WEGE

Leben 985 – Donnerstag, 14.02.13

WEGE

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie mir nun schon über so viele Jahre sozusagen ‚die Treue halten‘. Auch dieses Mal habe ich mich riesig über Ihren großformatigen WEGE-Kalender gefreut, der mich Monat für Monat mit einem beeindruckenden Motiv erfreut. Pfade, Straßen, Alleen, immer wieder imposante WEGE, die mir regelmäßig den Impuls geben, dass ich nicht stehen bleiben sollte, sondern aufbrechen, weitergehen, meine Ziele unablässig verfolgend.

Heute ist mein Dank mit einer Bitte verbunden. Ich werde zukünftig in anderem beruflichen Umfeld unterwegs sein und bitte Sie, mir auch zukünftig Ihren edlen Kalender an meine im Briefkopf genannte Adresse  zuzuschicken.

Nachdem Sie in den vergangenen Jahren, ich glaube acht sind es inzwischen, keinen Umsatz mit mir gemacht haben, so wird sich daran vermutlich in Zukunft noch weniger dran ändern…“

Zeigt der Bruno mir also diesen Briefentwurf, fragt mich, ob er das so schreiben könne, ob ich überhaupt die ganze Geschichte kennen würde, will er wissen.

Hm, ich überlege, vermutlich hat er sie mir schon mal erzählt, aber ich krieg es nicht mehr zusammen.

„Also, das geht so! Wir haben doch immer mit der XYZ-Beratung zusammengearbeitet. Das war immer okay so, wenn wir was zu vergeben hatten, haben wir eine Ausschreibung gemacht, und XYZ hat häufiger den Zuschlag bekommen. Die haben aber auch immer wieder gute Leute gehabt!“

„Was hat das mit dem Kalender zu tun?“

„Also, eines Tages haben sie bei XYZ gemeint, sie müssten einen Vollblutvertriebler einstellen. Man, der ging uns ja auf die Pelle. Anrufe, E-Mails, manchmal stand er sogar unangemeldet in der Tür, so rein zufällig, Du weißt schon!“

„Und?“

„Also, der war kein halbes Jahr bei XYZ, ob der nun freiwillig ging, weiß ich nicht, ist aber auch egal.“

„Der Kalender, was ist mit dem Kalender?“

„Also, eines Tages hatte ich so einen WEGE-Kalender in der Weihnachtspost, von einer mir völlig unbekannten Firma, und was meinst Du, wer die Weihnachtsgrüße unterschrieben hat? GENAU, jener Herr, mit dem XYZ den Vertrieb pushen wollte, grins. Der hat mich dann auch noch einmal angerufen, aber mehr als Telefonat kam da nicht zustande.“

„Aber irgendwie muss es doch weitergegangen sein.“

„Nun, Ich habe den Kalender nicht aufgehängt, ich weiß, das war ziemlich doof von mir. Aber als dann nächstes Jahr wieder so ein toller Kalender kam, habe ich ihn aufgehängt. Und mich seither über viele Jahre von der Kraft dieser Bilder inspirieren lassen.“

„Und willst Du denen, die Dir jedes Jahr den Kalender zuschicken, diesen Teil der Geschichte auch erzählen?“

„Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Allerdings. Wer so schöne Kalender verschenkt, der mag auch Geschichten, die das Leben schreibt, oder?“

Ulf Runge, © 2013

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    ich wünsche dem Bruno, dasss er weiterhin diesen schönen Kalender bekommt. Auch in seiner neuen Tätigkeit…….
    schunzel
    Erika 🙂

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  2. ja das wäre doch, nicht mehr als Recht, das Recht der Gewohnheit und weil er sich doch immer soo gefreut hat.
    Liebe Grüsse zentao

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