Eigengrinsen und Selbstempören

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Leben 989 – Freitag, 01.03.13

Eigengrinsen und Selbstempören

Mit Fremdschämen kann ich nicht wirklich was anfangen. Das hat irgendwie was von, wie der Deutsche sagt, „Fingerpointing“. Sprich, wenn ich mit einem Finger auf andere zeige, dann zeigen mindestens drei Finger dieser Hand auf mich selber zurück.

Fangen wir an mit dem Eigengrinsen.

Man stelle sich diese Unverschämtheit vor: Ein Frau, noch dazu Mutter, wobei das zunächst einmal noch nichts zur Sache tut, nimmt sich einen kompletten Kindergarten. Da bestehen jetzt zwei Interpretations-Möglichkeiten. Sie nimmt alle Kinder des Kindergartens. Oder sie nimmt das ganze Gebäude. Ich bin für letztere Variante. Also, eine Frau nimmt sich ein komplettes Kindergartengebäude und will damit eine Post betreten und beschwert sich dann noch, dass sie nicht reinkommt.

Die Redaktion von „Mein Schreibetagebuch: Leben“ hat diesen unglaublichen Bericht aus dem heutigen „Bergsträßer Anzeiger“ im Abenddunkel nachgestellt:

Post

Genau! Wie soll das auch gehen?

Der Vollständigkeit halber sei hier die entscheidende Textpassage ungekürzt wiedergegeben:

IMAG0520

Für den Fall, dass Du Dich bis hierher etwas amüsiert hast, dann freut mich das.

Jetzt mache ich allerdings mit dem Selbstempören weiter.

Der „Bergsträßer Anzeiger“ (BA) berichtet im Lokalteil in der Tat von einer Mutter, die mit Kinderwagen unterwegs gewesen sei und angesichts der unüberwindbaren Stufen die hierfür vorgesehen Klingel betätigt habe. Die nun erschienen Postmitarbeiterin habe ihr bedeutet, dass die über den Hintereingang verfügbare Rampe nur für Rollstuhlfahrer vorgesehen sei und sie sich bitte an einen anderen Kunden oder Passanten wenden solle, damit ihr beim Hochtragen des Kinderwagens geholfen werden. Der BA lässt auch die Gegenseite zu Wort kommen, die den Vorgang nicht so in Erinnerung habe. Ich sage mal: Schlimm, wenn es so gewesen ist, wie die Mutter schildert.

Noch schlimmer allerdings, dass die Stadt Heppenheim die Post seit mehr als 10 Jahren vergeblich drängt, den Eingang barrierefrei zu gestalten, wie der BA zu berichten weiß.

Da ist Empörung nicht unpassend. Finde ich.

© Ulf Runge, 2013

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