Talk Englisch and you will show signs of dementia five years later – Sprich Englisch und Du wirst fünf Jahre später dement

Leben 1176 – Freitag, 22.05.15

Talk English and you will show signs of dementia five years later –
Sprich Englisch und Du wirst fünf Jahre später dement

Wenn ich jetzt Redakteur einer BILD- oder FOTO-Zeitung wäre, würde ich vermutlich titeln: Alzheimer durch Smartphones?!

Tue ich aber nicht. Wobei, auch mein Titel ist natürlich reißerisch, das gebe ich gerne zu. Er ist der Versuch, positiv auszudrücken, was für mich eine der wesentlichen Erkenntnisse des gestrigen Abends ist: Lerne und nutze eine zweite Sprache, und Du wirst womöglich erst fünf Jahre später dement.

Der Reihe nach. Die ersten 45 Minuten bin ich Zeuge eines kurzweiligen Vortrages über jüngste Erkenntnisse aus der Gehirnmedizin. Professor Manfred Spitzer füllt zum wiederholten Male das örtliche Bürgerhaus in der beliebten Vortragsreihe „Lebenskunst Bensheim“.

Wie gesagt, eine dreiviertel Stunde ist rum, bisher fand ich den Vortrag „nett“, nun aber bin ich „betroffen“. Kernaussage: Wir alle kriegen Demenz. Die einen früher, die anderen mit 150. Erleben es also nicht mehr.

Das erinnert mich an die Kernaussage kanadischer Krebsärzte zum Thema Ernährung: Wir alle kriegen Krebs. Die einen früher, die anderen ebenfalls in einem Alter, das nicht alle von uns erleben.

Und die Parallele zur Ernährung: Wir können alle etwas dafür tun, dass wir nicht so bald dement werden. Natürlich ohne Garantie. Statistik hilft keinem Einzelschicksal. Aber belastbare Statistik kann zu Erkenntnissen führen, denen wir selber persönliche Handlungen folgen lassen können.

Ergänzung zur zentralen Demenz-Botschaft: Es gibt stärkende Faktoren für unser Gehirn. Und schwächende. Je höher der Berg mentaler Festigkeit ist, den wir (möglichst von Kindheit an) aufgehäuft haben, umso länger dauert der Abstieg hinunter in die Demenz.

Zu den schwächenden Faktoren zählt außer dem unvermeidbaren Älterwerden auch nachgewiesenermaßen mediales Multitasking während des Lernprozesses. Eine mehr als ernst zu nehmende Botschaft an alle Menschen, die Verantwortung haben, insbesondere jungen Menschen Wissen und Fertigkeiten beizubringen. Facebook und Chatten haben nichts in der Unterrichtssituation zu suchen, weil sie Lernen und damit das mentale Wachsen des Gehirns negativ beeinflussen. Soweit zur nicht von mir verwendeten Alzheimer-Überschrift.

Und zu den stärkenden Faktoren zählt in der Tat das Lernen und Benutzen einer Fremdsprache. Während die besten derzeit verfügbaren Arzneimittel einen Aufschub von ca. drei Monaten beim Alzheimer-Degenerieren bewirken, kann eine Zweitsprache fünf Jahre mehr Lebensqualität bieten.

Wer mehr über diese Faktoren wissen möchte, für den hat Professor Manfred Spitzer auch ein Buch zum Nachlesen: Digitale Demenz – Wir wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen.

Das empfehle ich nicht. Sondern: Es gibt vom gestrigen Vortrag „Mentale Stärke gegen digitale Demenz“ eine Aufzeichnung. Diese bietet den unschätzbaren Vorteil, auch die Ausstrahlung des Vortragenden erleben zu dürfen. Die Video-Qualität ist unterschiedlich, aber der Inhalt kommt uneingeschränkt rüber. Ein Vortrag zum mehrmals Anhören. Dieses Video ist als DVD erhältlich beim rührigen Auditorium-Netzwerk. Ich habe ohne Versandkosten gestern Abend 19 Euro bezahlt. Für mich ein fairer Preis, zumal die dargebotenen Erkenntnisse aus Forschungsergebnissen stammen, die in den vergangenen 10 Jahren gesichert wurden.

Das Buch ist bestimmt auch gut. 😉

P.S. 1: Danke an Justus Keller und das ganze Team von Lebenskunst Bensheim für die engagierte Arbeit, erstklassige Referenten zu finden und die Veranstaltungen zu organisieren.

P.S. 2: Ich muss ja niemandem erzählen, dass ich seit geraumer Zeit Spaß daran habe, mit der kostenlosen Duolingo App meine Englisch-Kenntnisse aufzufrischen und ich seit gestern noch mehr hierzu motiviert bin.

© Ulf Runge, 2015

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Lis sagt:

    …diesen Beitrag von Dir finde ich sehr gut.
    Schöne Pfingstfeiertage und lieben Gruß ❤ Lis

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  2. Maria H sagt:

    Lieber Ulf!
    Das ist ein sehr ernstes und bedrückendes Thema. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe die Krankheit von den ersten Anzeichen bis zum grauenvollen Ende hautnah miterlebt.
    Seitdem denke ich oft darüber nach, ob es wirklich so erstrebenswert ist auf ein langes Leben zu hoffen. Nur wenigen Menschen ist es vergönnt bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit zu bleiben. Und…man wird mit zunehmendem Alter immer einsamer!
    Aber…..nur negativ denken ist natürlich auch nicht der Sinn des Lebens. Also bemühen wir uns auch weiterhin gesund zu bleiben. An 1. Stelle steht bei mir die Geistige Vitalität, die es zu erhalten und zu fördern gilt. Nur wenn mein Geist funktioniert kann ich selbst für mich und über mich entscheiden. Alles andere kann man nach Bedarf organisieren.
    Eine Fremdsprache zu lernen ist sehr gut, überhaupt, alles was neu ist…neue Eindrücke, neue Gewohnheiten, selbst alltägliche Dinge einfach mal umgekehrt erledigen, fördern die Erneuerung der Gehirnzellen. Und körperliche Bewegung natürlich.
    Routine ist ganz schlecht!!

    Also…machen wir in diesem Sinne weiter!

    Ich wünsche dir und allen Lesern, frohe Pfingsten

    Maria

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  3. Ulf Runge sagt:

    Liebe Lis, herzlichen Dank!

    Liebe Maria, ebenfalls herzliche Dank, auch dafür, dass Du das Thema so umfassend aus Deinem Blickwinkel beleuchtest.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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