Die Entdeckung – Des Rätselslösung letzte, vermutliche allerletzte Folge

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Leben 1244 – Samstag, 07.05.16

Die Entdeckung – Des Rätselslösung letzte, vermutliche allerletzte Folge

Was bisher geschah:

  1. Das Rätsel: Anregendes Foto
  2. Intermezzo: Die Auflösung von “Anregendes Foto”
  3. Die Suche geht weiter: Letzte Rätsel der Menschheit – oder: Die Suche geht weiter

Wann immer die letzten Rätsel der Menschheit sich ihrer Lösung näherten und bisweilen auch nur ihrer vermeintlichen, waren Herz und Mut großer Frauen und Männer gefragt. Oft mussten unermessliche körperliche Strapazen in Kauf genommen werden, ja sogar Risiken für Leib und Leben. Nicht betrachtet werden sollen die Schicksale armer Tiere, die den Menschen zur Orientierung und für den Lastentransport dienten. Die ihr Leben ließen in der Hitze der Wüste oder der unendlichen Eisigkeit der Polkappen.

So machen sich mein Hund und ich auf, endlich Klarheit zu gewinnen über das von uns entdeckte Rätsel der rot-weißen Stangen, die gar nicht immer farbig markiert sind, sondern teilweise auch nur nacktes Metall offenbaren. Diese Stangen und ihre Betonsockel, die uns zum Augenblick des Aufbruchs noch mehr Kopfzerbrechen bereiten als die Hieroglyphen längst ausgestorbener Kulturen.

Wir pirschen uns den Weg entlang, den wir in Beweismaterial 1 (am Rand rechts) festgehalten haben. Das rätselhafte Ensemble ist noch in Sichtweite, doch nur verlassen wir Bekannt-Land, überschreiten die Grenze zum bisher Verborgenen, von dem wir nicht wissen, ob wir da etwa auf Anti-Materie stoßen werden oder was uns möglicherweise in den heißen Eisenkern der Erde verschlingen wird.

Beweismittel_1_DSC04891_30
Beweismittel 1

Es ist ein historischer Tag, das wissen wir. Die Autofahrer auf der angrenzenden Autobahn vermutlich nicht. Sie versuchen vermutlich radiohörenderweise Staus zu umfahren und schenken dem bedeutsamen Auftrag, der hier nun zu Ende gebracht werden soll, nicht die geringste Spur an Aufmerksamkeit. Sie werden es vermutlich eines Tages bereuen und dann nur noch den Satz sprechen: „Ich hätte dabei sein können, doch ich hab‘ es versiebt.“

Wir lassen das Ensemble außer Sichtweite. Vermutlich sind diese Skulpturen gar nicht das Rätsel, sondern nur der Anlass, uns zum eigentlichen Mysterium zu führen.

Da! Da ist was. Ich halte mich fest. Sonst niemand da zum Festhalten.

Nehme den Hund an die Leine. Kurz. Äußerst kurz.

Jetzt nur keinen Fehler machen. Die Nerven behalten.

Da fliegen die zum Mond und dann offenbart sich hier auf der Erde, mitten unter uns so etwas. SO ETWAS!

Ich mache ein Foto (Beweismittel 2) und hoffe, dass das Klicken des Auslösers uns nicht verraten wird.

Beweismittel 2
Beweismittel 2

Es sind 20 Kilometer zum Rhein und mehrere Stunden zum nächsten Ozean. Und doch, was tut sich hier auf? Ein Rettungsring!!! (Beweismittel 3, stark gezoomt, um erst einmal keine unvertretbaren Risiken einzugehen.)

Beweismittel 3
Beweismittel 3

Während sonst auf Rettungsringen „MS Schöne Aussicht“ zu lesen ist, steht hier nichts. Höchst merkwürdig. Höchst vertraulich. Streng geheim. (Ich hoffe, dass dieser Beitrag nicht schon kurz nach Erscheinen von „anderen Mächten“ aus dem Netz genommen wird.)

Mein unerschrockener Hund und ich nähern uns dem Entdeckten. Es ist eingezäunt (Beweismittel 4).

Beweismittel 4
Beweismittel 4

Einen Hochspannungstest vermeiden wir tunlichst, auch wenn keine verendeten Wildtiere zu sehen sind. Die werden vermutlich jeden Morgen peinlichst entsorgt.

Es handelt sich nicht um ein gestrandetes Schiff, soweit mein Verstand noch klar zu denken im Stande ist. Flori schnüffelt intensiv. Immer, wenn er irgendwo ist, wo er noch nicht war, ist er besonders interessiert. (Das geht uns Menschen ja bisweilen auch so. Nur dass wir das nicht durch heftiges Schnüffeln signalisieren.)

Ein Verdacht drängt sich auf. Ein Schwimmbecken (Beweismittel 5).

Beweismittel 5
Beweismittel 5

Ein heimliches Schwimmbad für die Mitglieder des Gemeinderates. Verschwendung von Steuergeldern für den luxuriösen Genuss der herrschenden Kaste. Vielleicht gefüllt mit Geldmünzen. Ein Dagobert Duck Kreuzer-Memorial?

Ich mustere die Umgebung genau. Keine Bewegungen erkennbar. Kein mit Blättern und Ästen verkleidetes Wachpersonal. Keine Überwachungskameras. Die Luft scheint rein. Heute badet wohl niemand. Wir umrunden unseren Fund immer mehr.

Falls Dich das Lesen jetzt zu arg mitnimmt. Stelle bitte sicher, dass Du genügend zu trinken bei Dir hast und Dich ggf. schnell hinlegen kannst, falls Du ob des Geschilderten ohnmächtig wirst.

