Von OP-Sälen, Leuchttürmen und Farsi-Druckern

Leben 978 – Freitag, 25.01.13

Von OP-Sälen, Leuchttürmen und Farsi-Druckern

Die Fa. CSC in Wiesbaden hatte eingeladen. Zu einer Weiterbildungsveranstaltung für Projektmanager. Anlass der Veranstaltung war die Vorstellung eines Buches über Projektmanagement.

Da meine Erfahrung mit CSC-Veranstaltungen ausschließlich positiv ist, hatte ich mich unmittelbar nach Erhalt der Einladung angemeldet. Das war ein guter Entschluss, weil die Veranstaltung schnell ausgebucht war. Und weil der Werbe-Charakter für das Buch total in den Hintergrund trat angesichts der interessanten Vorträge, die es zu hören und sehen gab.

Das Buch heißt „Wege zum projekt-orientierten Unternehmen“ und enthält ausschließlich Best Practice Beiträge, die von je zwei Autoren geschrieben sind: Einem Projektverantwortlichen aus dem jeweils betrachteten Unternehmen sowie ein Co-Autor von CSC.

Sämtliche Autoren sowie der Herausgeber, der CSC Akademie Geschäftführer Volker Hische, haben zu Gunsten wohltätiger Zwecke auf ihre Honorare verzichtet. Bemerkenswert. Lobenswert.

Meine Highlights heute waren Dr. René Rottleb von der Collm Klinik in Oschatz, der ein absoluter Sympathieträger für seinen Arbeitgeber ist und die Besonderheiten der Krankenhaus-Branche auf interessante Weise vorzustellen wusste. Als letzter Vortragender des Tages gelang es ihm, die volle Konzentration der Anwesenden zu erhalten. Nun mag man sich fragen, was, bitteschön, eine Projektkultur in einem „Produktionsbetrieb“ wie einem Krankenhaus zu suchen hat. Diese und andere Fragen zu beantworten, gelang ihm auf fundierte Weise, indem er etwa über den verbesserungsfähigen Auslastungsgrad von OP-Sälen als konkretes Beispiel für ein Projektziel berichtete. „Wenn ich mal ins Krankenhaus muss, dann bei Ihnen“, meinte eine begeisterte Zuhörerin in der abschließenden Fragerunde!

Absoluter Top-Beitrag war mich der äußerst lebendige Vortrag von Marita Schöps von der Pro7Sat1Group. Sie berichtete von ihrem Mut, mit nur wenig IT- oder Technik-Kenntnissen, aber mit verdammt viel Erfahrung auf der TV-Business-Seite, das Thema Projektmanagement in der IT- und Technik-Tochter von Pro7Sat1 hineinzutragen.

Sie berichtete von ihren 7 Meilensteinen, die für sie maßgebend waren und sind, Projekte immer erfolgreicher durchzuführen. Und ihre Augen glänzten, als sie davon berichten durfte, wie sie endlich „ihr erstes Leuchtturm“-Projekt als Chance bekam und diese auch in das ganze Unternehmen hineinstrahlend erfolgreich nutzte. Das war die seinerzeitige Einführung des SIXX TV-Programmes. Tolle Präsentation, ehrlicher Vortrag. Und ihr neuester Leuchtturm ist SAT1 GOLD. Sie hat Grund zur Freude, etwas bewegt zu haben, nämlich nicht nur erfolgreiche Projekte durchzuführen, sondern ganz pragmatisch eine strukturierte Vorgehensweise etabliert zu haben, wie sich Auftraggeber und Projekt miteinander verständigen und zum gemeinsamen Ziel gelangen.

Was macht jetzt ein Urgestein der deutschsprachigen Projektmanagement-Szene, nämlich Klaus Pannenbäcker von der gpm, der ein eigentlich trockenes Thema im Anschluss an so einen beeindruckenden Vortrag auf der Agenda hat?

Er ist clever und geschickt, greift die Botschaften von Marita Schöps auf, erzählt absolut interessante Begebenheiten aus seinem Berufsleben wie etwa die Planung und Umsetzung  der Lohnauszahlung für Tausende iranische Bauarbeiter auf einer Kraftwerksbaustelle, bei der die seinerzeitige Erfindung eines Farsi Druckers mal so eben, sprich sehr kurzfristig, notwendig wurde. Farsi, so heißt die persische Schrift. Und wenn man nicht aufpasst, sieht es dann aus wie Farsi, ist es aber nicht. Weil man alles spiegelverkehrt gemacht hat. Da sitzt man im Publikum und hört einem bedeutend älteren Herrn zu, der Unterhaltsames zu berichten weiß. Aber immer mehr vom Thema abkommt. Denkste. Auf einmal hat Klaus Pannenbäcker den Bogen geschlagen von den Best Practices von Marita Schöps zum großen Thema „Erfahrung“ und schließlich zu seinem Vortrag, bei dem es u.a. darum geht, dass das Besondere der Projektleiterzertifizierung darin liegt, dass hier nicht nur Wissen Gegenstand der Prüfung ist, sondern erst u.a. auch der Erfahrungsschatz die Türe zu höheren Zertifizierungsweihen öffnet. Das war total professionell, Herr Pannenbäcker! Chapeau!

© Ulf Runge, 2013

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