… ich habe die Gitarre geschrumpft…

Leben 923 – Freitag, 17.08.12

… ich habe die Gitarre geschrumpft…

Dieser Gedanke – frei nach einem Kinofilm – kommt mir als erster, wenn ich an Ukulele denke. Dann fällt mir ein, dass ich schon mal kurz davor war, eine beim Aldiscounter zu kaufen. Und sie (dummerweise?) wieder aus der Hand gelegt habe. Dann fällt mir der höchst musikalische Stefan Raab ein, den ich (im Fernsehen, was ich nicht gucke – ertappt!) mal mit diesem Teil akustische Wunderwerke vollbringen gehört habe.

Warum denke ich an Ukulele? Weil ich vor kurzem eine Einladung bekommen habe. Zu einem Ukulelenkonzert. Sie spiele seit einigen Monaten selbiges Instrument in einem, ja sowas gibt es, Ukulelenorchester, und sie habe demnächst ihr erstes Konzert, erfahre ich von meiner Bekannten.

Das hört sich sehr ungewöhnlich an, und ich erfahre noch, dass die Veranstaltung im Rahmen des jährlichen kulturellen Sommerprogrammes „Mainz lebt auf seinen Plätzen“ stattfindet. Das ich leider noch nie besucht habe.

Ich habe keine Idee, was mich da hinsichtlich Liederauswahl, Unterhaltungswert und musikalischem Anspruch erwartet. Ich erwarte „nichts“, lasse mich überraschen. Und das ist gut so.

Ein Feuerwerk an musikalischer Vielfalt, Spiellaune, Humor, Freude und Lebendigkeit füllt die kommenden knapp zwei Stunden. Menschen, „Amateur“-Musiker, aus nah und fern, die in den vergangenen drei Tagen in dieser Form zum ersten Mal zusammengespielt haben, tragen hier ein Programm vor, das vermutlich erst in diesen vergangenen 72 Stunden Gestalt angenommen hat.

Nicole und Sabrina brechen das Eis mit Oh Champs Elysées. Diesen Ohrwurm kennen vor allem die Älteren, auf deren Gesichtern ich ein Mitsummen wahrnehme. Mit dabei auf vorne auf der Bühne – den ganzen Abend über – der Michael, sozusagen die „1. Ukulele“ spielend.

Herbie aus Wiesbaden ist ein echter Stimmungsknaller mit seiner Interpreation von Liebeskummer lohnt sich nicht.

Wie jeder Club, der etwas auf sich hält, hat auch der 1. Ukuleklub eine Clubhymne, deren Original aus dem Holländischen stammt. (Der Link verweist auf die englische Version, und man kann dort auch den englischen Text nachlesen.) Wenn ich das recht verstanden habe, fordert Lydia die Uke-Spieler allüberall auf, doch „3x täglich“ auf dem Instrument zu musizieren.

Nachdem Johannes mit der Prinzen-Nummer Alles nur geklaut die Lust zum Mitsingen wieder angesprochen hat, wird es instrumental.

Stephan stimmt uns mit seiner akustischen Gitarre auf das Girl von Ipanema ein, die Mutter aller Bossa Novas, um dann mit Fahrstuhlmusik (ich weiß immer noch nicht, warum die so heißt…) unter dem Titel Strummer Max die Uke-Technik Strummen vorzustellen. Sehr vielseitig, was sich da akustisch herausholen lässt. Ja, und den Song for Anne, den mag ich auch, das ist ein wunderbarer Titel.  Leider habe ich ihn im Netz nicht gefunden. Und: Stephan und Michael sind auch als Strummermax duomäßig unterwegs.

Michael erklärt uns anschließend, dass wir gleich Begleitmusik aus der Konserve hören werden, die er selber vorher eingespielt hat, da er nicht mehrere Instrumente gleichzeitig spielen kann.  (Wenn ich nicht Blogautor wäre, sondern Blogautorin, dann würde ich vermutlich jetzt spötteln: Er ist halt ein Mann.) Sophisticated Hula heißt sein Titel.

Einfach spitzenmäßig, was in diesem Konzert von diesem Orchester so alles an Vielfalt geboten wird.

Szenenwechsel.

Andy und Michael verzaubern und berühren mit ihrem ausdrucksvollen Ti Amo. Der Link ist aus der Proben-Frühzeit und kommt nicht annähernd an die Konzert-Performance heran. Vielleicht werde ich ja doch noch Howard Carpendale Fan…

Es treten auf: Die Püppis aus Wiesbaden, Kostheim und Nackenheim. Kostheim? Mainz-Kostheim! Mainz-Kostheim? Wiesbaden-Mainz-Kostheim! Aber das ist eine andere, unendlich lange Geschichte. Ein Hauch von Laszivität schwirrt über die Bühne, als die Püppis  Bei mir bist du schön in die Mikros hauchen. Wenn ich jetzt die Augen schließe und nur das Rum And Coca-Cola HÖRE, dann will nicht das Gefühl aufkommen, dass da Amateur-SängererInnen und Amateuer-Uke-SpielerInnen unterwegs sind. Klasse!

Oh, was ist das? Püppi Nummer 3 zieht die Perücke aus und mutiert zu Jack Gutenberg und heizt den Bischofsplatz ein mit Hit the Road Jack.

Nun kommen die Blues-Fans auf ihre Kosten, u.a. auch ich: Floyd Blue aus Heidelberg spielt Blues, den ersten Song sogar mit Nasenflöte, ein Instrument, das ich bisher noch nie gesehen habe: Lord take me back oder so ähnlich heißt der Song. Auch nicht im Netz gefunden. L (Du siehst richtig: es gibt auch kursive Smileys. Ist ein trauriger Smiley überhaupt ein Smiley?)

