U – das ist Udo. U, U2, U3

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Leben 831 – Mittwoch, 04.04.12

U – das ist Udo. U, U2, U3

 

U – das ist Udo.
U2 – das ist, wenn der Ulf zum Udo geht.
U3 – das ist, wenn der Uwe mit dem Ulf zum Udo geht.

Man soll Dinge nicht wiederholen und glauben, dass es genau so wird, wie beim ersten Mal. Stimmt, kann ich nur sagen.

Das erste Udo Lindenberg Konzert meines Lebens, das ich am 11. März 2012 in der Festhalle in Frankfurt am Main erleben durfte, dieses Konzert war fesselnd, packend, berauschend, immer wieder überraschend für mich. Atem raubend.

Vorgestern, am 2. April 2012 durfte ich dem Abschlusskonzert von Udos Tournee in der Kölner Lanxess Arena beiwohnen. Es war genau so gut wie vor drei Wochen. Aber diesmal war ich anders überwältigt, weil ich die Titelliste kannte, mir inzwischen die Unplugged Doppel-CD gekauft und mindestens einmal am Tag reingezogen hatte. Und inzwischen die Texte auswendig mitsingen konnte. Dieses Mal genoss ich es, bei allen Songs die vielen Spielarten und künstlerischen Facetten zu entdecken, die mir beim ersten Konzert entgangen waren.

Für mich war Udo vom Radiohören her ein Nette-Lieder-Singer geworden (Horizont, Ein kaputtes Herz, Ich lieb Dich überhaupt nicht mehr). Und wenn ich genau hinschaue und hinhöre, insbesondere seinem Panikorchester lausche, dann rockt hier die Oberklasse des Deutschrocks. Da erklingt ein sowas von Rock-Sound, den ich locker den Rolling Stones zugerechnet hätte, ganz besonders bei „Straßenfieber“.

Die Show ist aufwändig, aber nicht überzogen, und artistisch vielfältig, etwa wenn eine Luftkünstlerin bei „Cello“ selbiges Instrument kopfüber in der Luft hängend liebevoll behandelt. Oder der Vampir eine kurze Bühnenwechselauszeit von Udo durch Tuch-/Seilakrobatik beeindruckend überbrückt.

Gut, dass die Tournee zu Ende ist. Sonst würde ich nämlich noch ein drittes Mal gehen.

Gut, dass die Tournee zu Ende ist. Jetzt dürfen die Techniker aus dem Audio- und Video-Material eine tolle Live-CD und oder Live-DVD zaubern. Hoffentlich nicht erst zu Weihnachten…

Bis dahin vergnüge ich mich mit den Titeln von Unplugged und Live-Musik aus der 2008er Tournee, die im Internet verfügbar ist.

Einige Songs von Unplugged kann man sich bei MTV (7 Titel) und bei MTV (30 Titel) ansehen.
(In der Leiste, in der die 7 bzw. 30 zu lesen ist, auf das Symbol dahinter klicken, dann öffnet sich ein leicht bedienbares Menü für alle hier verfügbaren Titel.)

Und auf der Udo Lindenberg Homepage findest Du alle Texte zum Mitsingen…

Hier noch kurz die Songs des Abends mit dem wichtigsten Gedanken, der mir jeweils dazu eingefallen ist.

01. Odyssee – Udo schwebt mit dem Zeppelin herein, ein echter optischer Knüller; und mit den finsteren Zeilen dieses Songs macht Udo gleich klar, dass heute nicht nur Party angesagt ist, sondern auch Nachdenken, Ananderedenken, Nachvornedenken.

02. Mein Ding – DAS IST MEIN LIED, auch wenn ich nie im Kempinski in die Präsidentensuite wollte. Aber mein Ding mache ich auch. Das sollte jede und jeder von uns tun. Ich liebe die Wortschöpfung „Schwachmaten“…

03. Boogie-Woogie-Mädchen – Eine nette Reminiszenz an frühere Zeiten

04. Ganz anders – Wow,ja, das ist die Geschichte vom Andersseinwollen und Nichtdamitanfangenkönnen. Absolut witzig getextet und schwungvoll vertont.

05. Cello – Schmelz. Den kann ich immer wieder hören, obwohl der Radioäther voll davon ist….

06. Sie brauchen keinen Führer – Ein zeitloser Text. Ein Lied, das uns immer wieder aufs Neue wachrütteln soll, den Feinden von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit Paroli zu bieten. In unserem eigenen Umfeld darauf zu achten, dass wir nicht mit Worten und Duldung das Feld für die bereiten, die mit Niedertracht und Feigheit andere unterdrücken und misshandeln wollen. Und ein bärenstarker Rocksound noch dazu…

07. Was hat die Zeit mit uns gemacht – Von der Hilflosigkeit, vor der man bei einer gescheiterten, durch Schweigen und Streit getöteten Liebe steht. So intensiv gesungen. Das geht nicht links rein und rechts raus. Das geht nur ins Herz hinein.

