Gechipt und gebont

Leben 1055 – Mittwoch, 11.09.13


Gechipt und gebont

Museumsuferfest in Frankfurt. Wer schon mal da war, weiß, dass das Fest zu beiden Seiten des Mains gefeiert wird. Will man möglichst „alles“ gesehen haben, dann ist man den gefühlten 4 Kilometern, die man schlendernd, schubsend, sprechend und schauend absolviert hat, dann ist man platt.

Das ahnt man bereits, wenn man ein Viertel der Distanz hinter sich hat, wenn der Gaumen austrocknet und alle anderen was zum Essen und Trinken durch die Gegend tragen.

Bei einer Pizzabude bitte ich um ein Bier und genieße, dass ich heute nicht mehr Auto fahren darfmuss, sondern mit dem Zug unterwegs bin. Ich zahle mein Binding, so heißt diese Frankfurter Biersorte, löhne noch mondpreisartigen Pfand und bekomme einen blauen Chip, den ich bei Pfandeinlösung vorzuzeigen habe. Und dann bekomme ich später auch den Mondpreis zurück. Aha.

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Das Bierchen ist dann nach ca. 60% Wegstrecke weggezischt, der Durst quengelt weiter, ich entdecke bei einer Musikbühne einen Bierausschank. Ich beobachte das hier übliche Pfandgebaren, die haben keinen blauen Chip, sondern einen nur hier einlösbaren eigenen, superoriginellen Papierzettel.

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Mal ehrlich. Den Mondpreispfand mit dem blauen Chip habe ich mental schon abgehakt, ich werde nicht mehr zur Pizzabude zurücklaufen wollen. Zum Glück haben die hier auch Binding, so dass nicht das Opfer eines weiteren autonomen Pfandsystems werden muss. Ich kaufe eine Flasche – voll – und gebe die leere zurück. Und überliste damit das perfide Kundenbindungssystem. So denke ich mir das wenigstens.

„Ein Bier bitte!“ sage ich und reiche meine leere Flasche entgegen. Ob die von hier sei. Sie würde gerne den dazu gehörigen Pfandbon sehen, meint die Dame hinter dem Tresen. Das sei doch nicht notwendig sage ich, wir könnten doch Flasche gegen Flasche tauschen und ich zahle nur das Getränk.

Das gehe leider nicht, meint sie.

Finde ich auch, dass das nicht geht.

Also gehe ich.

Erstens weg von dieser Dame.

Zweitens rund um den Bierausschank, bis ich bei ihrem Kollegen auf der anderen Seite ankomme.

„Ein Bier bitte“ sage ich. Zahle das Bier und den hier üblichen Mondpreispfand und bekomme so ein tolles Pfandrückgabeberechtigungszettelchen.

„Moment!“ sage ich. Reiche meine leere Flasche mit dem Bon dem verdutzten Hintertresenmenschen entgegen. Der gibt mir meinen Mondpreispfand zurück und murmelt leicht verärgert: „Das hätten wir aber auch einfacher haben können!“

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© Ulf Runge, 2013

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hase sagt:

    Schunzel 🙂
    DU bist aber auch umständlich, lieber Ulf

    so spielt das Leben
    eben
    es ist nicht jedem
    gleich alles
    gegeben

    einfache liebe Grüße
    Erika 😆

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  2. Ulf Runge sagt:

    Ach, Erika, wenn Du eine leere Bierflasche und ihren Chip einige Kilometer weit „geschleppt“ hast, dann willst Du aber auch Ergebnisse haben… 🙂
    LG Ulf

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