Gefühlte Prozent

Leben 1254 – Samstag, 04.06.16

Gefühlte Prozent

 

In der Post fand sich ein Gutschein. Von der einer geistreichen Klamotten-Firma.

20% war dort groß zu lesen. Etwas kleiner dann schon, dass der Gutschein nur vier Wochen lang gültig sei. Und noch etwas kleiner, dass man für mindestens 100 Euro einkaufen müsse.

Also: 80 Euro zusammenkratzen und für 100 Euro einkaufen. „Braucht jemand hier Klamotten?“

 

Pünktlich zum Geburtstag kam noch ein Gutschein von der gleichen Firma.

Diesmal keine Prozente, diesmal echt Kohle. „10 Euro“ las es sich da.

Man begibt sich des vermeintlichen Hochgefühls verlustig, wenn man weiterliest. Auch dieser Gutschein hat ein Verfallsdatum. Und einen Mindesteinkaufswert: 50 Euro.

 

10 Euro von 50 Euro, das sind…

… gefühlte 20 Prozent.

 

© Ulf Runge, 2016

6 thoughts on “Gefühlte Prozent

  1. Diese „An-Gebote“ erachte ich mittlerweile gerade bei älteren Mitbürgern mit Demenzerkrankungen und nachlassender Sehstärke hinsichtich des Grundsatzes der Klarheit und Wahrheit als juristisch grauzonig, zumindest ethisch bedenklich.
    Der Preis für die 100g-Menge eines Kaufartikels im Supermarkt muss ja auch extra ausgewiesen werden, um rechenschwächere Menschen durch Dreisatz-Aufgaben nicht in Nachteile zu bringen.
    Diskounter sind mittlerweile auch gesetzlich verpflichtet, Behindertenparkplätze bereitzustellen.
    Ebenso haben ältere Menschen zuweilen Rückenprobleme (und damit Probleme beim Bücken) und sind durch den evtl. altersbedingten „Knochenschwund“ kleiner als in ihrem mittleren Alter (haben damit Probleme beim Greifen höher befindlicher Gegenstände) und sind somit auf die „Regale auf Brusthöhe“ angewiesen, die preislich am teuersten sind.

    Alles Gedankenfelder, die ethisch überdacht werden sollten…

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    1. Diese Hinweise machen mich sehr nachdenklich.

      Ich finde, dass das Kleingedruckte in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden ist. Vermutlich sind das die Fortschritte der Nano-Technik, die jetzt hier herüberschwappen.

      Das mit dem Dreisatz sehe ich auch so. Oft weiß man bei dritten Satz schon nicht mehr, worum es im ersten gegangen ist. Das ging mir zumindest bei der Lektüre der Buddenbrooks so. Und da war ich noch viel jünger.

      Jetzt soll es sogar perfide Sportstudios geben, die ein Geschäft damit machen, Regaltiefgreifgymnastik für senior Geschrumpfte anzubieten. Mein Hausarzt meinte schon vor Jahren, ich müsse meinen Personalausweis ändern lassen. Einen Zentimeter weniger eintragen lassen. Sehr empathisch, was Du beschreibst…

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    1. Nein, so haben wir nicht gewettet.🙂
      Das ist kein „Früher war alles besser Thema.🙂
      Das ist ja wieder so ein typischer Rechentrick.🙂
      Ich rechne vom Hundert, Du rechnest aufs Hundert, machst die Dinge kleiner als sie sind.

      Danke, dass Du diese Leimspur gelegt hast, auf die wir Menschen tagtäglich neu hereinfallen.

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