Wie man zum Pokemon-Opfer wird

Leben 1268 – Mittwoch, 20.07.16

Wie man zum Pokemon-Opfer wird

Seit gestern weiß ich, wie man zu einem Pokemon-Opfer ganz besonderer Art werden kann.

17.06.2016, ungefähr 20:30 Uhr. (Nein, das ist keine Stenkelfeld-Geschichte.) Wir sitzen nach einem geschäftlichen Termin in gemütlicher Runde, als jemand so ein Dingens rausholt, auf den Tisch legt und in sein Smartphone einstöpselt. Der einzige in der Runde, dem das befremdlich vorkommt, bin wohl ich. Ich lasse mich aufklären. Das Teil ist eine Powerbank. Im Prinzip ein Akkumulator, nur dass dieser USB-Ein- und Ausgänge hat, damit man damit Smartphones und andere USB-Geräte unterwegs auftanken kann, wenn man mal keine Steckdose zur Verfügung hat.

Die nachfolgenden Tage sind geprägt von „Auch haben will“ und „Man muss nicht jeden Schei… haben“.

28.06.2016, ungefähr 15:30 Uhr. Anlässlich eines Aufenthalts in einer „fremden“ Stadt und der sinnvollen Vertreibung von Wartezeit ergibt sich rein zufällig ein Besuch beim Elektrofachmarkt für Nicht-Blöde. Der Verkäufer zeigt mir jede Menge entsprechender Geräte, die in Frage kommen. Überfordert ob der zu treffenden Auswahl frage ich ihn, welches Teil er denn für sich kaufen würde. „Ich habe das hier!“ zeigt er mir ein Smartphone-großes Gerät, das sogar noch über eine Taschenlampe verfügt. Gezeigt, gekauft. Ich habe jetzt auch eine Powerbank.

Die nachfolgenden Tage sind geprägt vom Ausprobieren der neuen Errungenschaft. „Das war wirklich eine sinnvolle Investition!“, sage ich zu mir. Gut angelegte 11 Euro.

19.07.2016, ungefähr 12:30 Uhr. Meine positive Berichterstattung über diese Powerbank verleitet eine weitere Person dazu, einen rotweißen Elektrofachhandelsmarkt zu betreten und ihren Begehr entsprechend zu äußern. Die Bedienung schaut uns an, als kämen wir vom anderen Stern, weil: Die Dinger sind ausverkauft.

Ich wende jetzt das Stilmittel der Rückblende an: 13.07.2016, irgendwann in Deutschland: Pokemon Go tritt in den deutschen Markt ein.

In den folgenden Tagen stellen Unmengen von Smartphone-Besitzern fest, dass die Akkus recht schnell leer werden.

In den darauf folgenden Tagen kaufen die Pokemon Go-Spieler wohl sämtliche Powerbank-Regale der Republik leer.

19.07.2016, ungefähr 12:40 Uhr, die Rückblende ist beendet. Die Dame verrät uns, dass nahezu täglich ein Laster mit frischer Ware eintreffen würde. Da seien auch immer Powerbanks dabei. So ab 16:00 Uhr. Kurz flackert in mir die Vorstellung auf, ab sofort täglich am späten Nachmittag hierher zu kommen. Beim Entladen der LKWs live dabei zu sein…

Auf dem Rückweg frage ich mich, ob man in Stenkelfeld schon an mobile Weihnachtsbeleuchtung denkt. Oder an mobiles Sylvesterfeuerwerk. Powered by Powerbanks.

 

© Ulf Runge, 2016

11 thoughts on “Wie man zum Pokemon-Opfer wird

  1. Ich musste auch erst einmal verstehen dass die Aussage: „Ich muss noch 6 km laufen, dann ist mein Ei ausgebrütet“ sozusagen Pokemon-Go-Isch ist. Wir lernen täglich eine neue Sprache.

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    1. Ein Bekannter hat mir erzählt, dass ein Geschäftsfreund sich über intensiveres Verweilen (noch) fremder Menschen vor seinem Haus gewundert hat. Auf Nachfragen habe er erfahren, dass dort – direkt vor seinem Anwesen – eine Pokemon-Go-Arena „gebaut“ worden sei.
      Jener Geschäftsfreund denkt nun darüber nach, Grillhähnchen oder Eis-am-Stiel (für die Vegetarier) feil zu halten. Solange die Pokemon-Go-Spieler „echt“ sind und noch nicht durch virtuelle Figuren abgelöst, bieten sich hier enorme geschäftliche Chancen…

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  2. Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits ziemlich irre, was da gerade abgeht, andererseits: „Nu bewegen sich die lieben Kleinen endlich“.

    Mein Handy ist übrigens elf Jahre alt. Der Akku ist original. Er hält auch heute noch acht Tage durchgehend. Hysterische Kabel-Suche kann ich also nur insofern nachvollziehen, als dass ich mich jedesmal wieder frage, wo ich es nach dem letzten Aufladen überhaupt hingelegt habe…

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    1. Ich kenne das Spiel in seiner aktuellen Version gar nicht. Vermute mal, dass jeder für sich spielt. Wünsche mir in der nächsten Version, wo alle kooperieren müssen, um beim Spiel erfolgreich zu sein. Das wär mal was…

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  3. Pokémon-Go.. Einerseits eine wahnsinns Idee und quasi Revolution von Games. Ein Spiel in der realen Welt. Und die Jugend sitzt nicht nur daheim vor der PSP, sondern gehen freiwillig raus und bewegen sich. Doch leider ist in diesem Wahnsinn schon einiges passiert und, wenn man nicht aufpasst, dann kann da ganz schön was passieren.
    Zu der Powerbank: Da kann ich nur zustimmen ^^ das ist wirklich sehr praktisch
    LG
    Sannny

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  4. Immer wieder reibt man sich die Augen über das, was an Fortschritt passiert.
    Apropos Augen. Wenn wir alle erst einmal mit Spezialbrillen vor den Augen unterwegs sind, um statt Reality lieber Virtual Reality wahrzunehmen, dann sind wir wieder einen Schritt „weiter“. Es bleibt spannend.

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