Roussillon-Splitter: Das Urteil

am

Leben 1001 – Sonntag, 21.04.13

Das Urteil

Wie gesagt, der Bruno war im Urlaub. Und hat mir auch die nachfolgende Geschichte mitgebracht:

«Du weißt ja, dass ich ein Fernsehmuffel bin. Setz‘ mich vor die Glotze, und ich schlaf‘ ein.

Also, ich bin beim Packen und richte mir auch ein paar Musik-CDs für die Fahrt, Phil Collins, Kenny G. und Fats Domino. Da fällt mir diese DVD in die Hand, dir mir vor vielen Jahren mal ein Kollege geschenkt hat, „einfach so“… „Bruno!“, hat er gesagt, „Bruno, die wird Dir gefallen!“. Ich habe mich damals höflich bedankt, aber nie den Drive gehabt, mir die DVD auch mal anzusehen. Mein Kollege hatte auf die (Sicherheits…) Kopie mit blauem Filzschreiber „Das Urteil“ geschrieben. Jahrelang hatte die DVD nun ihr Dasein gefristet, ohne jemals angeguckt worden zu sein.

Denk‘ ich mir, „Diesen Urlaub muss es sein, ich schau sie mir an!“.

An einem der Urlaubsabende ist es also so weit. Ich packe meinen Laptop aus, lege die DVD ein und ein total spannender Film läuft da ab! Da treffen sich zwei Männer zufällig auf dem Flughafen, der eine bekommt eine Nachricht, er möge doch bitte erst einen Flieger später weiterreisen, er bekäme zum Dank auch ein seltenes Buch. Interessanterweise lässt sich dieser auf den Deal ein. Der ganze Film fokussiert sich auf diese beiden Männer und deren Gespräch, dessen Verlauf dem Zuschauer immer klarer macht, dass hier nicht nur Zufall am Werk ist, sondern dass hier jemand bezweckt, den Hauptzeugen in einem Mordprozess zu beeinflussen oder vielleicht sogar „unschädlich“ zu machen.

Spannung pur. Von Einschlafen auf dem Sofa kann bei mir keine Rede sein. Ich bin total gefesselt von diesem Thriller, der äußerlich als Kammerspiel daher kommt, der aber knistert aufgrund der hervorragend gespielten Dialoge. Ich stehe noch nicht mal auf, um mir was zum Trinken zu holen.

Also pass auf, der Film ist bei ungefähr Minute 58 von 90, ich kann es kaum abwarten zu erfahren, wie sich die Handlung weiterentwickelt, als mein PC mir mitteilt, dass die DVD nicht lesbar sei. „Ist nicht wahr?!“ denke ich. Ich nehme die DVD aus dem Laptop-Schacht, ich sehe keine Kratzer oder so, hauche die Scheibe an, fahre mit einem weichen Tuch über die Oberfläche, lege die widerspenstige Scheibe wieder ein, positioniere auf Minute 56, und? Nix und! Das gleiche.

„Was tun, sprach Zeus?“, denke ich mir. Nun hatten die Vermieter auch einen Fernseher mit DVD-Recorder, das könnte meine Rettung sein. Fernseher eingeschaltet, DVD eingelegt, auf die Taste mit dem Dreieckssymbol gedrückt, worauf die DVD gleich wieder ausgeworfen wurde. Nochmal versucht. Ein kurzer Blick auf die gesamte Anlage machte mir klar, dass ich gerade dabei war, dem CD-Spieler eine DVD unterzujubeln.

Also: DVD in DVD-Recorder eingelegt. Der fing auch gleich an, die DVD abzuspielen. Ohne es mir zu zeigen. Das Drücken sämtlicher Tasten sämtlicher Fernbedienungen brachte gar nichts. Nur ab und zu einen anderen französischen Sender auf das TV-Gerät.

Plötzlich ist der Fernseher wieder dunkel, statt dessen leckt mich die warme Zunge meines Hundes, dessen linke Vorderpfote auf der Fernbedienung steht.

Okay, nächster Versuch.

Kabel! Ich überprüfe die Kabel. Und natürlich ist die Verbindung zwischen DVD-Recorder und TV unterbrochen, das Scart-Kabel war vermutlich beim letzten Wohnungsputz entstöpselt worden.

