Oberhalb 2.0

am

Leben 988 – Montag, 25.02.13

Oberhalb 2.0

 

Osten und Westen, das sind Begriffe, die Orientierung geben. „Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen geht sie unter.“ Wenn das keine klare Ansage ist.

Vermutlich aus der Zeit, in der die Welt noch eine Scheibe war.

Und dann behauptet kurz vor Christus ein gewisser Herr Parmenides, die Erde sei rund. Seitdem ist Schluss mit der Orientierung. Man braucht seitdem nur lange genug nach Osten zu reisen, und schon ist man im Westen. Christoph Kolumbus hatte nur das Pech, dass der Panamá-Kanal noch nicht fertig war.

Oberhalb und unterhalb und rechts und links waren für mich bis vor kurzem ebenfalls Begriffe, anhand derer ich Sicherheit beim Gucken und Handeln hatte.

Das ist jetzt anders. Hat die (Deutsche) Bahn doch jüngst „oberhalb 2.0“ eingeführt.

Und das geht so.

Ich stehe in einem modernen Doppelstockwaggon an der Tür, als mein Blick auf einen Aufkleber am linken Türrahmen fällt, der mir bestätigt, dass ich in der Tat in einem (modernen) Doppelstockwaggon stehe. Dass ich, wenn mir – je nach Jahreszeit – zu kalt oder zu warm sei, die Möglichkeit hätte, die nicht automatisch schließende Tür manuell zuzumachen. Durch Betätigen des Tasters „Zu“. Der sich oberhalb (!!!) des von mir zitierten Hinweises befinde.

IMAG0424

Mein Blick wandert langsam nach oben, in die Gegend, die ich jetzt mal „oberhalb“ genannt haben würde.

Kein Taster „Zu“. Auch kein anderer Taster. Nur „nichts“.

Mein Blick wandert nach unten. Ebenfalls Fehlanzeige.

Ich schaue mal vorsichtig nach rechts und traue meinen Augen nicht. Der soeben noch vermisst geglaubte Taster „Zu“ wartet aufs Getastetwerden am rechten Türrahmen (und dort zugegebenermaßen auch irgendwie ein bisschen oberhalb) vom Hinweis.

Merke: „Oberhalb 2.0“ ist wie „oberhalb 1.0“, nur ein wenig rechts davon…

IMAG0423

© Ulf Runge, 2013

 

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Lieber UIf.
    wie immer herzerfrischend, wie Du die Details des Alltags in eine Geschichte verwandeln kannst;)

    Herzliche Grüße,
    Irene Dietrich

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  2. Roger Hettich sagt:

    Lieber Ulf,

    Frage mich gerade warum es hier eine Brücke zum überfahren von Rollstuhlfahrern gibt und ob „Zu“ sich auf das Schließen dieser „bösen“ Brücke bezieht :-)). Danke für Deinen schönen Beitrag.

    Herzliche Grüße,
    Roger

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  3. Hase sagt:

    🙂 lach, lieber Ulf, ich bin einmal gespannt, was mich übermorgen in meiner Zugfahrt in den Urlaub nach Südfrankreich alles erwartet………
    liebe Grüße
    alles Gute
    Erika 🙂

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  4. Maria H sagt:

    Lach…..
    was haben wir da wieder gelernt? Da wo oben steht, muss keineswegs oben sein, sondern könnte auch links oder rechts sein, oder vielleicht gar unten ?
    Lustig und amüsant geschrieben 🙂

    Liebe Grüße Maria

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  5. Ulf Runge sagt:

    Liebe Irene,
    dankeschön. Es ist mir eine Freude. 🙂

    Lieber Roger,
    Du stellst da ungeahnte Zusammenhänge, danke! 🙂

    Liebe Erika,
    vermutlich liegt Dein Urlaub in den „letzten Zügen“!
    Du wirst uns berichten, oder? 😉

    Liebe Maria,
    vermutlich haben Anhänger der Einsteinschen Relativitätstätstheorie den
    bekannten Toyota-Werbespruch adaptiert, und zwar so: „Alles ist relativ. Möglich.“ 🙂

    Liebe Grüße,
    Ulf

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