Blues, sagt Floyd Blue, dreht sich immer wieder um die gleichen vier (!) Themen: Sonne, Regen, von Frau verlassen, Trinken, Bahnhöfe. Und mit dem Auto auf der Straße fahren. Und so begeistert er mich mit seinem Mercury Blues.

Lydia und Patrick geben eines meiner Kindheitslieblingslieder zum Besten, sie spielen und singen einen wunderbaren Ohrwurm von Paul Simon und Art Garfunkel: The 59th Street Bridge Song (Feelin’ Groovy).

Und dann, absolut der  Hammer, Blue Suede Shoes, Michael gibt alles, hin- und mitreißend.

Ich bin ja nicht wirklich ein Schlagerfan. Aber wie Patrick Buona Sera zum Besten gibt, da möchte man fast fragen, wo man die Platte kaufen kann… Das gleiche gilt für den gute-Laune-machenden Mambo Italiano. Und seine Ukulele ist so eine schöne Mandolele…

Ohne irgendetwas an diesem Konzert schmälern zu wollen, aber Katharina mit ihrer Geige und Dirty Old Town, da hätte ich noch stundenlang mehr von hören können. Genial!

Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Rapperfreund oder Hip Hop Fan bin. Aber ich mag selbstverständlich auch diese Musik, wenn sie aufrichtig vorgetragen wird, mit Leben, Freude, Lust und Laune. Dass er ein Schalk ist, dass er nur Lächeln muss und ALLE, wirklich ALLE Lächeln, Lachen und sind erwartungsfroh, das weiß der Sebastian. Und die Hip Hop Nummer Jein ist superdupertoll, ich kenne das Original nicht, es kann nicht „besser“ sein. Lächel. (Hm, okay, Fettes Brot gehört nicht zu meinem aktiven Hörschatz.)

Am Ende kommt es, wie es kommen muss. Wir Zuhörer müssen auch ran. Schenk mir ein Pony heißt das sozialkritische Lied (in den 60er Jahren mussten Lieder sozialkritisch sein, sonst waren sie nicht akzeptabel; zumindest die deutschsprachigen Lieder, die englischen haben wir ja eh nicht verstanden), das Sebastian mit uns einstudiert. Zuerst müssen wir „Pony, Pony, Pony“ singen, wenn wir das Zeichen bekommen, danach dann „Ein Pony wünsch ich mir“. Ach war das wunderbar, mit Dir, Sebastian, mit Euch, liebes  1. Ukulele-Orchester, das Pony-Lied zu singen.

Zum Abschluss will sich das Ensemble verabschieden mit der schönen Mainz-Hymne: Im Schatten des Doms. Wer textsicher ist, singt auch freudig mit.

Verdienter Applaus nicht nur auf offener Szene und nach jedem Titel, sondern jetzt noch mal ganz Dicke für diesen schönen Abend.

Zugabe? Nein, sie haben alles gespielt, was sie für heute geübt haben. Deshalb ertönt zum Abschluss noch einmal, womit dieser wunderbare Abend angefangen hat: Oh Champs Elysées.

Mainz hat wunderbar viele wunderbare Seiten. Dieses Konzert, das hoffentlich auch im nächsten Jahr wieder eine Neuauflage bekommt, und sein Orchester sind weitere hörenswerte Saiten…

© Ulf Runge, 2012

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    DA wäre ich aber gerne dabei gewesen, hätte ich es nur gewusst…… *schunzel*
    DANKE für Deinen ausführlichen und schönen Beitrag….
    liebe Grüße
    Erika 🙂

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  2. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,
    nächtes Jahr, um die gleiche Zeit. Wenn nichts dazwischen kommt. Das war bereits der dritte Auftritt im dritten Jahr…
    Ich habe mir das bereits mit Bleistift in Outlook notiert…
    Liebe Grüße,
    Ulf

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  3. Nicole sagt:

    Schöner Artikel und danke für die Blumen lieber Ulf! Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Du zum Konzert gekommen bist und natürlich nochmehr darüber, dass es Dir mit uns so gut gefallen hat.
    Liebe Grüße
    Nicole

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  4. Inge sagt:

    Hallo Ulf,

    das hast du schön geschrieben!! Soviel Lob. Vielen Dank.
    Im nächsten Jahr vielleicht mit auf der Bühne?! Lg Inge aus mainz-Kostheim/Hessen ;o)

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  5. Ulf Runge sagt:

    Liebe Nicole,
    diese Blumen habt Ihr Euch auf wunderbare Weise verdient.
    Nächstes Jahr plane ich wieder dabei zu sein. Ob ich Inges Angebot annehmen werde, grins,
    weiß ich noch nicht. Manchmal wird aus einem Scherz ja Ernst…
    Liebe Grüße,
    Ulf

    Liebe Inge,
    Du meinst mit einer Ukulele? Lächel. Schöne Vorstellung…
    Liebe Grüße zurück nach AKK…
    Ulf

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  6. Vielen Dank für diese tolle Zusammenfassung…. !!!!

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  7. IngeG sagt:

    Hallo Ulf,
    Du erhälst auf aufgrund Deines „Fan-Status“, jetzt und hier die Einladung zu „Mainz lebt auf seinen Plätzen“.
    Termin : Donnerstag der 14.08.2014, 19:00. Wir freuen uns, wenn Du wieder dabei bist.

    LG Inge und IngeG :o) :o)

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Inge, liebe Inge,
    danke für die Einladung, der Termin ist notiert.
    Ich freue mich aufs nächste Mal.
    Liebe Grüße,
    Ulf

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