Zwei zuviel

Leben 1058 – Donnerstag, 26.09.13

Zwei zuviel

 

Ich wohne Hausnummer 11. Wenn ich 9 wohnen würde, gäbe es diesen Artikel nicht.

Irgendwann zu grauen Vorzeiten, vermutlich als die Telekom noch die graue Maus der Bundespost war und maulwurfartig das Land mit Kabeln versorgte, ging vermutlich das Geld aus. Das Kabel an Haus Nummer 9 ist wohl noch mit ordentlich Speed versorgt worden, bei uns tröpfeln die Bits aus dem Internet so langsam heraus, dass Du mit jedem eine persönliche Vorstellungsrunde bestreiten kannst.

Telefon: Vor einigen Jahren habe ich es gewagt, bei meinem magentafarbenen Anbieter zu hinterfragen, warum ich denn das Leistungsmerkmal CLIP nicht bereitgestellt bekomme, obwohl ich es bestellt habe. CLIP ermöglicht, dass man die Rufnummer des Anrufers auf dem Display sieht, sofern dieser das gestattet. Nachdem ich also CLIP reklamiert hatte, war der Telefonanschluss für Tage nicht erreichbar. Da habe ich verstanden, dass es Schlimmeres gibt als ein Leben ohne CLIP: Ein Leben ohne Telefon.

Fernsehen: Wir haben auf Nummer 11 einen Kabel-Provider, der es bis heute nicht geschafft hat, eine aktuelle Liste der empfangbaren Radio- und Fernseh-Programme ins Internet zu stellen. Das geht auch gar nicht. Weil die meisten Sender beim Einschalten melden: „Schwaches Signal“. Wenn ich einen Setup meiner digitalen Kabelfrequenzen durchführe, dann bekomme ich oft genug knapp 300 Radio- und TV-Sender eingestellt, die meisten verschlüsselt, die brauche ich auch nicht, aber immerhin ist da auch SWR1 RP Hörfunk dabei. Einen Tag später sind in mehr als 100 dieser Programme sozusagen über Nacht verschwunden. Daher wohl auch die entbehrbare Programmliste im Internet. Und ich gucke sowiewo kein Fernsehen. Ich zahle nur für den Nicht-Empfang.

Internet: Wie gesagt, ich kenne alle Bits, die bei uns vorbeikommen, mit Namen. Der Nachbar auf der anderen Straßenseite, der zwischen 9 und uns wohnt, hat jetzt für einen schmerzenden Geldbetrag den Konkurrenz-Kabel-Anbieter von der Nummer 9 beauftragt, das schnelle Kabel bis zu seinem Haus zu verlegen. Einen ähnlichen Betrag müsste ich in die Hand nehmen, dann wäre dieser Artikel Makulatur.

Bis dahin sage ich mir, tue alles, was Du selber dazu beitragen kannst, um die Internet-Nutzung erträglich zu gestalten.

Ich surfe im Internet und denke mir, ich könnte einen Repeater kaufen, damit wenigstens die kabellose Übertragung zwischen den Wohnräumen schneller wird.

Ich finde ein Gerät, das mir zusagt. Bei einem Versand, bei dem ich vor gefühlten Jahrhunderten mein erstes Modem (Was ist das, bitteschön?) gekauft hatte.

Exkurs:

Vor kurzem habe ich dort ein richtig gutes Gerät gekauft, mit dem ich richtig zufrieden war: einen Adapter, in die ich die interne Festplatte meines geschrotteten alten Laptop einbauen konnte und die Daten retten.

Danach bekam ich eine Nachricht, dass man mir für 16jährige Kundentreue ein Geschenk mache: Ich müsse nur die Versandkosten tragen.

Dann kam ein Katalog ins Haus geflattet. Elektronik-Kram zwischen hübschen Mädels. Na gut.

Im Katalog lese ich, dass ich beim Kauf von Druckerpatronen im Wert von mindestens 20 Euro die Versandkosten einspare.

Ende Exkurs.

Ich sehe also diesen Repeater im Internet, bestelle ihn bei dem Hübsche-Mädels-Elektronik-Versand und gleich noch zwei Druckerpatronen mit, um die Versandkosten zu sparen. Allein, diese werden nicht abgezogen.

Ich denke mir, die werden das schon automatisch machen.

