Keine unterlassene Lebenshilfe-Leistung

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Leben 993 – Sonntag, 17.03.13

Keine unterlassene Lebenshilfe-Leistung
B.B. & THE BLUES SHACKS eröffnen das Bergsträsser Jazz Festival 2013

Das Konzert im Bensheimer Bürgerhaus nimmt Fahrt auf, der erste Titel hat gefälligen Applaus erzeugt, wir sind mitten im nächsten Song, als die Lautstärke abgesenkt wird und Frontmann Michael Arlt auf liebenswürdigste Weise das Publikum begrüßt. Dabei weist er humorvoll auf das offensichtliche Dilemma hin, dass Band und Publikum viel zu weit voneinander entfernt seien, bedingt durch die wohlgemeinte, aber eben noch leere Tanzfläche. Verschmitzt fügt er hinzu, dass er selber auch den gemütlichen Hocker mit gefülltem Weinglas auf dem Tisch bevorzugen würde, statt ihn gegen einen Stehplatz direkt bei der Band zu tauschen.

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Er werde darauf zurückkommen, dieses Dilemma im Laufe des Abends zu lösen, verspricht er. Und er wird seine Zusage einlösen, so viel sei schon jetzt verraten.

B.B. & THE BLUES SHACKS, das ist ein raumfüllendes Klanggemälde mit intravenös verabreichtem Rhythmus. Genau das ist ihr Genre, Rhythm & Blues. Wer insbesondere den Blues nur von Stenkelfeld her kennt, dem sei gesagt: Wer je diese Lebensfreude spendende Musikrichtung erfahren hat und anderen nicht davon erzählt, gehört eigentlich angeklagt wegen unterlassener Lebens-Hilfeleistung. Die Band spielt seit über 20 Jahren zusammen und klingt sowohl abklärt eingespielt als auch ansteckend frisch und lebenslustig.

Völlig überraschungsfrei ist die Besetzung der Hildesheimer Formation mit

IMAG0631Dennis Koeckstadt (Keyboard),

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Henning Hauerken (Kontrabass),

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Bernhard Egger(Schlagzeug),

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Andreas Arlt (E-Gitarre, links) sowie dessen Bruder Michael Arlt (Wahnsinnsstimme, rechts).

Die Herzen des Publikums öffnet letzterer aber mit seinem Mundharmonikaspiel, bei dem er ein nicht enden wollendes Atemvolumen bei minutenlangen Soli zum Einsatz bringt. Bei denen sich das Publikum teilt in angesteckt-berauschte Mitklatscher und beeindruckt lauschende Mitwipper.

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Stellt sich die Frage, warum bitte „B.B.“ im Namen zu lesen ist. Das sei eine Anspielung auf die Blues Brothers, da ja die Bandgründer ebenfalls Blues-Brüder sein, wusste der immer lächelnde Henning Hauerken zu berichten.

An diese Stelle gehören die Namen von (vornehmlich R&B) Größen, deren Songs heute Abend erklingen. Das soll hier jetzt nur in homöopathischen Dosen erfolgen: Bei „Bye bye bird“ von Rice Miller kann niemand mehr ruhig sitzen. Füße, Kopf und Schulter wippen zum da-di-da-dam, Widerstand zwecklos. Mit „Lay it down“ von Al Green eröffnet sich die stimmliche Breite von Michael Arlt, der diesen Soultitel mit Bravour interpretiert. Der absolute Höhepunkt des Abends: Mance Lipscomb’s „Sugar Babe“ auf der Harmonika! Und mit einem „Can I Change My Mind“ von Tyrone Davis auf den Lippen und im Blut fiel es absolut leicht, dieses Konzert als leider beendet, aber auch als wunderbar inspirierend zu betrachten.

B.B. & The Blues Shacks waren das Eröffnungs-Highlight des diesjährigen, u.a. auch vom Bergsträßer Anzeiger gesponserten Bergsträsser Jazz Festivals. Eine Band, die schon einmal zur besten europäischen Bluesband gekürt wurde. Bei der man als Besucher gerne zum Wiederholungstäter werden möchte. Ach ja, natürlich gibt es auch Tonträger. Ohne die frisch gekaufte Live-CD „live at vier linden“ wäre dieser Bericht nur halb so leicht aus den Fingern geflossen.

Hier noch ein Foto vom abschließenden Foto-Shooting mit der Presse:

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Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Natürlich hat sich die Tanzfläche gefüllt. Bleibt die Frage, ob ein kleinerer Saal oder der Verzicht auf Sitzplätze noch mehr Energie hätten fließen lassen.

© Ulf Runge, 2013

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