Gehen, strecken und auch lenken – alles geht dank den Gelenken

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Leben 1123 – Samstag, 31.05.14

Gehen, strecken und auch lenken – alles geht dank den Gelenken

“Ob ich denn am Mittwoch auch dabei sein würde?!” „Am Mittwoch?“ frage ich. „Ja, da findet hier ein Vortrag über Gelenke statt.“ Da ich weiß, dass meine Tierärztin ihren Beruf aus Überzeugung ausübt, sage ich zu. Mein Hund ist nicht der jüngste. Vielleicht kann ich noch etwas dazu lernen, um ihm noch mehr Wohlbefinden im Alter zu ermöglichen. Klingt kitschig, ist aber so.

Ach ja: Und etwas mehr über Gelenke was zu wissen, kann auch mir nicht schaden.

Heppenheim, 19 Uhr 30, es ist Ende April. Der zum gemütlichen Kinosaal umfunktionierte Warteraum ist gut gefüllt. Gut zwanzig Frauchen und Herrchen aus der Rhein-Neckar- und Odenwald-Region sind erschienen, um den ersten Vortragsabend in den neuen Praxisräumen zu erleben.

Frau Dr. med. vet. Barbara Rabeling gibt einen Überblick über den Abend. Sie wird zunächst das Wichtigste über Gelenke erklären. Und verspricht, dass wir ein hochinteressantes Video sehen werden. Ihre Folien sind exzellent. (Wie ihr Internet-Auftritt übrigens auch.)

Anhand leicht verständlicher Schemazeichnungen erfahren wir mehr über den Aufbau und die Funktion von Gelenken und Knorpeln. Für mich neu ist etwa, dass es nicht nur Bewegungsgelenke gibt, sondern auch „Haltegelenke“, die etwa am Zahnfleisch dafür sorgen, dass unsere Zähne so richtig schön in den Zahntaschen festgehalten werden. Meine Aufmerksamkeit wird zu Betroffenheit, als Frau Dr. Rabeling auf etwas eigentlich Bekanntes hinweist. Nämlich, wie wichtig Zahnpflege ist. Und dass mangelnde Zahnhygiene Wegbereiter für Bakterien sein kann, auf dass diese sich bei Gelenken oder gar am Herzen einnisten.

Hatte ich jetzt erwartet, dass es beim Thema „Gelenke“ um Schritt, Trab und Galopp geht, zeigt Frau Dr. Rabeling zunächst einmal wunderschöne Zeichnungen von Hunden, wie diese sich recken und strecken, am Ohr kratzen, sich putzen oder wohlig auf dem Rücken liegend räkeln. Auch das sei Hundebewegung. Auch das habe etwas mit den Gelenken zu tun. Ein Hund, der diese selbstverständlichen Bewegungen vermeidet, gebe einem damit wertvolle Hinweise für die Diagnose von Gelenkkrankheiten. (Ich frage mich, welche selbstverständlichen Bewegungen wir Menschen nach und nach einstellen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.)

Und dann kommt der Höhepunkt des Abends.

Sie zeigt das Video eines Forschers aus Jena, Professor Dr. Martin S. Fischer. Inhalt: Die weltweit erste Studie, die umfänglich über den Bewegungsablauf gesunder (!) Hunde berichtet. Ein sympathischer und videogener Professor berichtet darüber, dass die Forschungsergebnisse prinzipiell für alle Rassen gleichermaßen gelten, egal ob Dackel oder Dobermann. Und dass es sowohl an den Vorderläufen als auch an den Hinterläufen immer jeweils zwei Knochen gibt, deren Winkelstellung nahezu identisch zueinander bleibt, während sich der Hund bewegt. Das hört sich erst einmal nicht spannend an. Die Erkenntnis aus diesem Ergebnis ist allerdings in der Tat sehr hilfreich für die Diagnostik. Beobachte ich die Stellung des ersten Knochens, so muss der entsprechende zweite Knochen einen nahezu identischen Winkel aufweisen. Wenn ja, dann ist gut. Wenn nein, dann setzt man hier an mit der Diagnose von Gelenkerkrankungen.

Eine weitere praktische Botschaft aus diesem Video ist u.a.: Beim Spielen ist es günstig, wenn der Hund zuerst auf den Vorderläufen landet statt auf dem hinteren Bewegungsapparat. Beispiel: Mein Hund wartet in einiger Entfernung, dass ich ihm ein Stöckchen, einen Ball oder eine Frisby-Scheibe zuwerfe. Er wird hochspringen und vermutlich auf den Hinterläufen landen. Schlecht. Bewege ich mich mit ihm aber gemeinsam in die gleiche Richtung und werfe einen Gegenstand vor uns hin, dann hat mein Hund die Möglichkeit, seine Bremsbewegung ganz natürlich auf den vorderen Gliedmaßen abzufedern. Gut so.

Nach dem beeindruckenden Film legte Frau Dr. Rabeling uns noch einige Botschaften ans Herz, die eine Bestätigung des Lebensstils sind, den ich für meinen Hund und mich täglich neu anstrebe.

Erstens. Sich für sich (und seinen Hund) verantwortlich fühlen. Vorsorge betreiben. Bei sich selber anfangen. Bevor man zum Arzt geht.

Zweitens. Sich gesund ernähren. Nur ein voller Magen kann abnehmen. Man kann Fertigfutter sukzessive immer mehr durch z.B. Karotten ersetzen. Ich behaupte mal, dass dieser Satz uneingeschränkt auch für Menschen gilt. Nach meiner Erfahrung dürfen beim Hund gerne auch gegarte Tomaten, rote Paprika, Zucchini und Sellerie hinzukommen.

Drittens. Sich bewegen. Das bringt den Stoffwechsel im Bindegewebe und in den Knorpeln in Gang. Weder der Hund, der im Galopp neben dem Fahrrad herlaufen muss noch sein Verwandter, der jeden Tag auf dem Bürgersteig um den Wohnblock lauft, haben das volle Programm. Wichtig ist Abwechslung. Und für Herrchen und Frauchen gilt: Zeige mir Deinen Hund und ich sage Dir, wie es Dir geht.

Und viertens gerne auch mal zum Tierarzt gehen, BEVOR es dem vierbeinigen Liebling schlecht geht. Wie beim Menschen kann man sich anbahnenden Krankheiten durch Abhören, Abtasten und die Analyse von Körpersekreten vorbeugen.

Ich danke für diesen informativen und unterhaltsamen Abend. Mit einem guten Gefühl („Der Weg stimmt“) und wertvollen Impulsen („Zahnpflege“, „Aufmerksame Beobachtung der Bewegungsabläufe“) gehe ich nach Hause.

 

© Ulf Runge, 2014

 

P.S.: Wer mehr hierzu erfahren möchte: http://www.uni-jena.de/Mitteilungen/PM110527_Hundestudie.html

Und wenn Du mehr über meine Erfahrungen mit der Kleintierpraxis Rabeling wissen möchtest, dann gerne hier.

 

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