Die Botschaft

am

Leben 853 – Montag, 21.05.12

Die Botschaft

 

Sie war eines Tages da. Völlig unerklärlich. Und total unerklärbar. Von heute auf morgen. Genau drei Stunden hinter der Sonne lief auf gleicher Bahn, ja was soll ich schreiben, eine zweite Sonne? Eine Sonnenkopie? Eine falsche Sonne? Oder war es genau umgekehrt, nämlich dass die zweite die echte war? Was heißt war? Ist, muss ich schreiben.

Seit drei Monaten ist sie da. So, als wäre es schon immer so.

Nachdem die erste Panik verflogen war, die Militärs die Raketensilos wieder geschlossen hatten, ohne eine Flugkörper auf das unbekannte, neue Himmelsobjekt abzuschießen, begannen die Pflanzen, Tiere und Menschen das zu tun, was ihnen als einziges übrig blieb: Akzeptieren, dass es so ist, wie es ist.

Kein Talk-Show ohne Physiker und Astronomen. Die um drei Stunden verlängerte tägliche Helligkeit rief große Freude bei allen hervor, die im Freien beruflich oder entspannungstechnisch unterwegs sind.

Bei der Gesellschaft für korrekte Zeitmessung entbrannte sich eine bis heute nicht enden wollende Diskussion, ob der Begriff „12 Uhr Mittag“ neu definiert werden müsse. Es wurde der Vorschlag gemacht,  dass es dann Mittag sein solle, wenn beide Sonnen den geringsten Abstand zum Himmelsmittelpunkt hätten.

Angesichts der Tatsache, dass sich ja die Erde um die Sonne dreht, kam die Frage auf, ob das, was wir das sehen, überhaupt möglich sein könne, und ob man nicht doch lieber zur alten Vorstellung zurückkehren wolle, dass die Sonnen (jetzt also beide) sich um die Erde drehen.

Aus der IT kam ein pragmatischer Erklärungsvorschlag. Nämlich, dass die zweite Sonne nur temporär zur Verfügung gestellt worden sei, und dass die Original-Sonne jetzt möglicherweise wegen einer anstehenden Wartung und Inspektion mal kurzfristig runtergefahren werden müsse…

In den USA entstand in Lauffeuergeschwindigkeit die IGNORE-Bewegung, deren Ziel es war, das neue Phänomen schlicht und ergreifend nicht wahrzunehmen. Zeitungen oder TV-Sender, die die zweite Sonne darstellten, wurden boykottiert und mit Schmäh-Mails bombardiert.

Die GEMA prüfte unmittelbar und sofort, ob man jemanden wegen Urheberrechtsverletzung ausmanchen könnte. In Bayern wurde der Sonnen-Soli eingeführt, eine 5 Prozent auf Alles Steuer, um schon mal vorher Geld in der Staatsschatulle zu haben, für irgendwelche etwaigen negativen Auswirkungen des Zwei-Sonnen-Phänomens.

In Japan kam es zu politischen Zerwürfnissen und Neuwahlen wegen des Vorschlags, die Staatsflagge so abzuändern, dass sie ab sofort zwei Sonnen zeigt.

Warum ich diesen Artikel heute schreibe? An dem das Phänomen nun schon 90 Tage lang existiert und inzwischen als normal gelten kann?

Weil heute folgender Text mehrsprachig unter der 2. Sonne zu lesen war: „Besser als ne zweite Sonne, ist ein Herz von Freud und Wonne! Hast Du eine Sonne im Herzen, wirst du das TESTENDE verschmerzen…“

Und weg war sie, die 2. Sonne. Was bleibt ist die Botschaft.

Eine wunderbare Lyrik zu dieser Botschaft findest Du hier.

© Ulf Runge, 2012

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ulrike sagt:

    Lieber Ulf,

    wunderschön geschrieben … einfach herrlich … so am frühen Morgen!

    Mit Sonne im Herzen (auch dank Deines Beitrags),
    Ulrike

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  2. Ulf Runge sagt:

    Liebe Ulli,

    herzichen Dank für Deinen lieben Kommentar. Da sind sozusagen zwei Sonnen am frühen Morgen aufgegangen bei Dir…

    Lächelnde Sonnengrüße,
    Ulf

    Gefällt mir

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