Wirkung

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Leben 982 – Donnerstag, 07.02.13

Wirkung

Der Abendzug nach Karlsruhe verlässt den Bahnhof, die üblichen Durchsagen sind gemacht: Etwa, dass die Einzelfahrkarten des Verkehrsverbundes in diesem keine Gültigkeit und man solle doch dann die S-Bahn…. Und dann: „… begrüßen wir Sie an Bord des IC 2373 auf dem Weg nach …“ Schlussendlich das Ganze, etwas knapper gehalten auf Englisch, aber heute mit wirklich total gepflegtem Englisch, ohne das häufig vernehmbare hähässliche, bei der Bahahn tohotal deplazierte Luhufthansagenuschel.

Ich sitze an einem Vierertisch im Großraumwagen, eine freundliche Dame gegenüber, sie liest, hält einen dicken Wälzer in den Händen, wir wechseln ein paar Worte, sie liest weiter, ich fange an, meinen Zugapfel zu essen.

Wie gesagt, die Durchsagen sind gemacht, als der Zugchef mit der sympathischen Stimme ein weiteres Mal hörbar wird: „Verehrte Fahrgäste, wie wäre es, den Abend bei einem gemütlichen Beck’s oder einem kühlen Franziskaner Weißbier ausklingen zu lassen? … heißen wir Sie herzlich in unserem BordBistro willkommen!“

Die Dame mit dem Buch und ich, wir lächeln uns an. Sie meint: „Das hat er überzeugend gesagt!“

Ich frage, nicht im Ernst, ob wir das Angebot annehmen wollen. Erheiterung links und rechts von uns.

„Jetzt bitte auch noch auf Englisch!“ rufe ich übermütig aus. Ringsum Schmunzeln.

Die Durchsage fast noch in den Ohren, nehmen wir eine eilige Dame wahr, die schnellen Schrittes, den Geldbeutel deutlich sichtbar in der Hand haltend, an uns vorbei geht.

„Es hat seine Wirkung gezeigt!“ sagt mein Gegenüber. Worauf ich die Dame vis á vis zunächst um Entschuldigung bitte, weil, ich müsse ihr da widersprechen, wir würden uns bitteschön im letzten Waggon des Zuges befinden, und die Portemonnaieträgerin sei gerade auf dem Weg zu dessen hinterem Ende. Da würde ich jetzt nur mal das WC vermuten. Ringsum breites Grinsen.

Wir beginnen zu mutmaßen, ob die Toiletten bei der Bahn mittlerweile wohl gebührenflüchtig, äh, gebührenpflichtig seien. „Am besten mit einem 50Cent-Stück, das man natürlich gerade nicht in der Tasche hat!“ Wir lachen.

Wenig später passiert uns die Dame erneut, diesmal in entgegengesetzter Richtung. Ich höre mich sagen: „Das kann ja alles in allem auch die Vorbereitung für ein kühles Bier gewesen sein!“ Ringsum Lächeln.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich noch erwähnen soll, dass ich beim Aussteigenvorbereitenwollen selbige Portemonnaieträgerin auf dem Sitz schräg hinter mir entdeckt habe. Ich habe dann beschlossen: Nein. Tue ich nicht. Das lass ich weg.

© 2013, Ulf Runge

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