Bemerkt und bemerkenswert

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Leben 1061 – Dienstag, 08.10.13

Bemerkt und bemerkenswert

 

Die Artikelpreise sind zusammenaddiert, auf dem Display sehe ich € 40,25, ich hole meine Girocard aus dem Portemonnaie, als die freundliche Person an der Kasse „Das macht dann neununddreißig fünfundzwanzig, bitteschön“ zu mir sagt. Ich bin etwas irritiert, gucke aufs Display, dort steht jetzt in der Tat auf einmal € 39,25. Ich bezahle, bedanke mich, wünsche noch einen schönen Tag und gehe mit meinem Einkauf ein paar Schritte weiter, um den Kassenzettel zu prüfen.

Mein Selbstwertgefühl steigt, als ich sehe, dass ich doch noch nicht ganz verkalkt bin, da ist in der Tat ganz unten auf dem Zettel eine 1-Euro-Bonusbuchung. Ich überlege noch einmal, wie das sein und komme dann auf die Lösung, die ich hier aber nicht verraten will. Weil: Die Person an der Kasse ist ein exzellentes Exemplar von Mitarbeiter, das sich Gedanken gemacht hat, wie man den Kunden was Gutes antun kann, ohne den Arbeitgeber zu schädigen.

Ja, ich habe mich über den eingesparten Euro sehr gefreut.

Bemerkenswert ist darüber hinaus Folgendes:

Die Person an der Kasse tut das Gute im Stillen, hängt es nicht an die große Glocke.

Ich darf mich glücklich schätzen, dass ich die gute Tat bemerkt habe.

Und noch befriedigender war für mich der Umstand, dass ich mich bei der Person hierfür sogar bedanken konnte, ohne dass jemand anders mitgehört hat.

Ein Mitarbeiter, der sich kreativ engagiert, wie hier angedeutet, gehört gelobt und belohnt. Früher hätte ich vermutlich dem Vorgesetzten dieses Mitarbeiters freudig mitgeteilt, wie zufrieden ich als Kunde bin.

In der heutigen Zeit, in der Mitarbeiter oft genug in einem Klima von Angst und Repression arbeiten müssen, ist es vermutlich ratsam, die Freude für sich zu behalten. Und allerhöchstens im Blog – und dann nur anonymisiert – darüber zu schreiben.

© Ulf Runge, 2013

P.S.: Sämtliche in diesem Artikel genannten Geldbeträge sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit in der Wirklichkeit existierenden Geldbeträgen sind unbeabsichtigt.

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Renate Blaes sagt:

    Kein Fake??? Also echt erlebt? Klasse! So was nennt man echte Kundenbindung. Und die funktioniert. So wie früher der Grappa beim Italiener oder der Uso beim Griechen.

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  2. Ulf Runge sagt:

    Liebe Renate,

    absolut kein Fake. Und habe eine Weile gezögert, darüber zu berichten.
    Aber ich glaube, es wichtig, über Initiative und Courage positiv zu berichten…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  3. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    danke für Deinen Bericht. Ich habe es in der Drogerie schon einmal erlebt, dass es auf ein bestimmtes Produkt einen zusätzlichen Bonus gab, der aber nicht ausgezeichnet war…

    Als ich letzte Woche in der Fundgrube vorbeischaute und eine schöne große Vogelscheuche mit Latzhose und dickem Bambusstab für 6.50 Euro entdeckte, nahm ich sie mit zur Kasse und staunte, dass sie nur 3.95 Euro gekostet hat. Es war ein schönes Geburtstagsgeschenk für meinen Schwager. Ich sagte noch, die sähe ihm ähnlich und niemand ahnte, dass sie so billig war, hätte ich es nicht den Nichten verraten…

    Liebe Grüße
    Erika 🙂

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,
    danke für diese schöne Begebenheit.
    Dein Schwager wird sich mächtig gefreut haben über die Ähnlichkeitseinstufung mit der Vogelscheuche…
    Ich glaube, er MUSS viel Humor haben…
    Lächelnde Grüße,
    Ulf

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  5. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    ja, den hat er. War lange Zeit Präsident in der Fassenacht
    und er steuert das Tandem……
    lg erika 🙂

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