Und es war Sommer

am

Leben 1040 – Montag, 12.08.13


Und es war Sommer

Damit hätte am 12. August 2013 niemand mehr gerechnet. Dass Was FürEinGlück noch die Bundestagswahl am 22. September gewinnen würde, und dass seine Partei ganz  alleine die absolute Mehrheit bekommen würde, darauf hätte an diesem Tag niemand mehr gewettet. Die Umfragen sprachen eindeutig für die bisherige Regierung.

Jeder Sommer hat so seine Sommergeschichten. Dieser Sommer hatte die Lachnummer im Mainzer Stellwerk zum Thema. Weil knapp 50% der Belegschaft fehlten, davon die Hälfte geplant, gab es auf einmal die Entscheidung, die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz vom Fernverkehr nahezu abzukoppeln und den Regionalverkehr massiv auszudünnen.

Ein Bahnvorstand musste gehen, und auf einmal war Deutschland ein Volk von Bahnexperten. Die Nation lächelte über die Mainzer Bahn-Fastnachtsnummer.

Und während die Nation einen Tag später des 52. Jahrestages des Mauerbaus in Berlin gedachte, verkündete die Bahn auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz, – die guten Nachrichten zuerst – dass „Fahrdienstleiter“ zum Beruf des Jahres 2013 gekürt worden sei und man vorzugsweise Schlecker- und Praktiker-Mitarbeiter hierfür gewinnen wolle. Leider habe sich herausgestellt, – jetzt also die schlechten Nachrichten – dass auch die Bahnhöfe Wiesbaden und Frankfurt aufgrund der schwierigen geographischen Lage (??!!) und der aktuellen Krankheits- und Urlaubsituation bis Ende September mehr oder minder geschlossen werden müssten.

Ja, und dann rollten Köpfe. Die schlechten Nachrichten fielen auf die Bundesregierung zurück. Der Rest ist bekannt. 65% für Was FürEinGlück und seine Partei.

Schlecker- und Praktiker-Mitarbeiter fanden einen neuen Job, einen hochbezahlten Job, selbst Fluglotsen ließen sich umschulen, speziell für Mainz, weil dort ganz besonders schwierige Verhältnisse gegeben waren: Mehr als zwei Gleise, Verkehr in zwei Richtungen,  jede Menge Weichen, Regional- und Fernverkehr (DIE totale Herausforderung), und in der Tat Fahrgäste, die pünktlich ankommen und abfahren wollten.

Was FürEinGlück saß fest im Sattel, zwei Jahre waren vergangen, Vorschulkinder nannten nicht mehr Kapitän als Traumberuf, sondern Fahrdienstleiter. Alte Stellwerke wurden durch neue, unbemannte und unbefraute ersetzt. Mainz sollte allerdings bleiben, als museale Mahnung und Warnung an alle Generationen, doch bitteschön den Fortschritt nicht zu verschlafen.

Doch dann verdichteten sich die Gerüchte, dass die Stellwerksprobleme in 2013 nur inszeniert gewesen seien… Es blieb bei unbewiesenen Gerüchten…

 

EPILOG
Also. Nehmen wir mal an. Ich würde diese Geschichte in meinem Blog veröffentlichen. Und jemand würde sie lesen. Was daraus alles passieren könnte…
Und es war Sommer…

 

© Ulf Runge, 2013

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Der Emil sagt:

    Berlin, 29. Oktober 2094 (adgn): Nach Ablauf der 50 Jahre nach Auflösung der Dienste dauernden Schutzfristen für viele „Geheimdienst-Dokumente“ in den USA, den ehemaligen Ländern der Vereinten Demokratien Europas/Nordwest und vielen anderen Staaten haben Historiker festgestellt, daß viele der sogenannten „Verschwörungstheorien“ der Realität entsprachen. Dazu zählen unter anderem Chemtrails, der 11.9.2001, die Snowden-NSA-Katastrophe und die Mainzer Stellwerkskapriole …

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  2. Hase sagt:

    Kompliment, lieber Ulf für diese Geschichte…..

    Eigentlich ist das nicht zum Lachen mit der Bahn, aber wir haben gelacht grade…..
    liebe Grüße
    Erika

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  3. Hase sagt:

    Zitat eines verärgerten Fahrgastes in Mainz:
    „Das einzige, was im Mainzer Hbf noch geht, ist die Rolltrepp….. aber die stellen se auch noch ei….“

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  4. Ein Pfiff des Bahnbeamten erfolgt….“Bitte zurücktreten von der Bahnsteigkante“! Dieser Aufforderung nachzukommen ist utopisch, denn sie existiert nur in der Vergangenheit…Allenfallds ist noch ein Pfeifen im Ohr zu vernehmen…aus Frust und „Verlassenheit“ ob der Immobilität und Inflexibilität der Mainzer Bahn-Verkehrsordnung…

    „Mainz bleibt Mainz, nicht, wie es singt und lacht…
    nein,
    wie es schlummert / und nicht nur bei Nacht….“

    Helau!/Chris

    P.S. Wunderbar wieder Dein Artikel, lieber Ulf!
    ..

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  5. Ulf Runge sagt:

    Lieber Emil,

    das Öffnen der Archive wird bestätigen, was wir jetzt schon wissen.
    Es hat was von Schillerstraße, bloß dass die Regie an alle Akteure gleichzeitig die Order ausgegeben hat: „Erreicht Eure Ziele, egal was es kostet. Und erzählt allen, dass die anderen die Bösen sind.“

    Liebe Grüße, Ulf

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,
    danke für den Link auf den gelungenen „Es war Sommer“ Auftritt von Peter Maffay bei Ina Müller. Peter durfte ich auch schon mal erleben, in der SAP Arena. Rate mal, von wem ich die Karten hatte… 🙂
    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,
    gut, dass man für Rolltreppen keine Fahrdienstleiter benötigt…
    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Chris,

    danke für Deine fassenachtliche Adpation von Mainz bleibt Mainz…

    Diesen stellwerkleiterlichen Tabubruch kann man nur mit Humor nehmen….

    Liebe Grüße,
    Ulf

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