Gute Frage

Leben 1216 – Samstag, 09.04.16

Gute Frage

 

Man macht mich auf eine Fachmesse in Dingsbumsstadt aufmerksam. Ich denke mir, ‚Ja!‘. Ich war schon länger nicht mehr auf einer derartigen Veranstaltung. Und noch nie in dieser Stadt.

Nun weiß ich von anderen vergleichbaren Events, dass man da umsonst rein kommt, wenn man die Karten online „kauft“ und einen entsprechenden Gutschein-Code sein eigen nennt.

Tue ich aber nicht.

Ich suche im Netz nach dem Namen der Messe und dem Schlagwort „Gutschein“. Es gibt zwei Fundstellen. Ich klicke beide an, hinterlasse meine E-Mail-Adresse und habe innerhalb weniger Minuten Tickets von zwei unterschiedlichen Ausstellern. Gut so. Klopfe mir auf die Schulter.

Vor Messebeginn erhalte ich noch E-Mails, ich möge mich doch bitte auf dem Stand melden; man wolle mit mir ins Gespräch kommen. ‚Aber gerne‘, denke ich mir.

Die eine Firma besuche ich dann doch nicht. Eine riesige Menschentraube kloppt sich da um den Augenkontakt mit irgendwelchen wichtigen Leuten. Muss nicht sein.

Beim anderen Unternehmen dagegen herrscht gähnende Leere. Ich lächle mich näher an das Standpersonal, sage meinen Namen und frage nach dem Herrn, der mit mir ins Gespräch kommen wollte. Der sei leider gerade auf der Messe unterwegs. Ich werde nach meinem Begehr gefragt. „Ja, ehrlich gesagt möchte ich bei Ihnen bedanken!“ Wofür denn bitteschön, werde ich gefragt. „Für den kostenlosen Eintritt!“ Ich berichte, dass ich im Netz genau bei dieser Firma fündig geworden sei für entsprechende Tickets. Mein Gegenüber schaut mich ungläubig an. Wir wechseln noch ein paar höfliche Floskeln, worauf ich fett grinsend meines Weges gehe.

Das hätte ich mal besser nicht getan.

Ein durch und durch verkaufstüchtiger Herr stellt sich mir wenige Meter später in den Weg. Fragt mich, und das macht er total klasse, was er und seine Firma denn dazu beitragen könnten, damit ich heute Abend sage, das sei ein prima Messetag gewesen.

Ich gucke zur Seite, um zu erkennen, was „die“ tun. Rechenzentrums-Infrastruktur. Da kommen wir nicht zusammen, denke ich mal. Ich antworte wahrheitsgemäß: „Vermutlich nichts!“

Er gibt nicht auf. Fragt nach: „Warum sind Sie hier auf der Messe?“

Volltreffer. Versenkt. Auf diese unerwartete Frage habe ich keine Antwort. Das sage ich ihm auch: „Ich weiß es nicht wirklich. Womöglich, um genau die Antwort auf diese Frage zu finden!“

Wir lächeln uns an, verabschieden uns herzlich. Für ihn muss es ein erhebendes Gefühl gewesen sein, mich voll aus meinem nicht vorhandenen Konzept zu bringen.

Und für mich war es eine Art Weckruf, doch mal wieder viel öfter im Leben zu fragen: „Warum?“

 

© Ulf Runge, 2016

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. maribey sagt:

    Ich könnte ja nun fragen, warum? Mach ich aber nicht. Doch ich finde es wie Rilke, wir sollten die Fragen lieb haben.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Danke für den Hinweis auf Rilke. Habe es nochmal nachgelesen. Das heißt, es wäre gut, jetzt einfach mal ein bisschen im „Warum“ zu leben. Dann wird da automatisch ein „Darum“ draus? Ein begründetes, reflektiertes? Hoffe ich mal. Sonst würde ich mich fragen: Warum?

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  2. maribey sagt:

    Ich glaube in jedem Darum wohnt ein neues Warum.
    PS Warum ist es gerade schon so spät, frage ich mich.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Das ist eine „gute Frage“.

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      1. maribey sagt:

        Und eine gute Antwort auf die Frage 🙂

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      2. Ulf Runge sagt:

        Es gibt Frage-Antwort-Spiele, die sich gerne verselbständigen. 🙂

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