Hommage an Frau K.

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Leben 2000 – Ostersonntag, 27.03.16

Hommage an Frau K.

 

Was dem Bertolt Brecht sein Herr K. ist, ist mir die Frau K.

Es ist an der Zeit, einmal einer ganz besonderen Frau „Danke“ zu sagen.

Sie ist nicht Friseuse Friseurin, auch nicht Stewardess, Hostess, schon gar nicht kess. Sie ist nicht Putzfrau Raumpflegerin, Klofrau Sanitärfachfrau oder etwa Krankenschwester.

Sie ist so weiblich wie eine Spülmaschine, Waschmaschine oder Bratpfanne.

In diesem Blog sind Vertraulichkeit und Anonymität normalerweise oberstes Gebot. Doch diesmal wage ich es, dieses Tabu zu brechen.

An dieser Stelle will ich sie erst einmal Frau K. nennen. Auflösung folgt.

Da der Umgang mit Frau K. allerdings doch nicht so unkompliziert zu sein scheint, freue ich mich jedes Mal darüber, dass eine echte Aus-Blut-und-Fleisch-Dame vom Personal mich dabei begleitet, mit Frau K. kompetent umzugehen:

Zunächst bringe ich Ihre Augen dazu, meiner Ware anhand langweiliger abstrakter Kunst, sog. Barcodes, zu entnehmen, was denn der Verkaufspreis sein soll. Barcodes, obwohl ich unbar bezahlen möchte. Tsss.

Im Gegensatz zu den meisten Frauen kann Frau K. keine Gedanken lesen. Und sie spricht auch nicht mit mir. Im Gegenteil, sie schreibt mir, dass sie berührt werden möchte. Und  zeigt mir ihre Tattoos, auf denen „Bar“ bzw. „Karte“ steht.

Unter Aufsicht und mit Billigung der „echten“ Dame drücke ich Frau K. wie angeboten.

Nun stecke ich meine Girokarte in ihren – ich arbeite schon lange an diesem Text. Und immer an dieser Stelle komme ich ins Zögern, Zaudern, Stutzen. Da denke ich, das kannste doch nicht schreiben.

Ich kürze deshalb ab. Am Ende von all dem erhalte ich eine Quittung und die Dame verrät mir sogar ihren Namen: Sie heißt „SB Kasse“.

20160327_010104_SBKasse

Ich finde Frau Kasse sehr sympathisch. Sie unterhält sich nicht mit der Nachbarkassiererin, sondern ist voll für mich da, wenn ich sie brauche. Und sie schafft sogar Arbeitsplätze. Wo früher eine „normale“ Kassiererin gearbeitet hat, sitzt und steht heute Frau Kasse. Und neben ihr noch eine (meist weibliche) Dame, die mich dabei anlächelt, wenn ich Frau Kasse drücke.
© Ulf Runge, 2016

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