Besentraum

am

Leben 1124 – Freitag, 13.06.14

Besentraum

 

Es war einmal ein kleiner Besen.

Blödsinn!

Besen sind nicht klein. Also nochmal.

Es war einmal ein Besen. Und wenn er nicht gestorben ist…

Nein, diese Geschichte geht anders.

Unser (nicht kleiner) Besen tat jedesmal, wenn es angesagt war, treu seinen Dienst. Nahm sein Besitzer ihn in die Hände, so kehrten die Borsten der ersten Reihe brav alles, was ihnen entgegen kam, zurück. Oder zur Seite. Worauf die Borsten der zweiten Reihe ins Spiel kamen. Auch sie sagten: „Zurück oder auf Seite!“ Unser Besen hatte ganz viel Borstenreihen. So dass die Staubkörner, Erdklumpen, Blätter, Plastikabfälle, die sich ihm entgegenstellten schon beim ersten Mal fast keine Chance hatten. Unser Besen war ein guter Besen.

Ein treuer Besen.

Er steht in der Garage. Wenn das Tor offen ist, spinxt er hinaus und sieht den Fußgängern, Fahrrädern und Autos nach, die von links nach rechts oder rechts nach links vorbeihuschen. Die haben ein schönes Leben, denkt der Besen so bei sich. Die dürfen unterwegs sein. Während er die Grundstücksgrenze nie verlassen darf. Und so bleibt es für ihn ein ungeträumter Traum, in die große weite Welt zu gehen und auch was zu erleben.

So ist unser Besen ein lieber, braver Besen, der auch seine Träume hat. Aber nicht wirklich unzufrieden ist.

Das änderte sich allerdings, als eines Tages zwei weitere Besen in der Garage stehen.

Wozu denn bitte das denn? Fragt sich unser Besen. Er hatte bisher keine Kapazitäts- oder Performance-Probleme offenkundig werden lassen. Und im Gegensatz zu den Menschen fühlt er sich als alter Besen noch ganz rüstig. Die Menschen sagen ja auch „Alte Besen kehren gut!“ (Oder geht der Spruch anders herum?)

Da stehen sie also, die neuen Besen, die angeblich gut kehren.

Aber wie erschrickt unser Besen, als Kurti, ja wir nennen ihn Kurti, an nächsten Tag mit der Sprühspraydose in die Garage kommt und jeden Besen in einer anderen Farbe ansprüht. Auch unseren Besen.

Das ist ein interessantes Gefühl, denkt sich unser Besen. Und trocknet überrascht vom Leben so für sich hin

Am darauffolgenden Tag betritt der Besenbesitzer die Garage mit einem Mordwerkzeug. Einer Kettensäge. Unser Besen kommt zuletzt dran. Zuvor darfmuss er mit ansehen, wie seine beiden jungen Konkurrenten geköpft werden. Oder besser gefußt?

Unser Besen hat mächtig Angst, bis er an der Reihe ist, dann beschließt er, gemäß seines Lebensmottos, dass er auch hieraus das Beste machen will. Und sagt sich: Alles wird gut. Und vielleicht komme ich ja jetzt hinaus in die große weite Welt.

Ich verrate es Dir: Er ist dort unterwegs. Jetzt. Genau jetzt…

Jelb

 

Rudjelb

 

 

schwatt-rud-jelb

P.S. Diese Begebenheit habe ich frei erfunden. Und nachempfunden der wunderbaren Geschichte über den Fernweh-Gartenzaun, die uns Franz Hohler geschenkt hat.

P.S.: Ja, das sind keine Besen, sondern Malerpinsel. Aber mit Besen geht das auch…

© Ulf Runge, 2014

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ist das lustig! 🙂 Danke schön!

    Ach, und was ist das für eine Geschichte über den Fernweh-Gartenzaun? Hast du mal einen link für mich (uns)?

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  2. sweetkoffie sagt:

    Erst hatte ich grosses Mitleid mit dem armen Besen.
    Aber jetzt freu ich mich für den Besen-on-Tour.
    Allerdings frage ich mich, was aus ihm wird, wenn das Endspiel vorbei ist …
    LG sk

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  3. Hase sagt:

    das 4:0 war gestern wirklich ein Besen-Traum, lieber Ulf.
    Sicherlich sind sie vor Freude hochgehüpft…. und haben den Verkehr besen-rein gemacht….

    liebe Grüße
    schunzel ***
    Erika 🙂

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