Haariges Hintergrundwissen

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Leben 1131 – Sonntag, 06.07.14

Haariges Hintergrundwissen

 

Über Fußballreporter könnte man so viel schreiben. Ich verkneif mir jetzt aber das meiste, sonst erhält dieser Beitrag das Attribut „Überlänge“. Also keine Angst, ich mach’s kurz.

Die, die im Radio unterwegs sind, versuchen zu beschreiben, was wir nicht sehen. Wer gerade kickt, ob es regnet, und wenn jemand verletzt am Boden liegt, dann vielleicht etwas aus der Gerüchteküche. Man hat sich ja schließlich vorbereitet und das muss dann auch raus. Rein ins Mikro. In die Ohren der Lauscher.

Die, die fürs Fernsehen berichten, haben ein Problem. Die Zuschauer sehen, was passiert. Schweigen geht auch nicht. Sonst hätte der Reporter ja keine Existenzberechtigung. Also sagt er uns andauernd, wie der heißt, der den Ball spielt. Oder dass das Foul, das wir gerade gesehen haben, doch keins ist.

Auch TV-Reporter sind gut vorbereitet.

Sehr gut vorbereitet ist in der Regel Béla Réthy. Wer das ist? Das ist der eine vom ZDF, dessen Art zu kommentieren jüngst so beschrieben wurde: „Wie einer, der auf der falschen Seite des Zaunes steht, sich mit den Armen hochzieht, damit er gerade über den Zaun gucken kann und dann in dieser angestrengten Körperhaltung versucht, Sprache zu artikulieren.“

Immer unterwegs im anäroben Bereich.

Béla Réthy kommentiert also, das Bild vom Zaun will mir nicht aus dem Kopf gehen, als er in einer grottenlangweiligen Situation endlich sein unerschöpflich großes Hintergrundwissen anzapft und es uns gierig hierauf wartenden Zuschauern zur Verfügung stellt. Denen von uns, die gerade nicht aufs Klo sind oder Erdnüsse holen. Beides tat ich nicht, sodass ich mich an folgendem Ohrenschmaus ergötzen darf.

Zu sehen ist ein Spieler in Großeinstellung. „Man kannte ihn früher mit langen Haaren.“ Hurra, da ist es, das unnütze Wissen, auf das wir so sehnsüchtig gewartet haben.

Die Kamera zoomt zurück in die Totale. „Eine andere Haarmode hat eingesetzt bei Argentinien.“

Schwenk auf den ballführenden Spieler. Er hat eine Halbglatze. „Wenn das Haar noch wächst.“

P.S.: Bei der Recherche nach der richtig akzentuierten Schreibweise von Herrn R. habe ich diesen Artikel gefunden. Ich war nicht allein beim Spielgucken, der Herr vom Tagesspiegel hat auch geguckt. Nur hat den dritten von mir zitierten Satz womöglich nicht mitbekommen. Erdnussholenderweise bedingt?

© Ulf Runge, 2014

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