08. Ich lieb’ Dich überhaupt nicht mehr – Nochmal schmelz. Genialer Text. Klasse Melodie. Ach und noch was: Von wegen Udo kann nicht singen oder so: Udo singt wunderbar einfühlsam, ehrlich und melodisch. So, das musste auch mal raus.

09. Höllenfahrt – Ein Rocktitel, na gut. Der Text, der vom „verheizten“ Rockstar handelt: Zeitlos. Und so sehen wir auf der Leinwand Fotos, Namen und Todesdaten von Musikgrößen, die zu früh gingen. Janis Joplin hätte noch rein gepasst in die Liste. Ob ich Freddie Mercury übersehen habe, weiß ich nicht. In Erinnerung bleiben mir Keith Moon von The Who, Jim Morrison von den Doors, Jimi Hendrix, Michael Jackson, Amy Winehouse und „hochaktuell“ Whitney Houston. Alle unsterblich durch ihr musikalisches Schaffen.

10. Nimm Dir das Leben – Ein toller Titel! Sollte man sich immer dann reinziehen, wenn man nicht mehr mag. Eine wunderschöne Kritik zu diesem Song findest hier…

11. Leider nur eine Vakuum – Ein typischer Udo L Text, eine Milieu-Studie, vom Dabeiseinwollen, Dazugehörenwollen, Auslebenwollen. Toller Rhyhtmus-Wechsel bei der musikalischen Umschalte in den die Madman-Discothek…

12. Meine erste Liebe – Dieses Lied schleicht sich an, Du fragst Dich, wo die Melodie bleibt, bist irritiert über den musikalischen Nebel, der sich vor Dir ausbreitet, bis ein musikalisches Inferno durch Udos Gesangspartnerin ausbricht. Sehr gefühlvoll…

13. 0 Rhesus Negativ – Für mich der belangloseste und zugleich witzigste Text. Coole Inszenierung. Udo, toll!

14. Straßenfieber – Ein zeitloses Lied über die Skrupellosigkeit all derer, denen bei ihren schmutzigen Geschäften die Moral einen Scheißdreck wert ist. Ich höre die Rolling Stones bei diesem tollen Sound. Udo, Ihr habt es voll drauf! Schön, dass der Bundeswulff aus aktuellem Anlass (fehlendes Gespür für das, was eine Vorbildsfigur auszeichnet) auch noch in dieses Video mit reingerutscht ist.

15. Wozu Kriege da sind – Wunderbar gesungen von Kids on Stage. Wenn Du diese Kinder fragen hörst, wozu Kriege da sind, dann fällt es Dir schwer, eine Antwort zu finden.

16. Mädchen aus Ost-Berlin – Oh ja, da sind sie wieder, die Erinnerungen an russische Panzer, an Atombomben auf Deutschland, Starfighter, die für den Frieden die Schallmauer durchbrechen und wie Fliegen vom Himmel fallen, auf Pershing-Raketen und Nato-Doppelbeschluss, Neutronenbombe, Peter Fechter, Hammer und Sichel, SBZ, DDR-Gänsefüßchen. Toll, die Orignalfilmaufnahmen von Udo und seiner Liebe, die auf der Leinwand vorbeiziehen. Schön, dass die Unrechtsmauer gefallen ist, dass die „Bürger der DDR“ so mutig waren, ihren Freiheitswunsch unter Gefährdung ihrer Gesundheit und ihres Lebens durchzusetzen; auch wenn wir nicht den gemeinsamen deutschen Staat auf Augenhöhe gemacht haben…

17. Gegen die Strömung – MEIN LIED, GLEICH NACH „MEIN DING“ – Dieses Lied strömt so viel Lebensgefühl aus. Und ist einfach nur toll gesungen von Udo und Josephin Busch. (Macht Appetit auf das Musical am Potsdamer Platz.)

18. Honky Tonk Show – Gut gemachte Rockmusik.

19. Der Greis ist heiß – Ein witziger, despektierlicher Text mit klasse Rockmusik. Die Bühnendarstellung der Greise u.a. mit ihren Rentnerferraries, dürfte polarisierend sein. Grins.

20. Stark wie zwei – Das war der Augenblick im ersten Konzert, als ich beschloss, dieses  Konzert, ja das will ich noch mal hören, sehen, erleben und zwar mit meinem Bruder, wir beide lebend, bevor einer von uns diesen Blues singen muss. Denn dieses Lied „Stark wie zwei“ hat Udo Lindenberg seinem verstorbenen Bruder Erwin gewidmet. Zieh Dir den Text rein. Er ist Balsam für die, die sagen müssen: „Du bist wie schon so oft ein Pionier, Du reist jetzt schon mal vor und irgendwann, dann folg’ ich dir“…

21. Horizont – Vermutlich der hitparadentechnisch erfolgreichste Song von Udo. Ein Lassdichnichtunterkriegenlied. Bärenstark. Wie oft habe ich mir schon gesagt, „Hinter dem Horizont geht’s weiter, ein neuer Tag!“ Diese Worte sind Gebet.

22. Bis ans Ende der Welt – So eine schöne Liebeserklärung, so ein wunderbares „oh, Babe, Babe“. Und in Köln darf der Text natürlich abgewandelt werden: Da heiratet Udo in Panik-Manier im Kölner Dom.

