Vom Heben

Leben 1207 – Montag, 04.04.16

Vom Heben

 

Wir bauen einen Schrank auf. Mit großen, schweren Türen. Ich langere Hand, sprich unterstütze, wo ich kann, wenn man mir sagt, wo.

„Da, heb einmal!“ drückt man mir eine der riesigen Türen in die Hände. Sie wiegt wirklich einiges. Interessant ist allerdings, dass sie im Laufe der nachfolgenden Sekunden und Minuten, sehr langen Minuten, schwerer wird. Immer schwerer. Ich fange zu schwitzen an, immer bemüht, das sperrige Teil in der Luft zu halten.

Kurz bevor mein vegetatives System oder was auch immer auf Schnappatmung und sonstige lebensrettende Maßnahmen umstellt, gelingt es meinem Artikulierungsapparat, den rettenden Satz „Wie lange soll ich die Tür noch heben?“ herauszustoßen. Die Anwesenden, die in den vergangenen fünf Minuten keine oder noch weniger Notiz von mir genommen hatten, entdecken meinen traurigen Anblick und erlösen mich mit dem Hinweis: „Du hättest die Tür ruhig auf den Boden stellen können!“

Ach ja, ich vergaß zu sagen: Das war im Schwabenland, wo der Satz „Heb halt mal“ bedeuten kann (!), dass man etwas vor dem Umfallen bewahren möge. Anderswo auch „halten“ genannt.

© Ulf Runge, 2016

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