Nachdem ich bestellt habe, gucke ich nochmal in den Katalog. Ich hätte zusätzlich zu den Druckerpatronen auch den Erlass der Versandkosten unter einer kryptischen Artikelnummer mitbestellen müssen, dann wären diese mir erlassen worden.

Nun gut. Ich schreibe eine E-Mail hinter meiner Bestellung her und bitte um nachträgliche Berücksichtigung dieser Versandkostensparartikelnummer.

Die Antwort ist eine ziemliche Kunden-Verar…ung: Nicht, dass das das nicht ginge. Sondern ich hätte bestimmt Verständnis dafür, dass man mich gleich wie alle Kunden behandeln wolle und so.

Der Repeater kommt. Das zur Ausstattung gehörige LAN-Kabel fehlt. Die Konfiguration ist schwierig. Im Internet lese ich von vielen armen Seelen, die auch dieses Modell gekauft haben. Wenn man bei der Erstkonfiguration einen Fehler gemacht hat oder etwas  vergessen, dann hilft nur noch Reset auf Werkeinstellungen. Der Reset allerdings funktioniert nur, wenn man soundsoviel Minuten nach dem Reset noch eingeschalten lässt… Super-kundenfreundlich, sage ich mal.

Die Verstärkungsleistung des Repeaters ist nicht zu leugnen, aber nicht wirklich signifikant.

Heute hatte mein Süd-Discounters meines Wissens zum ersten Mal einen Repeater im Angebot. Den habe ich gekauft. Aufgrund der fortschrittlichen WPS-Taste hatte ich Null Konfigurationsaufwand. Klasse! Und ich kann jetzt auch auf dem Balkon internetten. Ein Stück zusätzlicher Lebensqualität.

Bei der Firma mit den hübschen Damen werde ich nicht mehr kaufen.

Und der Süd-Discounter tut hoffentlich alles, um aus den wohl berechtigten Schlagzeilen der jüngsten Buchveröffentlichung herauszukommen. MitarbeiterInnen haben ein Recht auf wertschätzenden Umgang. Mit Ausnahme der seinerzeitig schrottigen DVD-Recorder kann ich über die Elektronikprodukte, insbesondere die PCs, nur Gutes berichten.

Bleibt noch die Frage, wie ich die Hausnummernarithmetik löse. Umziehen ins Kabelschlaraffialand? Geld in die Hand nehmen, um schnelles Kabel und einen g’scheiten Kabel-Anbieter zu haben? Für Anregungen bin ich dankbar.

 

© Ulf Runge, 2013

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Maria H sagt:

    Ich wohne Hausnummer 10….da klappt`s 🙂

    mit 32 Mbit/s gesendete liebe Grüße
    Maria

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  2. Der Emil sagt:

    Du könntest es mit diesem neumodischen Cellphone-LTE versuchen … Falls verfügbar.

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  3. Hase sagt:

    ich habe die Hälfte der Hausnummer von Maria, 🙂
    da klappt auch alles
    schunzelige Grüße
    auch an Maria
    Erika ♥

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  4. Maria H sagt:

    Schunzelige Grüße zurück, liebe Erika 🙂
    Köln ist eine schöne Stadt! Ich war schon drei mal dort und habe mich jedesmal sehr wohl dort gefühlt!
    Maria

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  5. Ulf Runge sagt:

    Liebe Maria, liebe Erika,

    „neidvoll“ lese ich von Euren starken Internet-Anschlüssen.
    Und nachdem Köln hier auch ein Thema ist, antworte ich Euch auf Kölsch:
    „Man muss auch jönne könne“.

    Jönnerhafte Grüße,
    Ulf

    P.S.: Köln geht immer. Hohenzollernbrücke, Dom und Groß St. Martin. Da geht mir das Herz auf.Immerhin habe ich meine gesamte Schulzeit in Kölle verleben dürfen.

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  6. Ulf Runge sagt:

    Lieber Emil,

    das Wort Industriepark geht den meisten Menschen ja inzwischen leicht über die Zunge.

    Falls das Wort noch niemand verwendet haben sollte, reklamiere ich hiermit, Deiner Anregung folgend, das ich einen Internet-Anschluss per FUNKKABEL installieren lasse.

    Und vielleicht denke ich wirklich mal drüber nach… Danke!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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