Ja. Jetzt also sehen wir genau, wie es aussieht. Und doch wissen wir immer noch nicht, was es ist. Irgendwie erinnert es an ein Wellenschwimmbad. Wir werden jetzt nicht locker lassen. Die Zeit ist reif.

Wir sind jetzt fast einmal rum. Keine Hinweisschilder. Keine Warnungen. Nur Zaun.

Und dann entdecken wir etwas, das aussieht wie die Tische eines fernöstlichen Auf-den-Knien-essen-macht-Spaß-Restaurants (Beweismittel 6). Ich überlege, welche Partnerstädte unsere Gemeinde wohl hat, werde aber auch dadurch nicht schlauer. Also erst Sushi essen und dann ab in die Fluten? Ob das die Erklärung für das Geheimnis ist?

Beweismittel 6
Beweismittel 6

Der nächste Fund wird uns weiterbringen. Wir entdecken den straßenbaulichen Zugang zu unserem Fund. Ein Schild, bisher nur von der Rückseite erkennbar, wird Aufklärung bringen (Beweismittel 7).

Beweismittel 7
Beweismittel 7

Wir erreichen es. Statt Aufklärung nun noch mehr Irritationen (Beweismittel 8).

 

Beweismittel 8
Beweismittel 8

 

Der Tag war lang. Die Sonne hat schon ewig ihren Zenit überschritten. Mit neuen Erkenntnissen, aber ohne wirkliche Lösung treten wir den beschwerlichen Weg zurück in unsere Kultur an. Vorbei am Zaun, lassen den Rettungsring in der Ferne verschwinden.

Die Welt hat uns wieder.

Ein VW Transporter kommt uns entgegen. Es ist keine Straße, die wir laufen, wir trotten einen Wirtschaftsweg entlang. Der Wagen hält ca. 200 Meter entfernt von uns.

Ein wissend aussehender Mensch steigt aus, läuft auf den Acker mit dem Ensemble. Er tut so, als sei er ein Bauer, der prüft, ob die Saat angewachsen ist. Ich vermute einen perfiden Trick, auf dass ich mich in Sicherheit fühlen möge.

Andere Hundebesitzer sind in Sichtweite. Sie könnten meine Lebensversicherung sein, falls es schon beschlossene Sache sein sollte, dass wir jetzt erschossen werden. Wie im Wilden Westen. Dort sind ja auch alle umgebracht worden, die zuviel wussten.

Mit gebrochener Stimme frage ich den vermeintlichen Bauern, ob er mir sagen könne, um was es sich „da“ – ich zeige auf das Ensemble – handle.

„Das da?“ wiederholt er meine Frage, lacht, und fängt an zu sprudeln. „Das ist die Abwasserleitung von Laudenbach. Da hinten irgendwo muss ein Becken sein. Da wird alles höher gepumpt und ab nach Weinheim geleitet.“

Ich schaue ihn ungläubig an. Er scheint keine bösen Absichten mit mir zu haben, ist wohl doch ein Bauer und die Lösung eines der letzten Rätsel der Menschheit viel einfacher als vermutet.

„Abwasser!“ höre ich mich murmeln auf dem Heimweg von unserer Expedition. „Das ist Abwasser. Simples Abwasser!“

 

© Ulf Runge, 2016

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. *hat vor Spannung ganz große Augen*
    Sehr unterhaltsam 😀

    Nach Abwasser-Becken sieht’s aus. Aber wieso die Stangen im Feld? Zur Markierung der Abwasserleitung? Das hab ich noch nicht verstanden…

    Als Kinder sind wir immer auf dem (Nach-)Klärbecken unserer Kläranlage Schlittschuh gelaufen. Tolle Zeit 🙂

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    1. Ulf Runge sagt:

      Ich sehe förmlich die weit aufgerissenen Augen. Sozusagen Blog-Buster-Augen.

      Die Stangen im Feld. In der Tat. Das bliebt ungelöst.
      Vermutlich wirklich, um autobahnunfallversorgenwollende Hubschrauber zu warnen.
      Trotdem: Ich sehe diese Nachfrage als Verlängerung meines Rätsellösungsmandates. Danke für das Vertrauen.

      Nachklärbecken?! Das Eis war weiß? Oder ist eine Eintrübung der Preis für den kostenlosen Spaß?

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      1. Sehr gut, also nochmal den Hund drauf ansetzen!

        Ja. Quasi das allerletzte Becken, bevor das Wasser in den Fluss geleitet wurde. Aber es gab noch so eine Art… „Rechen“, wo noch etwas mit geklärt wurde. Der Rechen zeigte sich auf der Wasseroberfläche als quer in das Becken ragendes längliches Zementstück – und diente uns als Sitzbank zum Schlittschuhe-Anziehen.
        Ob das alles wirklich koscher war, werde ich nie erfahren. Aber es ist 19 Jahre her und bislang spüre ich keine Nachwirkungen ^^

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      2. Ulf Runge sagt:

        Gut, dass wir nicht alles wissen (wollen), was wir wissen könnten

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  2. Claudia sagt:

    Ehrlich erleichtert ob der Auflösung dieses ungewissen Rätsels bedanke ich mich für diese unterhaltsame Geschichte!

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    1. Ulf Runge sagt:

      Selbst wenn das Ende weniger glimpflich gewesen wäre: Pressefreiheit ist nicht nur ein Recht, es ist auch eine Art Pflicht. Bin aber auch sehr beruhigt.

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  3. maribey sagt:

    Köstlich geschrieben. Wenn meine Umgebung mich nun fragen sollte, warum ich lache, werde ich antworten….auf-den-Knien-essen-Restaurant im Wald, der vermeintliche Bauer… und dann lass ich sie selber lesen. Erleichterte Grüße zu dem humorvollen Schreiber.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Oh danke. Frei nach dem Motto: Lieslach doch selber!

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