Ein Tag im Oktober

Leben 1068 – Samstag, 09.11.13

Ein Tag im Oktober

Es war ein Tag im Oktober, der mein Leben veränderte. Zumindest ein bisschen.

Doch der Reihe nach. Bisweilen passieren Dinge, die nicht passieren dürfen. Etwa dass ein Handtuch auf einmal ein Loch aufweist. Noch dazu mit einem Glimmschmorkokelrand. Natürlich war es niemand gewesen. Niemand hat das Handtuch auf die heiße Herdplatte gelegt. Niemand das Bügeleisen zu lange drauf geparkt. Vermutlich war es die böse Waschmaschine. Oder doch der Hund?

Egal. So ein Handtuch mit so einem klitzekleinen Loch wirft man doch nicht so einfach weg. Es ist eigentlich auch weiterhin zu nutze. Wenn Gäste kommen, dann natürlich nicht. Aber sonst? Was spricht dagegen?

Diese Laissez-faire-Haltung hatte an jenem Tag im Oktober ihr jähes Ende. Eine private Metall-Elektro-&Schrott Sammlung, jawohl, genauso geschrieben, war angekündigt.

Feuerlöcher

Die Werbezettel für derartige Aktion lesen sich ähnlich aufregend wie Telefonbücher oder Beipackzettel, aber ich wollte schon wissen, was „die“ sammeln.

Etwa Staubsauger von Vorwerk. Ich habe nur einen, der nicht von Vorwerk ist. Und tut. Was für ein Glück. Weil, den würden „die“ gar nicht mitnehmen.

Egal, jede Menge Dinge stehen auf dem Abholprogramm. Ich lese weiter. Ganz unten steht noch einmal explizit, was „die“ nicht mitnehmen. Etwa Monitore.

Doch das Beste kommt zum Schluss. Steht da: „Feuerlöcher“. Seit diesem Oktober weiß ich: Mein Handtuch ist Sondermüll. Ich werde es zum Bauhof bringen müssen und mir eine gute Erklärung einfallen lassen müssen, wie denn „das“ passieren konnte.

Feuerlöcher_3

„Da ist ja ein Feuerloch im Handtuch“, höre ich den Mann vom Bauhof jetzt schon sagen. Ich werde puterrot anlaufen, Unsinniges stammeln, unverrichteter Dinge wieder mit dem Feuerlöcher-Handtuch heimfahren. Und in der kommenden Nacht auf die Raststätte an der Autobahn fahren.

Ich werde viele Autos in dieser Nacht sehen, die auch diese Raststätte anfahren. Und nicht tanken. Nicht ins Restaurant gehen. Nein, die auf den Beifahrersitz greifen, und ein oder zwei oder viele Feuerlöcher-Handtücher in die Hand nehmen, unauffällig zu einer der bereits mit Feuerlöcher-Handtüchern gefüllten Abfalleimer schleichen und versuchen, den eigenen Sondermüll dort endlich los zu werden.

Ein Tag im Oktober. Und mein Leben war ein anderes…

© Ulf Runge, 2013

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Der Emil sagt:

    Großes Kopfkino. Aus einem Schreibfehler eine Welterklärung gemacht … 😉

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  2. 3frisini sagt:

    Es beginnt damit das etwas fehlt …
    Ohne Mangel kein Impuls für Handlung?
    Wäre es nicht schön aus der Fülle zu handeln?
    Wir könnten doch z.B. Löcher klassifizieren und die Feuerlöcher sind dann die F-Löcher und fühlen sich mit den Geigen verwandt und finden deshalb in einem Geigenkasten, als Mittelpunkt eines Putztuches, Platz.
    Dann könnten wir auch noch E, D, C und B-Löcher finden und die A-Löcher sind dann definitiv Sondermüll.

    Liebe Grüße,
    Roger

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  3. Ulf Runge sagt:

    Lieber Emil,

    das hast Du schön formuliert, grins.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Lieber Roger,

    das waren noch Zeiten, als wir unsere Umgebung mit derartigen Blödeleien „bereichert“ haben…

    Grinsende Grüße,
    Ulf

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  5. Renate Blaes sagt:

    Köstlicher Beitrag, lieber Ulf. Hat mein heute graues Gemüt erhellt … 🙂
    Liebe Grüße
    Renate

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  6. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    danke für diese neue Alltagsgeschichte. Für Deine „Feuerlöcher“ bekommst Du ein Patent :mrgreen:
    immer wieder Anlass zum Schunzeln 🙂
    liebe Grüße
    von der anderen Seite
    Erika 😆

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Renate, das freut doch sehr, Dein „graues Gemüt“ heute erhellt zu haben.
    So sind wir alle irgendwie ein Licht für die anderen.
    Liebe Grüße, Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,
    ich habe mal irgendwann irgendwo gehört, dass es ein Seemannspatent gibt.
    Ich glaube, wenn mir mal ein Patent verliehen wird, dann würde ich mich über das Seemannsgarnpatent freuen…
    Landrattige Grüße,
    Ulf

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  9. Hase sagt:

    Lieber Ulf,

    wie wäre es mit dem Brötchentütenpatent ???
    hat auch was mit der Seefahrt zu tun

    http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%B6tchent%C3%BCtennavigation

    LG Erika 🙂

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  10. Ulf Runge sagt:

    Wow, Erika, ich habe mir das durchgelesen. Ja, ich möchte Brötchentütenkapitän werden bzw. sein… Danke für diesen Tipp…
    Liebe Grüße,
    Ulf

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