Weltrettung

am

Leben 1249 – Sonntag, 22.05.16

Weltrettung

 

Ich komme aus dem Haus, entdecke auf dem Gehweg ein dreckiges Küchentuch. Hebe es auf. Werfe es in den Mülleimer. Und gut ist. So mache ich das immer. Wann immer die Welt im Müll zu versinken droht, rette ich Dich Welt. Edler Ulf, ich.

Heute nicht.

Denke mir, die Person, die das da hingeworfen hat – ja ich unterstelle mal niederträchtige Absicht -, die soll das auch wieder aufheben. Ich kann doch nicht jeden Schei…, den andere auf die Straße werfen, entsorgen. Oder?

Ich steige ins Auto und fahre weg.

Ja, Du hast richtig gelesen, ich habe das Tuch dort liegen gelassen.

Irgendwann komme ich zurück. Völlig überraschungsfrei begegne ich auf dem Weg ins Haus wieder diesem Tuch. Und werde ärgerlich. Nicht nur dass es diese Schmutzfinken gibt, die ihren Unrat in der Öffentlichkeit entsorgen, es fühlt sich – außer mir – auch niemand bemüßigt, das Teil zu entsorgen.

Okay, ich denke mir, vielleicht hat das jemand nicht absichtlich dahin geworfen. Ist einfach so aus der Hosentasche rausgefallen oder Handtasche. Etwa bei der Suche nach dem Autoschlüssel. Oder Hausschlüssel. Trotzdem. Sowas merkt man doch!

Und wie gesagt, da hätte sich längst mal jemand bücken können und den Dreck wegräumen. Ich bin mir ja auch nicht zu fein dafür.

Ich lasse das jetzt liegen!!!

Gehe zur Haustür, krame nach meinem Schlüssel, schließe auf und bemerke, dass …

Also nehmen wir mal an, das wäre wirklich das Küchentuch gewesen, das ich vorhin eingesteckt hatte und nach dem ich jetzt vergeblich in meiner Hosentasche krame, warum schafft es niemand, wirklich gar niemand, mal meinen Müll zu entsorgen?

Wenn das jetzt hätte ein Test sein sollen, die Welt hätte ihn verloren.

Bücke mich, hebe besagten Gegenstand auf, werfe ihn in die Mülltonne. Rette mal wieder die Welt. Diesmal sogar vor mir?!

 

© Ulf Runge, 2016

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mein Gott, in was für einem dreckigen Ghetto lebst du denn bitte? 😀

    Ich stelle mir folgende Situation vor:
    Im Weltall hockt ein Haufen Aliens. Die haben festgestellt, dass Menschen eine ziemlich abgeranzte Spezies sind. Und (unschuldige) Tiere sind kaum noch da. Die meisten haben wir gegessen. Oder zum Spaß getötet.
    Nun sitzen die Aliens in einem Meeting und alle sagen „Abknallen, die Sauhunde, abknallen, sag ich!“ Bis einer aufsteht und sagt „Das ist doch nur der erste Eindruck. Da sind sicherlich Gute dabei!“
    Man hält mehrere Meetings und überlegt, wie man eruieren könnte, ob das Saupack da unten des Lebens wert ist oder nicht. Eine Art Test wird aufgestellt. Eine der Aufgaben ist, verteilen Müll zu entfernen.

    Du hättest fast nicht bestanden. Aber immerhin hat’s im zweiten Anlauf doch noch geklappt. Und damit hast du die Welt wohl tatsächlich gerettet.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Danke für das Mitleid bezüglich des Ghettos. Unabhängig von der Wohnlage gilt: Lass irgendwas irgendwo fallen. Warte. Und Du wirst sehen, wie dort ein Müllberg wächst.

      Das mit den Aliens hat was. Ich habe allerdings nicht die Freigabe, das hier bestätigen zu dürfen. Ein Teil meiner Antwort…

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      1. Ist das mit dem Müll nicht dieselbe Kettenreaktion wie mit eingeschlagenen Fensterscheiben an leerstehenden Häusern? 😦

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      2. Ulf Runge sagt:

        Oder mit Beulen im Auto…

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  2. maribey sagt:

    Ich mag deine Geschichte und die Art, wie du schreibst.
    Außerdem finde ich immer schon, in den wahren Lebensläufen sollte stehen, was Menschen in ihren Handtaschen tragen. Wieso ist bei dir ein Küchentuch in der Handtasche oder wäre eines gewesen, wenn es nicht die Erdanziehung gespürt hätte? Liebe Grüße, edler Ulf.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Bei Handtaschen finde ich immer erstaunlich, dass Männer in den Hosentaschen unterbringen, wofür Frauen ganze Handtaschen mit sich rumtragen.
      Das Küchentuch ersetzt bei mir bisweilen ein Papiertaschentuch.
      Ohne dass ich wirklich mal durchgerechnet hätte, ob das wirklich billiger kommt.
      Aber es fühlt sich so an. 🙂

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      1. maribey sagt:

        Haha, das wundert mich auch, wenn ich die vollen Hosentaschen mancher Männer sehe.
        Küchentuch als Papiertaschentucherssatz ist eine clevere Lösung. Wenn es sich so anfühlt, ist es gut, auch ohne durchzurechnen, meint, schmunzelnd und grüßend, Marion

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  3. Wie wäre es hiermit: Statt dich zu ärgern und dir damit selbst zu schaden, könntest du dich einfach darüber freuen und stolz sein, dass du ein Weltretter bist! Was für ein grandioser Titel! 🙂

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    1. Ulf Runge sagt:

      Du sagst es: Ärgern tun wir uns selbst, nicht die anderen. Also sollten wir dringenst damit aufhören.
      Vielleicht bastle ich mir aus aufgehobenem Müll einen Anstecker mit der Aufschrift: „Weltretter, mindestens!“
      🙂

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