23. Sonderzug nach Pankow – Das habe ich gesungen, als noch kalter Krieg war. Und jetzt ist das alles gestern. Die schönste Stelle für mich damals und heute, an der der Honni heimlich aufem Klo Westradio hört.

24. Andrea Doria – Das ist für mich eine der ersten Erinnerungen an Udo. Onkel Pö und die Rentnerband, selber schuld, wer das nicht kennt.

25. Zum Schluss wird noch mal abgerockt. Candy Jane heizt die fast ausverkaufte Halle noch einmal total ein. Stoneswürdiger Titel.

ÜBERRASCHUNG. Anders als in Frankfurt (oder habe ich das verschlafen? glaube ich nicht) spielt der Udo die Reeperbahn in der 2011er Version. Geile Meile. Ja ja ja.

27. Goodbye Sailor – Abgang mit Luftschiff. Das dann in Schutt und Asche fällt. Ohrwurmiger Abgang. Nicht enden wollender Abgang.

„Jetzt stehen wir hier schwer bemüht, dass der andere keine Tränen sieht.“

„Doch weißt Du, was das Größte ist, dass Du echt mein bester Freund geworden bist.“

„Sowas kriegt Du nie wieder aus’m Herzen heraus.“

Und jetzt kullert eine Träne, die nicht gesehen werden will.

Da magst Du absolut noch nicht nach Hause gehen….

Ich danke Udo Lindenberg und dem Panik-Orchester, ich danke Nathalie Dorra, Josephin Busch und Clueso, Kids on stage, sowie den anderen Künstlern für diesen tiefgehenden Abend.

Ich höre Euch hoffentlich bald wieder auf CD undoder DVD. Bis dahin halte ich Euch fest in Kopf und Herz…

© Ulf Runge, 2012

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. arachno sagt:

    Und wo sind „Rudi ratlos“ und „Elli Pirelli“ ? Schon gestorben ?
    Egal, klasse Bericht von Dir, Ulf. Da werden alte Zeiten wieder wach 🙂

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  2. andrea2110 sagt:

    … und wieder jagt eine Gänsehaut nach der anderen über meinen Rücken, lieber Ulf – die Krönung wäre nur noch gewesen, wenn wir uns bei diesem Feuerwerk an Musik einmal live kennengelernt hätten… Die Tournee ist komplett vorbei? Also bei der nächsten bin ich dann aber wirklich dabei…! Liebe Grüsse von Andrea (nicht Doria:-) )

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  3. Ulf Runge sagt:

    Lieber Roland,

    Rudi Ratlos und Elli Pirelli waren nicht dabei. Bei 27 Nümmerchen, die der Udo da gespielt hat, darf man dankbar sein, dass so ein vielfältiger Streifzug durch seine musikalische Breitbandigkeiten und durch seine zeitliche Entwicklung in dieser Qualität dargeboten wurde…

    Elli Pyrelli, die ziehen wir uns jetzt hier rein.

    Und Rudi Ratlos, bitteschön, gerne hier.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    man kann nicht alles haben…

    So fit, wie der Udo war, kann das nicht seine letzte Tour gewesen sein…

    Wir sehen uns bei Udo 2013?

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. Hase sagt:

    Lieber Ulf,

    danke für deinen zweiten Udo Bericht…. Du bist ja ein richtiger Fan geworden…..
    Deine Begeisterung ist in Deinen Zeilen spürbar , der Bildschirm vibriert gradezu…..
    Vielleicht sollte ich ihn auch einmal live erleben, damit ich meine Meinung ändere ?????

    liebe Grüße
    Erika

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    Du wirst Deine Meinung ändern. Udo könnte Dich zur Rockerin machen.

    Lächelnd schunzelnd lachende Grüße,
    Ulf

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  7. Hase sagt:

    😉

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  8. 10uta02 sagt:

    Hallo Ulf, ich kann dir nur zustimmen – habe auch vor kurzem das erste Udo-Konzert meines Lebens erleben dürfen, in der TUI Arena in Hannover, es war wie du es auch beschrieben hast, absolut toll! Das Panikorchester rockt total, aber ich muss gestehen, ich mag besonders seine Liebeslieder… klar, die Musik ist sehr melodisch, eingängig, aber nicht unbedingt schnulzig, die Texte irgendwie sehr ehrlich, einfach, originell, gehen unter die Haut. Und man darf nicht vergessen, dass der gute Udo auch nicht mehr der Jüngste ist – also, alle Achtung, was der da noch für ein Programm auf die Beine stellt!
    Danke übrigens für die Verlinkung, fühle mich sehr geehrt… 😉
    LG aus Ostwestfalen! Uta

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Uta,

    seine Liebeslieder sind ja auch wirklich genial getextet, echte Ohrwürmer und doch ganz anders als die üblichen Liebesschnulzen…

    Ja, der ist absolut gut drauf, der Udo. In meinen Konzerten war er voll fit, man merkt, dass er jeden Morgen schwimmen geht.

    Du hast einen tollen Blog, sehr lesenswert!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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