Der Blubberskandal

am

Leben 1029 – Dienstag, 23.07.13

Der Blubberskandal

 

„Sag mal, Bruno, wie war das damals, als der Blubberskandal die Welt erschütterte?!“

„Das hörst Du wohl immer wieder gerne, wenn ich das erzähle, mein Junge, oder?“

„Ja, mir läuft da immer ein Schaudern über den Rücken, wenn Du das erzählst“, antwortete Erwin seinem Onkel.

„Also pass auf. Du weißt ja, dass ohne Blubber nichts läuft. Blubber braucht man zum Häuserbauen und zum Verpacken von Nahrungsmitteln. Fernseher ohne Blubber? Undenkbar! Smartphones? Genau, auch die brauchen Blubber.

Und dass unsere liebe Erde ja nicht Rohstoffe ohne Ende hat, das hast Du ja schon in der Schule gelernt. Also hat die Industrie immer sparsamere Fertigungsmethoden entwickelt, um immer weniger Blubber zu verbrauchen. Ein zunächst für verrückt gehaltener Schweizer hat dann angefangen, Blubber zu sammeln, daraus ist dann ja die ganze Recycling-Bewegung entstanden. Egal, ich will nicht ausschweifen.

Eigentlich war alles gut. Die Industrie konnte ihren Rohstoffbedarf decken, immer mehr Blubber-Artikel kamen auf den Markt.

Und dann geschah etwas Merkwürdiges. Die Blubber-Preise stiegen ziemlich unangemessen.

Immer weniger Firmen konnten sich leisten, Artikel mit Blubber zu fertigen. Immer weniger Handwerker hatten das Geld, bei ihrer Arbeit Blubber zu verwenden und meldeten Konkurs an. Nahrungsmittel in Blubberverpackung wurden ein Statussymbol, das ganze Nationen spaltete.“

Erwin hörte seinem Onkel höchst gespannt zu, nun kam die Stelle, auf die er sich besonders freute.

„Ja, und dann erschien ein Zeitungsartikel, egal, ob der wahr war oder nicht. Nachdem Kommunismus und Sozialismus bewiesen hatten, dass Armut für alle oder viele nicht satt macht, kam nun die Sterbestunde der Monopole und Oligopole, die unter dem Mäntelchen der Demokratie dafür gesorgt hatten, dass Reichtum für wenige auch nicht satt macht.

Weißt Du, die Menschen wollten keine Volksvertreter und Regierungen mehr, die sie für dumm verkaufen. Da gab einen internationalen Abhörskandal, von dem alle Verantwortlichen angeblich überrascht wurden. Da gab es eine demokratische Regierung, die ihr Volk für dumm verkaufen wollte und deshalb vom Militär geputscht wurde. Und deshalb die anderen Demokratien auf den Plan rief, hatten sie doch auch Angst, das Militär könne sie einfach absetzen, weil sie das Volk für dumm verkaufen.

Es kam aber alles viel einfacher. Die Menschen machten die Blubber-Revolution. Sie gingen auf die Straße, sie lösten die Parlamente auf, es gab Neuwahlen, und es gab Gesetze, es gab endlich ethische Regeln, die den Unternehmen verboten, Geschäfte zu machen, bei denen kein Mehrwert für die Allgemeinheit erkennbar war. Und alle Volksgruppen wurden per Gesetz gezwungen, Kandidaten für die Parlamente aufzustellen, um zu verhindern, dass nur noch Beamte und Bürokraten die Völker vertraten.“

„Oh, dass muss eine wunderbare Aufbruchsstimmung gewesen sein“, fuhr es Erwin wie jedesmal heraus.

Mit Tränen in den Augen kam Bruno nun zum Ende: „Ja, dieser Zeitungsartikel, der war eine echte Chance. Leider blieb die Blubberrevolution nur ein ungeträumter Traum von mir.“

Das war die Stelle, bei der Erwin sich fragte, ob es nicht an der Zeit wäre, diesen Traum wirklich werden zu lassen.

© Ulf Runge, 2013

P.S.: Ach ja, fehlt noch der Zeitungsartikel.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Uta sagt:

    Lieber Bruno, da hast Du wohl die Gemeinwohl-Ökonomie gelesen 😉

    Blubber-Revolution, die Zukunft wird es zeigen. Viel besser als das aller Orten anzutreffene Bla-Bla!

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  2. Der Emil sagt:

    Diese Blubbergeschichte erinnert mich an das, was mit dem „Neuen Forum“ begann …

    Möglich ist es allerdings!

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  3. Ulf Runge sagt:

    Liebe Uta,
    als ich als junger Mensch in der Schule das damalige Grundgesetz kennenlernte, war ich sehr froh, u.a. die Werte Frieden, Freiheit, Gleichheit dort wiederzufinden.
    Am meisten hat mich aber der Artikel „Eigentum verpflichtet“ fasziniert.
    Ohne den Ansporn, durch Leistung zu Wohlstand und Reichtum zu kommen, ginge es unserer Gesellschaft sehr schlecht.
    Verwerflich ist die künstliche Verknappung von Ressourcen auf Kosten aller…
    Wir werden sehen.
    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Lieber Emil,

    Du hast mich echt veranlasst, noch einmal in Wikipedia alles nachzulesen über damals.
    Über das Neue Forum, über die Wende, über die Aufbruchstimmung von damals.

    Nachdenkliche Grüße,
    Ulf

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