jetzt zum Bhagwan-Händler, soll ich jemandem was mitbringen?“

Ich glaube, dass ich ihn mit offenem Mund angestarrt habe. Vermutlich habe ich an mich appelliert, dass ich ja ein toleranter Mensch bin, ein liberaler Geist, und auch nicht gleich alles kommentieren muss.

Ich habe dem Treiben dann nicht weiter Beachtung geschenkt, aber es waren doch einige Kollegen, die etwas von diesem merkwürdigen Geschäft mitgebracht haben wollten.

Das ganze wiederholte sich nun Tag für Tag und der Kollege brachte immer wieder Papiertüten mit. Da waren Brötchen drin. Ich kenne das vom Zeitschriftenhändler, dass der Zigaretten und Lotto-Toto hat. Schreibwaren und einen Aushang für entflohene Wellensittiche.

Aber Brötchen beim Bhagwan-Händler? Clever, fand ich. Im Marketing nennt man das Cross Selling, also zusätzliches Geschäft aufbauen, indem weitere Produktlinien vertrieben werden.

Eines Tages fragte ich Herbert, warum er denn nicht zum Bäcker gehen würde, wenn er Brötchen holt.

So verständnislos wie nach dieser meiner Frage hatte er mich vorher noch nie angeschaut. Und später auch kein Mal mehr.

Seitdem sind ungefähr vier Jahre vergangen. Heute war ich mal wieder dort um die Ecke. Und konnte mir nicht verkneifen, ein Foto zu schießen. Den Bhagwan-Händler gibt es immer noch.

Bhagwan_20160727_092641

© Ulf Runge, 2016

9 thoughts on “Orgiastisches Frühstück

  1. Lustig und erinnert mich an eine Geschichte, die ich vor einigen Jahren auf der Arbeit erlebte. Eine Kollegin – eine schnellsprechende – sagte zu Beginn der Mittagspause, sie ginge zu „Rudis Restaurant“, zumindest waren das die Worte, die ich verstand. Meine Kollegin kam zurück und hielt in der Hand vier Drssertschalen, die sie stolz präsentiere. Das wiederholte sich in ähnlicher Form. Immer, wenn sie in Rudis Restaurant ging, kam sie mit Tellern, Schalen oder Schüsseln zurück. Irgendwann fragte ich verwundert, warum das Restaurant sein Geschirr ausgebe. Dann entpuppte sich das schnell gesprochene „Rudis Restaurant“ als „Rudis Reste-Rampe“, ein damals existierendes Geschäft, in dem es zu Schnäppchenpreisen diverse Haushaltsgegenstände zu erwerben gab.

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  2. schön deine Geschichte🙂
    mir fällt spontan was ein, bei einem Verwandtschaftstreffen aus traurigem Anlass letzter Woche erzähle meine Kusine, die ich selten sehe folgende Begebenheit:
    Mein Vater, der Landwirt und Winzer war, fuhr eines Tages in die Stadt.
    Er erzählte meinem Onkel, der in der Stadt lebte: „Ich habe mir heute zwei Hemmer gekauft“
    Darauf mein Onkel: „Warum zwei ? Ein Hammer reicht doch…“
    Mein Vater hatte aber zwei Hemden gekauft und meine Kusine hat diese Begebenheit nie vergessen, sodass sie sogar an der Beerdigung meines Kusins wieder hervorgekramt wurde und zum Lachen führte…
    Die Aussprache ist bei uns wirklich manchmal gewöhnungsbedürftig…
    liebe Grüße
    Erika

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