Würdiger Schiffbruch

Leben 1230 – Montag, 18.04.16

Würdiger Schiffbruch

 

Hans sagt zu Peter: „Wir erleiden gleich Schiffbruch.“ Das ist direkte Rede.

Hans sagt zu Peter, dass sie gleich Schiffbruch erleiden. Oder erleideten? Gar erlitten? Vermutlich ja. Das ist indirekte Rede. Über Konjunktiv I oder II realisiert.

Nicht nur Hans und Peter erlitten Schiffbruch. Auch ich.

Nachdem wir im Sprachkurs schon recht erfolgreich geübt hatten, wie man gestern, heute und morgen Schiffbruch erleidet

  • „Ich erleide Schiffbruch“,
  • „Ich erlitt Schiffbruch“,
  • „Ich habe / hatte Schiffbruch erlitten“ sowie
  • „Ich werde Schiffbruch erleiden“,

war meine vermutlich sprachtheoretisch exzellente Erklärung, wie man Konjunktiv I und II bildet und wann welche Form zum Zug kommt, dann doch von so durchschlagendem Erfolg, dass die Teilnehmer zum ersten Mal seit langem mit hängenden Schultern und leicht traurigem Blick den Kursraum verlassen haben.

Die Flughöhe war falsch gewählt. Das war gerade so, als wenn man beim Deklinieren 90% der Zeit auf den Genitiv verwendet, der fast gar nicht mehr gebraucht wird.

Ich, selbsternannter Hüter der deutschen Sprache, habe mir dann gesagt, dass der Zweck die Mittel heiligt.

Und dass ich keinen Schiffbruch erleiden würde, wenn ich den ganz Blödsinn mit Konjunktiv I und Konjunktiv II einfach mal vergesse und das Thema so vermittle, wie wir alle sprechen: Das würde vermutlich helfen.

Den dummen Ausflug in die hochdeutsche Kunstsprache haben mir die Kursteilnehmer in der darauffolgenden Stunde freudestrahlend nachgesehen:

Sehr schnell konnten sie Satzschemata verwenden, mit denen man etwa das Folgende ausdrücken kann:

  • „Ich an Deiner Stelle würde den Konjunktiv I hier nicht unterrichten.“
  • Würdest Du diesen Beitrag lieber liken oder nicht liken?“
  • „Ich würde gerne einen Blogbeitrag schreiben, habe aber keine Idee worüber.“

Es hat ein weiteres Mal Freude bereitet zu sehen, wie leicht deutsche Sprache vermittelt werden kann, wenn man nicht in die kompliziertesten Ecken der Grammatik hineingeht.

Würde jetzt gerne wissen, was Du jetzt denkst. Würde mich freuen, wenn Du das in Wort fasst.

© Ulf Runge, 2016

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. maribey sagt:

    Ich würde es schade finden, wenn ich dich nicht lesen würde.
    Würde ich dich nicht lesen, wüsste ich nicht, was du schreibst.
    Würdest du nicht schreiben, würden wir uns nicht lesen.
    Ich würde… (siehe oben)

    Gefällt mir

  2. Meh, deutsche Grammatik. Interessant, dass man da sogar als Muttersprachler stolpert. Geht mir zumindest häufig so. Ich erwische mich beim Durcheinanderwürfeln von Hilfsverben. War ich? War ich gewesen? Würde ich gewesen worden sein? Herrje…

    Gefällt 1 Person

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