10 Prozent

Leben 1188 – Donnerstag, 03.09.15

10 Prozent

Prolog

Am vergangenen Wochenende hat Kristian Thees von SWR3 Robert Atzorn interviewt. Zur Sprache kam auch eine journalistische Exkursion nach Grönland, bei der Robert Atzorn teuerstes Video-Equipment mit dabei hatte und seinen einheimischen Gastgeber darauf ansprach, wo und wie er denn die Kameras sicher über Nacht einschließen könne.

Beeindruckend die Antwort: „Hier auf Grönland wird nicht geklaut. Wir haben alles!“

Mir geht es gut

Ich habe das Glück, dass ich so gesund bin, dass ich mich täglich selber waschen und anziehen kann und mit meiner Körperkraft und meinen geistigen Gaben dazu beitragen kann, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, Kleidung zum Anziehen, und auch beim Essen und Trinken nicht jeden Cent umdrehen muss.

Natürlich gibt es den einen oder anderen Wunsch, den ich mir aktuell versage. Ich tue viel dafür, dass der Lebensstandard möglichst so bleibt, vielleicht sogar noch ein bisschen besser wird.

Anderen geht es nicht so gut

Dass wir heutzutage direkt in unmittelbarer Nähe auch Mitmenschen haben, denen es nicht so gut geht, die durch eines der vielen sozialen Netze durch gefallen sind, das ist traurig und beschämend. Es passiert relativ schnell und leicht, in eine derartige Situation zu kommen: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung sind die Dominosteine, mit denen man ganz schnell in Insolvenz und Obdachlosigkeit abrutschen kann.

Dass diese Menschen mit ihrem Schicksal sehr unzufrieden sind, kann ich sehr wohl nachvollziehen.

Flüchtlinge brauchen unser Engagement

Es gibt aber zunehmend unter uns Menschen, die noch mehr auf unsere Unterstützung angewiesen sind als diese bedauerlichen Fälle von Wohlstandsarmut: Ich meine den nicht abreißenden Strom von Flüchtlingen, die ein Dach über dem Kopf brauchen, was zum Essen und Trinken, ärztliche Grundversorgung, Schutz und Sicherheit. Schutz vor Kriminellen, die sich außerhalb unserer Gesellschaft stellen. Und die Sicherheit, hier bleiben zu dürfen.

Was jetzt mit dem Zustrom von Flüchtlingen in Europa und besonders intensiv in Deutschland passiert, ist auch die Folge einer EU-Politik, die sich dadurch auszeichnet, dass sie in vielen afrikanischen Staaten durch Knebelverträge erreicht hat, dass billige EU-Nahrungsmittel ohne Schutzzölle die Grundlage der einheimischen Landwirtschaft und damit Arbeitsplätze ohne Ende zerstören.

Im heutigen „Deutschen Radiopreis 2015“ hat Heiner Geißler hierzu die richtigen Worte gefunden. Nicht nur dass er diese verfehlte Handelspolitik an den Pranger stellte, er wies auch darauf hin, dass wir normalen Bürger für alles Umsatzsteuer zahlen müssen. Allein an der Börse passieren täglich gigantische Transaktionen, die ohne jede Besteuerung und nicht wirklich zum Gemeinwohl stattfinden. Bei vergleichbarer Besteuerung würden jährlich weltweit 300 Milliarden Euro für die öffentliche Hand zur Verfügung stehen, in Europa ungefähr 100 Milliarden Euro. Geld ist also genügend da. Originalton Geißler: „Es ist nur in den falschen Händen.“

10 Prozent – unvorstellbar?

Deutschland hat ca. 80 Millionen Einwohner. Angenommen, es kämen 8 Millionen Flüchtlinge zu uns. Dann könnte unsere Wirtschaft allein durch den zusätzlichen Konsum um 10% wachsen.

Geld ist genug da, wenn wir wollen. Dann sind wir in der Lage, Wohnraum für 8 Millionen Menschen zu schaffen. Wir müssen nur vermeiden, Ghettos zu schaffen.

Lassen wir diesen Menschen möglichst schnell die deutsche und englische Sprache zukommen. Viele freiwillige und vielleicht nicht „korrekt“ qualifizierte Helfer machen das jetzt schon. Wenn wir bereit sind, ganz schnell entsprechende Lehrkräfte zu qualifizieren, ist das ein weiterer Impuls für den Arbeitsmarkt.

Zu uns kommen Menschen, die willig sind, am Wohlstand teilzuhaben und hierzu ihre Arbeitskraft einzubringen. Menschen, die in bestimmtem Umfang bereits Qualifikationen mitbringen, mit denen sie – nach Erwerb von Sprachkenntnissen – ganz schnell Arbeit aufnehmen können oder nach Vermittlung von Zusatzqualifikationen gefragte Jobs aufnehmen können.

Die leeren Rentenkassen der aussterbenden Deutschen werden sich freuen.

Wir haben mit den vielen Menschen, die zu uns wollen, eine Riesenchance, die vergleichbar ist mit dem Wiederaufbau Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg.

