Provençalische Splitter – Parlez Vous Wiebitte?

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 Leben 905 – Sonntag, 15.07.12

Provençalische Splitter – Parlez Vous Wiebitte?

Franzosen sprechen französisch. Französisch. Französisch. Sonst nichts.

Kein Englisch. Kein Deutsch.

Und selbst, wenn sie es könnten, Ihr Stolz würde es nicht zulassen. Sollen die anderen doch Französisch lernen.

Woher dieses Vorurteil kommt?

Womöglich aus der Zeit, als die Grande Nation Weltmacht war. Kolonialmacht. Bereit dazu, als Weltpolizist Verantwortung zu übernehmen. Wer weiß.

Die junge Dame, die in Cucuron im Café bedient, beschämt mich mit ihren sehr guten Deutschkenntnissen. Ich dagegen spreche zur meiner Schande Französisch nur un petit peu („eine bisschen“).

In dem Knabenlyzeum, in dem ich zur Schule ging, und an dem ich Lateinisch, Englisch und Altgriechisch lernen durfte, gab es genau eine Chance, an Mädchen „ranzukommen“. Der dritte Bildungsweg war gerade neu etabliert, ein Teil der Jungen-Toiletten war frisch zu Mädchen-Toiletten umgebaut worden, und sogenannte F-Klassen, Förderklassen, wurden parallel zu unseren Klassen neu eingerichtet. Koeduzierte Klassen. Also Jungens UND MÄDELS!

Und dann gab es die Französisch-AG. Die war offen für F-Klassen. Und für UNS.

So genau weiß ich das nicht, ob das eine einjährige oder zweifährige AG war. Die Sprache war (und ist) interessant und schön anzuhören und, wenn man es kann, auch schön zu sprechen, allein die blöden Akzente nehmen einem den Spaß am Schreiben. Na ja, und den Unterricht gemeinsam mit Mädels, den fanden wir Jungs schon prickelnd.

 

Ich frage den Olivenholzschnitzereienverkäufer, was seine Ware kostet. Worauf er mir in bestem Deutsch die Preise nennt und mich nach meiner Herkunft in Deutschland fragt. Ich frage ihn, woher er so gut Deutsch kann, schließlich ist er ein paar Tage älter als ich. „Oh sagt er, das war die Zeit, als Adenauer und de Gaulle die Deutsch-Französische Freundschaft geschmiedet haben. Da haben wir alle Deutsch als erste Fremdsprache gehabt.“

Also. Weg mit den blöden Vorurteilen. Abbitte leisten. Und vielleicht die Franz-Kenntnisse aufmöbeln. Etwa durch einen Aufenthalt in der Provençe.

© Ulf Runge, 2012

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