Mandeln – ohne und mit

Leben 1104 – Sonntag, 09.02.14

Mandeln – ohne und mit

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Beim Stichwort „Mandeln“ denke ich daran, wie ich im Alter von 5 Jahren in der Klinik war. Getrennt von den Eltern. Bewacht von pflichtbewussten, autoritären Krankenschwestern. Abgeschirmt von der Außenwelt. Die einzige schöne Erinnerung an diese Zeit ist das Speiseeis, das ich seinerzeit gegen den entzündeten Rachen genießen durfte.

Wie gut, dass sich die Zeiten geändert haben und Eltern sogar nachts bei den Kids bleiben dürfen.

Zu „Mandeln“ weiß ich noch etwas zu berichten.

Hundespaziergang. Wir sind am Grundstück „unseres“ Weinbergmannes angekommen. Er ist da. Wie immer fleißig, beschäftigt. Wie immer nicht rastlos, sondern tiefe Ruhe ausstrahlend. Wie immer freundlich grüßend.

Die Freude, einander zu sehen, ist gegenseitig. Und wir sagen uns das auch. Er sei gerade dabei, die Mandelbäumchen zu schneiden und zeigt auf die am Boden liegenden, abgeschnittenen Triebe.

Wir verabschieden uns, als er mir in Kommissar-Colombo-mäßiger Weise nachruft, er hätte da eine Idee. Ob ich die Äste nicht mit nach Hause nehmen möchte und in Vase stellen?

Gesagt, getan. 5 Minuten später hatte ich ein großes Bündel Mandelzweige in der Hand. Und mein Weinbergmann war sein Entsorgungsproblem los.

Das war vor einer Woche.

Jetzt blühen die Mandeln.

Dank des milden Wetters am Weinberg. Dank der spontanen Idee jetzt auch in der Wohnung.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie man mit etwas Kreativität aus einer – nennen wir zufälligen? – Begegnung eine Lage zum Vorteil mehrerer Parteien, eine Win-Win-Situation erschaffen kann.

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© Ulf Runge, 2014

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Volker Kunz sagt:

    Einen wunderschönen Guten Morgen Ulf,

    meine „Erinnerungen“ zur Mandelentfernung kenne ich eigentlich nur aus den Erzählungen meiner Eltern und nicht aus eigener Anschauung. Vielleicht liegt es daran, dass ich rund ein Jahr früher dran war oder es mich einfach nicht so beeindruckte.

    Deine andere „Geschichte“ ist einfach erfreulich und nett und zeigt, dass Du auch kleine Dinge im nachhinein überdenkst – anders als ich, denn da erscheine ich wohl eher als zu
    gedankenlos oder oberflächlich – und selbst wenn ich es gedacht hätte, hätte ich es wohl
    der Bequemlichkeit halber kaum zu Papier gebracht.

    Daher meine Anerkennung und vor allem Dank, dass Du uns an Deiner kleinen Geschichte auf diese Weise teilhaben lässt.

    Dir und allen Mitlesenden einen guten Wochenanfang
    und herzliche Grüße aus und ins Nibelungenland und drum rum

    Volker

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  2. Maria H sagt:

    Guten Morgen Ulf!
    Ich habe an so frühe Jahre meiner Kindheit keine bewussten Erinnerungen. Ich war allerdings auch noch nie im Krankenhaus. So ein Ereignis ist mit Sicherheit ein einschneidendes Erlebnis. Mein gravierendes Erlebnis war, als mein Vater mich auf der Vespa verloren hat. Ich saß hinter ihm und als er um die Kurve fuhr, bin ich runtergefallen und landete im Graben. Witzig war (oder auch nicht…) dass er es zunächst nicht bemerkt hat und weiterfuhr. Ausser aufgeschürften Beinen und Armen ist mir zum Glück nichts passiert. Ich war 7 oder 8 Jahre alt..

    Zu den hübschen Blütenzweigen kann ich nur sagen, oft bereiten uns gerade die kleinen Dinge Freude, wir müssen nur mehr und bewusster drauf achten.

    Ich wünsche auch eine schöne Woche.

    Liebe Grüße
    Maria

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  3. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    ich kann mich auch an meine Mandelentfernung erinnern und an das Eis.
    Es war sehr schmerzhaft….
    die Zweige sind wunderschön, auch ich habe einige Kirschbaumzweige in eine Vase gestellt am WE und bin gespannt, wenn sie zu blühen anfangen.
    Ja, die Begegnungen im Alltag sind sehr schön und ich erfreue mich auch an den kleinen Dingen. Oft treffe ich unvorhergesehen Menschen, die ich lange nicht gesehen habe oder lerne ganz schnell Menschen kennen. Gespräche, interessant und von Herz zu Herz bereichern so das Leben. Morgen bin ich wieder in der Leselernhilfetätigkeit in der Schule, da bekomme ich soviel zurück…. das ist ein großes Geschenk
    Liebe Grüße
    Erika 🙂

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  4. Ulf Runge sagt:

    Lieber Volker,
    schön, dass Dir die Entfernung der Mandeln nicht negativ in Erinnerung geblieben ist.
    Danke für Deine wertschätzenden Worte bezüglich der blühenden Mandelzweige.

    Liebe Maria,
    schön für Dich, dass Du noch nie im Krankenhaus warst.
    Ein Glück-im-Unglück-Geschichte, die Du da von der Fahrt mit Deinem Vater berichtest. Ein weiterer Beweis, dass es Schutzengel gibt…
    Ja, und Achtsamkeit gibt uns immer wieder die Möglichkeit, das Bedeutende im vermeintlich Unbedeutenden zu entdecken.

    Liebe Erika,
    willkommen im Mandel-OP-Team. 😉
    Du hast recht: Wenn man sich einbringt bei anderen, ist die Chance groß, ganz viel zurück zu erhalten…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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