10 Prozent oder Fünf für eins

Aber eigentlich möchte ich mit der Überschrift „10 Prozent“ etwas anderes adressieren: Wenn 8 Millionen Menschen zu uns kämen, und ich halte das für nicht ausgeschlossen, dann wäre das ein Zuwanderer auf zehn „Altdeutsche“. Lassen wir uns von diesen zehn fünf abziehen: Kleinkinder und ältere Menschen, die selber auf Hilfe und Zuwendung angewiesen sind.

Meine Idee: Wir sollten in der Lage sein, zu fünft, also mit vier anderen Menschen guten Willens, eine zugewanderte Person zu unterstützen. Beim Schriftverkehr mit Behörden, beim Spracherwerb, bei Bewerbungen. Oder einfach, indem wir uns Zeit nehmen für diese Menschen. Zu uns nach Hause zum Kaffee einladen, mit Ihnen spazieren gehen, sie beim Einkaufen begleiten.

Wie das funktionieren kann? Ich frage vier andere Menschen guten Willens, ob sie denn bereits einen Zuwanderer betreuen. Wenn ich viermal ein „Nein“ bekomme, dann könnte ich mich gemeinsam mit diesen vier Menschen auf den Weg machen, einen noch unbetreuten Flüchtling ausfindig zu machen. Da bin ich gespannt, wie die zuständigen Ämter und Behörden hier reagieren. Vermutlich hängt das von den einzelnen Sachbearbeitern ab.

Falls doch ein „Ja“ dabei war, dann könnte ich fragen, ob es erwünscht ist, dass ich bei der Betreuung mitwirke.

Auf diese Art und Weise würden 40 Millionen „Altdeutsche“ 8 Millionen Flüchtlinge ganz intensiv und persönlich betreuen.

Es ist unvorstellbar, wieviel neuer Gemeinsinn sich in unserer Gesellschaft wieder entwickeln würde, wenn jeweils fünf Hilfswillige sich um einen Hilfsbedürftigen kümmern.

So, das waren jetzt Worte. Der nächste Schritt sind Taten. Ich werde versuchen, diese Idee für mich umzusetzen. Und natürlich darüber berichten.

Ich freue mich auf Kommentare, Anregungen, Vorschläge, Erfahrungsberichte.

Wer gerne mehr wissen möchte, wie unsere Politik zur Zerstörung der Lebensgrundlagen in Afrika führt, wird hier fündig. Es lohnt sich, nicht nur das erste dieser Videos anzusehen.

Ein wunderbares Beispiel von Zivilcourage findet sich hier.

© Ulf Runge, 2015

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Eine sehr gute Idee und würde mich auch gern daran beteiligen, nur ich hätte da ein riesiges Zeitproblem.
    Somit kann ich mich nur auf die Hilfe als Steuerzahler beschränken.
    Werde diese Aktivität aber genauestens weiter verfolgen.

    G. l. G. Jochen

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  2. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    danke für deinen Beitrag, der zum Nach- und Umdenken anregt. Danke auch für die eingebauten links.
    Alles Gute für die Umsetzung deiner Gedanken und für Dich.
    Herzliche Grüße
    und ein schönes
    Herbstwochenende
    Erika

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  3. Ulf Runge sagt:

    Hallo Jochen,

    danke für Deinen Kommentar. Das finde ich toll, dass Du diese Idee wohlwollend verfolgst, auch wenn Du in Deinem Umfeld nicht die Möglichkeit siehst, andere zeitliche Prioriäten zu setzen. Wenn es denn endlich losgeht bei mir, werde ich versuchen, darüber zu berichten, wie hoch mein zeitlicher Einsatz ist und was der Einsatz dann auch „bringt“.

    Schön, dass Du Steuern zahlst. Tun ja auch nicht alle. 😉

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    danke für Deinen Kommentar. Schön, dass mein Beitrag zum Nach- und Umdenken anregt. Noch mehr wünsche ich mehr, dass möglichst viele ihn zum Anlass nehmen, etwas zu tun.

    Reden in der Öffentlichkeit an prominenter Stelle, noch dazu viel zu oft ohne jede Empathie, tun schon zu viele. Es ist wichtig, diejenigen, die jetzt schon engagiert helfen, dabei zu unterstützen, indem man nach Möglichkeiten sucht, sich ebenfalls einzubringen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. Ulf Runge sagt:

    Jetzt ist es einen Monat her, dass ich diesen Blogbeitrag geschrieben habe. Was ist passiert seither?

    Zunächst einmal habe ich eine Woche lang überlegt, wie ich meine Idee am Besten angehe.

    Und dann habe ich Kontaktpersonen angeschrieben, die schon seit vielen Jahren im Thema Flüchtlingsbetreuung engagiert sind. Wo ich also vermute, dass ich dort auf kompetente Erfahrung und eingespielte Vorgehensweisen treffen kann.

    Die haben logischerweise gerade viel zu tun. Es ist wie bei dem Holzfäller, der vor lauter Arbeit nicht die Zeit findet, seine stumpfe Axt zu schärfen.

    Immerhin: Der Kontakt ist hergestellt. Ich nehme an, dass es bei mir in diesem Monat losgeht. Und wenn ich dann etwas berichten kann, werde ich wie oben geschildert andere Menschen ansprechen, hierbei mitzumachen.

    Liebe Grüße an meine Blogleserinnen und Blogleser,
    weiterhin ein feierliches Wochenende,
    Ulf

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