Nichts gedacht

am

Leben 1014 – Dienstag, 04.06.13

Nichts gedacht

NICHTS

Gestern waren es 23 Minuten, meistens sind es 25. Meine „Kleine Sonntagsrunde“, ein Begriff, der aus ersten sonntäglichen Spaziergängen mit dem Hund entstanden ist. Ich jogge sie aktuell jeden Tag, sie ist für mich die Minimal-Distanz, um etwas für meine Fitness zu tun.

Aktuell bemerke ich, dass mir zunehmend immer mehr Gedanken kommen beim Laufen. Wo ich doch eigentlich abschalten will. An nichts denken.

Nichts! Das ist es. Wann immer mir heute ein Gedanke kommen wird, werde ich „Nichts!“ rufen. Um mich zu mäßigen, an nichts zu denken.

Ich grüble, ob „Nichts!“ bereits auch ein Gedanke ist. Wenn nicht, dann ist der Wunsch, an „Nichts“ zu denken, eben ein Gedanke. Ich frage mich gerade, was ich hier denke, das ist doch gequirlte Gedankensch… Ich denke (!) jetzt ein kräftiges: „NICHTS!“

Ich bemerke, dass es mir gelingt, keine neuen Gedanken hochkommen zu lassen. Außer dem Gedanken, der das bemerkt. Aber das ist jetzt mal okay.

20:42 stand auf der Anzeige meines Handys als ich loslief. Nach 13 Minuten überquere ich die hessisch-badische Grenze. Um nach weiteren Minuten 12 Minuten zu Hause anzukommen. Die Startzeit, heute also 20:42, und die Zwischenzeit merke ich mir in der Regel, ich könnte auch die Stoppuhrfunktion nutzen, aber ich muss mir doch so etwas Triviales, wie die Startzeit und die Zwischenzeit auch ohne technische Hilfsmittel merken können! Wobei ich diese beiden Gedanken den Lauf über wohl nicht loswerde… „NICHTS!“ „NICHTS!“

Okay, ich höre ja schon auf zu denken.

Laufe. Denke nichts.

Laufe. Denke nichts.

Ich könnte heute ja auf die Zwischenzeit verzichten. Das wäre ein Merkgedanke weniger. Ich muss lächeln, bin stolz, diesen Gedanken einsparen zu wollen. Und merke, dass ich schon wieder nicht an nichts denke. „NICHTS!“ „NICHTS!“

Ich passiere die Grenze, verzichte auf das Nehmen der Zwischenzeit. Einen Gedanken gespart…

Dinge, die man nicht tut, kann man nicht nachträglich doch noch tun. Wenn es sich etwa um eine Zwischenzeit handelt. Die ist dann weg. Denke ich mir so. „NICHTS!“ „NICHTS“

Ich blicke auf den Asphalt, um an nichts zu denken.

Diese vielen unterschiedlichen Gesichter, die der Teerbelag meiner Strecke hat, sehe ich die wirklich, nimmt mein Unterbewusstsein sie wahr, oder ist das Wissen um ihr Aussehen „weg“, wenn ich weitergelaufen bin?

Ich nähere mich dem Bahnhof. Sehe auf dem Display die aktuelle Uhrzeit. Wenn ich am Bahnhof immer eine zweite Zwischenzeit nehmen würde, oh je… „NICHTS!!!“

Ich laufe die letzten Meter meines Nichts-Versuchs, sehe einen Pizza-Auslieferungswagen an mir vorbeifahren, in einiger Entfernung halten, an der Haustür klingeln. In seinen Händen hält er „NICHTS“.

Epilog.

Es waren 26 Minuten heute. Beim nächsten Nichts-Versuch verzichte ich auf die Startzeit. Ohne sie sind auch Zwischenzeiten und Endzeit einfach nur „NICHTS“.

Epiepilog.

Beim nächsten Nichts-Versuch werde ich auch nicht daran denken, was ich als nächstes Bloggen werde.

© Ulf Runge, 2013

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. andrea2110 sagt:

    Mit nichts hast DU mir jetzt ein fettes Lächeln ins Gesicht gezaubert, lieber Ulf:-). Wenn ich uns Leser nicht um so schöne Blogbeiträge bringen würde, dann würde ich Dir verraten, dass man auch an nichts denkt, wenn man sich total auf seinen Atem konzentriert, aber das tu ich natürlich jetzt nicht und vielleicht denkt man ja auch gar nicht an nichts, sondern an den Atem :-)… Lächelnde liebe Grüsse Andrea

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  2. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    da gibt es NICHTS hinzuzufügen.
    liebe Grüße
    Erika 😆

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  3. Hase sagt:

    wenn ich an NICHTS denke, sehe ich manchmal rot !!!!!

    http://www.eigentliches.com/2013/06/eigentlich-rot-gesehen/

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,
    da DU ja von mir (fast) gar nicht mehr überrascht werden kannst,
    genieße ich Dein fettes (!) Lächeln sehr.
    Ich habe schon öfter das Beispiel gehört vom rosaroten Elefanten, an dem JETZT NICHT denken solle. Was natürlich zur Folge hat, dass man genau an ihn denkt.
    Ich denke jetzt mal NICHT an schwimmende Kühe.
    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. Ulf Runge sagt:

    Lach, liebe Erika, Klatschmohn habe ich auch heute fotografiert… Liebe Grüße, Ulf

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