Ja, ja, ja! „Das Urteil“ ist jetzt auch auf dem TV zu sehen. Ich näherte mich Minute 58. (Seit einer Stunde warte ich auf Minute 59).

Ja, ja, ja! Ich bin Minute 60 angelangt, der Film läuft weiter, mein Laptop ist einfach zu alt.

Bei Minute 64 verschwindet der Ton, bei Minute 66 wird aus einem 25 Bilder pro Sekunde Film eine Diashow, ca. 1 Bild alle 25 Sekunden.

Ich sage mal so: Die Spannung hält bis heute an, weil ich das Ende vom Film immer noch nicht kenne. Ich weiß nur das eine: Der Film ist GUUUUUUT!

Ich habe folgendes gelernt daraus:

Pralinenschachteln sollte man bald öffnen. Sonst schmeckt ihr Inhalt irgendwann ranzig. Und man kann sich zeitnah nicht nur für das Geschenk, sondern auch für den Genuss bedanken.

Originale sind Originale. Sicherheitskopien nicht…»

© Ulf Runge, 2013

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. gut geschrieben..
    Danke
    Liebe Grüsse Erwin

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  2. Ulf Runge sagt:

    Lieber Erwin,
    herzlichen Dank!
    Liebe Grüße,
    Ulf

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  3. Hase sagt:

    Lieber Ulf,

    ja, die liebe Technik. Ich wusste bis letzter Woche nicht, dass ich CD´s auf meinem Laptop hören kann 🙂 Ich dachte immer nur, das Fach wäre nur für DVD´s.
    Danke für Deinen Bericht., der bestimmt beim Lesen amüsanter klingt als im realen Erleben ….

    Liebe Grüße
    Erika 😆

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    danke, dass Du Deine (inzwischen erledigte) Unwissenheit mit uns teilst.

    Im ersten Semester habe ich nur mit Lochkarten gearbeitet. Abends wurde der Stapel im Rechenzentrum abgegeben, am nächsten Morgen hat man erfahren, dass man irgendwo im Stapel vielleicht ein Semikolon zu lochen vergessen hat.

    Im zweiten Semester durften wir an die damals sogenannten Datensichtgeräte (oder auch Terminals). Ich habe in der Tat nach dem Schlitz gesucht, in den ich meine Benuterzkennungslochkarte hätte schieben können. Bis mir ein freundlicher Studienkollege erklärte, ich müsse meine Kennung über die Tastatur eintippen. Da habe ich aber eine rote Birne bekommen vor Verlegenheit…

    LIebe Grüße,
    Ulf

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  5. Hase sagt:

    *schunzel*

    Lieber Ulf,
    danke, dass Du auch das hier offen darlegst. Da fällt mir gleich noch eine Geschichte ein, vor ca. 5 Jahren war ich alleine in Andalusien, Bekannte besuchen und hatte einen Mietwagen am Flughafen geordert. Ich bekam eine Karte und stand damit vor dem Auto und fragte einen netten Menschen, wie ich denn das Auto aufbekommen soll. Da meine Spanischkenntnisse nicht so dolle waren, managten wir das in Englisch. So kam ich doch vorwärts und sogar gut an meinem Ziel an. Ich staunte selber, was ich mich da eigentlich getraut habe. Hier bin ich nicht die mutigste Autofahrerin. Manchmal muss man einfach handeln und nicht solange überlegen, gelle ???
    liebe Grüße
    Erika 🙂

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  6. Ulf Runge sagt:

    Aber den Trick, wie Du mit der Karte das Auto geöffnet hast, den verrätst Du uns nicht, liebe Erika? Du willst es Nachahmern nicht zu leicht machen…
    🙂

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  7. Hase sagt:

    ich hatte bis dahin nie ein Auto ohne Schlüssel geöffnet bzw. gefahren…..
    ich wusste nicht , wo ich den Chip reinstecken sollte 🙂

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  8. Roger Hettich sagt:

    Tolle Geschichte – Schmunzel 🙂

    Liebe Grüße aus Berstadt

    Renate

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    zum Thema, wo und wie öffne ich bitte dieses Auto, könnte ich auch was erzählen…
    beizeiten…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  10. Ulf Runge sagt:

    Liebe Renate,

    die Spannung hält bis heute an, Bruno will endlich das Original kaufen…

    Lächelne Grüße,
    Ulf

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