Mandarin

Leben 1255 – Sonntag, 05.06.16

Mandarin

Diesen Beitrag gäbe es nicht ohne Tim Mälzer. Der Umkehrschluss hingegen ist unzulässig.

Wie allgemein bekannt ist, gucke ich kein Fernsehen. Außer, wenn Fußball kommt. Dann ist das ja auch Fußball, was kommt, und kein Fernsehen.

Was sich nicht vermeiden lässt, wenn man bei anderen Menschen zu Gast ist, dass man dann dort etwas Fernsehen mitbekommt. Und besagtes jenes Mal war Tim Mälzer flimmernderweise präsent. Es ging um Brot. Und er gab einen interessanten Tipp zum Brotfrischhalten von sich. Statt ein Brot in eine Plastiktüte zu verpacken, damit man auch etwas von den Weichmachern hat, nein, streiche letzten Nebensatz, ersetze durch: damit es auch schön frisch bleibt, empfahl der Fernsehkoch, Brot in ein Handtuch einzupacken. Dort bleibt es frisch und fängt nicht an zu schimmeln, was ich dann beides sehr praktisch finde.

Seit diesem historischen Fernsehabend wird das Brot also in Handtücher eingepackt. Sicherheitshalber kommt noch ein Gummi drum herum, um unbeabsichtigtes Auseinanderwickeln des Nahrungsmittels zu verhindern.

Handtuchbrot_20160527_180936_30

Manchmal habe ich es eilig. Möchte die Wohnung verlassen. Ach nee, das wollte ich noch gar nicht erzählen. Kommt später.

Also, eigentlich esse ich gar kein Brot. Genau. Wir halten fest: Kein TV, kein Brot.

Espresso_20160530_111707_30

Eigentlich trinke ich gerne einen Espresso, genau genommen einen Doppio. Wobei meine Erfahrung mit der Interpretation von Doppio unterschiedlich ist. Es gibt drei Varianten, und ich habe nicht bei Wikipedia nachgeschaut:

  • Gleiche Menge Kaffee, doppelte Menge Wasser.
  • Doppelte Menge Kaffee, doppelte Menge Wasser.
  • Gleich Menge Kaffee, halb so viel Wasser. (Ist ja dann doppelt stark.)
  • Oder meine: Espressopulver bis Espressohalter voll ist, Wasser bis kleine Kaffeetasse voll ist. (Die Espressotassen sind einfach zu klein für Doppio.)

Und ich habe gelernt, dass mir Espresso am besten bekommt, wenn ich etwas dazu esse. Das ist jetzt aber schwierig. Oft mag ich den Espresso nach dem Essen. Bin eigentlich satt. Mag ihn aber trotzdem nicht „leer“ trinken.

Da wäre ein Keks angebracht. Aber der ist ja voller Zucker und Kohlenhydrate. Geht also gar nicht.

So, jetzt kommt das Brot ins Spiel. Ich wickle das Handtuch mit dem Brot auf, nachdem ich den Gummi entfernt habe.

Bestreiche das Brot mit Butter und belege es mit leckerem Scheibenkäse. (Ja, ich weiß, eigentlich bin ich satt.)

Der Espresso ist fertig und die Zwischenmahlzeit kann beginnen.

Nun ist das Getränk noch viel zu heiß und die erste Scheibe Brot wird gegessen, während die Tasse kaum Flüssigkeitsverlust meldet.

Also darf es eine weitere Scheibe Brot sein. Und jetzt wird auch klar, warum ich das Brot nicht sofort nach Entnahme einer Scheibe wieder verpacke. Es könnte ja noch etwas Espresso in der Tasse sein, der nicht unbegleitet getrunken werden möchte.

Manchmal sind drei Scheiben notwendig, um die Tasse zu leeren. Das ist einfach der Zubereitungshitze geschuldet.

Wo war ich? Richtig. Ich hatte es eilig, habe ich vorhin schon mal gesagt. Muss aus dem Haus. Aber nicht ohne aufgeräumte Küche. Wirble noch, was ich kann. Teile des Geschirrs wandern in die Maschine, der Rest will handgespült sein. Und, man ahnt es schon, handtuchgetrocknet.

Ich vergaß zu erwähnen, dass das Handtuchbrot immer noch nicht wieder ins Brothandtuch eingepackt worden war. Und so kommt es, wie es kommen muss. Ich nehme das nächstgelegene Handtuch, um das Geschirr zu trocken, als mir einige Scheiben des kostbaren Brotes auf den Küchenboden fallen. Ich entscheide mich gegen die Weiterverwendung des heruntergefallenen Brotes, habe dabei ein blödes Gefühl und sage mir: „Das muss nicht sein!“

Wie gesagt, danke an Tim Mälzer. Für die geniale Idee mit dem Handtuch.

Und dass er mich jetzt zusätzlich auf eine neue Idee gebracht hat.

Ich steige ich in die Handtuchproduktion ein. Handtücher, auf denen das Wort „BROT“ so groß aufgedruckt ist, dass DAS nie wieder passiert, nämlich dass ich ein Geschirrhandtuch mit einem Brothandtuch verwechsle.

Um den Weltmarkt aufzurollen, soll besagtes Wort auch in anderen Sprachen aufgedruckt werden. Etwa „BREAD“, das fällt mir spontan ein. Französisch darf drauf, gerne auch Arabisch. Beim Brainstormen fällt dann ein Wort, das seinen Charme hat: „MANDARIN“. Ja, auch „MANDARIN“ wird drauf stehen.

Nein, Blödsinn. „Brot“ in der Sprache Mandarin natürlich.

Ich beschließe, diesen Artikel zu schreiben.

Um ihn dann anschließend an Tim Mälzer zu schicken. Vielleicht können wir ja was gemeinsam draus machen.

© Ulf Runge, 2016

6 thoughts on “Mandarin

    1. Das wäre zu einfach. Außerdem bedürfte es einer Verhaltensänderung gegenüber den Althandtüchern. Schwiiieeerig.
      Warum bitte blau?
      Außerdem wäre das dann keine neue Geschäftsidee. Wovon wollen wir denn morgen leben?
      Rochtig. Ich wollte noch an Herrn Mälzer geschrieben haben.

      Gefällt 1 Person

    1. Das mit der Superidee dachte ich auch. Da habe ich gerade Informationen bekommen, die mich zweifeln lassen, ob das mit dem Handtuch wirklich eine so gute Idee ist. Ich habe jetzt erst einmal einen weltweiten Baustopp für die Brothandtuchfabriken erlassen…

      Gefällt 1 Person

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s