Erstaufnahme Reloaded

Leben 1259 – Donnerstag, 16.06.16

Erstaufnahme Reloaded

 

Mehrere haupt- und ehrenamtlich Engagierte hatten vergangenen Monat die Möglichkeit, bei einem Besuch der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Heidelberg einen Eindruck zu bekommen,

wie hochmodern, weil prozessorientiert,

wie effektiv, weil was bei rauskommt,

und wie effizient, weil beim Personaleinsatz Synergien zwischen unterschiedlichsten Behörden gehoben werden,

mit den Themen Erstaufnahme und Asylbeantragung umgegangen werden kann, wenn man bereit ist, die Schnittstellen behördlicher Zuständigkeiten der öffentlichen Wahrnehmung zu entziehen, indem die beteiligten Behörden und Hilfsorganisationen zeitnah und ortsnah kooperieren.

 

Hier der Bericht von unserem Besuch:

 

Bericht von einem Besuch bei der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge
im Patrick-Henry-Village Heidelberg am 25.05.2016

Bei einem informellen Gespräch bei der Erstaufnahmestelle Heidelberg konnten hauptamtlich und ehrenamtlich Engagierte aus Weinheim einen Eindruck gewinnen vom aktuellen Stand der Prozesse rund um die Erfassung von Asylbewerbern sowie die Bearbeitung von Asylanträgen.

 

Die Registrierung als auch die Einleitung und Durchführung des Asylbewilligungsverfahrens sind für Heidelberg komplett neu entwickelt worden, um in möglichst kurzer Zeit sehr viele Menschen zu erfassen und die leichter entscheidbaren Fälle zeitnah zu bearbeiten.

 

Der Prozess, der federführend vom BAMF unter Beteiligung von McKinsey entwickelt worden ist, ist an folgenden Zielen ausgerichtet:

 

·         Alle neu eintreffenden Geflüchteten, die aus Lokationen des Landes mit ca. zwei bis drei Tagen Vorlauf angekündigt werden, werden am selben Tag ersterfasst
·         Die Fortschritte im Asylbewilligungsverfahren werden für die Asylbewerber dadurch transparent, dass es im Laufe des Tages einen Umzug in immer wieder andere Warteräume in Richtung Ende des Ganges gibt, die den Fortgang des Verfahrens signalisieren.
·         Es gibt eine Trennung von Front Office Sachbearbeitern, die gemeinsam mit Dolmetschern Zahlen, Daten und Fakten erheben. Und auf der anderen Gangseite einen Back-Office-Bereich, in dem mit deutlich reduzierten Emotionen auf Basis der erhobenen Informationen eine zügige Entscheidungsfindung vorbereitet wird.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei diesem Konzept erscheint die inter-organisatorische Zusammenarbeit zwischen BAMF, Land BaWü, Zoll, Bundespolizei, Bundeswehr, Telekom, Diakonie, Caritas und Rotem Kreuz zu sein. Hier sind ausschließlich MitarbeiterInnen tätig, die sich freiwillig für dieses „Projekt“ gemeldet haben.

 

Was beeindruckend ist, dass diese Lösung hinsichtlich seiner Kapazitäten leicht nach oben geschraubt werden kann. Und an anderen Lokationen leicht übernommen werden kann.

 

 

Die Erstregistrierung läuft in folgenden Schritten ab:

 

·         Ausfüllen eines ersten Formulars zur Erhebung der wichtigsten Stammdaten, bei Bedarf mit Unterstützung durch Dolmetscher
·         Einzelregistrierung an einem Schalter durch eine/n Bedienstete/n von BAMF oder Land BaWü; hier findet auch eine erkennungsdienstliche Aufnahme mit biometrischen Fotos und durch Fingerabdrücke statt sowie ein Abgleich mit Polizei-Datenbanken (falls eine Fahndung anhängig ist) oder Datenbanken andere EU-Staaten statt (falls eine Registrierung bereits in einem andere EU-Staat erfolgt ist)
·         Inaugenscheinnahme durch einen Mediziner mit Röntgenuntersuchung des Thorax, um Tbc auszuschließen;
darüberhinaus werden freiwillige Impfungen angeboten, die generell gerne angenommen werden

 

Der Start des Asylverfahrens läuft in folgenden Schritten ab,
die durch die Prozess-Straße entlang des Gebäudeflurs wahrnehmbar gemacht werden:

 

·         Belehrung über die Mitwirkung am Asylverfahren
·         Stellung des Asylantrages
·         Prüfung der vorgelegten Dokumente
·         Abschluss des Asylantrages

Die Fortsetzung des Asylverfahrens im Rahmen eines Einzelgespräches unter Anwesenheit eines hierfür geeigneten Dolmetschers findet zu einem planbaren Zeitpunkt statt.

Limitierender Faktor sind hier die qualifizierten Entscheider, die sich mit den regionalen Gegebenheiten der Herkunftsländer so gut auskennen, dass sie eine fundierte Entscheidung über den Asylantrag treffen können.

Diese Gespräche müssen auch deshalb sehr präzise geplant und terminiert werden, damit die geeigneten Dolmetscher für diese Termine rechtzeitig beauftragt werden können.

Dass jemand in Heidelberg registriert worden ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch die Anhörung und die Entscheidung über den Antrag in Heidelberg passieren.

 

 

Bericht erstellt: Ulf Runge, ulf.runge@ulfrunge.de, 15.06.2016

 

© Ulf Runge, 2016

12 thoughts on “Erstaufnahme Reloaded

    1. Es war mir ein Bedürfnis, das Gesehene in die Öffentlichkeit zu tragen. Es gibt zu vieles, was nicht funktioniert und trotz seiner verhältnismäßig geringen Bedeutung die Schlagzeilen in den Medien vereinnahmt.

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