Bedürfnisse

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Leben 888 – Freitag, 01.06.12

Bedürfnisse

Ich betrete den Elektronik-Laden. Verlange nach einem ungewöhnlichen Artikel. Ein Headset, also einen Kopfhörer mit Mikrofon. Ungewöhnlich, weil ich keine Klinkenstecker zum Anschließen möchte, sondern einen USB-Anschluss. So ein Headset ist wohl kein gängiger Artikel.

Während bei dem Wort Headset noch die Augen der mich bedienen wollenden Person leuchten, bekommen sie einen rastlosen Ausdruck, als ich „aber mit USB-Anschluss“ hinzufüge.

Nee, da ist wohl nichts Entsprechendes da, stellen wir beide fest, als wir das dafür denkbare Regal durchgesucht haben. Er könne versuchen, mir so ein Teil zu bestellen. Ich bedanke mich, will es aber erst mal woanders versuchen.

Nächster Laden. Ich äußere erneut meinen Kaufwunsch. Auch hier suchen wir gemeinsam das Regal ab. Fehlanzeige. Ich könne es ja noch in der Kopfhörerabteilung dahinten versuch.

Frustiert gehe ich zum Ausgang.

Als ich mir die Frage stelle: Haben mich die beiden Verkäufer eigentlich danach gefragt, was ich WIRKLICH brauche? Habe ICH MICH das wirklich schon gefragt?

Was brauche ich denn wirklich?

Eigentlich ist ja mein Audio-Eingang am Laptop kaputt. Und den zu reparieren lohnt sich bei dem Alter des PCs nicht. Und da denke ich mir, dann kaufe ich einen Kopfhörer mit USB-Anschluss.

Das ist aber nur eine mögliche Lösung, denke ich mir. Wie wäre es, wenn es einen Adapter gäbe, der Klinkenstecker auf USB umsetzt. Dann könnte ich mein bisheriges Headset weiterbenutzen…

Ich gehe noch mal zu der Dame. „Ja natürlich gibt es sowas. Das ist bloß nicht nur ein Adapter, sondern auch noch gleich eine Soundkarte auf einem USB-Stick.“ Und der Preis liegt im Rahmen dessen, was mich ein Headset gekostet hätte. Sie lächelt, weil sie mir doch noch helfen konnte. Ich lächle, weil ich mich nach meinen Bedürfnissen gefragt habe und nicht auf einer einmal angedachten Lösung bestanden habe.

Wir könnten im Umgang mit unseren Kunden noch viel erfolgreicher sein, wenn wir  noch häufiger nach dem DAHINTER fragen würden. Was ist das tatsächliche Bedürfnis, das mein Kunde, mein Auftraggeber, mein Chef, mein Gegenüber hat?

© Ulf Runge, 2012

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