Halbe Banane

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Leben 1199 – Mittwoch, 23.03.16

Halbe Banane

 

Bevor ich etwas ungesünder in den Tag einsteige und mir einen Espresso genehmige, zu dem ich ein Käsebrot oder gar einen Keks esse, starte ich mit Obst und Joghurt in den Morgen. Ein Apfel darf gerne dabei sein, weil ich doch auch weiterhin den Doctor away keepen möchte. Und da hinzu darf gerne, was die Obstschale gerade hergibt. Eine Kiwi oder eine Clementine, vielleicht ein paar Weintrauben. Und gerne auch eine Banane. Wobei selbige natürlich glykämisch ungünstig ist, will sagen, treibt den Blutzuckerspiegel hoch und prompt nehme ich zu. Muss nicht sein. Deshalb esse ich erstens nur Bananen, die weg müssen. (Wobei die ja nun wirklich den höchsten Fruchtzuckergehalt haben; ich habe ja aber auch nicht gesagt, dass ich hier logisch argumentieren möchte.) Und zweitens möglichst nur eine halbe. Die halbe im Kühlschrank, wenn da eine von gestern da ist. Oder ich schneide die Frucht in zwei Teile. Der aktuell nicht zur Debatte stehende wird vorsichtig in einem Tupperware-Gefäß verstaut und steht damit der Allgemeinheit zur Verfügung. Im Kühlschrank.

Wie erfährt nun meine Mitwohnerschaft von dieser auf Verzehr wartenden Banane? Das geht einmal synchron durch eine direkte Ansprache der Form: „Da ist eine halbe Banane im Kühlschrank.“

In asynchron statt findenden Lebenssituationen empfiehlt es sich, eine Nachricht in die Welt zu schicken. Das passiert aktuell durch Beschriftung eines Haftnotizzettels mit der spärlichen Aufschrift „1/2 Banane“. An den Kühlschrank geheftet wird der lesenden Bevölkerung klar, dass man da ja mal nachsehen könne, falls man Lust auf Banane hat.

Derartige Zettel finden in einem mitunter asynchron stattfinden Haushalt immer wieder Anwendung. Etwa „Grüne Mülltonne Mittwoch Abend“. Einen Tag früher, weil Ostern ist und so. Beliebt sind auch die Zettel „Brot“ oder „Espresso“, die nicht notwendigerweise am Kühlschrank heften und haften müssen. Sie erinnern an bevorstehende Hungerzeiten, falls nicht jemand beim Bäcker vorbeigeht, oder an nahende Entzugserscheinungen beim Wegfall der wichtigsten Grundnahrungsmitteldroge Koffein.

So gibt es vielfältige Möglichkeiten, wertvolle Gedanken und Nachrichten über die aktuelle Sekunde hinaus in den Augenblick zu retten, an dem zur gewünschten Tat geschritten wird.

Just dann werden diese Haftnotizzettel obsolet. Zerknüllt, zerrissen, im Papierwertstoffmüll entsorgt.

Das ist nicht wirklich nachhaltig. So entstand die Idee, eine Pinwand einzurichten für Nachrichten, die aktuell niemand braucht. Die aber jederzeit wieder akut werden können. Ein Griff, und schon ist die vordem obsolete Nachricht wieder recykelt. Neben der Nachhaltigkeit ist hier sogar denkbar, dass das Wiederauffinden einer Nachricht schneller gehen kann als das Neuschreiben.

Hier ist schon mal ein Prototyp der zweiten Pinwand mit aktuell ungültigen Nachrichten.

20160323_201755_Zweite_Pinwand

© Ulf Runge, 2016

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